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PARAGON – ARTHEMIS – TORIAN – 7 SEALS

Ort: Bielefeld - Falkendom

Datum: 17.11.2006

Endlich wieder mal ein Metal-Konzert im Dom! Dank Michael, der die Fahne des Schwermetalls im Dom („Enter Sandman“) und als einer der Wenigen in Bielefeld hochhält. Leider wurde das an diesem Abend von Seiten der Metalheads (noch) nicht gebührend gewürdigt und so reisten gerade mal etwa 60 Nasen an, um sich dieses geile Package reinzuziehen… dabei kostete das im VVK schlappe 7 Euronen (AK 9)! Doch den geilen Performances der Bands tat das keinen Abbruch und das Die-hard Publikum gab ebenfalls Gas. Aber dass die „Wahr-Metal“-Fraktion derzeit einen schweren Stand hat – bis auf die ganz großen Bands – zeigte sich heute erneut.

Doch beginnen wir mit den ersten drei IRON MAIDEN/ HELLOWEEN/ HAMMERFALL-Clones. 7 SEALS aus Paderborn eröffneten pünktlich (und das im Dom!…) um 20 Uhr den Reigen. Die waren kurzfristig für die just aufgelösten DEADLY SIN eingesprungen, schlugen musikalisch aber so ziemlich in die gleiche Kerbe. Die Songs, wie etwa der Titeltrack von der aktuellen Mini-CD „Mooncurse“ oder „Dawn of Winter“, atmen dabei nicht nur den Geist der oben genannten Kapellen (sowie dutzender anderer Power/ Heavy Metal-Combos), sondern erinnern manchmal frappierend an selbige. Das ist allerdings auch etwas, woran das ganze Genre zu knacken hat. Handwerklich gut gemachte Mucke, die ins Gebein fährt, von deren Güte es aber unzählige Legionen an gleichartigen Genossen gibt. Somit konnten die Jungs am frühen Abend auch nix groß reißen, zumal draußen vor der Tür mehr Leute standen als im Saal… und die dann noch im altbekannten Sicherheitsabstand zur Bühne. Daran konnte auch die engagierte Performance nichts ändern und so war nicht mehr wie Höflichkeitsapplaus drin in der halben Stunde Spielzeit. Bei 20 Leuten kann man allerdings auch mit den geilsten Tracks kaum einen wüsten Pit entfachen…

Bei den ebenfalls aus Paderborn stammenden TORIAN wurde es dann voller IM Dom. Sie hatten das Ganze am heutigen Abend eingestielt im Rahmen einer Mini-weekend-Tour mit den nachfolgenden ARTHEMIS. Und dass die Herren schon etwas mehr Live-Erfahrung haben, merkte man gleich von Beginn an, obwohl die Band auch nicht viel länger existiert als 7 SEALS. Allerdings teilte man die Bühne schon mit OVERKILL/ BLAZE/ EKTOMORF/ MOB RULES u.a. und hat eine kleine Italien-Reise frisch hinter sich. Hier wurde jetzt richtig Gas gegeben und Fronter Marc Hohlweck outete sich trotz kurzer Haare als Metal-Berzerker, der abging wie Paul DiAnno in besten Zeiten! Auch die Band gab alles auf der Bühne und der zum Teil schon thrashige melodic Power Metal hat etliche feine Momente. Auch wenn natürlich MAIDEN und Twin-guitars nicht fehlen dürfen. Das steckte auch die Meute vor der Bühne an und nach und nach kreisten auch mal ein paar Matten mehr vor der Bühne, was Plaudertasche Marc aber natürlich nicht reichte und er das Publikum immer wieder animierte. Sehr geiler Fronter, der zudem eine feine Stimme sein eigen nennt. Das hätte auf jeden Fall größeren Zuspruch verdient und alle Metal-freaks sollten sich diese Band auf die Landkarte malen bzw. ihre Debut-CD „Dreams Under Ice“ anchecken. Die gut 50 Minuten wurden genutzt, um das Haus ordentlich zu rocken mittels Tracks eben jener Scheibe. Ein Song wie „Souls of Fire“ bedient logischerweise sämtliche Klischees der Szene (wie auch das Cover der CD), macht aber nix bei einer derart coolen Ausführung des Ganzen. Die kleine Bandhymne „Torian“ durfte am Ende auch nicht fehlen. Sieg auf ganzer Linie sozusagen, was sich in lautstarkem Jubel entlud.

Wenn man heutzutage Italien und True Power/ Heavy Metal hört, denkt man nix Gutes. Und auch ARTHEMIS bedienten sämtliche vorhandenen Klischees bis aufs Äußerste. Handwerklich von Topfitten Musikern dargebotener Metal mit zeitweise arg nervigem Extrem-hoch-Gesang. Bereits seit 12 Jahren fabriziert man speedigen Power Metal, kein Wunder, dass vor allem die beiden Gitarristen Andrea Martongelli und Matteo Ballottari absolut versiert über ihre Griffbretter wichsten. Dabei aber ab und an Yngwie-like etwas derb übers Ziel hinausschossen. In Italien sind die wohl ne recht große Nummer mittlerweile, das 4.Album „Back from the Heat“ ist noch immer aktuell. Davon gab es dann in der guten Stunde auch etliches an Songs, so u.a. „Rise Up from the Ashes“ oder „Free Spirit“. Sänger Alessio Garavallo zählt allerdings häufiger mal mit seinen extrem spitzen Schreien in allerhöchsten Tonregionen zur eher anstrengenden Sorte Sänger, auch wenn sein Organ ansonsten gut zur Mucke passt. In dem Bereich ist und bleibt der „Ripper“ das Maß aller Dinge! Die langjährige Bühnenerfahrung kam den Fünfen natürlich zu Gute und so legten ARTHEMIS einen Gig hin, als wären 500 und nicht nur 40 Metalheads anwesend. Die allerdings im Laufe des Sets weniger wurden. Beim Schluss-Song „Future World“ von HELLOWEEN sahen sich die Verbliebenen allerdings vollkommen ratlos bzw. mit einem Grinsen auf dem verzerrten Gesicht an… das ging gar nicht! Da hätte man lieber noch einen eigenen Song bringen sollen, anstatt diesen Klassiker zu verstümpern.

So war es an den Hamburgern PARAGON zu zeigen, wo der Hammer hängt. Und die Mannen um Bandkopf und Gitarrist Martin Christian ballerten von der ersten Sekunde an los wie die Feuerwehr! Deutscher Dampfhammersound im Champions-League-Format. Dass die seit mittlerweile auch schon 16 Jahren rumlärmenden Herren dabei manchmal eine „klitzekleine Winzigkeit“ nach GRAVE DIGGER tönen, macht nix. Haben nämlich insgesamt das geilere Songmaterial am Start. Nur spielen sie eben nicht vor 800 Leuten, sondern bei ihrer Bielefeld-Premiere vor nicht mal 50. Trotzdem bieten sie das volle Brett mit hauptsächlichem Stoff vom noch aktuellen Album „Revenge“. Das neue Eisen ist in der Mache und sollte Anfang nächsten Jahres erscheinen. Fett ballernder Powerspeed Metal deutscher Prägung in Form von „Traitor“, „Revenge“ oder dem fulminanten Mitgröler „Impaler“ lässt die kleine Schar vor der Bühne steil gehen. Fronter Andreas Babuschkin (ehemals bei den kultigen MINOTAUR!) zählt zu den geilsten Sängern im deutschen Metalzirkus und es ist wieder einmal schade, eine solche Hammerkapelle vor lediglich einer Handvoll Publikum zocken zu sehen. Aber zu HAMMERFALL und MANOWAR kann man auch bei völlig überzogenen Kursen in Scharen pilgern… Death to False Metal!!!

Da hau ich mir lieber fürs gleiche Geld 10 Underground-Events um die Ohren mit Bands zum Anfassen! Da marschiert der Sänger dann auch mal mitten im Set mit Fan zur Theke, zischt mit dem dort ein Bierchen, lässt von dem Guten noch den folgenden Song ansagen und singt das Ganze dann von der Theke aus! Dabei guckt er sich seine eigenen Kollegen an und verkündet, das er stolz auf sie sei… haha! METAL! Nach etwas über einer Stunde und weiteren Granaten wie „Reign of Fear“ oder „The Legacy“ ist dann erstmal Schicht, doch die letzten 15 verbliebenen ergröhlen sich noch eine Zugabe und da die Band Bock auf zocken hat, spielt man trotz spärlicher Kulisse doch noch „The Gods made Heavy Metal“, verstärkt durch 2 Frontbanger, die kurzerhand auf die Bühne gebeten werden. Geiler Gig vor leider viel zu wenig Anwesenden. Obwohl die Band noch direkt nach Hamburg zurückdüste, stand sie während des Abbaus für den ein oder anderen Schnack bereit. Schön, dass es noch Bands wie PARAGON gibt! Support real true Metal! Bleibt nur zu hoffen, das die Ostwestfälischen Schnarchnasen beim nächsten Hammer im Dom (OBSCENITY am 15.12.!) zahlreicher erscheinen!

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