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PAWEL POPOLSKI

Ort: Osnabrück – OsnabrückHalle

Datum: 18.10.2019

Mein Freitagabend stand heuer ganz im Zeichen von Wodka und Polka, denn PAWEL POPOLSKI, das Familienoberhaupt der legendären FAMILIE POPOLSKI, machte mit seiner Wohnzimmershow Station im gut gesetzten Europasaal der OsnabrückHalle, wo er nicht nur selbst gern und häufig dem polnischen Nationalgetränk zusprach, sondern auch sein Publikum und die fotografierende Presse mit Schnaps versorgte. Zugleich lernte das Auditorium natürlich aber auch, auf welche Art und Weise der Wodka getrunken werden muss und dass es fatal ist, unterwodkat zu sein. Damit dies nicht passiert, gibt es bei unseren östlichen Nachbarn übrigens den PÜV – den Polkaüberwachungsverein, der nicht nur die regelmäßigen Pausen der Musiker kontrolliert, sondern auch, ob Flüssigkeitsverluste adäquat ausgeglichen werden.

Diesbezüglich mussten wir uns bei PAWEL POPOLSKI keine Sorgen machen; der Mann hatte bereits im Vorfeld etliche Pinnchen vorbereitet und wenn es mal schnell gehen musste, wurde auch direkt aus dem Stammend getrunken. So was nennt sich dann Reserve-Wodka oder Sicherheits-Wodka, schlussendlich hilft der klare Getreidebrand aber auch wenn die Emotionen Überhand nehmen, weshalb zu späterer Stunde die rote Dorota, Pawels heiße Cousineschka gleich mehrmals zugriff, bevor sie ihre Ballade „I Will Always Love You“ für den geliebten Opa singen konnte. Der Opa ist für die Geschichte von DER FAMILIE POPOLSKI maßgeblich, denn was die meisten gar nicht wissen: Pjotrek  Popolski hat sämtliche Pop-Hits der Musikgeschichte geschrieben (allein 128.000 Top-Ten-Hits!) und war auch sonst ein sehr umtriebiger Mann. Pawel hatte zur Erklärung eine kleine Diashow vorbereitet, die via Satellit (Skypek!) auch direkt ins heimische Zabrze gesendet wurde, wo in der elften Etage der örtlichen Plattenbausiedlung der jüngste Spross der Pop-Dynastie die Stellung hielt. Janusz ist der Bassist der Band und nach Ansicht seines Cousins „die trubste Tasse der Familie“. Nachdem wir den schüchternen Youngster kennengelernt hatten und noch ein paar Wodka gekippt waren, ging es ans Eingemachte und zu der musikalischen Kernkompetenz, der Polka! Die Anwesenden erfuhren, dass wunderbare Songs extra für ‚der Kesselpauken‘ geschrieben worden waren. „Another One Bites The Dust“ beispielsweise, das berühmteste Stück ist jedoch „Papa Was A Rolling Stone“, das in beeindruckender Weise performt wurde. Weiter ging’s zum Schlagzeug oder wie Insider sagen: zur Schießbude. Für dieses Instrument suchte Pawel unter seinen Gästen noch einen Mitstreiter, den er in Alex fand, der mit seinen beiden charmanten Pressesprecherinnen angereist war und ebenfalls dem Wodka nicht abgeneigt war. Des Weiteren funkte es heftig zwischen ihm und der scharfen Dorota, die sich immer noch auf Männersuche befindet und den Damen im Saal selbstlos anbot, deren Männer zur Überprüfung zu übernehmen. Justin Bieberek und Johnny Depp waren bei der wählerischen Ex-Miss-Zabrze (14-mal in Folge!) bereits abgeblitzt, letzterer im Übrigen, weil sie nicht Dorota Depp heißen wollte und er sich mit dem Namen Popolski nicht anfreunden konnte. Was das aus dem armen Mann gemacht hat, zeigte erschütterndes Bildmaterial. Alex und sie harmonierten auf Anhieb und unter Einbeziehung von Pawel am Bontempek-Piano machten die drei auch musikalisch eine so gute Figur, dass es tosenden Applaus gab. Zuvor hatte Pawel dem Tasteninstrument bereits eine reiche Auswahl an Songs entlockt, die alle eines gemeinsam hatten: alle waren sie von Dieter Bohlen gestohlen worden! Das alte polnische Volk der Majek hatte dies bereits vor langer Zeit vorhergesagt und in ihrem Kalender den 12.03.1982 als Ende der Welt markiert. Tja, an diesem Tag hat Dieter Bohlen laut Pawel seine erste Single veröffentlicht und nicht ohne Grund gibt es in Polen das Sprichwort „Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits in Polen“. Nicht vergessen wollen wir die drei magischen Akkorde A, C und D! Die sich natürlich auch der Opa hat einfallen lassen und die ihre Verwendung in dem Lied „Let There Be Polka“ fanden. Der gute Opa hat in das Stück, das später von einer Kapelle, die der Einfachheit halber die Akkordfolgen als Bandnamen gewählt hat (AC DC), geklaut wurde, sinnvollerweise gleich mitsamt einer Wodkapause komponiert, im Anschluss an die Nummer ging es jedoch zusätzlich noch in eine 25-minütige Pause, um so richtig einen kippen zu können.

Im Anschluss ließ uns Pawel wissen, dass das komplette Team der OsnabrückHalle auf Eierlikör sei und wir lernten, wie der Opa durch die Natur zur Rapsmusik und zum Scratchen gekommen ist. Musikalische Beweisstücke waren hier „Rapper’s Delight (geklaut von THE SUGARHILL GANG) und „Walk This Way“ (RUN DMC haben hier einfach mal gemopst). Und dann war da ja noch diese Sache mit dem ersten Mann auf dem Mond… Das war nämlich keineswegs Neil Armstrong, sondern natürlich der Opa, der mit seiner Polius I, die mit gegorenem Frittenfett, 98%igem Wodka und Gürkchenwasserextrakt angetrieben wurde, eine halbe Stunde bevor ‚der Scheiß-Amerikaner‘ auf dem Erdtrabanten landeten schon wieder die Rückreise nach Zabrze angetreten hatte und zu Titeln wie „Walking On The Moon“ und „Moonlight Shadow“ inspiriert wurde. Ehrensache, dass auf dem Mond auch erst mal ein paar Wodka getrunken wurden, was auch erklärt, warum Armstrong dort eine leere Flasche fand. Später stand noch körperliche Ertüchtigung für die gesamte Zuschauerschaft auf dem Programm, denn Dorota wies ihre Fans in die Kunst des Polka-Tanzes ein und gemeinsam hieß es „You Gonna Fight For Your Right To Polka“ (von den BEASTIE BOYS verhunzt), ehe sie bekannte: „I Gotta Feeling“ (was haben sich die BLACK EYED PEALS nur dabei gedacht?). Für ihre sexy Polka „I’m So Exited“ (THE POINTER SISTERS sollten sich schämen!) gab es verdiente standing ovations und am Ende dieses Abends konnte wohl jeder von sich behaupten: „I’ve Got The Polka“ (SNAP! haben sich hier 1990 am reichen Fundus des Opas bedient, den sich zuvor leider der windige Gebrauchtwagenhändler Olek Priszewinski unter den Nagel gerissen hatte).

Nach zwei Stunden Spielzeit sollte es zumindest in der Hauptstadt of Polka Osnabruck niemanden mehr gegeben haben, der nicht vom Polka-Virus infiziert und der roten Dorota verfallen war. PAWEL POPOLSKI hatte eindrucksvoll bewiesen, dass es zur Polka keine Alternative gibt und dass man keinesfalls zu viel, sondern viel eher zu wenig Wodka trinken kann. Außerdem hat der schnauzbärtige Charmeur ein schier unendliches Repertoire an Redewendungen für den Vorgang des Wodkatrinkens. Einen kippen, sich einen verlöten oder an die Pinnwand kleben machen da nur einen Bruchteil aus. Hinter PAWEL POPOLSKI steckt Achim Hagemann, der mit Hape Kerkeling und „Hurz“ für Furore sorgte. Seine bezaubernde Cousineschka Dorota wird von Iva Buric Zalac verkörpert. Das beide nicht nur großartige Komödianten, sondern auch begnadete Musiker sind, haben sie einmal mehr äußerst kurzweilig unter Beweis gestellt. Und was würde ich mich freuen, wenn Janusz (Daniel Basso) mal wieder aus sich rauskäme und sein „Cheri Cheri Lady“ live performte…

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