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PARKLICHTER FESTIVAL 2009

Ort: Bad Oeynhausen - Kurpark

Datum: 07.08.2009

MIA. – REVOLVERHELD – CURSE – EXTRABREIT – THE CLAIRVOYANTS PROPHECIES OF A GILLYFLOWER

Die Arbeitswoche war beendet und so konnten wir bei bestem Sommerwetter in unser Festivalwochenende starten. Doch auf dem Plan stand nicht nur das alljährliche M’era Luna, sondern am Freitag erst noch die Parklichter in Bad Oeynhausen. Schon im Vorjahr hatten wir gute Erfahrungen mit dieser Veranstaltung gemacht und auch 2009 war die bunt gemischte Bandauswahl für uns wieder einen Besuch wert. So ging es dann gut gelaunt auf die Autobahn und wir kamen schnell in der Kurstadt an, doch dort sollte uns zunächst eine Überraschung erwarten. DIE HAPPY hatten leider krankheitsbedingt (wegen einer Sehnenscheidenentzündung des Gitarristen) ihren Auftritt abgesagt. Schade, aber das war wohl nicht zu ändern. So bekamen dann aber die anderen Bands ein bisschen mehr Spielzeit geschenkt und man will versuchen DIE HAPPY im nächsten Jahr erneut zu verpflichten.

Opener an diesem Abend war dann mit THE CLAIRVOYANTS PROPHECIES OF A GILLYFLOWER (kurz GILLYFLOWER) ein lokaler Support, der mit seinem Folk-Rock-Core zu unterhalten wusste und schon den einen oder anderen Besucher vor die Bühne locken konnte. So in Stimmung gebracht, konnte es dann nach einer Umbaupause direkt mit einem Urgestein der deutschen Musikgeschichte weitergehen.

Bereits 1978 gegründet konnte man die größten Erfolge während der 80er Jahre einfahren und wer kennt nicht „Hurra, Hurra die Schule brennt“ (ein Dauerbrenner auf sämtlichen von mir besuchten Abi Partys) oder „Flieger grüß mir die Sonne“. Und unter anderem mit diesen Titeln sollten EXTRABREIT an diesem Abend die Bad Oeynhausener beglücken. Gestartet wurde allerdings mit „Hart wie Marmelade“, ihrer ersten Single aus dem Jahre 1980, wie Sänger Kai „Havaii“ Schlasse uns mitteilte. Mit einer Sonnenbrille bewaffnet wurde dann „Andreas Baaders Sonnenbrille“ eingeläutet und auch die Geschichte, dass er diese bei Ebay ersteigert habe, sorgte für Erheiterung. Weiter ging es mit einem der größten Hits der Band, nämlich „Polizisten“ aus dem Jahre 1981 (der übrigens von OOMPH! Recht ordentlich gecovert wurde) und „Für mich solls rote Rosen regnen“, welches damals auch zusammen mit der unvergessenen HILDEGARD KNEF aufgenommen wurde. Daraufhin folgte das oben schon erwähnte „Hurra, Hurra die Schule brennt“ und an dieser Stelle konnten auch einige der jüngeren Zuschauer mitsingen, schien dieser Titel doch generationsübergreifend bekannt zu sein. Nach „Küss mich“ und „Lottokönig“ war man aber schon fast am Ende des offiziellen Sets angelangt. Aber natürlich durfte DER Song nicht fehlen und so gab es als Zugabe noch „Sturzflug“ und natürlich „Flieger grüß mir die Sonne“ auf die Ohren, bevor man uns in eine kleine Pause entließ.

Setlist EXTRABREIT (Ohne Gewähr)
Hart wie Marmelade
Jeden Tag, jede Nacht
Andreas Baaders Sonnenbrille
Polizisten
Besatzungskind
Für mich solls rote Rosen regnen
Hurra, Hurra, die Schule brennt
Küss mich
Lottokönig
3-D
Extrabreit
Sturzflug
Flieger grüß mir die Sonne

Junge wir können so heiß sein

Fast ein Heimspiel hatte der nächste Künstler auf der Parklichter-Bühne. Denn CURSE stammt ursprünglich aus Minden und hat dort seine Karriere vor über 10 Jahren gestartet. Rap und Hip Hop ist ja sonst eigentlich nicht so das Metier des Terrorverlages, aber da CURSE durchaus mit intelligenten Texten glänzen kann (im Gegensatz zu Aggro Berlin und Co.), waren wir doch ein wenig neugierig. Mein mitgereister Fotograf moserte zwar etwas, aber mir gefiel es im Großen und Ganzen ganz gut. Los ging es mit „Wahre Liebe“ und „Hassliebe“, laut Wikipedia sind gescheiterte Liebesbeziehungen wohl ein zentraler Bestandteil der Texte von CURSE und damit kennt sich ja irgendwie fast jeder aus. Zunächst folgten aber die „10 Rap Gesetze“ und „Gold“, bei denen CURSE immer wieder die Stimmung testete. Weiter ging es mit seiner ersten Single „Lass uns doch Freunde sein“ und er bekam auch hier Unterstützung von Backgroundsänger und -sängerin, die Michael (so sein richtiger Name) uns immer wieder schmackhaft machte und welche auch wirklich über gute Stimmen verfügten. Die Dame vertrat auch Stefanie Kloß bei der gemeinsam mit SILBERMOND entstandenen Single “Bis zum Schluss”. Es folgten „Kleines bisschen“ und „Baby“ und inzwischen hatte es sich vor der Bühne doch ganz gut gefüllt. Andere hatten sich aber lieber ein schattiges Plätzchen gesucht und beobachteten das Treiben aus einer gemütlichen Entfernung, denn die Sonne knallte zu dem Zeitpunkt noch ganz ordentlich vom frühabendlichen Himmel. „Nach „Feier dich selbst“ und „Das versteh ich nicht“ gab es dann aber noch ein besonderes Schmankerl auf die Ohren. Denn zum Abschluss stimmte man die letztjährige Veröffentlichung „Freiheit“ an. Im Original von MARIUS MÜLLER-WESTERNHAGEN und auch die Single wurde zusammen mit ihm aufgenommen. Doch damit war dann Schluss und man übergab an REVOLVERHELD.

Nun sollte es mit Pop-Rock weitergehen, der keinem weh tut und die (jungen) Mädchen vor die Bühne lockte. Immerhin gab es ein paar hübsche Jungs zu begucken, die “mit uns chilln” wollten. Die Rede ist von REVOLVERHELD, eine an sich für mich recht uninteressante Band, aber zu dem Abend und dem bunt gemischten Publikum passten sie eigentlich hervorragend, da fast jeder sie zumindest nett finden konnte. So ging es dann los mit „Generation Rock“, wobei ich bei der Textzeile „Wir sind die Generation Rock“ durchaus widersprechen würde. Diesen Titel dürften wohl andere Generationen vor uns eher in Anspruch nehmen. Zur Zeit befindet man sich übrigens gerade im Studio und bastelt am dritten Album, von dem wir mit „Immer einen Grund“ und „Nie erwachsen“ gleich zwei neue Stücke präsentiert bekamen. Aber immerhin war die Band froh, mal wieder echte Menschen zu sehen, da diese im Studio doch eher spärlich gesät sind. Bei einem Besuch in der benachbarten Bali Therme dürften die Herren am Nachmittag noch mehr von “echten Menschen” mitbekommen haben… Es folgten musikalisch die zwei in Deutschland erfolgreichen Singles „Die Welt steht still“ und „Mit dir chilln“. Und dann ging es Schlag auf Schlag, denn technische Probleme zu Beginn hatten die Umbaupause in die Länge gezogen und anscheinend musste man um Mitternacht fertig sein. Außerdem stand hinter der Bühne auch noch der Hauptact MIA. in den Startlöchern. Also schnell weiter gemacht mit „Du explodierst“, „Ich werd die Welt verändern“, der Fussball-Hymne “Helden 2008” und dem FANTA 4-Cover “Was geht”, bevor mit „Freunde bleiben“ aus dem Jahre 2006 schon wieder Schluss war. Ein kurzer, aber recht unterhaltsamer Auftritt.

Kur nach 23 Uhr war es dann an der Zeit für den diesjährigen Headliner, die Berliner Elektro Pop Formation MIA. aus Berlin um die eigenwillige Mieze Katz. Eigenwillig ist auch das Stichwort hinsichtlich Bühnendeko und Ausstattung der fünfköpfigen Band, man kann bei einem Live-Auftritt nie genau vorhersagen, wohin sich der Abend entwickelt. Jedenfalls waren klar die meisten Zuschauer für die Hauptstädter angereist, die ein großes LCD-Display auf der rechten Bühnenseite positioniert hatten. Dahinter versteckte sich zunächst die Sängerin, während ihre Mannen mit der Show begannen. Was sich reimt, das ist gut und mindestens genauso gut sind die meisten Titel von MIA., die quasi eine Art Best Of präsentierten. Doch neben der musikalischen Seite zogen Miezes Outfits viele Blicke auf sich, egal ob sie als lebendig gewordenes “Hungriges Herz” überraschte oder den “Zirkus Mix” mit einer Art “Carnival in Brasil”-Kollektion intonierte. Inklusive riesiger Federboa versteht sich. Der Sound war glasklar und die vielen Projektionen auf der Leinwand unterstützten die Darbietung sehr gelungen, während man mit “Sonne”, “Kapitän”, “Mausen”, “Tanz der Moleküle” etc. eine für mich persönlich sehr gelungene Setlist in die Tat umsetzte. Das Ganze hätte ruhig noch länger andauern dürfen, doch anscheinend war Mitternacht die Deadline der Veranstaltung, so dass man als Zugabe nur noch “Du” vom aktuellen Album im Köcher hatte.

Insgesamt eine organisatorisch sehr gelungene Veranstaltung, die mit 2500 Zuschauer nicht ganz optimal besucht war. Vielleicht war die Zusammenstellung der Bands nicht jedem geheuer, wobei hier keine negativ heraus stach. Also hoffen wir auf eine interessante Neuauflage im nächsten Jahr in der beschaulichen kleinen Kurstadt!

Setlist MIA.
Intro
100 Prozent
Hungriges Herz
Zirkus Mix
Was es ist
Sonne
Kapitän
Tanz der Moleküle
Mausen
Mein Freund

Du

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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