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PARADISE LOST – SAMAEL – GHOST BRIGADE

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 18.11.2009

Einige Jahre hat es gedauert, bis die Gründer des Gothic Metals wieder zu alter Stärke gefunden haben. Ebenso recht lange, nämlich gute 6 Jahre, währte die Zeit, bis die Briten wieder in Bielefeld auftreten sollten. Natürlich dieses Mal nicht im heiligen PC69, welches ja im Jahr des letzten Besuchs von PARADISE LOST leider die Pforten schliessen musste. Aber auch der imposante Ringlokschuppen hat sich mittlerweile als Konzert-Location einen Namen gemacht und mit einem Top-Album im Gepäck sowie zwei guten Vorbands war alles vorbereitet für einen hoffentlich gelungenen Konzertabend in der kleinen Halle des Veranstaltungszentrums.

Schon mit ihrem Debüt „Guided by Fire“ haben GHOST BRIGADE richtig bei mir eingeschlagen. Leider mussten die Finnen schon gut 30 Minuten vor der auf den Karten ausgewiesenen Zeit auf die Bühne. So verpasste ich einen Großteil des Auftritts der Düster-Metaller, was mich um so mehr ärgerte, als ich den durchaus guten Sound, die Live-Qualitäten und auch die durchweg positiven Reaktione der bis dahin Anwesenden erlebte. Mit ihrem Sound, der von aggressiven Ausbrüchen über melancholisch-ruhige Parts bis hin zu rockenden Passagen reicht, passen die Nordlichter wirklich sehr gut in dieses Package und konnten sich an diesem Abend sicherlich einige neue Fans erspielen!

Mit SAMAEL folgte nun eine Band, die selbst schon fast so legendär ist wie der Headliner und eigentlich selbst locker diesen Status inne hat. Dennoch und auch gerade deshalb freute es einen um so mehr, dass die Schweizer mit von der Partie sein würden. Dabei durfte man besonders auf die Setlist gespannt sein, da das Quartett mit dem aktuellen Album „Above“ doch wieder mächtig brutal zu Werke geht. Den Abend eröffnende man aber erstmal mit dem Klassiker „Rain“ und einem mächtig wummernden Drumcompi. Der anfängliche Soundbrei wurde dann bei den folgenden „Solar Soul“ und „Reign of Light“ besser geordnet, so dass man nun von einer druckvollen Soundwand sprechen konnte. Wie eh und je bot Fronter Vorphalack eine charismatische Performance. Dieser Mann strahlt einfach eine Aura aus, die einen sofort in den Bann zieht! Dazu rockten Basser Mas und Axtmann Makro in gewohnter Manier und Vorph-Bruder Xy hämmerte auf seine Percussions ein, ließ die Finger über die Tasten fliegen und bangte und hüpfte dabei, was ging. Neben dem Drum/ Compi-Aufbau verzichtete man auch als Support-Band nicht auf die Projektionen, wobei man die bei SAMAEL schon einfallsreicher gesehen hat. Diese hier erinnerten manchmal doch fast an Media Player-Visuals. Von der Setlist her hielt man sich – wie doch ein wenig erwartet – halbwegs zurück. Alleine das neuere „Black Hole“ donnerte recht brutal von der Bühne. Dafür sorgten das atmosphärische „Infra Galaxia“ und das eingängige „Western Ground“ auch für gute Stimmung und beim legendären und intensiv dargebotenen „Into the Pentagram“ sah man auch bei den Fans der alten Tage anerkennende Reaktionen. Mit der abschließenden Überraschung „ Ceremony of Opposites“ machte man am Ende nochmal deutlich, dass SAMAEL eine wirklich gute Balance in ihrer Songauswahl gefunden haben, die aber bei einer vollen Spielzeit sicherlich noch besser zu Geltung kommt.

Setlist SAMAEL
Rain
Solar Soul
Reign of Light
Infra Galaxia
Year Zero
Western Ground
Black Hole
Into the Pentagram
Slavocracy
Ceremony of Opposites

Während der Tour erreichte uns die Nachricht, dass Lead-Gitarrist Greg Mackintosh nach den UK-Dates in der Heimat bleiben würde, um seinem schwerkranken Vater und der Familie in dieser schweren Zeit beizustehen. Um die Tour nicht absagen zu müssen, sprang der langjährige Guitar-Tech Milly Evans (TERRORVISION) ein, wobei dennoch von vornerein klar war, dass niemand Greg vollwertig würde ersetzen können. Mit dem kantigen „Rise of Denial“ wollten die Briten dann auch gleich druckvoll loslegen, doch mit Druck war erstmal nicht viel. So war der Sound zu Beginn völlig daneben und wurde erst besser, als man während „Erased“ den Knopf für die Gitarre von Aaron Aedy fand. Ab da kam der Sound halbwegs druckvoll von der Bühne gedröhnt, gut ist aber noch immer was anderes. Doch die recht ordentlich gefüllte Halle schien das nicht so zu stören, so wurde mit „Pity the Sadness“ das Eröffnungs-Trio ordentlich bejubelt. Mit den sehr eindringlichen „Frailty“, „First Light“ und dem absolut genialen „I remain“ hatte man noch 3 weitere neue Songs im Haupt-Set und diese wurden ebenso willkommen aufgenommen wie die schon zu den Klassikern zählenden „Requiem“, „The Enemy“ und „Forever Failure“. Leider bekam man Nick Holmes‘ Vocals technisch überhaupt nicht in den Griff. So ging der Gesang mal zu laut, mal mit zuviel Hall und meist viel zu leise durch die Anlage, was bei vielen Fans für genervte Reaktionen und auch Ausrufe sorgte. Denn der Herr war an diesem Abend, wenn man es denn hörte, wirklich gut bei Stimme, was das ganze noch um so bedauerlicher machte und auch dem Fronter selbst spürbar missfiel.

Ein besonderes Augenmerk lag natürlich auf Ersatz-Gitarrist Milly Evans, der seine Sache an der Lead-Gitarre sehr ordentlich machte, auch wenn er (u.a. bei „I remain“) nicht jedes Solo bis ins Detail ausspielte und auch verständlicherweise nicht das gleiche Feeling vermitteln kann, wie der Meister selbst. Neu-Drummer Adrian Erlandsson (ex-CRADLE OF FILTH, ehem. AT THE GATES) ist ein wahrer Gewinn für die Band und sorgt live auf jeden Fall schon mal für ordentlich Druck und frischt die Songs mit der ein oder anderen Spielerei auch noch schön auf! Neben den Hits „As I die“ und dem wie eh und je sehr intensiven „One Second“ entpuppte sich das eindringliche „Enchantment“ wieder einmal als Fan-Fave und als die Band nach gut einer Stunde die Bühne trotz aller Unanehmlichkeiten umjubelt die Bühne verließ, war natürlich klar, dass dies noch nicht alles war. Mit dem Titel-Song des starken neuen Albums „Faith devides us, Death unites us“ ging es ins Zugaben-Trio. Die Vocals passten jetzt doch besser und schon jetzt wurde klar, dass dieser Song das Zeug hat, zu einem der großen Hits von PARADISE LOST zu werden. Das folgende „The Last Time“ ist schon so einer und hier ging besonders Milly mal so richtig aus sich raus und bangte ordentlich los. Wie schon seit Jahren markiert der Ohrwurm „Say just Words“ das Finale einer PL-Show, welche heute leider nach 70 Min. schon zu Ende war. Das zuletzt des öfteren als allerletzten Song gezockte „Eternal“ blieb trotz kurzer, aber lautstarker „Zugabe“-Forderungen leider aus und auch „Embers Fire“ sowie „As Horizon Ends“ blieben ungespielt.

Dennoch gab es an der Setlist nichts zu meckern und die Fan-Stimmung war trotz der Mängel beim Sound und an den Vocals wirklich gut. Diese Negativ-Punkte ausgemerzt und mit Mr. Mackintosh auf der Bühne hätte dieser Abend wirklich richtig groß werden können…

Setlist PARADISE LOST
Rise of Denial
Pity the Sadness
Erased
I remain
As I die
The Enemy
First Light
Enchantment
Frailty
One Second
Forever Failure
Requiem

Faith devides us, Death unites us
The Last Time
Say Just Words

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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