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PAGANFEST 2010

Ort: Wien - Gasometer

Datum: 27.02.2010

FINNTROLL – ELUVEITIE – DORNENREICH – ARKONA – VARG

Es war wieder mal Pagan Time im Wiener Gasometer und da die eine oder andere Schlacht der Tournee bereits geschlagen worden war, sickerte dank moderner Medien einiges an Information bereits vor dem Wien-Gig durch. Trotz Meldungen wie: „Der eine war doch schwach“, der andere dafür der absolute Renner, da passte der Sound nicht, dort die Bühnenshow“ usw…, zog ich wertfrei in die Samstag-Abend Battle von Wien. Immerhin zählen die Mitstreiter zur Crème de la Crème in der Folk & Pagan Metal Szene. Die Rede ist von FINNTROLL, ELUVEITIE, ARKONA und VARG. Bereichert wurde das Billing durch die Dark Ambient Metaller von DORNENREICH.

Aller Anfang ist schwer. Unter diesem Motto mussten die Wölfe von VARG ran! …“wir sind zurück…“ schallte es pünktlich aus den Boxen. “Viel Feind, viel Ehr” war somit der erste Song, der ebenso als Opener auf der neuen Rille „Blutaar“ zu hören ist. Gut eine halbe Stunde folgte ein Mix aus den Alben „Wolfszeit“ und „Blutaar“. Die „Südfront Germania“ präsentierte somit das, was man sich von ihnen erwartet hatte: „Beinharten Viking Metal“! Leider war die Halle bei VARG nur zur Hälfte gefüllt und die Stimmung war Anfangs etwas enttäuschend. Da bin ich schon besseres vom Wiener Publikum gewohnt. Dass diese gegen Ende des ersten Sets besser wurde, war sicher der Verdienst der Jungs aus Bayern, die auch die erste „Wall of death“ einläuteten. Passabler Auftritt, der für mich persönlich zu wenig vom Publikum honoriert wurde.

Beim zweiten Part füllt sich die Halle das erste Mal. Der Grund lag auf der Hand bzw. auf der Bühne. Masha alias Mrs. ARKONA war an der Reihe und fegte gleich mal los, dass die Bretter nur so wackelten. Trotz eines kleinen Hoppala gleich zu Beginn, ließ sich die selbstbewusste Russin nicht aus der Ruhe bringen. Der Ton war für einige Sekunden abhanden gekommen, was klarereweise bei dem dynamischen Auftritt von Masha mit Mikro wild gestikulierend, aber ohne Ton für den einen oder anderen belustigend war. Nur kurz, dann ging es ernst und brutal zur Sache. Und es bestätigte sich während des Auftrittes, was man schon oft gehört hat. ARKONA ist Masha, bzw. Masha ARKONA. Egal wer da noch auf den Brettern steht, die Blicke und die Aufmerksamkeit gehören ihr. Was keineswegs die Leistung der drei restlichen Musiker schmälern soll. Speziell Stücke vom neuen Album „Goi, rode, goi!!!“ wurden zum besten gegeben, welches für mich das bisher beste in der Ära ARKONA ist, aber auch Titel von älteren Werken wie „Vo Slavu Velikim“ und „Ot serdka Nebu“. ARKONA zeigten an diesem Abend in erster Linie, dass sie eine Live Band sind. Die Mischung aus Black/ Pagan Metal und folkloristischen Klängen sowie Mashas exzentrischen Screams, die fast männlicher Natur sein könnten, um im gleichen Atemzug wieder heroisch und anmutig zu klingen, versetzten die Hörerschaft in eine Welt aus Wildheit, Schönheit und zugleich Grausamkeit. Das war Paganismus pur und das Publikum applaudierte zurecht für einen tollen Auftritt.

Nach solch einer geballten Ladung Energie hat es der darauffolgende Act nicht leicht. Noch dazu waren DORNENREICH an der Reihe, sozusagen die Exoten in dem Folk/ Pagan Billing. Meine Befürchtung war aber eher die große Halle, also das fehlende Ambiente einer kleinen düsteren Location, die genau das unterstreicht, was die Tiroler Künstler ausmacht. Ich hatte ja bereits im Herbst das Vergnügen, DORNENREICH in der wesentlich kleineren Szene Wien zu erleben. Es war ein phantastisches Konzert. Dass es diesmal anders werden würde, war mir klar. Doch siehe da, DORNENREICH beeindruckten mich auch an diesem Abend, trotz der genannten Handicaps. Sie scheuten sich nicht, akustisch zu beginnen, ehe natürlich der Rest metallisch aufgezogen wurde. Was mich noch mehr beeindruckte, war die Tatsache, dass das Publikum voll mitging – natürlich anders als bei ARKONA oder VARG, doch die Dornen schafften es ebenso in der großen Halle eine gewisse Spannung aufzubauen und sogar die jüngsten Zuseher andächtig in ihren Bann zu ziehen. Stücke wie “Trauerbrandung”, “Eigenwach” oder “Wer hat Angst vor Einsamkeit” vom Meisterwerk „Herr von welken Nächten“ taten das ihrige dazu. Es gibt Musiker und es gibt eben Künstler wie Dornenreich. Und obwohl Eviga und Inve in kleineren Räumlichkeiten besser aufgehoben sind, haben wir an diesem Abend eine eigentlich wie immer anspruchsvolle musikalische Darbietung miterleben dürfen.

Die Zeit war dann reif für die Schweizer Folk Metal Götter ELUVEITIE. Meister der Mannigfaltigkeit, Vertreter des keltischen Kulturerbes, Mitgründer des Celtic Folk Metal und noch vieles mehr kann man den Eidgenossen umhängen – sicher jedoch keine Schublade. Dafür präsentiert sich die Combo zu kreativ – sowohl auf CD, als auch Live. Und das sollten sie auch heute im Wiener Gasometer unter Beweis stellen. Fast schon Stammgast in der Donaumetropole, zeigten sie heute wieder ihre Stärken im vollen Umfang. Und diese liegen eindeutig auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Egal ob Chrigel mit seinen Death Screams, Meri auf der Violine, Anna mit der Drehleier und der zweiten Stimme, Merlin, Päde, usw. alle spielten sie heute in Hochform. Der Funke sprang sofort auf die Fans über und die Halle kochte. Ein wunderbares Miteinander. Songs aus allen Metal-Alben (“Spirit”, “Slania”, “Everything Remains”) und sogar aus dem Akustik Tonträger „Evocation I: The Arcane Dominion“ wurden zum Besten gegeben. Egal ob zu Hits wie “Your gaulish war”, “Of Fire, Wind & Wisdom” und “Primordial breath” oder den fast schon kommerzlastigen Songs wie “Inis Mona” oder “Thousandfold”, jeder einzelne Titel der Schweizer kam bei der Hörerschaft an. Am Ende des Gigs hatte nicht nur ich das Gefühl, das beide Seiten alles gegeben haben und den Auftritt in vollen Zügen genossen haben. Danke ELUVEITIE, danke an das tolle Publikum.

FINNTROLL hatten da natürlich keinen leichten Stand – zudem ging es gen Mitternacht und die Anwesenden waren schon ziemlich müde, auch dank der bisherigen Darbietungen. Doch wer die Trolle aus dem hohen Norden schon mal live gesehen hat, der weiß, dass sie nicht enttäuschen, ihr Ding durchziehen und cool bleiben. Und genau so war es auch an dem bereits späten Abend. Nicht mehr oder weniger. Die Finnen boten eine ansprechende Leistung, krönten sich aber nicht zum Höhepunkt in dieser Nacht. Gut wie angesprochen, waren viele schon bettreif und daher kam auch die Stimmung nicht so rüber wie bei ELUVEITIE. Allerdings mit zwei Ausnahmen. Beim Live Knaller “Trollhammaren” (diese Nummer ist einfach Kult) und bei der neuen Live Hymne “Solsagan”, die dem Hörer sicher schon auf der neuen CD „Nifelvind“ ins Ohr gegangen ist. Fazit für die Finnen, kühl und trocken, wie sie es gewohnt sind: Es war „OK“! Lasen wir alle Parts des Paganfestes in Wien Revue passieren, waren die eindeutigen Sieger ELUVEITIE und ARKONA, DORNENREICH trotz unpassender Location für ihre Musik überraschend gut, VARG und FINNTROLL solide. „Rock the Nation“ hat uns ein super Billing zusammengestellt, welches uns heute nicht enttäuscht hat.

Copyright Fotos: Erich Wallner

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