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PHOBOS II – AN EVENING OF DARK AMBIENT MUSIC

Ort: Wuppertal – Sophienkirche

Datum: 13.11.2010

HERBST9, INADE, PHELIOS und FALSE MIRROR, so lautete das Line Up des ersten Phobos Festivals, welches fast taggenau vor einem Jahr die Sophienkirche in Wuppertal in eine sphärische Klanglandschaft verwandelte. Eine hochkarätige Besetzung, die eigentlich kaum zu toppen ist. Da mussten in diesem Jahr schon einige internationale Dark Ambient Acts und insgesamt ein Auftritt mehr her, um es mit der deutschen Crème de la Crème aufnehmen zu können. Und zudem haben Herren wie die von HERBST9 glücklicherweise ja auch noch weitere Pferde im Stall, so dass die Besucher erneut ein erstklassiges Abendprogramm erwartete, welches labelstatistisch betrachtet je zweimal Loki Foundation und Cyclic Law sowie einen Headliner der Cold Meat Industry aufbot. Fast müßig also zu erwähnen, dass das Event natürlich auch diesmal wieder ausverkauft war.

Nachdem wir im anhaltenden Regenwetter den Ort des Geschehens erreicht hatten, blieb zunächst noch etwas Zeit, sich am CD-Stand umzuschauen und die Getränkeversorgung sicherzustellen, bevor der Saal pünktlich um 19 Uhr abgedunkelt und dem Opener NORTHAUNT das Feld überlassen wurde. Der Norweger Hærleif Langås hat zwar zuletzt bereits 2006 das Album „Horizons“ veröffentlicht und befindet sich mit seinem Projekt derzeit in einem eher wenig aktiven Status. Gleichwohl sollten die von ihm dargebotenen nordischen Ambient Atmospherics ein guter und fachmännischer Einstieg in das Festival werden. Wie auch die anderen Künstler des Abends war Langås mit seinen Arbeitsgeräten unmittelbar vor der großen und als Lichtquelle fungierenden Leinwand positioniert, auf der passend zu der nordischen Kälte in dem von Dronen und Flächen dominierten Sound düstere Wolkenformationen vorbeiwanderten oder vereinsamte Schneelandschaften zu betrachten waren. Die Klangreise, im Detail untermalt von Feldaufnahmen und punktuellem Gitarreneinsatz, verkörperte dementsprechend ein Gefühl der Abgeschiedenheit sowie Trostlosigkeit und konnte damit für den Anfang durchaus einige Anziehungskraft für sich verbuchen.

Nachdem der Boden also bereitet war, stand als nächstes quasi eine „Release Party“ an, denn Johannes Riedel von CIRCULAR hat nach mehreren Jahren nun ganz frisch sein zweites Studioalbum „Cycles of remembrance“ vorgelegt, von dem natürlich einiges an Material in das Set eingebunden war. Auf der Bühne wurde er an diesem Abend wieder unterstützt von Knut Enderlein (INADE, Loki Foundation), mit dem er ja auch bei den nicht so ganz artfremden FJERNLYS gemeinsam aktiv ist. Zusammen erzeugten beide eine klangdynamische Woge, die den Raum durchflutete. Ein großartiger, spannender Auftritt voller organischer, verwirbelter Elemente und warmer, meditativ angehauchter Schwingungen, unterlegt mit druckvollen Bass- und Rhythmusanteilen, der, wie bei allen Protagonisten vorgesehen, leider schon nach 45 Minuten zu Ende ging.

Ein herber Kontrast stand danach mit SVARTSINN auf dem Programm. Nicht nur, weil der ebenso wie sein Kollege von NORTHAUNT aus Trondheim stammende Jan Roger Pettersen mehr beklemmend-depressive Soundscapes, denn die sich auf dem aktuellen Werk „Elegies for the end“ abzeichnenden melancholisch-melodischen Anflüge in den Vordergrund seiner Präsentation stellte, sondern auch aufgrund der parallel gezeigten, recht unappetitlichen Bilder im Rahmen der Videoinstallation. Wenn hier schon die Musik keine übermäßigen Akzente setzen konnte, sorgten doch zumindest diese optischen „Reize“ für einen bleibenden Eindruck. Wegen einer etwas verzögerten Umbaupause dauerte die eher spezielle Performance aber ohnehin nur eine gute halbe Stunde an.

Ein weiteres Highlight folgte dafür in Form von LAND:FIRE. Henry Emich und Frank Merten (aka HERBST9) knüpften an ihren hervorragenden „Shortwave Transmission“ Lonplayer an und erzeugten einen leicht krachigen, apokalyptisch-experimentellen Soundtrack. Die vorhandene Detailfülle forderte den Zuhörer und Betrachter, intensive rhythmische Momente vermochten das Ganze immer wieder anzutreiben. Entsprechend euphorisch war der sich an den Gig anschließende Applaus im Auditorium.

Das Finale war dann RAISON D´ÊTRE vorbehalten. Auch wenn sich inzwischen leichte Ermüdungserscheinungen zeigten, wollte dennoch niemand Peter Andersson verpassen. Dieser hatte sich offenbar einiges vorgenommen und einen Klangcocktail von mehr als einer Stunde vorbereitet, der stimmungsvoll den Gottesdienstraum erfüllte. Eingebettet in sakrale, andächtige Passagen, die auch die gerade auf den früheren Alben typischen Chöre beinhalteten, übernahm dazwischen überwiegend post-industrieller Drone-Ambient das Zepter. Über die Projektion flimmerte dazu ausgewählte Industriekultur, Feinheiten im Soundgeflecht wurden vom Schweden mittels Glockenklängen, einer Klangschale und anderem speziellen Handwerkszeug hervorgerufen. Zum Ende geriet die Darbietung vielleicht etwas zu lang, setzte aber noch einmal einen interessanten Schlusspunkt unter eine gelungene Veranstaltung.

Der Lob hierfür gebührt vor allem Martin Stürtzer von PHELIOS, der mit viel Herzblut einen abwechslungsreichen und geordneten Ablauf auf die Beine gestellt hat. Im nächsten Jahr werden sich daher sicher alle beim Phobos III wieder sehen, dann mit TROUM und vermutlich der einen oder anderen Wunschband der diesjährigen Anwesenden.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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