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PENNYWISE – A WILHELM SCREAM

Ort: Lindau - Club Vaudeville

Datum: 04.09.2008

Im Vorfeld war alles etwas chaotisch abgelaufen und ebenso sollte auch der Gig von PENNYWISE werden. Kurz vor der Veranstaltung hatte ich vom Organisator das OK bekommen, nur der Tourmanager wollte sich nicht melden. Egal, dachte ich mir, also hin und sich einfach durchfragen. Das Konzert fand im Club Vaudeville in Lindau/ Bodensee statt. Dort hat man ein verdammt gutes Programm, gerade für die härtere Fraktion und es pilgern die Fans vom Allgäu über den Bodensee bis nach Österreich/ Vorarlberg/ Tirol und der Ostschweiz nach Lindau in den Club. Also ein recht buntes Gemisch an interessanten Leuten.

Nun fuhr ich ahnungslos hin und sah Menschenmassen. Nanu? Hier so viele Leute? Zu einem Punk-Konzert in der Pampa? Das Gelände vor der Halle war abgesperrt, mich winkte man aber durch. Uff, wenigsten musste ich nicht weit laufen. So, nun stand ich davor und erschrak: Ein Durchkommen war kaum möglich bei den vielen Leuten vor dem Eingang. Aber ich hatte einen Termin für ein Interview. Also drängelte ich mich vor und kurz vor dem Eingang entdeckte mich schon ein Security. Ein Hüne von einem Mann, den ich bestimmt nicht von der Bettkante stoßen würde (vielen Dank für diese Hintergrundinfos – die Red.). Er lachte schon und zog mich durch die Menschenmassen rein. Netter Mensch, dachte ich mir und suchte mal im Backstage den Tourmanager, um das Interview klar zu machen. Die anderen seien noch im Hotel, sagte man mir, nur Randy Bradbury der Bassist von PENNYWISE wäre da und er sah irgendwie auch etwas übermüdet aus. Wir gingen in den Tourbus und schlängelten uns durch einen engen Gang nach oben. Nebenbei fragte ich mich, wie der doch gut gebaute Gitarrist der Band sich hier zurecht findet. Im Heck war dann eine Art kleine, gemütliche Lounge und es wurde doch ein nettes Gespräch.

Danach ging es zur Bühne und ich wartete auf den Opener, A WILHELM SCREAM, eine Melodic-Punk Band von der Ostküste, was sowieso eine Seltenheit ist. Waren mir vorab nicht bekannt. OK, eigentlich ist es eher Melodic-Hardcore, aber wer kennt da schon den Unterschied. Die Halle ist gut gefüllt, was hier bei Openern recht selten ist, aber zum Fotografieren geht es gerade noch. Und dann ging es los und ich war angenehm überrascht. Fast dachte ich, die Typen würden PENNYWISE die Show stehlen. Die Jungs waren wirklich gut. Sie heizten die Leute ganz gut ein und die Halle füllte sich zunehmend. Es war ein abwechslungsreiches Repertoire, das sie den Fans boten und sie auch mit riss. Die Jungs haben in ihre Gitarren reingehauen, dass nahezu jeder Lust zum Pogen bekam. Ich musste etwas aufpassen, dass mir keiner seinen Ellbogen in die Rippen stieß, während ich fotografierte. Das war dieses Mal keine Situation mit Opener und Headliner, das waren diesmal zwei Headliner ohne Opener! Der Sound hört sich zuerst an wie recht schnell gespielter Metal, eigentlich gar nicht so schlecht und sogar für eingefleischte Metaller gut hörbar. Jedenfalls war ich beeindruckt. Lediglich das oft rote Licht (mögen Digicams nicht so gern) und vor allem die dunkle Lichtstimmung hat mir das Fotografieren schwer gemacht, da die Jungs ständig herumzappelten wie Vibratoren und das Publikum um einen herum auch nicht gerade in Stein gemeißelt war. Aber Punk-Bilder sind selten wirklich scharf…

In der Umbaupause stand ich neben dem Bühneneingang mit einem Security-Typen zusammen, der den Eingang bewachen sollte, als einer die Tür laut zuknallte und diese nicht mehr aufging. Wir haben uns noch darüber amüsiert, die Roadies, die da durch wollten, fanden das gar nicht witzig. Wow, nun füllte sich die Halle wirklich zusehends und ich sicherte mir sogleich einen einigermaßen guten Platz vor der Bühne mit der Ahnung im Hinterkopf, dass es bald zu eng werden wird. Leider gab es keinen Bühnengraben.

Und dann brach die Hölle aus. Gleich nachdem die Band auf die Bühne gekommen war, war die Menge nicht mehr zu halten. Auf ihren Alben hören sich PENNYWISE noch recht brav an. Aber live hauen die Jungs in ihre Klampfen, dass die Halle vibriert. Immerhin sind die Herren nicht mehr ganz die jüngsten, ja, haben sogar schon graue Haaransätze. Aber ihre Power ist ihnen geblieben und die Fähigkeit, die Massen mitzureißen. Fotografieren war kaum noch sinnvoll möglich, ich wurde hin- und hergerissen. Über mir flogen die Menschen. Was? Sie flogen? Nachdem mein Geist sich wieder gefangen hatte, dachte ich mir dann, das sind ja die Stagediver, auf Punk-Konzerten nahezu ein Muss. Die Halle war so was von proppevoll, dass keiner Angst haben musste, auf dem harten Boden zu landen, wie ich es vor ein paar Wochen auf einem Konzert noch gesehen habe. Es war lustig zu sehen, wie die Security die Leute in hohem Bogen immer wieder zurück in die Menge schmiss. Ja und ich sollte in diesem Chaos Fotos machen. Oh je…

An einem Bühnenende stand ein kleines Mädchen, nur halb so groß wie ich, auch mit einer etwas größeren Kamera und sicherlich für ein Fanzine hier. Sie tat mir leid, denn sie konnte da unmöglich noch sinnvoll zum Schuss kommen. Dazu verfluchte ich den Lichttechniker, der jetzt fast nur noch das Rotlicht laufen ließ. Ich wollte schon zu ihm und mit meiner Kamera ihm einen Scheitel ziehen. Aber die Menge war zu dicht und ein Durchkommen unmöglich. Um von einem zum anderen Ende der Bühne zu kommen kämpfte ich mich durch die Menge. Irgendwann gingen sie freiwillig zur Seite. Auf der Bühne filmte ein Kumpel der Band die Szenerie mit. Wie mir Randy sagte, ist noch nicht sicher wie das Filmmaterial verwendet werden soll. Vielleicht erscheint es mal auf Youtube oder mit auf einer DVD.

In der Halle wurde es verdammt heiß und PENNYWISE knallten einen Klassiker nach dem anderen hin und stachelten die Masse immer wieder zum Mitmachen auf. Jim verstand es sehr gut keine Langeweile aufkommen zu lassen. Es gab keine Pausen für das Gehör, keine Verschnaufpause für das Gehirn, es gab nur Spaß und coolen Sound am Stück. Bei „Fuck Authority“ sang die Menge lauthals mit. Als dann, wie immer bei den Konzerten von PENNYWISE, als letztes Stück der „Bro Hymn“ Tribute gespielt wurde, zum Gedenken an den 1996 verstorbenen Bassisten Jason Matthew Thirsk, war die Menge nicht mehr zu halten und sie stürmte die Bühne. Die Musiker versanken in der Menschenmasse und das Konzert klang langsam aus…

Merkwürdig für ein Punkkonzert war nur, dass keiner der Klischee-Punker zu sehen war, also mit Irokesenfrisur oder so was. Ebenso wenig sahen die Musiker wie Punker aus. Rein optisch haben weder Publikum noch Musiker zur Musik gepasst, aber vielleicht werde ich auch nur alt. Alles in allem war es ein absolut geiles Konzert, mit guter Performance und einer guten Auswahl des Opener. Nachdem ich meine Knochen wieder eingesammelt hatte, ging ich zufrieden wieder nach hause.

Setlist PENNYWISE
Intro
Rules
Can’t Believe it
My Own Way
My Own Country
Time to Burn
Cover Song
Pennywise
Fuck Authority
Living for Today
Every Single Day
Society
Perfect People
Same Old Story
Die For You
Broken
Alien
Bro Hymn

Copyright Fotos: Alice Fedrizzi

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