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PATRICE – NEWTON FAULKNER

Ort: Bielefeld - Hechelei

Datum: 11.04.2008

1Live – Eine Nacht in Bielefeld und der Terrorverlag mittendrin. Neben MANDO DIAO und KETTCAR lud auch PATRICE zu einem Radiokonzert ein und 700 Bielefelder waren seinem Ruf zu einem chilligen Akustikset in die ausverkaufte Hechelei gefolgt. Schon pünktlich gegen 20:00 Uhr war die Location sowohl vor der Bühne (ganz vorne überwiegend mit weiblichen Fans) als auch auf der umläufigen Empore ansprechend gefüllt. Bevor es allerdings mit Reggae-Musik des in Kerpen geborenen und nach einem Jahr Wahlheimat New York dort auch wieder wohnenden Kosmopoliten losging, gab mit NEWTON FAULKNER noch ein hierzulande bis dato recht unbekannter 23-jähriger Brite sein Stelldichein.

Dessen Bekanntheitsgrad dürfte sich aber schon sehr bald schlagartig ändern, denn so einen vielversprechenden Newcomer sieht man selten. Mit den Stücken aus seinem bei uns erst in diesem Monat erscheinenden Debütalbum „Hand built by robots“ im Gepäck, das in England mal eben Platz 1 der UK-Charts erreicht hat, überzeugte Mr. Faulkner mit handgemachten Singer-/ Songwriter Kompositionen irgendwo zwischen Folk und Rock/Pop. Auch wenn stellenweise Parallelen zu JACK JOHNSON nicht zu verleugnen sind, haben die Stücke schon aufgrund der originellen Spielweise des Mannes mit den rötlichen Dreadlocks, inklusive Finger-Tapping und Perkussionselementen über den Korpus seiner Akustikgitarre, ganz klar einen eigenen Charakter. Insoweit kann man also auch den Albumtitel wörtlich nehmen, denn hier agiert tatsächlich ein kleiner Virtuose an seinem Instrument. Noch fast ein wenig zurückhaltend erscheint da die eingängige Vorabsingle „Dream catch me“, die bereits etwas Airplay auf 1Live erhalten hat und dem Auditorium dann auch schon entsprechend geläufiger war. Zwischen den Songs präsentierte Faulkner sich als lockerer Typ, der die eine oder andere Geschichte spontan zum Besten geben kann, und bewies seinen Humor etwa durch eine kurze Parodie seines Hits im Stile anderer Künstler oder beim Aufsetzen einer auf die Bühne geworfenen (hoffentlich unbenutzten) Unterhose auf seinen Kopf. Auch bereitet es ihm offenbar großen Spaß, fremde Stücke auf seine ganz eigene Art zu interpretieren. Nach dem zunächst kurz der 80er Klassiker „You spin me round“ angespielt wurde, gilt dies allen voran für die sicherlich ungewöhnliche Coverversion des MASSIVE ATTACK Songs „Teardrop“. Nach einer Dreiviertelstunde beendete dann eine weitere Adaption in Form der „Bohemian Rhapsody“ einen kurzweiligen Auftritt, der vom Publikum wohlwollend mit Applaus honoriert wurde und durch den NEWTON FAULKNER sicherlich nicht nur bei uns als sehr sympathischer Kerl punkten konnte.

Über einen Sympathie-Bonus muss sich PATRICE keinerlei Gedanken mehr machen, denn der war zweifelsohne bei den Fans von Beginn an vorhanden, als der 28-jährige mit einem schlichten weißen T-Shirt und Cappy bekleidet die lediglich mit ein paar Kerzenständern dekorierte Bühne betrat. Die Zuschauer waren nun heiß auf den Hauptact des Abends, der seine Mischung aus Reggae, Soul, R&B, Funk und HipHop ebenfalls akustisch anstimmen sollte. Ohne die sonst unterstützende Band bot dies Gelegenheit, die Lieder, zu denen auch viele neue aus dem anstehenden vierten Studioalbum „FREE-PATRI-ATION“ gehörten, in ihrer reinsten Form zu genießen. Den Anfang machte mit dem entspannten „Clouds“ die in Kürze aktuelle Single, einem schönen Gitarrenpopsong, der ohne weiteres geeignet ist, Frühlingsgefühle hervorzurufen, insbesondere bei einer so charmanten Konzertbegleiterin wie an diesem Abend… PATRICE räumte freimütig ein, sich so allein ein wenig nackt auf der Bühne zu fühlen und daher aufgeregter als sonst zu sein. Das dürfte sich aber schnell wieder gelegt haben, denn ihm wird nicht verborgen geblieben sein, dass der Vibe seiner Musik direkt auf die Zuhörer übergesprungen ist. Wohl auch ein Grund dafür, dass in der Folge im Gesicht des Protagonisten häufiger mal ein Grinsen zu erkennen war. Ältere Stücke wie „Sunshine“, „Everyday good“ oder „Music“ waren daher beinahe Selbstläufer und auch brandneue Titel wie das mit einem gefühlvollen Mitsingpart ausgestattete „Praise your name“ konnten begeistern. Nicht zuletzt leben die Songs auch von der prägnanten Stimme, die PATRICE in all ihren Facetten ausspielt und sich so auf sehr emotionale Weise seiner Vision hingibt. „Soulstorm“ vom letzten, nach seinem Sohn Nile benannten Album beendete dann den regulären Teil des Sets. Fast selbstverständlich aber, dass der Ausnahmekünstler kräftig gefeiert wurde und nicht ohne zumindest eine Zugabe abtreten durfte. Dann war nach einer knappen Stunde aber endgültig Schluss und während die 1Live Nacht in Bielefeld nun mit Parties quer durch die Stadt weiterging, endete ein toller Konzertabend, der im Hinblick auf den strikten Zeitplan einzig und allein gern noch etwas länger hätte sein können.

Copyright Fotos: 1Live

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