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PARADISE LOST – GHOST

Ort: Bochum - Zeche

Datum: 31.03.2011

Für viele Fans der ersten Stunde sind natürlich „Icon“ und „Gothic“ die beiden großen Meilensteine nicht nur in der Laufbahn von PARADISE LOST selbst, sondern im Gothic/ Death Metal überhaupt. Den Durchbruch in der, sagen wir, breiten Masse schafften die Briten allerdings mit ihrem fünften Album „Draconian Times“ (1995). Zwar feiert dieses Release im Jahre 2011 kein Jubiläum, dennoch erscheint das Erfolgsalbum im April nochmal als Special Edition, remastered und durch Bonus-Tracks ergänzt. Um dies zu feiern, wurde schon Ende letzten Jahres eine kurze Europa-Tour angekündigt, bei der die Band das gesamte „Draconian Times“-Album plus einige Zugaben spielen wollte. Keine Frage, dass auch ein PARADISE LOST-Anhänger der frühen 90er – wie meinereiner – sich dies nicht entgehen lassen konnte und an diesem Frühlings-Tag nach Bochum in die ausverkaufte Zeche pilgerte.

Bevor die britischen Düster-Rocker loslegten, durften die Fans allerdings erstmal einer sehr skurrilen Performance der Schweden GHOST beiwohnen. Ihre Identitäten halten die Bandmitglieder dieser Doom-Formation bewusst geheim, so betreten die Musiker mit Kutten bekleidet und Masken vermummt die Bühne, was alleine schon auf eine sehr eigenwillige Show schliessen liess. Dies wurde noch durch das Erscheinen des Sängers bekräftigt, der nämlich als satanische Papst-Version die Szenerie betrat. Musikalisch haben es die Schweden mächtig drauf. Pumpende Bass-Rhythmen und vertrackte Rifffolgen kombinieren sich mit eingängig groovenden Passagen und klassischen Metal-Melodien. Dazu der beschwörende Singsang des Satan-Papstes, der seine Performance zusätzlich durch Erhaben wirken wollende Gestiken ergänzte, mit seiner Weihrauch-Gondel umherwedelte oder die ersten Reihen mit Rotwein „segnete“. Die musikalische Klasse mal beiseite gelassen, bewegt man sich mit solch einer Bühnenshow natürlich auf einem sehr schmalen Grat zwischen Provokation und Lächerlichkeit. Aber eines erreicht man ohne Zweifel: Viele der Anwesenden werden noch länger über GHOST sprechen und die durchaus wohwollenden Reaktionen zwischen den Songs zeigten, dass man der Band sicherlich positiv gegenüber stahd!

Der große Hit des „Draconian Times“-Albums ist klarerweise erstmal die Single „The Last Time“, aber PARADISE LOST waren schon imer eine Album-Band und so war es auch nicht verwunderlich, dass schon bei den ersten Piano-Klängen zu „Enchantment“ Jubel aufbrandete. Die Keyboard-Sounds wurden dieses Mal übrigens live von Milly Evans gespielt, der ja auf der Tour zu „Faith divides us, Death unites us“ Lead-Gitarrist Greg Mackintosh bei einigen Shows vertreten hatte. Zurück zur Show, die schon mit dem erwähnten Opener eine Top-Stimmung erreichte. Pumpende Rhythmen, packende Melodien, beschwörend-ergreifender Gesang und eine Menge, die aber der ersten Sekunde mitging. Wenn bei einer PARADISE LOST-Show was geht, dann auch alles! „Hallowed Land“ und natürlich „The Last Time“ ließen die Fans natürlich richtig aus sich rausgehen und das stachelte auch die Band selbst weiter an. So war Rhythmus-Gitarrist Aaron Aedy mal wieder voll auf Strom, bangte seine Glatze unentwegt, grinste permanent, shakerte mit den Fans und rockte von Anfang bis Ende das Haus. Sein Axt-Kollege Greg Mackintosh bewegt sich bekannterweise mit seinem Instrument in einer eigenen Welt und zauberte wuchtigen Riffe und massenweise packende Melodien und Soli hervor, dass einem permanent eine Gänsehaut nach der anderen überkam. Selbst Sänger Nick Holmes, der sonst für seine herrlich britisch-trockene, leicht mürrische Art bekannt ist, fand hier und heute sichtlich Gefallen an dem Auftritt und war auch dieses Mal stimmlich sowohl im energischen als auch im melodischen Bereich voll auf der Höhe! Und wenn Basser Steve Edmondson zeitweise sogar richtig in Bewegung und Posing gerät und nicht wie sonst wie eine Wachsfigur in seinem Bierdeckel-Radius bleibt, kann man sich sicher sein: Die Band hatte eine gute Zeit! Mit dem Übersong „Forever Failure“ und dem schön hart rockenden „Once Solemn“ hielt man die Stimmung weiter hoch, doch auch „Shadowkings“, „Shades of God“ oder „Hands of Reason“ wurden verdientermaßen nicht weniger abgefeiert! Mit „Jaded“ beschloss man das „Draconian Times“-Set, das live wie auf Platte selbst nur Highlights enthielt!

Doch wie angekündigt sollte das auf dieser Tour noch nicht alles gewesen sein. So ließ man sich durch die lauten Zugabe-Forderungen schnell auf die Bühne zurückholen und rockte mit dem Titel-Song des aktuellen Albums, dem besonders gefeierten Klassiker „True Belief“ und den beiden Club-Hits „One Second“/ „Say Just Words“ nochmal richtig nach vorne. Doch noch liessen die Fans ihre Lieblinge nicht gehen und so spielte man zum Finale noch den mittlerweile zum Fan-Fave mutierten „Sweetness“ (von der „Seals the Sense“-EP) und den Evergreen „As I die“, womit dann wirklich alle Fans zufrieden die Halle in Richtung Merch-Stand verließen, wo man nochmal ordentlich zuschlug.

Und auch die Briten hatten an diesem Abend sichtbar Spaß und es war einfach schön zu sehen, wenn eine Band auch nach all den Jahren noch Spaß an ihren Klassikern hat, auch wenn man einige Songs sicherlich schon hunderte Male live gezockt hat. In dieser Form werden PARADISE LOST noch lange zu den ganz Großen gehören!

Setlist PARADISE LOST
Enchantment
Hallowed Land
The Last Time
Forever Failure
Once Solemn
Shadowkings
Elusive Cure
Yearn For Change
Shades of God
Hands of Reason
I See Your Face
Jaded

Faith Divides Us – Death Unites Us
True Belief
One Second
Say Just Words

Sweetness
As I Die

Copyright Fotos: Michael Werneke

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