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PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB – THISELL

Ort: Köln - Essigfabrik

Datum: 15.11.2014

Mit dem im August erschienenen Album „Bleach House“ im Gepäck, das von Kritikern und Fans gleichermaßen hochgelobt wurde, tourt die deutsche Indie-Ikone PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB derzeit durch die Bundesrepublik. Bis Anfang Dezember ist die Band noch unterwegs, bevor sie bis zum Frühjahr eine Live-Pause einlegen.

Ein wenig nervös war ich schon, als ich mich am Samstag auf den Weg in die Kölner Essigfabrik machte. PHILLIP BOA hat ja einen gewissen (launischen) Ruf, was seine Konzerte angeht, und je mehr ich eine Band mag, desto eher befürchte ich vor Konzerten, dass irgendetwas mir die Musik vergällen könnte, ganz nach dem Motto: „Das Glas ist immer halb leer.“ Hier kann ich allerdings gleich zu Beginn Entwarnung geben: Das Konzert war eines der besten, das ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Vor dem Auftritt der Headliner läutete der schwedische Folk-Musiker PETER THISELL den Abend ein. Begleitet von einem zweiten Gitarristen spielte er ein kurzes, melancholisches Akustik-Set das durchaus gut ankam, auch wenn es im Vorfeld eines BOA-Konzerts vielleicht etwas zu ruhig angelegt war. Rein musikalisch gesehen machte THISELL allerdings eine Menge her, wenn man Folk mag. So steht er denn jetzt auch in meiner Vormerkliste für anstehende Konzertbesuche – hoffentlich schaut der Singer/Songwriter mit seiner Band bald noch mal solo in Deutschland vorbei, ich bin neugierig geworden.

Nach der Umbauphase betraten dann gegen neun Uhr PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB zu den Klängen des BAUHAUS-Klassikers „Bela Lugosi’s dead“ die Bühne. Auch die neue Sängerin Pris war dabei und konnte im Laufe des Abends mit einer richtig guten Performance auch Skeptiker davon überzeugen konnte, dass sie als Nachfolgerin von Pia Lund nicht Fehl am Platz ist.

Gleich beim ersten Song des Auftritts, „Kill the future“ vom aktuellen Album „Bleach house“, zeigten sowohl Band als auch Bandleader, dass sie gekommen waren, um das Haus zu rocken. Boa, wie immer im Dandy-Anzug, stand wie ein unter Strom stehender Dirigent am Mikrofon, zuckte und wand sich auf der Bühne und wirkte ganz und gar nicht wie der Künstler, dem oft genug launisch-lustlose Auftritte vorgeworfen werden. Die gesamte Band war während des Konzerts in Top-Form, das Publikum war vom ersten bis zum letzten Song des gut zweistündigen Sets unglaublich gut drauf und wurde von Boa immer wieder in die Show einbezogen. Neben 8 Songs vom neuen Album (bzw. 9 mit Cover), unter anderem auch der live grandios rüberkommende Titeltrack, spielte sich die Band einmal quer durch ihre Geschichte, ohne dass das Set dabei zur langweiligen, halbherzig abgespulten Best-Of-Show verkam. Ganz im Gegenteil: Auch Hits wie „Love on sale“ und „And then she kissed her“ wirkten unverbraucht und klangen nicht nach Pflichtprogramm, sondern nach Songs, auf die die Band selbst Lust gehabt hat.

Das galt auch für „Container love“, dem letzten Song des Hauptsets und zugleich der wohl bekannteste Boa-Song, mit dem die Band das Publikum gerockt hat, als wäre das Lied erst gestern erschienen. Dass der VOODOOCLUB danach erst einmal eine Verschnaufpause brauchte, bevor er für gleich zwei Zugaben und insgesamt sieben weitere Songs wieder auf die Bühne kam, versteht sich da von selbst. Ich habe schon Hauptacts erlebt, die auf dem gesamten Konzert weniger Tracks gespielt haben, als der VOODOOCLUB während der Zugaben. Und was für Zugaben das waren. „Baby please go home“ und „Albert is a headbanger“ gehörten, gemeinsam mit dem Closer „Kill your ideals“, zu den besten Performances des Abends.

Wer also Zeit übrig hat – PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB sollte man sich in ihrer derzeitigen Bühnenform auf keinen Fall entgehen lassen.

Setlist PHILLIP BOA & THE VOODOOCLUB
Kill the future
Annie flies the love bomber
The one who howls at the moon
Fine art in silver
I dedicate my soul to you
Ueberblendung
Deep in velvet
Til the day we both are forgotten
Bleach house
Love on sale
Icons of anarchy
This is Michael
Chronicles of the heartbroken
Atlantic Claire
Diana
Are you the one from heaven
Container love

Baby please go home
Albert is a headbanger
When the wall of voodoo breaks
And then she kissed her

Molly’s lips
Standing blinded on the rooftops
Kill your ideals

Copyright Fotos: Steffi Ebeling

2 Kommentare

  1. IK sagt:

    Soweit 100% Zustimmung. Nur eine kleine Anmerkung: Es waren 8 (statt 5) Songs vom neuen Album (mit dem Cover von „Molly’s Lips“, das ja auf der Deluxe Version des Albums zu finden ist, sogar 9)

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