Konzert Filter

PAGANFEST 2012

Ort: Herford - X

Datum: 19.03.2012

ELUVEITIE – PRIMORDIAL – NEGURĂ BUNGET – HEIDEVOLK – SÓLSTAFIR

Die Heiden sind los! Kurz nach dem Tourauftakt mit drei Extended Wochenend-Shows (plus KORPIKLAANI/ EQUILIBRIUM/ ALESTORM) in Oberhausen, Stuttgart und Tilburg enterte der Tross nunmehr auch Ostwestfalen. Trotz abgespecktem Programm war der Startschuss mit 18:30 Uhr natürlich immer noch äußerst früh angesetzt, dazu noch auf einem Montag. Wer denkt sich eigentlich so etwas aus???

Dementsprechend überschaubar war die Halle gefüllt, als den vier Isländern von Sólstafir die etwas undankbare Aufgabe des Openers zukam. Immerhin hatte man als erste Band des Abends aber knapp 40 Minuten Spielzeit zugestanden bekommen, was sich allerdings bei dem zuletzt veröffentlichten Doppelalbum „Svartir Sandar“ mit teils überlangen Kompositionen recht schnell relativiert. Von diesem aktuellen, progressiv-psychedelischen Viking Rock Werk präsentierte die Truppe auch gleich die ersten drei Stücke, denen besonders Frontmann Aðalbjörn seinen Stempel aufdrückte. Während der bärtige Gitarrist Sæþór mit seinem Hut eher nach Italo-Western aussah und introvertiert agierte und der ebenfalls behutete Svavar seine Fingerfertigkeit am Bass unter Beweis stellte, verstand dieser es gekonnt, die stimmlich von ihm dargebotene Emotionalität mit einigen Posen zu untermalen. Der Auftritt gipfelte im abschließenden, mehr als 12-minütigen „Goddess of the ages” (vom 2009er Album “Köld”), welches mit den Worten “Let the ceremony begin” eröffnet wurde und nicht nur wegen seinem ausgedehnten Instrumentalpart tatsächlich einer epischen Zeremonie nahekam. Auch wenn einige Feinheiten im recht basslastigen Sound nicht so klar zu vernehmen waren wie auf CD, in jedem Fall dennoch eine coole Performance, die hoffentlich den einen oder anderen Anwesenden auf die Band hat aufmerksam werden lassen.

Setlist SÓLSTAFIR
Ljós í Stormi
Þín Orð
Fjara
Goddess of the ages

Nachdem die einzig wirklich nordische Band an diesem Abend den musikalisch am wenigstens ins Festival-Konzept passenden Beitrag geleistet hat, waren nun die Holländer HEIDEVOLK an der Reihe. Diese Band ist alles andere eine Unbekannte in der Pagan-Szene, war man doch schon letztes Jahr bei der Paganfest-Reise am Start und durfte sich ebenfalls bei der Heidenfest-Tour beweisen. Als Resultat versammelte sich die noch immer recht übersichtliche Anzahl von Partywütigen schnell vor der Bühne und forderten bereits zum Start des Sets mit Kampfrufen den kultigen Cover-Song „Vulgaris Magistralis“ (NORMAAL)! Doch erstmal waren eigene Songs à la „Nehalinnia“ oder „Saksenland“ an der Reihe, welche für sich zwar nicht wirklich aussergewöhnlich sind, aber mit ihrem treibenden Rhythmen und den eingängigen Gesängen die Fans schnell zum Mitgehen bewegen. Dabei frage ich mich allerdings, warum diese Band zwei Sänger aufbietet. So hörte man z.B. Joris Boghtdrincker die meiste Zeit eh nicht und wenn, dann sang er den gleichen Stil, ob energisch oder clean, wie sein Kollege Mark Splintervuyscht. Aber gut, die Band bot ein kurzweiliges Set mit einer Reihe ordentlich treibender Pagan-Hymnen, die auch trotz des weiterhin etwas matschigen Sounds durch ihre Direktheit zu gefallen wussten, und fand ein Highlight mit dem von Beginn schon geforderten „Vulgaris Magistralis“, welches mitsamt Kampfrufen natürlich richtig abgefeiert wurde. Solider Gig des Paganfest-Inventars!

Next up: Negură Bunget aus Transsylvanien, die inzwischen nach mehreren Besetzungswechseln zu sechst unterwegs sind. Keyboarderin Inia eröffnete den Reigen mit ein paar Tönen aus einem hornartigen Blasinstrument, das wie eine Mischung aus Bambusrohr und Kriegshorn daher kam. Überhaupt wurden im Verlauf immer wieder mal ungewöhnliche Instrumente verwendet, insbesondere bei Stücken wie dem schamanisch-folkloristischen „Pamint“ (dort unter anderem mit der „Panflöte des Todes“), welche die mystische Seite der Rumänen widerspiegeln. Bei den Black Metal-Passagen bollerte das Schlagzeug hingegen für meinen Geschmack etwas zu laut über die von den Gitarren erzeugten eher höheren Frequenzen hinweg, was sich letztlich aber noch im Rahmen hielt. Über allem durfte sich Neu-Vocalist Chakravartin mit einer gesanglich recht variablen Leistung austoben, der sich zudem redlich ins Zeug legte, für Stimmung im Publikum zu sorgen. Dieses kam mit der eigenwilligen Soundmixtur nach und nach sichtlich auch immer besser zurecht und honorierte weitere Tracks wie „Hora Soarelui“ oder eine hymnische Neuvorstellung mit ordentlichem Applaus, bevor „Dacia Hiperboreană“ den Schlusspunkt unter den 50-minütigen Gig setzte.

Nach dieser musikalischen Reise ins Land der Blutsauger stand nun eine Band auf dem Plan, die für viele Fans im vorhinein als eine Art heimlicher Headliner gesehen wurde. So bieten PRIMORDIAL seit Jahren anspruchsvolle Pagan-Kunst auf höchstem Niveau und konnten auch mit ihrem aktuellen Album „Redemption at the Puritan’s Hand“ einen Erfolg nach dem anderen einfahren. Und auch live sind die Iren immer eine Reise wert, besticht doch besonders Fronter A.A. Nemtheanga durch seine stimmliche Vielseitigkeit sowie energisches und eindringliches Auftreten. Und genau da sah ich dem Gig ein wenig skeptisch entgegen, benötigen sowohl die Vocals als auch die komplex-epischen Kompositionen eine differenzierte Live-Umsetzung, welche im Club X bekannterweise nicht unbedingt leicht ist. Und so war der Sound beim Einstieg mit „No Grave Deep Enough“ noch sehr brachial, laut und breiig, was sich im Verlauf des Sets allerdings besserte. So war es wieder einmal ein wahres Fest zu bestaunen, wie Nemtheanga in Songs wie dem herausragenden „Lain with the Wolf“ oder dem schon als Klassiker zu bezeichnenden „As Rome burns“ völlig aufgeht, gestikuliert, posiert und dabei mit seinen Blicken die Fans in der ersten Reihe intensivst fixiert! Die Instrumental-Fraktion überlässt diesen Part auch spürbar gerne ihrem großartigen Sänger, kann man sich so doch besser auf seinen eigenen Part konzentrieren und dieser war brachial-groovig und voller epischer Melodien. Nach dem packenden „Bloodied Yet Unbowed“ boten PRIMORDIAL als Final-Duo die nicht weniger starken „The Coffin Ships“ und „Empire Falls“, welche wie das ganze Set sehr gut ankamen und absolut eine vollere Halle verdient gehabt hätte. Beim nächsten Mal dann aber!

Manchmal fragt man sich (und hab ich Sänger Chrigel im Interview auch), wie man bei dem vollen Tour-Kalender mal eben so ein starkes Album wie „Helvetios“ raus hauen kann. So waren die Schweizer Folk/ Death-Helden ELUVEITIE im November noch mit der Neckbreaker’s Ball-Tour unterwegs, im Winter auf der 70.000 Tons of Metal-Kreuzfahrt zu Gast und haben dann noch eine Tour in den USA und Südamerika gezockt. Kaum wieder in heimatlichen Gefilden ist man schon wieder als Headliner mit dem Paganfest unterwegs! So wurde die Bühne im Club X nun voll, tummelten sich doch gleich 7 Leute vor dem Drumkit, als die Band mit dem Titelsong des aktuellen Albums energiegeladen loslegte. Und auch die Fans gingen sofort mit, hat man doch die neuen Kracher längst verinnerlicht. So wurde auch der folgende Groover „Luxtos“ freudig bejubelt, kam doch hier zum ersten Mal die folkigen Facetten richtig zur Geltung. Schon recht früh fuhren die sympathischen Schweizer überraschend ihren großen Hit „Inis Mona“ auf, auf den dann gleich der Ohrwurm-Song „A Rose for Epona“ folgte. Bei diesem Knaller, wie auch beim ebenfalls neuen Groover „Alesia“ beweist die süsse Dame an der Drehleier ein weiteres Mal, dass sie auch stimmlich überzeugen kann und nicht nur im cleanen Stil. So kann die junge Dame namens Anna Murphy auch anders, was sie bei anschließenden Brutalo-Kracher „Meet the Enemy“ zusammen mit Fronter Chrigel überzeugend darbot. Dazu war es erfreulich zu sehen, dass sie sich von ihrer schweren Sehnenscheidenentzündung erholt zu haben scheint.

Das Zusammenspiel der harten Metal-Sounds mit den folkigen Klängen von Flöten, Dudelsäcken, Violine und Drehleier funktionierte auch heute und trotz des weiterhin recht verwaschenen Sounds wunderbar! Auch Sänger Chrigel war sichtbar guter Laune, hat er doch spürbar Spaß an der Entwicklung seiner Band und wenn die Fans dann noch so gut mitmachen und auch ein Circle-Pit drin ist, dann kann man über die etwas enttäuschende Besucherzahlen mal hinwegsehen! Und eben diese Fans nahmen dankbar das „Thousandfold“-Geschenk entgegen und äusserten Laute des Bedauerns, als mit „Tegernako“ der letzte Song abgekündigt wurde. Aber natürlich war dies noch nicht alles, denn nach dem atmosphärischen „Scorched Earth“ ging mit dem wuchtigen „Calling the Rain“ und dem krachenden „Havoc“ ein starkes Set zu Ende, das ELUVEITIE als würdigen Headliner klar stellte und wie das gesamte Billing eine höhere Zahl Anwesender verdient hatte!

Ob es nun am Wochentag lag, an dem schon lang andauernden Monat oder daran, dass evtl. einige zur Extended Show nach Oberhausen gefahren sind… so oder so bleibt zu hoffen, dass wir diese Bands bald wieder live bestaunen dürfen!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu ELUVEITIE auf terrorverlag.com

Mehr zu HEIDEVOLK auf terrorverlag.com

Mehr zu NEGURA BUNGET auf terrorverlag.com

Mehr zu PRIMORDIAL auf terrorverlag.com

Mehr zu SÓLSTAFIR auf terrorverlag.com