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PETER MAFFAY

Ort: Halle (Westf.) – Gerry Weber Stadion

Datum: 12.02.2015

Nach einem überaus stressigen Arbeitstag ging es an diesem Donnerstag bei rustikaler Kälte mal wieder in das schöne Halle zu Westfalen, um einem weiteren „großen“ Künstler zu huldigen, der normalerweise nicht unbedingt typisches „Terrorverlag-Futter“ ist, aber ganz sicher musikalisch wie menschlich über jeden Zweifel erhaben ist. Der Begriff „authentisch“ wird an so einer Stelle gern verwendet, aber auch „glaubwürdig“ und „sozial wie politisch engagiert“ passt bestens zum mittlerweile 65-jährigen PETER MAFFAY, der bereits auf der Bühne stand, als meiner Einer noch gar nicht auf der Welt war. Und ich bin selbst nicht mehr der Jüngste… Leider verspäteten wir uns ein wenig und erreichten das Gerry Weber Stadion erst gegen 19 10 Uhr, als die konzertalische Arbeit bereits im vollen Gange war. Und das vor über 10.000 Zuschauern auf einer außergewöhnlichen Bühne ohne Rückwand, so dass man das Rund komplett mit Besuchern füllen konnte. Wobei ich ehrlich gesagt meine Zweifel habe, ob diejenigen, die auf der Rückseite der Stage gastierten, den vollen (visuellen) Genuss erlangt haben, konnten sie doch nur dann und wann Musiker Face to Face auf einer 180 Grad schrägen Rampe erblicken. Als kleine Entschädigung gab es noch 8 riesige LED-Leinwände, auf der sich inszenatorisch perfekt Live-Bilder und zusätzliche Effekte ergänzten. Nicht zu vergessen der Steg in den Innenraum, wo die die „stehenden“ und wohl auch glühendsten Fans des gebürtigen Rumänen anzutreffen waren. Dieser Bereich war erstaunlicherweise nicht gänzlich gefüllt. Später erwähnte Peter noch, dass es sich hier nur eine „abgespeckte“ Version seines sonstigen Bühnenaufbaus handeln würde. Beeindruckend war die Chose aber auch so.

Ebenso beeindruckend wie das Line Up der „Wenn das so ist“-Tour, betitelt nach dem aktuellen (35ten!) Longplayers des Altrockers. Neben dem Fronter befanden sich bis zu 10 Musiker unterschiedlichen Geschlechts, Alters und Hautfarbe auf der Bühne, die allesamt über sehr interessante Lebensläufe verfügen. Der baumlange Gitarrist Carl Calton beispielsweise, der mit seiner langjährigen Zusammenarbeit mit ROBERT PALMER von sich reden machte und den guten Peter bei direkten „Konfrontationen“ noch kleiner wirken ließ, als dieser ohnehin schon ist. Oder das musikalische Multitalent Pascal Kravetz, der überwiegend Tasteninstrumente bediente, später aber auch zu Schlagwerk und Gitarre griff. Optisch fast wie ein punkiger Straßenmusiker wirkend. Mit den farbigen Ken Tayler am Bass sowie Everette Harp am Saxofon kam ungebremste Lebensfreude mit ins Spiel. Vornehmlich als Background Sänger fungierten Linda Teodosiu (2008 im Halbfinale von DSDS ausgeschieden, da sage noch einer, das Format wäre kein Sprungbrett für „ernsthafte“ Musik), der muskelbepackte Leon Taylor (Viertelfinale bei „Unser Star für Oslo“) sowie die reizende Charlotte Klauser, als Sängerin der Alterna-Kapelle THE BLACK SHEEP schon im Vorprogramm von SOCIAL DISTORTION tätig. Nicht zu vergessen Bertram Engel am Schlagzeug, der jüngere Klampfer Peter Keller und die südkoreanische „Crossover Violinistin“ Jenny Bae, die vereinzelt mit ihren sexy schwarzen Boots und ihren instrumentalen Künsten auftrumpfte. So und nun das eigentliche Konzert. Luft holen…

Der bereits zum 10ten Male im beschaulichen Ostwestfalen auftretende Maffay hatte sich sein abendliches Schaffen in 3 Blöcke eingeteilt. Zunächst gab es fast alle Songs der aktuellen Scheibe, die es natürlich wieder an die Spitze der nationalen Charts geschafft hatte. Und das auch in der Reihenfolge der Platte. Muss man sich auch erstmal trauen, viele Altstars rumpeln ja seit Jahren ihre Best of-Setlisten durch die Botanik. Hier aber wirkte alles frisch und unverbraucht, die Zuschauer zudem vertraut mit dem Material. Der so sympathisch wie engagiert wirkende Sänger leitete zumeist launig in die Stücke ein, so geht es natürlich bei „Schwarze Linien“ um die vielen Tattoos des Tabaluga-Herren, die allesamt ein Stück Lebensgeschichte darstellen. „Gelobtes Land“ wiederum thematisiert den Wunsch nach Freiheit, einmal mit der dicken Harley in den amerikanischen Sonnenuntergang kacheln. Aber es gab auch „ernstere“ Themen an diesem Abend. So behandelte das programmatisch betitelte „Bis zum Schluss“ den Abschied von einem guten Freund, nur von Gesang und Pascals (auch Texter dieses Stücks) Piano untermalt. Gewidmet wurde dieser Song der verstorbenen Konzertveranstaltungslegende Fritz Rau, den ich glücklicherweise 2011 in meiner Wohnstadt auch habe live erleben dürfen. Absoluter Höhepunkt und ein Gänsehaut-Moment ohne gleichen war Peters Ansprache vor dem Titeltrack „Wenn das so ist“. Hier ging er in einem fast 10-minütigen Monolog auf die Missstände in der Welt ein – und davon gibt es bekanntlich aktuell viele. Siehe ISIS, Ukraine, Griechenland etc. Er forderte zu sozialem und politischem Engagement auf. Gegen Rechts, gegen Lobbyisten und religiöse Fanatiker. Dementsprechend sollten beim nun folgenden Stück ALLE Besucher aufstehen, um damit ein kleines Zeichen zu setzen, eine kleine Demo gegen Hass und Intoleranz. Natürlich kamen dem alle nach, und nur wenigen Künstlern würde man so eine Brandrede vorbehaltlos abnehmen, der übrigens auch trotz Drohungen an einem Anti Nazi-Festival in Jena teilgenommen hatte. Mit dem religiös angehauchten „Halleluja“ wurde der erste Block beendet, hierzu wurde demonstrativ der mittlerweile weltbekannte Slogan „Je suis Charlie“ auf die Leinwände projiziert.

Nun ging es mit einer recht interessanten Aktion weiter. Frau Teodosiu (zum „Leidwesen“ von Maffay auf hohen Absätzen) machte die Fee, und wie an jedem Abend der Tour wurde nun eine Original Stratocaster für den guten Zweck verlost. Dies dient natürlich einem guten Zweck, denn die Einnahmen durch die Losverkäufe kommen PETER MAFFAYs Stiftungen zu Gute, die u.a. dafür sorgen, dass traumatisierte Kinder in Spanien urlauben können, eine Art moderne Kinderlandverschickung. Bevor allerdings der Glückliche (mit der Nummer 357) zu seinem neuen Besitz kommen sollte, wurde das Instrument noch einmal richtig „malträtiert“. Es begann der längere zweite Block, der einer Mischung aus Rock- und Maffay-Klassikern gewidmet war, wobei auch einige seiner Mitmusiker ihr stimmliches Talent unter Beweis stellen durften. Wobei sie durchaus eine gute Figur machten… Um nur ein wenig Namedropping zu betreiben: THE BEATLES, ROLLING STONES, NEIL YOUNG, STEPPENWOLF (für eine genaue Aufstellung siehe unten) sorgten für beste Stimmung im Auditorium, viele dürften sich dabei an ihre eigene Jugend erinnert haben, ohne dass das Ganze einen altbackenen Charme hatte. Dazwischen Titel wie „Leben so wie ich es mag“, „Freiheit, die ich meine“ oder „Alter Mann“, wobei ich es kurios fand, dass auf einem Monitor am Bühnensteg immer die kompletten Texte scrollten. So konnte auch der Verfasser immer mal wieder herzhaft mitsingen. Den Abschluss des Mittelblocks bildete das stimmungsvolle Josie, das von Linda und Peter im Duett intoniert wurde – plus südkoreanische Streicherklänge in Oberschenkelfreien Boots. Danach durfte dann der Gewinner der Gitarrenaktion nach oben kommen, begleitet von Tourleiter Bernie Hefner, der sich angesichts des heutigen Weiberfastnachts-Donnerstags mit einer Clowns-Nase geschmückt hatte. Der neue Stratocaster-Besitzer war ein stoisch-gutmütiger älterer Herr namens… Peter, da muss sich das Instrument nicht an einen neuen Namen gewöhnen. Flugs wurde das gute Teil noch signiert und demnächst gibt es dann wohl möglicherweise Klampfenunterricht.

So langsam neigte sich das fast 3-stündige Programm dann auch seinem Ende zu, es sollten aber noch ein paar Highlights folgen. So etwa das äußerst druckvolle, ja fast hard rockige „Schatten in die Haut tätowiert“, bei dem gleich 3 Schlagzeuger samt Kit auf der Bühne aktiv waren. Neben dem etatmäßigen Bertram auch noch Charlotte und Pascal, dazu wurde gerifft und soliert, dass es eine wahre Freude war. Die letzten Titel waren dann Klassikern vorbehalten, die vom Publikum gewählt worden waren. Zum „Unbill“ vom Rocker Maffay sein Schmachtfetzen „Und es war Sommer“, den er aber dann doch Augenzwinkernd feilbot, während die Zuschauer den gepitchten Gitarrenpart verbal übernahmen („Piu Piu“…). Zu den Klängen der grandiosen KARAT-Coverversion „Über sieben Brücken mußt Du gehn“ verließen wir dann den Veranstaltungsort, um nicht wieder stundenlang im Stau zu stehen.

Alles in allem eine sehr souveräne Performance versierter und spielfreudiger Künstler, ein Sänger, der sich trotz seines schon „höheren“ Alters musikalisch wie menschlich keinerlei Blößen gab und das alles in perfektem Sound und Licht dargeboten. PETER MAFFAY steht auch nach 45 Jahren Bühnenpräsenz immer noch wie ein Fels in der Brandung der deutschen Musiklandschaft!

Setlist (ohne Gewähr)
Niemals war es besser
Wenn der Himmel weint
Wer liebt
Nur du hörst
Schwarze Linien
Sie bleibt
Gelobtes Land
Bis zum Schluss
Wenn das so ist
Halleluja

Ruby Baby (THE DRIFTERS/ DION)
Samstagabend in unserer Straße
Here comes the Sun (THE BEATLES)
Get Back (THE BEATLES)
Für immer
Angie (ROLLING STONES)
Heart Of Gold (NEIL YOUNG)
Alter Mann
Route 66 (Bobby Troup)
Leben so wie ich es mag
Love me tender (ELVIS PRESLEY)
CC Rider (MA RAINY)
My Sharona (THE KNACK)
Weil es Dich gibt
Born To Be Wild (STEPPENWOLF)
Freiheit, die ich meine
Rockin‘ in the free world (NEIL YOUNG)
Josie

Schatten in die Haut tätowiert
Und es war Sommer
Über sieben Brücken mußt Du gehn (Karat Cover)

Copyright Fotos: Maik-P. Lohmeyer

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