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PARKLICHTER FESTIVAL 2013

Ort: Bad Oeynhausen - Kurpark

Datum: 02.08.2013

Das sollte er also sein, der heißeste Tag des Jahres, den wir trotz (oder wegen?) Temperaturen jenseits der 40 Grad open Air im beschaulichen Bad Oeynhausen verbringen wollten. Das Parklichter Festival stand mal wieder auf dem Programm, mittlerweile ein fester Bestandteil ostwestfälischen Kulturguts und mithin eine annähernd perfekte Mischung aus musikalischen und kulinarischen Genüssen. Das dachten neben uns auch ca. 4500 weitere Besucher, das Gros davon weiblich, was bei dem gebotenen Line Up keine Überraschung war, setzte man doch 2013 eher auf die „sanften“ Töne. Wieder gab es 3 Bühnen, von denen wir die im Theater geflissentlich ignorierten, auch so standen noch genügend interessante Künstler zur Auswahl, den Anfang machten MOBILÉE aus Duisburg, die bereits im vollen Gange waren, als wir vor die Sonnendurchflutete Hauptbühne traten.

MOBILÉE

Die bis dato noch überschaubare Menge an Zuhörern hatte sich ein Plätzchen im Schatten gesichert, während sich die Folk Popper um Sängerin Caroline Wolter (im wenig vorteilhaften Blümchen-Kleid) alle Mühe gaben, für ein wenig Stimmung zu sorgen. Das Wort „einheizen“ möchte ich bei diesem Wetter mal nicht verwenden. Als Vorgruppe von ROXETTE hatte ich sie bereits live erlebt, auch war man beim Vorentscheid für den ESC in Malmö dabei und konnte einen Song zum Film „Die Vampirschwestern“ beisteuern. Nette Gute-Laune Musik mit ein wenig TEXAS LIGHTNING-Flair, einer engagierten Sängerin und ein paar untypischen Instrumenten (Banjo anyone?). Dazu Songs vom Debüt-Album „Walking on a twine“ wie etwa das abschließende „Peter Pan“, mit dem man sich auch schon wieder verabschiedete. Konnte man sich als durchaus mal geben, mir auf Dauer allerdings etwas zu blümerant.

SAM

Weiter ging es zur Bühne II an der Wandelhalle, auf der nun ein wenig terror-affiner Act vorstellig werden sollte. Das Duo SAM aus Stuttgart ist im Hip Hop-Genre beheimatet, ein Herr namens Samson rappt und sein Bruder Chelo bedient die Beatbox. Verglichen werden die Beiden oftmals mit dem megaerfolgreichen CRO, kein Wunder also, dass sich dessen Label Chimperator auch die Dienste der jungen Herren gesichert hat, deren Debüt Single auf den schönen Namen „Liebe zur Musik“ hört. Enough said, denn der SAM-Sound ist wirklich nicht mein Cup of Tea, wobei man zumindest konstatieren muss, dass das Bruderpaar sehr sympathisch rüberkam.

CHAKUZA

In ähnlichen musikalischen Fahrwassern ging es dann auf der Hauptbühne weiter, wobei der Namensgebende Fronter CHAKUZA immerhin mit einer „richtigen“ Band agierte. Ist ja momentan auch schwer angesagt der Crossover aus Rap und Rock/ Pop. Nicht zu verwechseln mit der 90er Bewegung, die Acts wie CLAWFINGER und Co. hervorbrachte. 2013 ist alles etwas gemütlicher und nachdenklicher. Die Vita des Fronters liest sich recht interessant. Es handelt sich hier um einen Herren aus Linz, der mit Glück und Geschick die Gunst BUSHIDOs erlangen konnte und auf dessen Label Ersguterjunge 3 relativ erfolgreiche Alben veröffentlicht hat. Danach folgte allerdings der Bruch und nach einer kurzen Phase der Neuorientierung und persönlicher Rückschläge der Wechsel zum Label Four Music. Das Ganze auf dem aktuellen Werk „Magnolia“ deutlich melancholischer, intimer und musikalisch offener (und erfolgreich: Platz 5 in den LP-Charts). Der frühere „Battle Rap“ hätte auch nicht in den gediegenen Kurort gepasst. Und selbst in der aktuellen Inkarnation schien der Herr CHAKUZA sich nicht völlig wohlzufühlen, so richtig kam sein leicht prollig angehauchtes Ensemble nicht an bei der chillenden Kundschaft. Die Setlist bestand ausschließlich aus „Magnolia“-Tracks, inklusive der Single-Auskopplung „Notlandung auf Berlin“, bei dem auf Platte immerhin Sebastian Madsen mit an Bord ist. Mit dem Freetrack „Hurrikan“ (ein Danke für die vielen Facebook-Freunde) verabschiedete sich der Wahlberliner bei immer noch brütender Hitze. Nicht völlig uninteressant aber auch nicht meine neue Lieblings-Band.

Setlist CHAKUZA (ohne Gewähr)
Windmühlen
Hollywoodliebe
Kopf unter Wasser
Ich lauf
Dieser eine Song
Notlandung auf Berlin
Sanduhr
Soundtrack deines Lebens
Decke
Hurrikan

ABBY

Größere Chancen auf so einen Titel hatten dann schon die nachfolgenden ABBY, die in diesem Jahr an jedem Melkschemel spielen (dies ist ein Zitat), mir aber bis dato auch noch nicht untergekommen waren. 4 Wahlberliner, die sich an der Mannheimer Popakademie kennengelernt haben und schon auf einige Erfolge zurückblicken können. Auftritte in den USA und im Vorprogramm von etwa GET WELL SOON. Ein Plattenvertrag mit Island/ Universal. Vergleiche mit SNOW PATROL und eigene Produzententätigkeit (beispielsweise mit RAY WILSON). Auf der kleinen, etwas beengten zweiten Bühne zeigte sich schnell, womit ABBY überzeugen können. Leidenschaft, musikalische Vielseitigkeit und äußerst sympathisches Auftreten. Songs zwischen Indie Pop und Prog Rock mit einer gehörigen Portion Electronica, die sich immer weiter steigern und in wilden Soundkaskaden enden, das alles mit Hippie-Charme und teils barfuß vorgetragen. Zumindest in den vorderen Reihen wurden ABBY dann auch sehr positiv aufgenommen, der Kontakt mit den Zuschauern wurde immer wieder gesucht, insbesondere von Multitalent Tilly, der neben der Gitarre auch die Flöte und diverse Effektgeräte bediente. 7 der 8 dargebotenen Tracks finden sich auf dem Langspiel Debüt „Friends and Enemies“, bei dem Erlebnisse der namensgebenden Abby (eine Real Life-Freundin von Sänger Filou) vertont wurden. Lediglich „Again“ ist bereits auf einer früheren EP enthalten. Mein Überraschungs-Sieger des Tages!

Setlist ABBY (ohne Gewähr)
This Song remains through all
Streets
Evelyn
Calypt
Again
Calm Down
Monsters
Riddles

FRIDA GOLD

Doch nun schnell zur Hauptbühne – FRIDA GOLD um die exzentrische Frontfrau Alina Süggeler standen auf dem Programm und erstmals wurde es richtig voll. Kein Wunder, konnte die neue, 2te Scheibe „Liebe ist meine Religion“ doch von der Spitze der Media Control Charts grüßen. Zudem ist die Dame aus Hattingen, die ja auch in diversen ESC-Jurys ihren Ruhm mehren konnte, optisch ein absoluter Hingucker. Wer gehofft hatte, dass die enorm hohen Temperaturen sich vielleicht in ihrem Outfit niederschlagen würden, sah sich schnell bestätigt. Nach kurzer Auf“wärm“phase agierte die kurzgeschorene Lady oben rum nur noch spärlich bedeckt, was zu leichten Tumulten im Fotograben führte – und zur Erkenntnis, wie gut trainiert das Teilzeit-Model doch ist. Leider kann sie stimmlich nicht ganz mit ihrem Körper mithalten, Vocals wie Sound ingesamt wirkten doch etwas drucklos, wenngleich noch akzeptabel. Neben Frau Süggeler verkommen die Herren der Combo etwas zur Staffage, lediglich Basser Andi Weizel vermag hier noch ein paar Akzente zu setzen. Trotz des Erfolges des zweiten Albums gefällt mir der Erstling „Juwel“ deutlich besser, der Wandel von Electro Pop hin zu einer Mischung aus 90er-Kirmestechno und Schlager ist zwar biographisch mutig aber qualitativ meiner bescheidenen Meinung nach etwas unausgegoren. Besonders schade natürlich, dass FRIDA GOLD überwiegend aktuelle Tracks präsentierten, die erfolgreichen Alt-Singles „Zeig mir wie du tanzt“/ „Unsere Liebe ist auf Gold“ und zum Abschluss natürlich „Wovon sollen wir träumen“ mal ausgenommen. Wobei ein paar der neueren Songs wie „Rosegarden“ oder „Die Dinge haben sich verändert“ auch ganz nett sind. Mit der recht lieblosen Single „Liebe ist meine Rebellion“ kann ich allerdings nur wenig anfangen. Während die Temperaturen so langsam auf ein einigermaßen erträgliches Maß herunterfuhren, beendeten die Gold-Fridas gegen 22 Uhr ihr Set, das überwiegend von Alinas Performance lebte und so insgesamt doch genügend Unterhaltungswert bot.

TIM BENDZKO

Auf MAXIM, den Headliner der kleinen Stage, verzichteten wir zwecks Nahrungs- und Getränkeaufnahme und widmeten uns gleich dem absoluten Höhepunkt (jedenfalls für die allermeisten Mädels) des Abends. TIM BENDZKO startete mit großer musikalischer Begleitband (inkl. 2 Background-Sänger, Cellistin Frédérique Labbow und Co.) kurz vor 23 Uhr mit seinem Befindlichkeits-Pop durch. Der gebürtige Ost-Berliner hat sich mit nur 2 Alben zu einem der wichtigsten deutschen Gegenwarts-Acts gemausert, sein 2013er Werk „Am seidenen Faden“ erreichte ebenso wie das Pendant von FRIDA GOLD Platz 1 in der Rangliste. Schon eine Auszeichnung für das Parklichter Event. Nicht nur auf, auch VOR der Bühne wurde es jetzt eng, durch die Massen gab es kaum ein Durchkommen mehr. Wobei Tim scherzhaft fragte, ob auch Männer anwesend wären, die aus freien Stücken und NICHT als Anhängsel zuschauen würden. Unsympathisch ist der Herr nicht, der auch optisch einen angenehm erdigen Eindruck hinterließ. Mit dem Opener-Trio „Die Geier kreisen schon“, „Ich steh nicht mehr still“ und „Ohne zurück zu sehen“ startete man ins Geschehen, die bis dato erfolgreichste Single „Nur noch kurz die Welt retten“ wurde schnell an Position 5 ins Rennen geschickt. Natürlich mitgesungen aus vielerlei Kehlen. Ein paar Stücke weiter ging uns allerdings nach dem anstrengenden Tag so langsam die Luft aus, und so schlenderten wir begleitet von Tims Musik zurück zu unserem Untersatz. Ein wahrhaft „heisses“ Event näherte sich dem Ende, das einige optische wie musikalische Highlights zu bieten hatte, auch wenn typisches Terror-Futter eher rar gesät war. Das gleicht aber das wunderschöne Ambiente mühelos wieder aus, so dass es uns sicher auch 2014 wieder ins Herzzentrum ziehen wird. Etwas mehr rockige Töne würde ich mir dann aber durchaus wünschen…

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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