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PARTY.SAN 2015 – TAG 2

Ort: Schlotheim - Flugplatz Obermehler

Datum: 07.08.2015

Wie heißt es doch so schön – Grind am Morgen vertreibt Kater und Sorgen! Gemäß diesem Motto ging es am zweiten Tag des Party.San Open Airs direkt zur Mittagsstunde mit den niederländischen CLITEATER los. Spaß pur bei strahlendem Sonnenschein und einem gut gefüllten Gelände! Wer mich nun nach der Setlist fragt, den muss ich enttäuschen – ich habe keine Ahnung, was die Herren so gespielt haben, aber es hat geknallt! VANHELGD – ihres Zeichens eine schwedische Kapelle mit Freude an todesmetallischer Musik – schickten sich, an ordentlich nachzuliefern. Groovige Songs, aber leider für mich ohne einen gewissen Wiedererkennungswert. Bei GEHENNAH hatte ich mich im Vorfeld zunächst gefreut, bis ich das zusätzliche „H“ am Ende bemerkte. Statt norwegischem Black Metal gab es mit der dritten Band des Tages dann schwedischen Death/ Thrash. Auch nicht schlecht! Zumal es im Anschluss mit AETERNUS dann das erste Mal wirklich schwarzmetallisch wurde – und das bei brüllender Hitze. Nichts desto trotz gaben die Herrschaften um Frontmann Ares anständig Gas und bretterten den Fans ordentlich einen vor den Latz.

Über SOULBURN kann ich hingegen leider nicht allzu viele Worte verlieren. Die ersten zwei Songs habe ich zwar aus dem Fotograben mitbekommen, aber der Sound dort ist ziemlich unterirdisch, und danach wollte der Magen gefüttert werden, um anschließend pünktlich zu DESERTED FEAR wieder am Start zu sein. Die Jungs aus Thüringen gelten gerade als DIE Nachwuchs-Kombo im deutschen Death Metal und haben sich dieses Jahr bereits den Allerwertesten abgespielt. Und nun sozusagen vor heimischer Kulisse auf dem PSOA. Den Jungs war sichtbar anzusehen, dass sie nicht mit der Masse an Leuten vor der Bühne und deren Party-Stimmung gerechnet haben – aber das spornte sie nur noch weiter an. Und so rissen DESERTED FEAR amtlich die Bühne ab und verbrannten sogar die Gage mit extra vielen Pyros. Leider war die Spielzeit begrenzt und viel zu schnell vorbei, aber die Lokalmatadore von POSTMORTEM wollten schließlich auch noch mitmischen. Auf den ersten Blick schien das gar nicht mal so leicht zu werden, da vor der Bühne bis kurz vor Beginn noch massig Platz war, aber pünktlich zum Beginn waren die Reihen gut gefüllt. Und auch hier war die Stimmung gut, konnten die Herrschaften doch einige eingefleischte Fans in den ersten Reihen versammeln.

Stilistisch völlig anders hingegen klangen MELECHESH, ursprünglich aus Israel, unterwegs. Black/ Death mit Bezügen zur mesopotamischen Mythologie brachten das Quartett den Leuten zu Gehör, darunter einige Songs vom diesjährigen Album „Enki“ wie zum Beispiel den Opener des Sets „The Pendulum Speaks“ oder auch „Multiple Truths“. Deutlich bedachter und atmosphärischer ging es im Anschluss dann bei AGALLOCH zur Sache. Die US-Amerikaner sind in den letzten Jahren auch in Europa immer populärer geworden und mittlerweile auch so hier und da mal außerhalb der Staaten zu sehen. Ihr Mix aus Atmospheric Folk und Doom Metal mit Post-Rock Anklängen ist sicherlich nicht das, was man am helllichten Nachmittag erwartet, aber trotzdem allemal!

Das erste große Highlight erschallt dann in Form der holländischen Death Metal-Urgesteine ASPHYX. Fronter Martin van Drunen gehört ja schon zum Festival-Inventar und ein Jahr ohne ihn auf der Bühne ist kaum vorstellbar, mit welcher Band auch immer. Da der Mann ja nicht nur einer der geilsten Death Metal-Rülpser ever ist, sondern auch einer der Bodenständigsten und Sympathischsten, hat er die Menge von Beginn an im Griff. Schwierig ist es natürlich bei einem solch grandiosen Backkatalog schlanke 9 Songs für die heutige Setlist auszuwählen. Geht mit „Vermin“ schon mal gut los, das prall gefüllte Gelände geht gleich steil, steigert sich bei „Scorbutics“ noch und explodiert beim urgewaltigen „Death…the Brutal Way“ völlig! Kein Wunder, verkörpert der Track – obwohl noch recht neu – wie kein anderer Song das musikalische Ansinnen der Band. „Deathhammer“ ist allerdings auch nicht gerade untreffend betitelt… dem folgen noch die Klassiker „Wasteland of Terror“, „Asphyx“, „The Rack“ und „Last One on Earth“. Martin hat jederzeit den Schalk im Nacken und unterhält auch zwischen den Songs bestens, der Rest der Bande zimmert sehr spielfreudig ein gewaltiges Sperrfeuer und bereitet perfekt auf die folgenden BLOODBATH vor. Immer wieder großartig die Holländer!

Was dann über den Flugplatz reinbricht ist nicht mehr und nicht weniger als DAS überraschende und überragende Highlight des Festivals! BLOODBATH zocken einfach arschtight und mordsagil schwedischen Death Metal in Reinkultur, das wäre 1990 Champions League gewesen und ist es 2015 erst recht! Sicherlich profitiert man vom „Superstar“-Image und den Projekt-Charakter bedingten quasi Festival-only Gigs, aber man liefert halt auch exorbitant ab. In Sachen Zuschauerzuspruch ist man ganz klarer Tagessieger und muss sich Festivaltechnisch lediglich ganz knapp KATAKLYSM geschlagen geben. Wer im Vorfeld PARADISE LOST-Frontschnarcher Nick Holmes die Aufgabe des Death Metal-Frontgrunzers nicht zugetraut hatte und sich auch nicht von seiner famosen Performance auf der aktuellen Scheibe überzeugen ließ (im Studio kann man schließlich alles hinbiegen…), der dürfte hier und heute eines Besseren belehrt worden sein. Zu dem urschwedischen und in nahezu perfekt-brutalem Sound erschallenden Death Metal grunzröhrtröchelt Holmes, als hätte er nie was anderes gemacht und liefert mit seiner gewohnt kühlen Standperformance die passende, erfrischend andere Death Metal-Note. Leider prasselt das Gewitter nur 8 Songs lang auf Obermehler nieder, das hätten die Meisten wohl gerne doppelt so lang genossen. Neben neueren Geschossen wie dem Opener „Let the Stillborn come to Me“ oder „Anne“, walzen vor allem ältere Brecher wie „So You Die“, „Breeding Death“ und das Abschlußdoppel „Like Fire“ und „Eaten“ komplett alles nieder! Die nahezu vollversammelte Meute dreht gepflegt durch, die blutbesudelte Bande um Renkse/ Nyström (KATATONIA) gibt Vollgas und man kann sich nur wünschen, dass die Herren Musiker mehr Augenmerk auf ihre Nebenspielwiese BLOODBATH legen werden in Zukunft, denn die Band ist schon längst wesentlich mehr als nur das!

Über den „Sinn und Zweck“ von ENSIFERUM auf dem Party.San – ja gar Epic Folk Bands im Allgemeinen – war im Vorfeld schon rege diskutiert worden. Eine einhellige Meinung, ob solche Bands auf dieses Festival gehören oder nicht, oder ob die Spielposition angemessen ist, wird man definitiv nicht finden, aber die Menge an Fans vor der Bühne und die Stimmung beweist definitiv, dass einige Leute sich durchaus für die Finnen erwärmen können. Und so präsentieren die Herrschaften einen guten Querschnitt ihres Repertoires mit etlichen Songs des 2015er Albums „One Man Army“. Immerhin gab es neben wechselndem buntem Licht auch massig Action auf der Bühne – etwas für das der folgende Headliner jetzt nicht unbedingt bekannt ist. Nett anzusehen war es allemal, ich fand es auch durchaus unterhaltsam, aber wirklich voll war es vor der Bühne definitiv nicht mehr.

Wie für BEHEMOTH gilt auch für CANNIBAL CORPSE: schon wieder?! Was wohl auch ein ganzer Haufen Besucher in diesem Jahr so sieht und mal gepflegt im Zelt liegen bleibt, nachdem sich die Reihen schon zu ENSIFERUM merklich gelichtet hatten. Auch nicht zuträglich ist die elendig lange Umbaupause und der somit extrem verspätete Beginn, so dass das Gelände gegen halb 1 lediglich noch gut gefüllt ist. Aber die erfolgreichste Death Metalcombo der Welt kann man eben nur als Headliner zocken lassen und denen dürfte es relativ egal sein, ob da nun 5000 oder 12000 Nasen auf dem Gelände rumtorkeln – die Gage bleibt ja gleich. Und irgendwie vermitteln die Jungs auch diesen Eindruck, denn das wirkt bei aller technischen Brillianz und fliegender Matten doch etwas zu lustlos runtergezockt. Wie man Death Metal in Perfektion UND mit extrem agiler Performance darbieten kann, sollten am nächsten Tag wieder einmal KATAKLYSM zeigen!

Natürlich ist das heute gebotene wieder mal komplett brillant gezockt, plättet mit dem klarsten Death Metal-Livesound, den man kriegen kann und beeindruckt mit einer Hitdichte, von der andere Bands nur träumen können… aber das ist alles auch sehr vorhersehbar mittlerweile und Corpsegrinders Minimalkommunikation und Ansagen sind auch seit Ewigkeiten die Gleichen. Zu Abrißbirnen wie „Demented Aggression“, „Stripped,Raped and Strangled“ oder „Unleashing the Bloodthirsty“ kann man natürlich dennoch hervorragend mitschwofen respektive die Murmel kreisen lassen. Auch das Schlußtriple „A Skull Full of Maggots“/ „Hammer Smashed Face“/“Devoured by Vermin“ kann freilich alles, aber mitreißend geht anders. Routiniert solider Gig auf gewohnt hohem Niveau, mehr nicht.

Copyright Fotos: Oliver Janka

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