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PET SHOP BOYS – DAS GEZEICHNETE ICH

Ort: Münster - Halle Münsterland

Datum: 12.12.2009

Bereits im Sommer hatten die PET SHOP BOYS 4 umjubelte Konzerte in Deutschland präsentiert, nun standen kurz vor Weihnachten noch 6 weitere Termine an, darunter auch das eher „beschauliche“ Münster – da wollten wir natürlich dabei sein! Nach Klärung der Fotomodalitäten ging es pünktlich um 20 Uhr zunächst mit dem Support DAS GEZEICHNETE ICH los.

Hinter diesem etwas prätentiösen Bandnamen (abgeleitet von einem Gottfried Benn-Gedicht) verbirgt sich ein Musikerkollektiv aus Berlin, über das im Netz nur sehr rudimentäre Informationen existieren. Zumindest hatte der Terrorverlag bereits das Vergnügen, das Projekt als Support von THOMAS D zu erleben, man muss also über beste Kontakte verfügen. Musikalisch ist diese Geheimniskrämerei nur schwer nachzuvollziehen, der getragen-pathetische Pop der Herren erinnert an eine Mischung aus COLDPLAY, POLARKREIS 18 und PUR (insbesondere was die Stimme angeht). Das alles sehr gediegen vorgetragen, an den Instrumenten sicherlich vorbildlich, doch grossartige Stimmung wollte nicht aufkommen. Den grössten Applaus erhielt die Ankündigung, den letzten Titel anstimmen zu wollen, was doch irgendwie bezeichnend ist. Wobei gerade dieser mit etwas flotteren Tönen am ehesten überzeugen konnte. Zu den 6 Songs der Setlist gehörten u.a. „High“, „Beste Zeit“ (vermutete Titel!) und „Innen“, das es als Gratisstück auf der sehr mysteriösen Website der Gezeichneten zum Runterladen gibt. Ehrlich gesagt wären mir BAD LIEUTENANT als Opener deutlich lieber gewesen, die in Berlin zum Einsatz kamen, hier sind immerhin Musiker von NEW ORDER unter neuem Banner unterwegs. Geschadet hat der nicht mal halbstündige Auftritt der Hauptstädter allerdings auch Niemandem und so ging es gemeinsam in eine kurze Auszeit.

Während ich die Umbaupause für eine leckere Portion Pommes und ein nettes Gespräch mit alten Bekannten nutzte, wurde die Bühne mit zahlreichen weißen Würfeln für den Hauptact präpariert. Um 21 Uhr enterten dann zu einem Intro Sänger Neil Tennant und Knöpfchendreher Chris Lowe, sowie 2 Backgroundsängerinnen allesamt mit Würfel-Kopf die Bühne, um mit dem über 20 Jahre alten Song „Heart“ den Abend zu eröffnen. Damit hatten sie gleich das mehrheitlich in der Ü30-er Fraktion angesiedelte Publikum auf ihrer Seite, die Projektionen im Hintergrund unterstützten das 80er-Feeling über die Musik hinaus vorzüglich. Doch nun sollten mit „Did you see me coming?“, „Pandemonium“ und „Love etc.“ die Highlights aus dem aktuellen, hochgelobten Album „Yes“ folgen, von den ca. 5000 Zuhörern ebenso begeistert aufgenommen. Zu „Building a wall“ sollten dann die oberen Würfel fallen, während bei „Go West“ ein Tänzer und eine Tänzerin zu sportlicher Ertüchtigung aufriefen. Kurze Breakdance-Einlagen gemahnten wiederum an die 80er, doch ist mir dieser Titel nach zahlreichen Betriebsweihnachtsfeiern zum Graus geworden. Dann lieber das zackige „Two divided my zero“. Für einen kurzen Moment verließ dann sogar Chris seinen Arbeitsplatz für eine umjubelte Tanzeinlage, ehe die Bühne wieder Neil Tennant gehörte. Klassiker wie „Always in my mind“ und „Left to my own devices“ wurden von der Crowd frenetisch abgefeiert, ehe eine kleine Klavier-Reprise zum langsameren Teil des Abends überleitete. Neil nutzte den kurzen Moment, um im Smoking zurückzukehren, stilvoll flankiert von 2 Damen in Rot. Neben „Do I have to?“ kam nun auch sehr firlefanzfrei mein Favorit „King’s Cross“ zum Zuge, „The way it used to be“ und „Jealousy“ ließen die professionelle Ausbildung der Tänzer erahnen, so wurde gerade „Jealousy“ mit einem ausdrucksstarken Pas de Deux gekrönt, das passend zum Thema in einer Schlacht mit den Würfeln endete.

Für den Endspurt war nun Party pur angesagt: Eingeleitet mit „Suburbia“ sollte das volle Hitbrett folgen, die Outfits der Tänzer dazu knapp und sexy. Zu „What have I done to deserve this?” trug Duettpartnerin DUSTY SPRINGFIELD ihren Part via großer Video-Projektion bei, mit “All over the world” und “Se a vida é“ war die Stimmung vergleichbar mit der nach einem gewonnen Fußballspiel. Zeit für Neil, sich seine Krone aufzusetzen, um mit schwerem Umhang zunächst „Domino Dancing“ anzustimmen, um nach wenigen Takten bei Coldplays „Viva la vida“ zu landen. Die Menge grölte begeistert mit, was fehlte da noch? Auf jeden Fall noch „It’s a sin“, zu dem die Tänzer sich jetzt in hautengen Einteilern über die Würfel räkelten, ehe nach 80 Minuten eine fulminante Show mit silbernem Konfetti-Regen endete.

Natürlich wurden gleich Zugabenrufe laut und so betraten Chris und Neil mit sehr putzigen Kopfbedeckungen erneut die Bühne. Es folgten „Being boring“ und dann der Überhit, mit dem sie 1985 den Durchbruch schafften: „West End Girls“ – auch nach fast 25 Jahren für mich nicht abgenudelt und immer wieder gerne gehört. Während die treuen Fans noch passend zur Jahreszeit ein Weihnachtslied mit auf den Weg bekamen, steuerten wir derweil schon das Parkhaus an, um zügig auf den Heimweg zu kommen.

Nach fast 30 Jahren PET SHOP BOYS liefern Lowe und Tennant nach wie vor fleißig Hits aus dem Reagenzglas des Pops. Die neuen Stücke frisch und vital und auch die alten Klassiker haben noch keinerlei Patina angesetzt. Das Ganze eingebettet in ein kurzweiliges, farbenfrohes Licht-, Tanz- und Soundspektakel von vorne bis hinten perfekt durch choreographiert – That’s Pop at its best!

Setlist PET SHOP BOYS
Intro
Heart
Did you see me coming?
Pandemonium
Love etc.
Building a wall
Go West
Two divided by zero
Why don’t we live together
New York City Boy
Always on my mind
Closer to heaven / Left to my own devices
Do I have to?
King’s Cross
The way it used to be
Jealousy
Suburbia
What have I done to deserve this?
All over the world
Se a vida é
Domino Dancing / Viva la vida (Coldplay-Cover)
It’s a sin

Being boring
West End Girls

It doesn’t often snow at Christmas

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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