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PARADISE LOST – SAMAEL

Ort: Hannover - Capitol

Datum: 19.11.2009

Mit PARADISE LOST und SAMAEL machten zwei Bands im Capitol zu Hannover Halt, die musikalisch zwar recht unterschiedlich daher kommen, aber dennoch erhebliche Parallelen aufweisen, wenn man ihre Geschichte betrachtet. Beide starteten als Vertreter extremen Metals, die einen als Black Metal Band, die anderen als Doom-Deather, und entwickelten ihren Sound immer weiter und weiter, durchstreiften verschiedene Genres, erlebten, wie sich ihre Anhänger von ihnen abwandten, fanden den Weg zum Metal wieder und sind doch beide als Innovatoren der Düster Metal-Szene zu bezeichnen.

Doch bevor man den Hauptacts des Abends lauschen kann, betreten erst einmal GHOST BRIGADE die Bühne – und das sehr früh. Laut Karte ist der Konzertbeginn um 20:00 h angesetzt. Als meine Frau und ich allerdings das nahezu leere Capitol um ca. 19:45 h betreten, spielt die Band schon, so dass wir noch zwei Songs sehen können. Es ist ein Unding, die erste Bands des Billings lange vor dem offiziellen Konzertstart auf die Bühne zu schicken. Davon haben weder die Musiker etwas, noch der zahlenden Fan, der ja für drei Bands bezahlt hat. Leider kommt dies aber in letzter Zeit immer öfter vor. Wenn man sich im Capitol umsieht, dann hat die Band also vor nahezu leerem Haus gespielt und es ist mir unmöglich von den letzten Minuten her die Leistung der Band hier zu bewerten.

SAMAEL sind dann alles andere als nur ein Support, denn inzwischen hat sich das Capitol ein wenig mehr gefüllt, wenngleich die überschaubare Zuschauermenge darauf schließen lässt, dass wohl sowohl SAMAEL als auch PARADISE LOST ihre besten Zeit hinter sich gelassen haben (könnten). SAMAEL werden natürlich dennoch von den Anwesenden begeistert empfangen. Nach dem sehr Black Metal-lastigen letzten Album der Düstermetaller war die Spannung groß, was einen an diesem Abend erwarten würde. Ein Retro-Konzert vielleicht? Nein, SAMAEL stehen zu sämtlichen Evolutionsstufen ihrer selbst und spielen einen gut gemischten Querschnitt durch die Bandgeschichte. Somit bekommt man heute Abend ebenso Electro Metal, tanzbare Nummern, knallharten Metalsound, Loops, Keyboards, aber auch finsteren Black Metal zu hören. Es ist faszinierend, dass uralte Nummern wie „Into The Pentagram“ im Gesamtkontext mit neueren Hits wie „Solar Soul“ und Klassikern wie „Rain“ harmonieren und spricht wohl für die Klasse der Band, die von der ersten Sekunde an das Publikum fest in der Hand hat und weiß, wie man sich in Szene zu setzen hat. Der Frontmann zelebriert eine wahre Messe und peitscht die Leute immer wieder an, die begeistert auf die stylisch ausgeleuchtete Bühne schauen, in deren Hintergrund man immer wieder Dias und kleine Filmchen betrachten kann. So vergeht die Zeit wie im Fluge und SAMAEL liefern ein 100%tig überzeugendes Konzert ab.

Dann ist es Zeit für PARADISE LOST und ihren tauben Soundmann. Ja, der Mann hinter dem Mischpult muss wirklich einen Hörschaden haben, oder woran mag es liegen, dass der Sound viel zu laut ist, man aber über mehr als die Hälfte der extrem kurzen Spielzeit von 75 Minuten Frontmann Holmes kaum hören kann, weil der Gesang viel, viel zu leise ist? PARADISE LOST sind für den Verfasser dieser Zeilen so etwas wie eine alte Liebe, der man auch in Krisenzeiten stetst die Treue hielt/ hält und deren verschiedene musikalische Ausrichtungen mir immer gefallen haben, wenngleich ich sie als recht schwache Liveband in Erinnerung habe. Die Setlist der Briten ist extrem genial und verdeutlicht wieder einmal, was für eine enorme Hitdichte die englische Band aufzuweisen hat. Auch wenn man leider das Debüt, das kongeniale „Gothic“-Album und das umstrittene „Host“ außen vor lässt, reiht sich heute Abend Hit an Hit. „One Second“, „Pity The Sadness“, “The Enemy”, “As I Die”, “True Belief” sind nur einige der unsterblichen Kracher, die fast schon inflationär in die Menge geschleudert werden. Dazu kommen noch einige Nummern vom aktuellen Album. Nick Holmes beschwert sich darüber, dass die Leute im Raucherbereich keinerlei Reaktion zeigen und spricht diese mehrfach direkt an – allerdings reagieren diese wirklich nicht… PARADISE LOST, die heute Abend mit einem Aushilfsgitarristen (von TERRORVISION) auftreten, der seine Sache aber überzeugend macht, wirken während der ersten Konzerthälfte nicht gerade motiviert und leider zeigt Mr. Holmes auch wieder, dass er nicht gerade der mitreißendste Frontmann der Metalszene und stimmlich auch nicht immer auf der Höhe ist. Das ändert sich erst nach einer guten Dreiviertelstunde, als die Briten Gas geben und wirken, als hätte man ihnen eine Familienpackung Red Bull eingeflößt. Als dann zum Ende hin der Sound auch endlich zulässt, dass man den Gesang gut hören kann, läuft die Band endlich zur Höchstform auf und es kommt richtig geile Stimmung auf.

Dennoch bleibt das Fazit des Abends, dass PARADISE LOST unglaublich viele wichtige Songs geschrieben haben, geniale Alben veröffentlichen, aber wohl niemals eine großartige Liveband werden. Ein gutes Konzert war es trotzdem, aber da wäre gerade beim Headliner mehr drin gewesen und warum man nur 75 Minuten spielt, bleibt mir ein Rätsel. Tolle Songs hätten die Engländer ja genug in der Hinterhand gehabt.

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