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PARADISE LOST – LACUNA COIL – KATATONIA

Ort: Herford – Club X

Datum: 06.11.2013

Der Herbst ist da und kann es eine bessere musikalische Untermalung geben als die britischen Gothic Metal-Pioniere live zu erleben? Sicherlich nicht, zumal PARADISE LOST zu ihrer Jubiläums-Tour zum 25jährigen Bestehen nicht nur eine spezielle Setlist vorbereitet haben, sondern mit ihren langjährigen Freunden KATATONIA und Italiens Export-Schlager LACUNA COIL zwei weitere Großmeister des Düster Metals mitbringen. Diese sind zudem mitnichten bloß Vorbands, sondern verfügen je über eine Spielzeit von gut einer Stunde, womit diese Tour quasi gleich drei Headliner parat hat!

KATATONIA

Zuletzt sorgten die schwedischen Melancholie-Meister noch mit ihrer „Dethroned & Encrowned“-Version ihres letzten Albums „Dead End Kings“ für Gesprächsstoff (siehe Review). Bei dieser Tour lag aber das Hauptaugenmerk auf „Viva Emptiness“, dessen Release nun zehn Jahre zurückliegt und zu diesem Anlass in Gänze performt wurde. Dies allerdings in umgekehrter Reihenfolge der Songs. KATATONIA waren noch nie berühmt für eine große Rock’N’Roll-Show, sondern lassen eher die Musik und dabei die Ausnahme-Vocals von Fronter Jonas Renkse wirken. So wurde z.B. das Album-Cover einfach an die als Backdrop fungierende Leinwand geschmissen und schon ging’s los mit „Ghost of the Sun“, dem Song, der auch in der regulären Setlist der Band oft zu finden ist. So groovten sich die Schweden durch die 13 Titel, wobei besonders Herr Renkse die Fans mit seiner charismatischen Stimme in seinen Bann zog. Diese Vocals sind einfach ganz großes Kino! Dazu zirkelten Gitarrist/ Bandgründer Niklas „Blakkheim“ Nyström und Per „Sodomizer“ Eriksson reihenweise atmosphärische Riffwände und kleine, aber feine, Soli aus ihren Äxten, während Basser Nille Sandin für den soliden Groove und Drummer Daniel Liljekvist für den druckvollen und mit kleinen Feinheiten gespickten Rhythmus sorgten. KATATONIA lassen live vor allem ihre Songs für sich sprechen und lenken nicht mit viel Drumherum ab. Auf dieser Tour bewiesen die Schweden nicht nur, dass „Viva Emptiness“ auch in umgekehrter Reihenfolge seine Atmosphäre zur Geltung bringen kann, sondern dass auch die Band live immer wieder diese Performance abruft. Und das zählt am Ende!

LACUNA COIL

Nachdem die Nordmannen von KATATONIA das X schon einmal gehörig vorgewärmt hatten, war bei LACUNA COIL nach einer kurzen Umbaupause südländisches Temperament angesagt. „Dark Adrenaline“ titelt das sechste Studioalbum des italienischen Sextetts, das im vergangenen Jahr das schummrige Goth-Rock-Licht erblickte und dessen Cover im Hintergrund zu sehen war. Von eben diesem Silberling stammte auch der Opener „I Don’t Believe In Tomorow“, mit dem die energiegeladene Show der Mailänder begann. Anders als bei der Auftaktkapelle des Abends wurde hier durchaus und ausgiebig gepost – insbesondere natürlich von der dunkelhaarigen Sängerin Cristina Scabbia, deren satter Alt seit 1996 als Gegenpart zur Stimme des Bandmitbegründers Andrea Ferro fungiert. Von der Ursprungsmannschaft aus 1994 ist nur noch Bassmann Marco Coti-Zelati mit von der Partie; berücksichtigt man jedoch, dass auch Drummer Cristiano Mozzati und die beiden Gitarristen Cristiano Migliore/ Marco Emanuele Biazzi bereits seit Ende der Neunziger mit am Start sind, darf man wohl ohne Übertreibung davon sprechen, dass man es mit alten Hasen zu tun hatte, die eindeutig ihr Handwerk verstanden und gleichzeitig nichts von ihrer Spielfreude eingebüßt haben. „Kill The Light“ machte dann auch gleich ordentlich Tempo und auch das Auditorium zeigte sich bereits bewegungswillig, auch wenn man sich bei direkter Ansprache noch ein wenig schüchtern gab. Beim hymnischen Kopfnicker „Heaven’s A Lie“ vom 2002er „Comalies“ klappte der Zuschauer-Gesangspart dennoch ganz passabel, weshalb auch mit Schmackes und wahren Trommelfeuern weiter gerockt werden konnte. Für das getragenere „Without Fear“ (2006 auf „Karmacode“ erschienen) wechselten die Vokalisten in ihre Muttersprache, um mit „Our Truth“ gleich im Anschluss wieder steil zu gehen. Lärmende Krachlatten prägten nicht nur „Intoxicated“, mit dem Rachegelüste gestillt werden konnten, auch „Trip The Darkness“ war noch einmal ein echter Donnerschlag, ehe es mit „Spellbound ein letztes Mal in die Vollen ging und die Ostwestfalen ihr Rhythmusgefühl vermittels Akklamation unter Beweis stellen konnten. Nach einer knappen Stunde flogen noch diverse Plekten und Drumsticks ins Publikum, dann wurde die Stage für die Geburtstagskinder geräumt.

Setlist LACUNA COIL
I Don’t Believe In Tomorrow
Kill The Light
Fragments of Faith
Heaven’s A Lie
The Game
Our Truth
Upsidedown
Without Fear
Swamped
Intoxicated
Trip The Darkness
Spellbound

PARADISE LOST

Ein Intro und eine grün ausgeleuchtete Bühne kündeten schließlich um 22.10 Uhr davon, dass die englische Metal-Legende PARADISE LOST ihre Arbeitsplätze eingenommen hatte. Zunächst einmal enterte die Instrumentalfraktion, bestehend aus den beiden Sechssaitern Gregor Mackintosh und Aaron Aedy, sowie dem Tieftöner Steve Edmondson und Adrian Erlandsson hinter der Schießbude, die Stage, bevor sich Nick Holmes ans Mikro verfügte. Aus den statischen Pics der beiden Support-Kapellen waren inzwischen bewegte Bilder geworden, die den Slot der Briten optisch untermalten und eventuell auch ein bisschen von den stimmlichen Problemen des Herrn Holmes ablenkten. Es schien fast so, als hätte er sich selbst nicht richtig hören können, weshalb er möglicherweise an der einen oder anderen Stelle mit seinem Gesang kämpfte. Dass die Truppe bei einem Klassiker wie „Remembrance“ den Einsatz verpatzte (scherzhaft die S.O.D.-Version des Songs genannt), verzieh die Zuschauerschaft ebenfalls und erfreute sich stattdessen eines abwechslungsreichen Abrisses der PARADISE-LOST-Discografie. Mit dem knackigen Auftakt „Mortals Watch The Day“ ging es zunächst einmal bis ins Jahr 1992 und zur Langrille „Shades of God“ zurück, um mit dem sich anschließenden „So Much Is Lost“ in die 1999er Synthie-Zeiten des „Host“-Silberlings einzutauchen, während „Gothic“ wieder härtere Klänge anstimmte. Der Song hat inzwischen 22 Jahre auf dem Buckel und wird zu Recht immer noch abgefeiert – genauso wie die vergleichsweise jungen, hymnischen Sounds von „Faith Devides Us – Beath Unites Us“, die 2009 auf der gleichnamigen Full Length erschienen sind. Mit „Tragic Idol“ folgte brandaktuelles Material vom 13. Studio-Output an, bevor „Never For The Damned“ metallische PL-Hooks vom „In Requiem”- Silberling servierte. Von der „Symbol-of-Life”-Platte hätte ich mir neben dem wunderbaren „Isolate” noch das nicht minder hörenswerte „Erased” gewünscht, aber darauf musste ich ebenso verzichten wie auf meinen persönlichen Favoriten „Mouth“. Stattdessen endete das reguläre Set mit einem anderen Highlight: „Say Just Words“ legte schnell noch ein paar Schüppen drauf, bevor sich die Herren Jubilare sang- und klanglos ins Off verabschiedeten.

Ein wenig ließen sie sich dann auch bitten, ehe es Nachschlag in Form des (O-Ton Nick Holmes) „fucking oldschool“ „Rotting Misery“ gab. Tatsächlich waren wir an dieser Stelle beim 1990er Debüt „Lost Paradise“ angekommen, um als wahres Kontrastprogramm direktamente „One Second“ um die Ohren gehauen zu bekommen. Nun, es gibt definitiv Schlimmeres und so nahm das Publikum auch die jaulenden Gitarren von „True Belief“ (wie „Remembrance“ vom 93er „Icon“) gern noch mit, um schließlich das eindringliche Finale mit „Over The Madness“ vom 2005er Longplayer „Paradise Lost“ zu erleben. 80 Minuten PARADISE LOST im X, das war zweifellos ein Vierteljahrhundert Musik-Geschichte im Schnelldurchlauf. Die beiden Band-Mitbegründer Holmes und Mackintosh (der übrigens eine Linkshänder-Klampfe spielt) haben gemeinsam mit ihren Kollegen im Laufe der Zeit einige stilistische Haken geschlagen und doch immer den richtigen Ton getroffen. Auch wenn Nick diesbezüglich manchmal an sein Limit gerät… Auf jeden Fall war es wieder eine Freude, die Truppe live zu erleben und wir wollen hoffen, dass wir noch so einige Gigs gemeinsam abfeiern können. 25 ist schließlich noch kein Alter!

Setlist PARADISE LOST
Mortals Watch The Day
So Much Is Lost
Remembrance
Gothic
Enchantment
Faith Divides Us – Death Unites Us
Tragic Idol
Never For The Damned
Isolate
Say Just Words

Rotting Misery
One Second
True Belief
Over The Madness

Copyright Fotos: Karsten Thurau/ Jörg Rambow

PARADISE LOST/ LACUNA COUL: ump – KATATONIA: Fafnir

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