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PARADISE LOST – BLUTENGEL – UNHEILIG – SIGUE SIGUE SPUTNIK – DAS ICH

Ort: Leipzig WGT agra-Halle

Datum: 09.05.2008

Traditionell beginnt für uns das Wave-Gotik-Treffen (aka WGT) immer mit einer Veranstaltung, die nicht zum Festival dazu gehört. Denn parallel zum weltweitgrößten Treffen der schwarzen Szene findet in Leipzig auch das Gothic-Pogo-Festival im Leipziger Kulturbundhaus statt. Dort wird seit ein paar Jahren mit Konzerten und anschließender Disko den Musikrichtungen gefrönt, die mittlerweile auf dem WGT zu kurz kommen: Minimal, Gothrock, Postpunk, NDW und Wave. Entsprechend der Musik sieht man dort auch noch zahlreiche „Oldschool“-Gothicpunks mit ihren hochtoupierten Frisuren und entsprechendem Outfit. Diesmal war die Musik so alternativ, dass selbst ich, der jahrelang DJ war, kaum etwas davon kannte, aber trotzdem sehr gut. So wurde es wieder ein gelungener Vor-WGT-Abend bis in die frühen Morgenstunden.

Nachdem der Kater vom Vortag halbwegs verflogen war, ging es dann am Freitag auf das Agra-Gelände raus, dem Hauptveranstaltungsort des WGT mit angeschlossenem Zeltplatz. Und hier bot sich dann wie jedes Jahr das Gefühl, wieder irgendwie zu Hause zu sein. Tausende „Gruftis“ aller Art, vom Punk bis EBMler, vom Mittelalterfan mit Horn im Halfter bis hin zu Metallern flanierten bei schönsten Wetter auf dem „Boulevard der Eitelkeiten, um zu sehen und vor allem, gesehen zu werden“, wie mal eine Freundin von mir passend feststellte. Nach einem kurzen Blick über den „größten Gothic-Supermarkt“ der Welt war es auch schon Zeit für die ersten Konzerte des 17. Wave-Gotik-Treffens.

Die Szene-Urgesteine von DAS ICH haben wir verpasst (abgesehen von unserem Fotographen, siehe die Galerie!), zu voll war uns die Schlange vor der Halle und über die Jahre hinweg war die Band bereits viele Male auf dem Treffen zugegen. Ich kann mich noch an ein Konzert von DAS ICH auf der Parkbühne erinnern, wo der Sänger Stefan Ackermann zum Publikum meinte, dass es Petrus wohl nicht gut mit ihnen meine, da es immer regnet, wenn sie Open-Air spielen. Und was geschah? Es regnete, und das nicht zu knapp. Aber was will man erwarten, wenn als einen der größten Hit „Gottes Tod“ hat?

Als zweites spielten dann die verrückten Engländer von SIGUE SIGUE SPUTNIK. Die seit 1986 in ständig wechselnder Besetzung agierende Truppe spielt einen sehr eingängigen und extrem tanzbaren Mix aus Rockabilly und Electro-Punk und ist mit ihren Hits wie „Love Missile F1-11“ und „21st Century Boy“ zu einem festen Bestandteil der schwarzen Szene geworden. Aber nicht nur dort, denn auf dem Techno-Festival „Mayday“ traten sie auch schon auf. Das Konzert war ganz nett, SIGUE SIGUE SPUTNIK traten zu dritt auf, neben dem Sänger noch ein Gitarrist und eine weibliche Keyboarderin, der fast die Oberweite aus dem Dekolleté fiel. Live war an dem Auftritt wohl nur der Gesang, beim Keyboard machte man sich nicht mal die Mühe, ein Paar Kabel an der Rückseite einzustecken. So klimperte die Dame nur, zugegeben recht fotogen, auf den Tasten herum. SSS spielten alle Hits runter, wobei man sagen muss, dass sich die Lieder alle sehr ähneln. Die drei haben in ihren skurrilen Outfits recht zaghaft unterhalten. Das war bei ihrem ersten WGT-Auftritt vor ein paar Jahren noch ganz anders. Aber man wird ja auch nicht jünger. Alles in allem war es ein nettes Konzert mit guter Musik.

Als dritte Band des Abends waren dann UNHEILIG an der Reihe. Da an diesem Abend nichts von „meiner“ Musik angesagt war und ich eh noch auf dem Gelände weilte, sah ich mir die Neue Deutsche Härte-Band um Sänger „Der Graf“ mal an. Die Halle war schon voller als zu Beginn von SIGUE SIGUE SPUTNIK und das Publikum rockte gut ab. Ob jetzt die ganzen Hits gespielt wurden, vermag ich nicht zu sagen, aber Der Graf (der noch mit den Folgen einer schweren Grippe kämpfen musste) verstand es mit seiner charismatischen Art geschickt, den vor der Bühnen Stehenden einzuheizen.

Die nächste und erstaunlicherweise immer noch pünktlich auftretende Band war BLUTENGEL. Auch das ist nicht meine Musik, aber wie gesagt, ich war ja eh immer noch da. Wenngleich die Formation technische Probleme hatte, laut Sänger Chris Pohl gingen die Monitorboxen nicht, wurde das inzwischen noch etwas zahlreicher anwesende Publikum gut unterhalten. Akustisch unterstützt wurde Pohl wieder von zwei Sängerinnen, die abwechselnd zum Einsatz kamen. Auch für optische Reize, was ich bei Konzerten immer sehr sinnvoll finde, wurde gesorgt. So traten zwei nett anzusehende Damen in verschiedenen Outfits, mal Fahnen schwingend, mal einfach nur tanzend, auf. Typen in Mönchsgewändern standen mit Fackeln auf der Bühne und ab und an gab es eine kleine Explosion oder einen Feuerreigen. Dazu der typische BLUTENGEL-Sound, der hier wohl sicher nicht weiter erklärt werden muss.
(imBlutfeuer)

„Wir schauen auf die Uhr – 00.15 Uhr. Schnell WGT-Logik einschalten. Wann kommt das Mitternachtsspecial? Um 1.00 Uhr, ist doch klar, oder? Mit PARADISE LOST haben sich jedoch würdige Headliner aufs Programm geschlichen, die auch zur Geisterstunde Scharen von Fans vor die Bühne locken. Zum ersten Mal erstrahlt ein echtes Schlagzeug! Hammer! So sieht so was also aus. Punkt 1 Uhr ihr geht es dann auch los. Mit „Enemy“ starten die Briten ein sehr abwechslungsreiches Set, was von aktuellen Songs bis alten Klassikern alles auf Tasche hat. „True Belief“ walzt sich durch die Fans, „So Much Is Lost“ erfreut DEPECHE MODE-Fanatiker, während Fans der Alten Schule beim wunderschönen „Gothic“ mit der Zunge schnalzen. „One Second“ begeistert vor allem den Schreiber, der wie immer die alte Englisch-Stunde Anekdote auspackt und damit allen auf den Geist geht. Mit „Say Just Words“ verabschieden sich Holmes und Co. vom Publikum, dass für die eher dürftigen vorhergehenden Auftritte des Abends kräftig entschädigt wurde. Das war der erste Streich und da noch einige folgen sollen, geht es lieber fix in die Gruft… äääh… ins Bett.“
(EA)

Copyright Fotos:
Sandro Griesbach (SIGUE SIGUE SPUTNIK/ DAS ICH/ UNHEILIG)
Dani Vorndran (PARADISE LOST)
Kai-Uve Altermann (BLUTENGEL)

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