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PARKWAY DRIVE – DESPISED ICON – WINDS OF PLAGUE – THE WARRIORS – 50 LIONS

Ort: Köln - Essigfabrik

Datum: 01.05.2010

Erster Mai: Auf der einen Seite „Tag der Arbeit“, auf der anderen ein Feiertag. Und da der Terrorverlag immer aufs ganze geht, ist er in diesem Jahr gleich beides für uns. So machten wir uns dann genau dort an die Arbeit, wo eine großartige Feier mit großen Namen lockte. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen? Nicht mit uns, wir wollen alles, und wir wollen es jetzt!

50 LIONS

Darum gar nicht erst lange Fackeln und direkt los, denken sich auch die 50 LIONS, als sie um 19:50 Uhr auf die Bühne der ausverkauften Essigfabrik stürmen. Mit Hardcore der alten Schule will die Truppe rund um Oscar McCall, dem Bruder von PARKWAY DRIVE-Frontmann Winston, die Kölner Menge in Bewegung bringen – und die lässt sich auch nicht lange bitten. Schon nach wenigen Minuten brechen die ersten Pits los, man scheint sich hier viel vorgenommen zu haben; sowohl vor als auch auf der Bühne. Dort hilft Shouter Oscar auch direkt hilfsbereit den eifrigen Stagedivern beim Erklimmen der Bühne, während er mit seinem kreischigen Organ den Oldschool-Hardcore seiner Kollegen bei Stücken wie „Faithless“ weiter anpeitscht. Das Quintett bewegt sich fleißig auf der Bühne und weiß um seine Aufgabe als Opener bestens Bescheid: „wir müssen hier die Leute heiß machen“. Und diese sind heute vor allem heiß auf eines: stage diven! Beeindruckend, wie wie viele schon so früh bei der Veranstaltung die Einladung in Form eines fehlenden Fotograbens und nicht vor der Bühne postierten Securities wahrnehmen. Das ist natürlich ganz im Sinne des Erfinders, oder in diesem Fall des ackernden Oscars: „Tut mir einen Gefallen und macht Party! Springt, fangt, survt…ich will mehr!“ Mehr gibt es dann auch, der Bitte wird unter anderem mit Circle Pits umgehend nachgegagen und jede Gelegenheit zum Schreien ins Mirko herbeigesehnt. Die Australier machen ihre Sache ganz gut, wirken zwar manches Mal etwas unroutiniert, bewahren sich aber während ihres gesamten Sets ihren (Löwen-)Hunger. Knackicke Nummern wie das live in seinem Mittelpart etwas an LIMP BIZKITs „Breakstuff“ erinnernde „Snakes“ oder das punkig anmutende „Fear“ heizen die Stimmung jedenfalls genau so an, wie das abschließende „Time is the enemy“. Hier ist die Zeit jedoch kein Feind der „Löwen“, die fast 30 Minuten hat man unterhaltsam und anheizend genutzt.

THE WARRIORS

Gegner sind um 20:30 dann ebenfalls nicht in Sicht, doch „die Krieger“ erobern trotzdem die Bühne – und das ist auch gut so! Mit einem netten „Hello, we are THE WARRIORS“ und dem groovenden Stampfer „Scene Celebrity“ macht man da weiter, wo vorher gefühlte 50 Löwen gewütet haben. Die Kalifornier geben sich dabei allerdings deutlich Crossover-lastiger, was bei dem folgenden und extrem treibenden „And Yet They Say“ auch nur schwer zu leugnen ist. Aber warum sollte man es auch leugnen, ein erheblicher Anteil der Ticketzahler geht zurecht richtig steil, was sich in reißenden Circle Pits und natürlich einer Flut an Crowd Surfern äußert. Vor der Bühne ist man somit also endgültig in Partylaune – und auch auf der Bühne gibt es einen Grund zu feiern: „Heute ist ein besonderer Tag, den unser Drummer Kyle hat heute Geburtstag. Er ist jetzt 16 geworden und darf endlich Bier trinken“ witzelt Sänger Marshall (der zwischendurch auch mal mit seinem T-Shirt über den Kopf gezogen weitershoutet) von der Bühne, doch statt eines Geburtstagsständchesn gibt es lieber „New Sun Rising“ und „Red, Black and Blue“ zu hören. Dabei klingt das Quintett nicht nur gut, es entpuppt sich auch als absoluter Hingucker, wenn man auf souveräne und aktive Bühnenpräsenz steht. Marshall siedelt sich live anders als auf der Konserve mit seinem variablen Organ grob irgendwo zwischen Marcus Bischoff von HEAVEN SHALL BURN und Max Vegas von den großartigen PILGRIMZ an, während vor allem Gitarren-Schwergewicht Javier sich als geborener Performer gibt. Doch auch ihre Kollegen geben on stage absolut alles, springen, lassen die Haare kreisen und Crew-Shouten, was das Zeug hält. Klar, dass auch die Fans vor dem kühnen Sprung in die Menge erst noch gerne einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, um ein paar Vocals abzulassen. Leider passierte das nicht bei dem nicht in der Setlist vertretenen „Set the stage“, doch dafür lässt man den Auftritt ähnlich krachend mit „Slings and Arrows“ und „War is hell“ nach einer tollen halben Stunde ausklingen.

Setlist THE WARRIORS
Scene Celebrity
And Yet They Say
New Sun Rising
Red, Black and Blue
Genuine Sense Of Outrage
Transister
Slings and Arrows
War Is Hell

WINDS OF PLAGUE

Um 21:15 kommt es dann zu dem von Auftritt, auf den ich an diesem Abend am meisten gespannt war. Viel Negatives ist über die Liveperformance von WINDS OF PLAGUE zu lesen und ich möchte an dieser Stelle vorweg nehmen: absolut zu unrecht! Von uninspiriertem Deathcore ist da die Rede, von unsympathischen Posern… Hallo?? Der Markt ist überflutet von unzähligen „Kopien von Klonen von Plagiaten von Deathcore-Bands“, die verdammt nochmal durch die Bank weg auf dicke Hose machen. Man schaue sich doch einfach mal um, wieviele Bollos rumlaufen; so hat nunmal jedes Genre seinen (Kleidungs-/Lebens-)Stil. Und wer nach dem netten Sprachsample-Intro beim Opener „Chest And Horns“ immer noch an 0815-Deathcore denkt, der will es auch nicht besser wissen. Natürlich zermalmen hier Breakdowns, blasten die Drums bis Funken sprühen und growlt Fronthühne Johnny Plague in den tiefsten Tönen – das ist nunmal das Konzept dieser Art von Musik. Mit dem epischen Keyboardensatz von Alana Potocnik und den krassen Breaks und Tempiwechseln hebt sich die Truppe aber eben doch aus der grauen Masse hervor. Hervor stechen dann auch die Klänge vom gewaligen „Decimate the weak“, und zwar aus dem großzügigen ausströmenden Bühnennebel, was die tobende Menge allerdings nicht von Blindflügen von der Bühne oder den Boxentürmen abhält. „Bounce! Bounce! Bounce!“ Zum Glück war es keine Vulkanasche, sonst hätte man an dieser Stelle wohl auf Stage Dives verzichten müssen. Dafür hat man allerdings scheinbar die Chance auf einen klasse Sing Along übersehen, der sich bei diesem Song an geeigneter Stelle ja eigentlich aufzwingt. Doch nicht nur Leute fliegen hier, auch Engel sind unterwegs, und zwar die „Angels Of Debauchery“. Sauber und scharf feuert man die Stakkatos heraus, Tastenfee Alana untermalt den rauen Sound (trotz dass sie manchmal etwas in Gedanken verloren scheint) atmosphärisch und Subwoofer Johnny pig-squealt aufs Feinste. „Can you feel it?!?!“ hallt es da von der Bühne. Oh ja, das kann man! „Es ist wirklich eine Ehre hier zu sein, vielen Dank auch an die großartigen Bands, mit denen wir hier sein können und vor allem danke an euch! Und jetzt kommt her, rauf zu uns, wir wollen mehr Leute hier oben“ fordert der Muskelmann, hinter dessen harter Schale ein wirklich zuvorkommender Typ steckt, wovon ich mich an diesem Abend noch kurz selber habe überzeugen können. Von „One Body Too Many“ kann also eigentlich nicht die Rede sein, trotzdem gibt es den Brocken nach dem starken „The Impaler“, bevor man mit „Reloaded“ zum Abschluss nocheinmal richtig die pure Harcore-Keule schwingt. Obwphl die Drums zu Beginn zu laut gewesen sind, ein ordentlicher Auftritt des Sextetts, das derart schlechte Livekritiken pauschal nun wirklich nicht verdient hat.

Setlist WINDS OF PLAGUE
Chest And Horns
Decimate The Weak
Angels Of Debauchery
The Impaler
One Body Too Many
Reloaded

DESPISED ICON

Über den Ruf der nun folgenden Truppe brauch man hingegen wirklich nicht mehr zu diskutieren. DESPISED ICON sind mittlerweile nun eher schon die titelgebenden „verehrten Ikonen“, und das auch zu recht. In ihrem letzten gemeinsamen „Musik-Jahr“ wollen es die Kanadier noch einmal richtig krachen lassen und klar stellen, dass der Titel des Openers nichts mit ihrem beeindruckenden Werdegang zu tun hat: „All for nothing“! Unbarmherzig wie eh und je hämmert das verdammt tighte Drumming von Alex Pelletier auf die Rezipienten ein, deren Euphorie und Abgehpotential sich von Band zu Band steigern, was nun wirklich fast beängstigent ist. Hat Steve Marois (mit – WINDS OF PLAGUE-Kritiker aufgepasst – 2 PAC Shirt inklusive „I wonder if hell got a ghetto“ Aufschrift) anfangs noch mit einem lustigen „1, 2, Check“-Liedchen den Soundcheck eher nett gestaltet, brüllt er sich nun mit Kollege Alex Erian die geübten Stimmbänder wund. So muss man beim anschließenden „A fractured hand“ doch um einiges mehr bangen als nur um seine Hand. Die Pits ziehen immer größere Bahnen; ein Umstand, den man mit „Fuck this place up“ aus dem Munde der „verachteten Ikonen“ normalerweise also nicht weiter erklären müsste. Band und Fans haben sichtlich ihren Spaß: einem „If you are having a good time say ’scheiße‘ “ folgte eben das kollektive Schimpfwort!!!“ und eine Wall Of Death darf natürlich ebenso wenig fehlen. „Retina“ sowie „Day Of Mourning“ lassen einen trotz all der Wucht bei dem Gedanken an die Auflösung der Kombo ja schon etwas wehmütig werden, doch diese Tatsache erwähnt der Deathcore-Sechser erst gar nicht und man merkt es ihm auch nicht an. Gut gelaunt wird einem kreuzenden Bühnenstürmer einfach mal eben die Cappy vom Kopf geklaut und aufgesetzt (und selbstverständlich später wieder zurück gegeben), quasi im Gegenzug wirft man die eigene Kopfbedeckung bereitwillig dem Pit zum Fraß vor und teilt gerne sein Mikro. In diesem versenkt man auch die beeindruckenden Pig Squeals von „In The Arms Of Perdition“ und „Furtive Monologue“, ehe man seinen Fans für all die tollen Jahre dankt und ihnen dafür den brachialen Smasher „MVP“ widmet, welcher abermals die Hölle losbrechen lässt. Eine leider recht kurze Setlist, die man von kurz nach 22 Uhr bis um 22:40 Uhr durchjagt, dafür aber bestückt mit jenen Songs, die man von DESPISED ICON einfach nochmal hören muss (natürlich gibt es da aber noch reichlich weitere), bevor sie zum Ende des Jahres von der großen Bühne abtreten. Auf dieser Bühne sind die Jungs aber definitv immer willkommen, hat man hier die Essigfabrik doch fast dem Erdboden gleich gemacht.

Setlist DESPISED ICON
All For Nothing
A Fractured Hand
Retina
Day Of Mourning
In The Arms Of Perdition
Furtive Monologue
MVP

PARKWAY DRIVE

Doch zum Glück steht diese um 22:55 Uhr noch, denn so schützt sie uns zwar nicht vor dem als Intro fungierenden Gewitter, sondern bietet vielmehr dem Headliner des Abends seine verdiente Bühne: PARKWAY DRIVE. Das „Horizons“-Intro „Begin“ erklingt, unser Interview-Gast an diesem Abend, Sänger Winston McCall, begrüßt die Leute beeindruckt mit „Wow, so much people“ und dann geht es auch schon los mit dem Killersong „Boneyards“. Die Meute rastet aus – zwar ist die Stimmung den ganzen Abend hindurch schon wirklich toll gewesen, doch hierauf haben sie scheinbar alle gewartet. Hier hält es wirklich niemanden mehr, auch Winston nicht, der wie üblich an dieser Stelle den Sprung von der Bühne wagt. Bei seiner Rückkehr bringt er nur ein begeistertes „Holy shit“ heraus, um danach mit „Idols & Anchors“ nachzusetzen. Die unfassbaren Melodien der Saitenfraktion kommen auch live einfach nur herrlich, jedoch hat man am Anfang noch mit einigen Problemen seitens der Soundabnahme bei der Lead-Gitarre zu kämpfen, die noch einige Aussetzer hat. Die Australier nehmen es gelassen und bekommen nach „Smoke’Em If You Got’Em“ vom Durchbruch-Album „Killing With A Smile“ laute „PARKWAY DRIVE“-Chants zu hören, was die Besungenen sichtlich freut. Das Dankeschön? „Carrion“! Wie aus einem Mund startet der Tanztempel-Hit und wird auch in weiterer Folge wie an sich jede Komposition der Metalcore-Helden durchgehend mitgesungen. Die perfekten Breakdowns bringen gleich an mehreren Stellen die Pits in Wallung, so dass man sich schon wirklich fragt, wo dann noch all die Leute herkommen, die pausenlos über einen rüberfliegen. An diesen Abend sind mit Sicherheit mehr Leute über mich rüber gegangen als über Dolly Buster! Das ist schon kein Konzert mehr, das hier ist Sportspringen mit musikalischer Untermalung. Diese dafür dann aber natürlich erstklassig mit bekannten Hits wie „Guns For Show, Knives For A Pro'“ inklusive eines mega Live-Growls und dem starken „Mutiny“. „Springt, nicht tanzen hier“, spaßt Winston von der Bühne. Winstons Bruder, 50 LIONS-Shouter und nun auch On Stage-Fotograf Oscar sorgt dabei auch fleißig für Nachschub, in dem er eifrig unzählige Leute auf die Bühne zieht. „Köln, ich glaube an diesen Abend habt ihr euch selbst zur Stage Diver-Hauptstadt befördert“ lobt er noch, bis ein einzelner Typ auf der Bühne auftaucht. „Was willst du denn hier? Wir spielen doch grad gar keinen Song“, lacht Winston. „Warte, extra für dich spielen wir…“, doch dann ist der Typ bereits einfach gesprungen – ohne Musik. Schon irgendie merkwürdig. Merkwürdig im positiven Sinn dann das folgende Stück, denn es handelt sich dabei um das bisher einzige so wirklich bekannte vom neuen, bald erscheinendem PD-Album und es nennt sich „The Unrest“. Eine kurze, knackige und verdammt schnelle Nummer, die absolut Lust auf mehr macht und auch entsprechend gut angenommen wird. Es kommen noch „Dead Man’s Chest“, dessen gefeaturerter Part von einem textstarken Fan übernommen wird und „The Siren’s Song“, bis man mit dem Titeltrack des (noch) aktuellen Albums langsam das Ende einleitet. Das Quintett zeigt sich weiterhin in Topform, die Tourstrapazen – sofern sie welche haben – scheinen ihnen nicht viel auszumachen, stattdessen geht man mit viel Eifer und Freude an die Sache, was sich bei den sympathischen Australiern in einer sauberen, unterhaltsamen Darbietung bemerkbar macht. Winston ist bei ebenso guter Stimme wie auch Laune, so ist es auch kein Wunder, dass man die lauten „One more Song“-Sprechchöre nicht ohne (natürlich) „Romance is dead“ verklingen lässt. Um 23:45 Uhr klatscht man dann mit jedem sich in Reichweite befindlichem Anhänger am Bühnenrand ab und hält zu den letzten Tönen sogar noch die Gitarren in die Menge, so dass selbst die Terrorverlags-Fotografin an diesem Abend nochmal eben in die Saiten greifen darf. Ein äußerst gelungener Auftritt mit einer wahnsinnigen Stimmung und einer Setlist, die man so erwarten musste. Doch das neue Album steht direkt vor der Tür und hat mit „The Unrest“ ja schonmal seine Fußspitze hineingeschoben. Dem an sich starken aber nun schon recht strapazierten Live-Set wird die Scheibe gut tun, den Fans und vor allem dem ganzen Metalcore-Genre. Ein großartiger Abend endet also mit großartigen Aussichten.

Setlist PARKWAY DRIVE
Begin (Intro)
Boneyards
Idols & Anchors
Smoke’Em If You Got’Em
Carrion
Guns For Show, Knives For A Pro‘
Mutiny
The Unrest
Dead Man’s Chest
The Siren’s Song
Horizons

Romance Is Dead

Copyright Fotos: Tina Hintze

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