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PETER HEPPNER – SOLAR FAKE

Ort: Dortmund – FZW

Datum: 26.11.2012

Konzerte an einem Montagabend sind ja immer irgendwie anstrengend. Man ist noch nicht so richtig im Wochentrott drin, der Berufsverkehr nervt, eigentlich möchte man lieber seine Ruhe haben. Doch für den deutschen „Grandseigneur der samtenen Stimme“ macht man natürlich gerne eine Ausnahme und schwingt sich auf Richtung Ruhrgebiet. Die Rede ist natürlich von PETER HEPPNER, der anlässlich seiner „My Heart of Stone“-Tour auch in Dortmund Halt machte, nach 2 Auftritten im Osten der Republik. Kurz vor 20 Uhr hatte sich eine kleinere Schlange vor dem Freizeit Zentrum West gebildet, die schon einmal Aufschluss über die Besucherstruktur gab. Der Anteil „schwarzer Zeitgenossen“ war zwar messbar aber deutlich in der Minderheit. Stattdessen viele Menschen mittleren Alters ohne besondere Optik, sieht man einmal von der einen oder anderen obskuren weiblichen Frisur ab. Innen angekommen wurde zunächst mal ein Aperitif eingenommen, bevor es noch eine kleinere Wartezeit hin zum Opener zu überbrücken galt. Muss man dann an einem (ja!) Montagabend erst kurz vor 21 Uhr beginnen?

Immerhin handelte es sich beim Support Act keineswegs um Fallobst, mit Sven Friedrich (DREADFUL SHADOWS, ZERAPHINE) war gar eine Szene-Ikone am Start, der mit seinem elektronischen Projekt SOLAR FAKE auch schon einige Bühnen beackert hat. Der alterslose Berliner wurde dann auch von einer kleinen Fangruppe zuvorderst frenetisch angefeuert. Ist ja auch sympathisch, wie er und sein noch sehr jugendlicher Keyboarder Frank Arnold kleine synthetische Weisen zelebrieren, mal eher treibend, dann wieder verträumt und vor allem fast ohne vernünftiges Bühnenlicht. Selbst das „Normalo-Publikum“ machte beizeiten ordentlich mit bei Tracks wie „No Apologies“ oder „Reset to Default“. Highlight natürlich das TALK TALK-Cover „Such a Shame“, mit einigem Wumms dargeboten und von Svens nach wie vor sehr beeindruckendem Organ veredelt. Ist halt die Tour DER Stimmen. Bevor man sich dann mit dem eher getragenen „Here I stand“ nach gut 30 Minuten schon wieder verabschiedete, wies der Hauptstädter in schönem Akzent noch auf ein Konzert in der Kölner Essigfabrik hin. Und zwar am 21.12, der Tag, an dem laut Maya-Kalender ja das Ende der Welt bevorsteht. Den könne man ja dann auch mit schöner Musik im Rheinland begehen, befand S.F. aka SOLAR FAKE. Auf jeden Fall mal eine sehr angenehme Vorband. Schön auch, dass Herr Heppner im Gegensatz zum Grafen weiter auf die „schwarze Szene“ setzt in Punkto Support.

Im Anschluss sollte noch etwas Zeit vergehen, bevor die bereits vollständig präparierte Bühne vom Hauptact des Abends in Beschlag genommen wurde. Viel braucht es ja auch nicht für ein HEPPNER-Konzert. Ein Banner zur aktuellen CD/ Tournee, ein Drumkit für Achim Färber, einem der profiliertesten Schlagzeuger Deutschlands, das Keyboard für Dirk Riegner, der Grinsekatze an den Tasten und natürlich das wichtigste Accessoire: Der Notenständer für den Fronter, der sich alsbald wieder in seiner typischen Art und Weise zeigte. Und das bedeutet: Vollkommen Unprätentiös in Sachen Outfit (Schlabber T-Shirt und Jeans), immer noch reichlich unsicher zwischen den Songs und bei perfekter Stimme während eben jener. Nicht zu vergessen an dieser Stelle natürlich noch Gitarrist und Backing Sänger Carsten Klatte, möglicherweise dem einen oder anderen bekannt durch sein Projekt LACASA DEL CID. Es folgte ein gelungener Streifzug durch die musikalischer Biographie PETER HEPPNERs, natürlich angefangen von alten WOLFSHEIM-Klassikern, die immer wieder eingestreut wurden und vom Gros der Anwesenden frenetisch bejubelt wurden. „Kein Zurück“, „Künstliche Welten“ oder „Once in a Lifetime“ eignen sich aber auch hervorragend zum Mitsingen und zum Abtauchen in eine fremdartige, stressfreie Sphäre – trotz der zum Teil ja recht melancholischen Texte. Am Eingang war von einigen Konzertgängern schon fleißig diskutiert worden, wann man denn wohl weinen würde bzw. müsste. Nun denn, so weit kam es bei uns nicht, dennoch konnte man die Tracks so richtig genießen, natürlich auch die neueren Sachen von seinen beiden Soloalben, wobei ich das Zweite für deutlich stärker halte. Dazu kamen noch ein paar sehr bekannte Kollaborationen mit anderen Künstlern, beispielsweise „Dream of you“ und „Leben… I feel you“ (schon in der Zugabe), was insofern ganz spaßig war, als das wir das Original SCHILLER 2 Tage später in Bielefeld erleben sollten. Über die Performance lässt sich sonst nicht viel sagen, außer einem „Danke“ kam Peter nicht so viel über die Lippen, aber viel mehr braucht es bei so einem Ausnahmesänger ja auch nicht. Nur zum Ende hin stellte er uns seine Mitmusiker vor, kurz zuvor war es mit dem passend betitelten „Das geht vorbei“ auch schon in die erste Pause gegangen.

Doch die ca. 500 Anwesenden wollten natürlich mehr und so gab es noch mal 2 Verlängerungen mit weiteren 5 Stücken, darunter auch die beiden seinerseits (in empfindlichen Kreisen) leicht kontroversen „Die Flut“ (Klatte gab den WITT) und das deutsche Identitätslied „Wir sind wir“ auf die Ohren. Den Abschluss bildete mit dem der Jahreszeit angemessenen „Dream of Christmas“ ein neuer Song, den wir dann aber für den Abflug nutzten, es war bereits nach 23 Uhr und ein nicht ganz so kurzer Weg lag noch vor uns. Fazit: PETER HEPPNER bietet genau das, was man erwarten kann: Herausragende Vocals, Elektro Pop der Marke „verträumt bis treibend“ von einer kompetenten Begleitmannschaft dargeboten und inhaltlich zumeist melancholisch-nachdenkliche Lyrik, mit der man dem Alltag bestens entfliehen kann. Selbst an einem Montagabend…

Setlist PETER HEPPNER
Intro
I Won’t Give Up
Alleinesein
Meine Welt
Vielleicht
Being Me
Once In A Lifetime
Künstliche Welten
Deserve to Be Alone
God Smoked
Cry Tonight
Dream Of You
Kein Zurück
Give Us What We Need (Truth Is Not the Key)
The Sparrows And The Nightingales
Das geht vorbei

Leben… I Feel You
Die Flut

Whenever I Miss You
Wir sind wir
Dream Of Christmas

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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