Konzert Filter

PG. LOST – PARASHURAMA

Ort: Hamburg – Hafenklang

Datum: 23.01.2011

Hamburg, ein nasskalter Sonntagabend im Januar, der Sommer-Sonnen-Festival-Entzug befindet sich auf seinem erschreckenden Höhepunkt, das ohnehin schon eher zögerlich agierende Tageslicht hat längst abgedankt. Kann es bessere Rahmenbedingungen für ein knisterndes, wärmendes Postrock-Feuerchen im Hafenklang geben? Wohl kaum, schienen sich gar nicht mal so wenige Freunde der elegischen Kunst zu denken, und so war das gemütliche Venue bereits zum Beginn des Support Acts recht ansprechend gefüllt.

Eröffnen durfte den Reigen an diesem Abend die noch junge lokale Band PARASHURAMA. Erst im Jahre 2008 gegründet, haben die vier jungen Herren heuer bereits zwei Studio-EPs vorzuweisen, an Kreativität scheint also kein Mangel zu herrschen. Dieser Eindruck konnte dann auch von Beginn des Auftritts an sogleich eindrucksvoll untermauert werden. Irgendwo zwischen Postrock, Shoegaze und dem frühen britischen Artrock im Fahrwasser von KING CRIMSON pendelten sich die epischen Songs der Jungspunde gleichmäßig aus, immer geschmackssicher, manchmal versponnen, dabei aber in jeder Sekunde nachvollziehbar. Nur der Gesang trübte mitunter den Genuss der anspruchsvollen Kompositionen, einerseits weil er angesichts der instrumentalen Stärke der Musik gar nicht wirklich nötig gewesen wäre, andererseits weil er eindeutig die Schwäche PARASHURAMAs darstellte. Auf den Tonträgern sich noch durchaus angenehm einfügend, kam doch in der Live-Situation der eine oder andere schiefe Ton zu Gehör. Sei’s drum, alles in allem eine wirklich ambitionierte Band, von der man wohl noch einiges zu erwarten hat.

PG. LOST (gesprochen „Page Lost“, „Peegee Lost“ oder auch „Penguin Lost“, eigentlich egal, wie wir später noch lernen sollten), PG. LOST also machten im Anschluss daran alles richtig. Mit dem sich behutsam aber stetig steigernden „Crystalline“ wählten sie einen sehr gelungenen Opener, der innerhalb kürzester Zeit für die richtige Atmosphäre im Raum sorgte. In eben diesem Raum, in dem sich der Zuhörer in der Folge ein ums andere Mal verlieren sollte, beseelt von den sich in ihm ausbreitenden epischen Klangwelten, die die vier Schweden mit ihrer Musik zu erzeugen vermochten, instrumental im Übrigen. Das soll nicht heißen, dass es bei PG. LOST keinen Gesang gäbe, doch ist der in diesem Fall eher als ein weiteres Instrument zu verstehen, in etwa vergleichbar mit einem großflächigen Keyboard-Teppich oder einer zusätzlichen Harmoniegitarre. Vielleicht war es genau diese elegische Großflächigkeit im (den ganzen Abend lang) sehr transparenten Sound, oder aber auch die hochgradig intensive Laut-Leise-Dynamik in Songs wie „Jura“ oder dem ergreifenden „Heart Of Hearts“, die dem Gig der vier sympathischen Jungs dieses gewisse Etwas verlieh, was das Publikum so in seinen Bann zog, dass selbst in den ruhigsten Momenten auf der Bühne kein Druckabfall im Auditorium herrschte. Postrock eben, ein audiovisuelles Erlebnis voller sich aufbauender Spannungen, die sich plötzlich und unerwartet wieder entluden und in schwelgerischen Gitarrenmelodien gipfelten, nur um kurz darauf wieder zum bedrückenden Grollen aus der Ferne zu mutieren. Ein sehr intensives Stück Musik, dargeboten von einer technisch über absolut jeden Zweifel erhabenen Band, die, das sei hier als Randnotiz vermerkt, über das Equipment von PARASHURAMA spielte, da sie ihren Transporter nach einem Unfall auf der Autobahn zurücklassen musste. Ganz offensichtlich konnte selbst dieser unglückliche Umstand den verlorenen Pinguinen nicht die Laune verhageln, so dass man sich nach etwa 60 Minuten (und damit dem regulären Ende des Sets) denn auch nicht lange bitten, und den Abend mit dem großartigen „The Kind Heart Of Landigon“ standesgemäß ausklingen ließ.

Fazit: ein äußerst gut gewählter Support Act plus eine gute Stunde Postrock at its absolute best, das macht in der Summe einen tollen Abend, der einem erneut vor Augen führte, dass sich die Intensität guter Rockmusik nicht notwendigerweise proportional zu deren Härtegrad oder Tanzbarkeit verhält. Als wenn wir es nicht längst geahnt hätten…. Stark!

Setlist PG. LOST
Crystalline
Jura
Kardusen
Heart Of Hearts
The Day Shift
Yes I Am

The Kind Heart Of Landigon

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu PARASHURAMA auf terrorverlag.com

Mehr zu PG. LOST auf terrorverlag.com