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PARTY.SAN 2008

Ort: Bad Berka

Datum: 07.08.2008 - 09.08.2008

Zum ersten Mal stand in diesem Festivalsommer ein dienstlicher Besuch unserer Redakteure beim Party.San im nahe dem beschaulichen Weimar gelegenen Bad Berka auf dem Programm. Aber wie das manchmal leider so ist, so machten berufliche Verpflichtungen und eine zeitweise deutlich angespannte Verkehrslage auf den Autobahnen jegliche Hoffnung zunichte, pünktlich am Donnerstagabend zur ersten Band auf dem Festivalgelände einzutreffen. Was an sich aber eigentlich nicht allzu unrealistisch gewesen wäre, denn immerhin ging es erst um 20h los mit dem Programm. Ändert aber nichts daran, dass ich ohnehin mal wieder auf den Donnerstag als offiziellen Festivaltag schimpfen muss. Wie dem auch sei. All denen, die noch nie auf dem Party.San waren, weiß ich gar nicht so recht, was ich zusammenfassend berichten soll: Das Festival hat es sicherlich verdient, in den höchsten Tönen gelobt zu werden – zu viel Werbung allerdings wäre andererseits auch wieder kontraproduktiv, denn: Ein ganz großes Plus am Party.San ist eindeutig die überschaubare Größe von Festival und Billing. Keine Massenüberfüllung und kein Freizeitstress hinsichtlich des Timings, um favorisierte Bands auch bloß nicht zu verpassen. Da es auf dem Party.San nur eine Bühne gibt, fällt das sonst so häufig notwendige Hin- und Hergelaufe zwischen verschiedenen Venues einfach weg, und man kann umso entspannter der Musik lauschen. Kein unzählige Hektar großes Festivalgelände, keine kilometerlangen Wege vom Campingplatz zur Bühne, keine Urinfahne, die über dem Festivalgelände schwebt. Alles halt ein wenig kleiner. Vielleicht zunächst ein wenig befremdlich, wenn man sich sonst auf den Riesenfestivals der Branche herumtreibt, aber deutlich angenehmer! Was jetzt aber nicht heißt, dass das Party.San schlecht besucht wäre: In diesem Jahr sollen es an die 9.000 Besucher gewesen sein.

Wir befinden uns also etwas fernab des „Mainstreams“ im Bereich der Metalfestivals, was letztlich auch ein Blick auf das Billing beweist. Hier zentriert sich die stilistische Ausrichtung der Bands schon ganz deutlich in den Bereichen Death und Black Metal, ohne Platz für seichte Unterhaltung auf der Running Order zu lassen. Apropos Black Metal: Zu überflüssigen Zwischenfällen mit unreflektierten Herrschaften aus dem rechten Lager – bekleidet mit Shirts entsprechender Bands – ist es nicht gekommen, soweit ich das beobachten konnte. Die entsprechende Kampagne des Party.San-Teams scheint inzwischen also tatsächlich zu fruchten. Am Einlass behielten es sich die Securities dann auch vor, bei unleserlichen und/ oder ihnen unbekannten Bandschriftzügen einmal näher nachzuforschen. Ebenso positiv fällt dann auch die Auswahl der Verkaufsbuden auf: Hier kann man wirklich noch in erster Linie Musik erwerben, dazu dann natürlich das obligatorische Merchandise. Nicht jeder zweite Stand versucht, Sonnebrillen, Buttons, pseudo-rockige Klamotten und lustige Hüte unter das Volk zu bringen. Sehr gut! Was die kulinarische Versorgung betrifft, so ist eigentlich auch für alles gesorgt, vom Crêpe-Stand über die Eisbude bis hin zu dem Versorgungszelt von Nagel Food, wo belegte Brötchen genauso zu erwerben sind wie unschlagbar günstige Pommes und Nudelgerichte. Allerdings schien das Team des oben genannten Caterers das beizeiten zu großen Teilen aus unerfahren gecasteted SchülerInnen in den Sommerferien zu bestehen schien, mitunter recht unkoordiniert in seiner Vorgehensweise, so dass man auch ohne Warteschlange schon mal etwas länger auf seine Verköstigung warten konnte. Aber da kann man getrost auch mal ein Auge zudrücken.

DONNERSTAG

SKYFORGER

Gerade noch rechtzeitig zum Auftritt SKYFORGERs erreichten wir das Festivalgelände. Die Letten waren an diesem Abend nur zu dritt, da der zweite Gitarrist Rihards – so ließ man verlauten – krank sei, und Fronter Peter hoffte, man möge dessen Fehlen vergessen. Was sich leider, so sollte sich zeigen, nicht so einfach bewerkstelligen ließ, denn der Soundstruktur fehlte es mangels der zweiten Gitarre natürlich deutlich an Tiefe und auch an Druck. Und auch die Passagen mit Warchants fielen heute zumeist eher mager aus. Bassist Zirgs wechselte immer wieder zwischen seinem seitlich stehenden Mikro und dem auf der anderen Seite der Bühne vakant platzierten Mikro für den fehlenden Rihards hin und her. Zudem vermisste ich den Musiker Kaspars, der mir doch mit seinen vielen Flöten, dem Dudelsack und seiner schüchternen und zugleich hochkonzentrierten Art im Gedächtnis geblieben war. Immerhin gehören genannte traditionelle Instrumente in einigen Songs der Letten dann doch dazu, so dass nun bei der Live-Präsentation bei einigen Stücken entsprechende Instrumentalparts vom Band kamen. Das Backdrop zeigte das Albumcover des 2005er Re-Releases „Semigalls’ Warchant“, was aber in diesem Falle keine Rückschlüsse auf die Setlist gab. Präsentiert wurden Titel wie „Be like a Man“ und „Death Island“ und zu guter Letzt gab es noch „Kurshi“ zu hören, wobei hierzu Wellengeräusche vom Band abgespielt wurden. Interessanter Weise hat mir der Gig trotz genannter Defizite und eines erblindenden Strobo-Lichtes wieder einmal sehr gut gefallen, so dass ich schlichtweg konstatieren kann, dass SKYFORGER sich live immer wieder lohnen.

DISMEMBER

Um kurz nach Mitternacht stand dann schon das erste wirkliche Highlight des PSOA auf der Bühne und legte direkt mit einer Klassiker-Setlist, die alte sowie neue Stücke vereinte, los. Neulingswerke wie „Dark depths“, “Under a blood red sky” und “Tide of blood” standen Titeln wie „Life – another shape of sorrow“, “Forged with hate” und “Dismembered” in nichts nach und haben den geneigten Hörer schnell überzeugt. Die Atmosphäre sowohl auf als auch vor der Bühne war überaus ausgelassen, so dass DISMEMBER das Publikum noch einmal richtig forderten, bevor es in eine mehr oder weniger beschauliche Nacht entlassen wurde.

FREITAG

TYRANT

Ganze zehn Minuten zu früh standen die Senkrechtstarter TYRANT auf der Bühne. Bereits Ende letzten Jahres konnte ich mir bei der Clubtour von GORGOROTH die Schweden ein wenig genauer anschauen, und wenngleich ich den Durchmarsch der Herren nicht vollkommen nachvollziehen kann, so kann man sie sich doch wahrlich gut anhören, was sicherlich auch den diversen groovigen Passagen in den Songs zuzuschreiben ist. Das Motto „Raw – Simple – Ugly“ trifft es hierbei schon ganz gut. Ein etwas siffiges Outfit mit abgetragenen Jeansjacken an Bass und Gitarre und löchrigem Shirt am Mikro. Showtechnisch war hier wie gehabt nicht viel zu holen, denn während Gitarrist Bjärgö die meiste Zeit brav hinter seiner Monitorbox stand und diskret zu Boden schaute, präsentierte sich Fronter D.F. Bragman – mit zappelfester Pomade im Haar – die gesamte Spielzeit über mit überschäumender, verkrampft umschlossener Bierdose in der Hand und hinterließ hier und da seine Pfützen. Habe schon darauf gewartet, dass er gleich mal ausrutscht. Bassist Ekeroth wiederum, der schon ein wenig über den Durst getrunken zu haben schien, öffnete alle paar Songs eine neue Bierdose, nur um diese dann einige Zeit später halbvoll irgendjemandem im Publikum auf den Kopf zu werfen. Gespielt wurden Titel wie „Restart with the number 666“ und „Armageddon is here“. Der oben genannte Clubgig hat mir, so kann ich abschließend sagen, um einiges besser gefallen. Vielleicht doch noch ein wenig früh für TYRANT, größere Bühnen zu bespielen. Hängen bleiben wird bei mir in erster Linie die überaus leidenschaftlichen Küsse, die Bassist Ekeroth Gitarrist Bjärgö nach vollendetem Gig ohne lang rumzufackeln direkt auf den Mund aufdrückte. Da flogen nur so die Funken!

HAIL OF BULLETS

Den Vorsprung von 10 Minuten vor der eigentlichen Running Order beibehaltend, stand die noch recht junge Formation HAIL OF BULLETS mit den darin vereinten altbekannten Musikern auf der Bühne. Bei HAIL OF BULLETS setzte zeitweilig ziemlich doller Regen ein, der tatsächlich dazu führte, dass sich die Reihen vor der Bühne fluchtartig ausdünnten. Ein gut gelaunter Martin van Drunen beschimpfte die Fliehenden indirekt, indem er die vor der Bühne ausharrenden Musikfreunde für ihren Einsatz lobte. Vom im Mai veröffentlichten Debütalbum „…of Frost and War“ stammten folgerichtig die vorgestellten Titel, darunter etwa „Stalingrad“ und „Berlin“.

KAMPFAR

Frisch aus dem Studio, wo KAMPFAR ihr Neulingswerk „Heimgang“ eingespielt haben, welches im September erscheinen wird, enterten sie nun pünktlich die Bühne. Wie gewohnt war deutlich zu erkennen, wer in Wirklichkeit KAMPFAR darstellt – und das ist eindeutig ganz allein Fronter Dolk. Selbiger erschien wie gewohnt drahtig, dieses Mal aber zusätzlich derart sonnengebräunt, dass es schon ein wenig komisch aussah. Die anderen Musiker wurden in gewohnter Manier schlichtweg zu Statisten und erschienen ohne jedes Profil doch recht austauschbar. Neben „Troll, Død Og Trolldom“ gab es u.a. den ganz frühen Titel „Hymne“ zu hören, bei dem der Drummer growlte und der von Dolk vorgetragene Warchant dermaßen schief war, dass ich wirklich peinlich berührt war. Auch vom neuen Album wurden vorab schon Stücke präsentiert, so bspw. jener, der von Dolk auf Englisch mit „Der Tod kriegt uns alle“ umschrieben wurde. Insgesamt wieder einmal nicht ganz so mein Fall, was nicht nur an der Musik selbst, sondern auch an der unhomogenen Bandbesetzung liegt.

TÝR

Der Auftritt der Formation von den Färöer-Inseln, die stilistisch auch neben Bands wie KAMPFAR und SKYFORGER mit ihren Folk-Anleihen schon ganz klar aus dem Billing heraus stach, begann mit einem langen Intro. Präsentiert wurden Titel wie „Wings of Time“, natürlich „Hail to the Hammer“ und das brandneue „Lokka Tattur“.

UNANIMATED

Fast genau im Zeitplan betrat ein besonderes Bonbon des diesjährigen PSOA die Bühne, und zwar die lange in der Versenkung verschwundenen Herren von UNANIMATED. Der letzte Gig liegt derweil bereits ganze 14 Jahre zurück, und auf deutschen Bühnen war die Band sogar noch nie zuvor anzutreffen. Ganz eindeutig also eine Prämiere hier nun in Bad Berka, die vom Publikum auch zweifelsohne als solche begangen wurde. Die Bühne war mit einigen Kerzenhaltern mit roten und weißen Kerzen dekoriert, deren Flammen jedoch schon bald durch den Luftzug erloschen. Und auch bei UNANIMATED fanden wieder Pyros Verwendung. Gleich nach dem ersten Song verschwand Basser Richard Daemon auf Grund einiger Probleme mit seinem Instrument schon wieder von der Bühne, um ein wenig daran herum zu werkeln; so wirklich besser wurde der Sound aber trotzdem nicht. Sein Bandkollege Jojje Bohlin wartete mit einem auf die Rückseite seiner weißen Gitarre gezauberten Kreuz auf, welches beim Posieren in gewisse Ausrichtungen gebracht werden konnte. Zu hören gab es Titel wie „Oceans of Time“ und „In the Forest of the Dreaming Dead“, welches durch den leichten Hall, der auf Fronter Micke Janssons Mikro gelegt wurde, noch an Intensität gewann. Als Abschluss den absoluten Ohrwurm „Die Alone“. Insgesamt ein wirklich gelungener und vom Publikum freudig aufgenommener Auftritt UNANIMATEDs.

ENDSTILLE

Spätestens, seit einige Mitglieder ENDSTILLEs sich beim Bochumer Clubgig im April diesen Jahres gegenseitig mit Konfetti beworfen haben, gehören sie zu meinen persönlichen Favoriten. Eine Black Metal Band, die sich selbst nicht so richtig todernst nimmt und trotzdem souverän ein kompromissloses Set durchhämmert. Um kurz vor 22h setzte das Intro ENDSTILLEs ein und die Band, darunter ein etwas mopsig gewordener und mit einigen neuen Posen bewaffneter Fronter Iblis, betrat bald darauf die Bühne. Neben bewährten Klassikern wie „Frühlingserwachen“ und „Navigator“ war auch das letzte Output ENDSTILLEs bspw. mit dem Titeltrack „Endstilles Reich“ vertreten. Als Drummer Mayhemic Destructor – zwischendurch wieder Rotor-bangend – und Bassmann Cruor die Bühne gegen Ende der Spielzeit schon verlassen hatten, entschied sich Iblis recht spontan, doch noch einen Song drauf zu setzen und fing einfach schon mal an – was Mayhemic Destructor zu hektischem Herbeeilen zwang und von selbigem dann auch mit dem Stinkefinger Richtung Iblis bedacht wurde. Schön war dann auch die mit Kunstblut gefüllte PET-Flasche, die beim letzten Song von Iblis lange umher getragen wurde, ehe er sie zum großen Finale komplett über sich selbst entleerte. Kann nichts anderes konstatieren als dass ich mich immer wieder freue, ENDSTILLE live zu sehen.

BLOODBATH

Von einem Gros der Festivalbesucher als absolutes Highlight sehnsüchtig erwartet, wurden BLOODBATH frenetisch empfangen. Fronter Mikael Åkerfeldt bestach augenblicklich durch seine sehr höfliche Ausdrucksweise. Ein echter Gentleman, möchte man meinen. Dazu passten dann auch die schillernden Seifenblasen, die ihren Ursprung im seitlichen Publikum zu haben schienen, und zwischendurch auf die Bühne schwebten. Das Set jedoch durchbrach die Idylle immer wieder, dazu gehörten Titel wie „Bathe in Blood“, „So You Die”, “Cancer of the Soul”, “Like Fire”, “Ways to the Grave” und “Eaten”. Nichts zu meckern. Von weiblicher Seite aus muss man jedoch noch eben mal anmerken, dass die Bühnenoutfits ein wenig pfiffiger hätten sein können. Die mit Scheren und vornehmlich roter Farbe traktierten, ursprünglich weißen T-Shirts aller Bandmitglieder sahen aus, wie von der Batik-Gruppe eines Waldorf-Kindergartens angefertigt. Die mangelnde Bühnenpräsenz und musikalische Übermacht BLOODBATHs mögen dies jedoch entschuldigen.

BOLT THROWER

Doch den ganzen Tag begangen – ja die ganze Anreise – habe wohl nicht nur ich (Moses) aus lediglich einem Grund getätigt: BOLT THROWER! Die englische Kriegsmaschine spielte einen exklusiven Einzelgig und zeigte somit dem Wacken (welches ebenfalls in der Auswahl stand)den großen Kommerz-Stinkefinger! Logisch, dass der Merch-Stand wieder einmal völlig übervölkert und ratzekahl ausverkauft war. Das brechend volle Gelände explodierte um 0 Uhr15 förmlich bei erklingen des Intros und sofort verwandelte sich das gesamte Areal in eine huldigende Masse. Zur Performance kann der Rezensent jetzt gar nicht mal so viel sagen, da wegen 75 Minuten durchgehenden Propellerbangings die Augen mehr auf Grasnarbenhöhe lagen, als auf der Bühne. Was allerdings auch nebensächlich ist, denn diesen musikalischen Orgasmus muss man einfach nur aufsaugen, auf der Bühne geht’s eh immer genauso ab, wie davor. Die schiere Macht der gebotenen Tracks ließ sich auch nicht durch einen fetten Regenschauer verdrängen und zerbröselte alle anderen Combos zu absoluten Statisten! Geiler, intensiver, tödlicher, schädelspaltender und schlicht und ergreifend perfekter kann man Death Metal nicht zelebrieren. Und auch wenn ich die Jungs plus Dame noch 30mal sehe, wird wieder das Gleiche im Bericht stehen. Zumal man heute eine Setlist präsentierte, die man sich in den feuchtesten Träumen nicht vorgestellt hätte… so geil ist keine Frau der Welt (…)! Dass man sich von diversen Alkoholika „leicht“ beeinträchtigt die Rübe zu unverzichtbarem wie „No Guts No Glory“, „The Killchain“, „Cenotaph“, „Mercenary“, „The 4th Crusade“ oder „For Victory“ wegschüttelte und mit Karl im Chor mitgrölte, ist ja logisch… aber als ich das Intro von „In Battle there is no Law“ vernahm, fiel mir doch der 26.Coma Libre aus dem Gesicht! Alta! Nebenmann Kai angebrüllt, der zwischendurch auch mal nicht aufm Rasen lag, angesprungen und Arm-in-Arm Doppelpropellerbanging praktiziert, als gäbe es kein Morgen! Dass wir das noch erleben durften! Nebenbei gab es dann auch noch Seltenes wie „Remembrance“ zu bestaunen und mit „The Shreds of Sanity“ einen weiteren Alt-Klassiker!

Als nach 75 Minuten die letzten Töne verhallten, freute sich zwar der alte Körper aufs Bett (dass er das erst um 6 sehen sollte, wusste er da zum Glück noch nicht…), aber es war trotzdem schade, dass dieser einmalige Gig schon zu Ende war. Damit haben sich die Briten ein eigenes Denkmal gesetzt und wenn dieser Triumphzug auf DVD erscheinen sollte, baue ich noch einen weiteren Extra-Altar. Seeya next year several times! Passend zum Ende setzte wieder heftiger Regen ein, der uns zum Unterstellen ins Party-Zelt drängte…wo dann ein Death Metal-Uraltklassiker nach dem nächsten ertönte, welchen wir unglaublicherweise Bangend und Grölend bis zum Schluss mitnahmen in einem recht vollen Zelt. Geile Songauswahl! Für den nächsten Tag hatten wir uns etwas gebremsteres Vorgehen vorgenommen, doch es sollte wieder mal anders kommen…

SAMSTAG

KOLDBRANN

Fünf Minuten zu früh startete das Intro KOLDBRANNs. Bislang hatte ich die Formation nur auf kleineren Indoor-Bühnen zu Gesicht bekommen und umso gespannter war ich nun, wie sie sich hier auf der Bühne des PSOA machen würden. Die Voraussetzungen für eine Black Metal Band sind am Nachmittag zur besten Kaffeetrinkzeit natürlich nicht gerade ideal, zudem die Sonne den Zuschauern ziemlich auf den Kopf knallte. Und insgesamt zeigte sich auch recht bald deutlich, dass die Norweger Probleme hatten, die große Bühne zu beleben. Zu hören gab es Titel wie „Steinet til Jorden“, „Kaosmanifest“ und „Djevelens Treskeverk“. Und da es nach der 2006er-Veröffentlichung „Moribund“ nun wirklich wieder Zeit für KOLDBRANN geworden war, neues Songmaterial nachzuschieben, wird nun Mitte August die neue MCD „Stigma: På kant med livet“ erscheinen, von der vorab bereits der Titel „Opium Fields Forever“ präsentiert wurde. Zum Abschluss des Sets betrat ENBDSTILLEs Fronter Iblis die Bühne, um zusammen mit Mannevond „Bestial Swarm“ zum Besten zu geben. Hier wurde schnell deutlich, dass Iblis das Publikum sehr viel besser im Griff hat als sein norwegischer Kollege, der noch ein wenig an seinen Fronter-Qualitäten schrauben muss.

LEGION OF THE DAMNED

Ganz genau nach Plan setze das Intro LEGION OF THE DAMNEDs ein. Hinsichtlich des Bewegungspotentials der Festivalbesucher haben bei diesem PSOA ganz klar die Herren von LEGION OF THE DAMNED gewonnen, aber mit solch vielen groovigen Passagen in den Songs kann man ja eigentlich auch gar nicht anders als zu punkten. Auf der Setlist fanden sich Titel wie „Undead stillborn“, “Legion of the damned”, und “Bleed for me”. Bei „Son of the Jackal” forderte Fronter Maurice Swinkels das Publikum auf, noch einmal richtig Gas zu geben, und so geschah es den dann auch. Vor der Bühne waberte ein Meer von Haaren. Die Back- und Sidedrops auf der Bühne zeigten Motive des in den Startlöchern stehenden Albums „Cult of the Dead“, welches im Dezember pünktlich zur heimeligen Weihnachtszeit erscheinen wird. Interessierte sollten vielleicht auch schon einmal ausloten, wie weit es von ihrem Heimatort in Richtung Pott ist, denn eine entsprechende Release-Party wird am 19. Dezember in Bochum stattfinden. Und auch LOTD kamen nicht an Pyrotechnik vorbei, so dass ich zwischendurch ein wenig besorgt war um die wallende Mähne von Gitarrist Richard Ebisch – wenngleich es hier glücklicher Weise zu keinerlei brenzligen Situationen gekommen ist.

BEHEMOTH

Die Bühne zeigte das Backdrop des letzten Werkes „The Apostasy“, als BEHEMOTH selbige betraten. Nicht nur in ihrer mitunter als recht konservativ geltenden Heimat Polen dürfte die Band die Gemüter spalten. Und nicht nur der individuelle Musikgeschmack des Hörers dürfte hierbei die Beurteilung beeinträchtigen, sondern sicherlich auch die Live-Bühnenpräsenz der exzentrischen Herren. Denn die Show ist schon zeitweise ein wenig übersteigert. Wenn Fronter Nergal bspw. zum 20. Mal durch die Gegend spuckt und dabei grimmig guckt und Bassist Orion in überaus maskuliner Art und Weise mindestens genauso häufig einen Schwall von Flüssigkeit über ihn in die Luft befördert, dann hat das schon etwas Zwanghaftes. Andererseits sieht das ausgeklügelte Formationsgepose – zu dem auch Podeste hinzu gezogen wurden, die ich an für sich in den bereich Step-Aerobic einordnen würde – ja manchmal schon auch ein wenig adrett aus. Zumindest hat man sich Gedanken gemacht. In der Regel für mich aber doch ein wenig too much, auch bspw. die vom Cover der „Demigod“-Scheibe bekannte Maske, die Fronter Nergal zwischenzeitlich aufsetzte und krampfhaft versuchte, aus der kleinen Mundöffnung einen Schwall Kunstblut hervor zu pressen. Nach fast jedem Song verließen BEHEMOTH um Sessiongitarrist Seth bereichert die Bühne, um einige Augenblicke später strammen Schrittes zurück zu kehren.

OBITUARY

Auch mir (Moses) kommt das ganze Gehabe auf der Bühne etwas zu einstudiert vor, aber die Polen bieten immerhin auch was fürs Auge. Und dass man musikalisch mittlerweile das absolute NonPlusUltra im extremen Death/ Black-Bereich darstellt, ist unbestritten! Da bläst man wahrlich nicht gerade schwache Kapellen wie VADER oder MORBID ANGEL locker aus der Lederbuxe! Famos! Ob OBITUARY ihrem 90-minütigen Headlinerstatus da noch gerecht werden würden? Zumal der Gig in Wacken vor Wochenfrist nicht gerade prickelnd war… Doch zum Abschluss mobilisierten die Florida Deather noch mal alles, was noch laufen/ stehen konnte und legten einen stark verbesserten Auftritt hin, der sehr oldschool-lastig war. Wer mit den „Cause of Death“-Fegern „Find the Arise“ und „Chopped in Half“ einsteigt, der hat mal gleich gewonnen! Basser Frank war auch wieder am Start, Waldschrat Trevor ließ die beeindruckende Windmühle rotieren und wie John röchelt keiner am Mikro! So groovte man die versammelte Meute zu nächtlicher Stunde mit etlichen Klassikern und einer starken Performance ins Festival-End. Würdiger Headliner! Wer den Kahn noch nicht voll hatte (musikalisch…) – so wie wir -, der begab sich noch ins Party Zelt zum finalen Abschädeln mit open end, was auch vorzüglich gelang auf Grund der erneut geilen Songauswahl der DJ-Kollegen. Party all nite long! Irgendwo zwischen 4 und 5 müssen wir wohl Richtung Bett in Tiefengruben gewankt sein, während der Kollege Michael schön um 9 zur anstehenden Abfahrt erschien… Eine 2 (bzw. 3) Tage lange Riesensause war zu Ende und eins kann man sagen: Next year again! Superentspanntes, Fanfreundliches Festival, welches man nur jedem Extrem-Metaller ans dunkle Herz legen kann!
Seeya in 2009!!!

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