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PINK TURNS BLUE – GOLDEN APES

Ort: Berlin - K17

Datum: 23.04.2005

Ich habe garantiert schon einmal meine persönliche Liste der „Alten Helden“ erwähnt – jene mir wichtigen Bands und Künstler mit Kultstatus, die ich wenigstens einmal im Leben live gesehen haben muss und will. Das K17 bot an diesem Abend die Möglichkeit, ein weiteres Häkchen auf diese Liste zu setzen. Und nachdem ich auf dem letztjährigen WGT die wiedervereinten PINK TURNS BLUE vor der Parkbühne sitzend gehört hatte, hatte sich die Gewissheit manifestiert, die Band um Mic Jogwer definitiv auch einmal sehend erleben zu müssen. Das Bühnenbild sah jedenfalls auch ohne Bands schon beeindruckend aus. Die sonst eher nüchterne Kulisse war mit Zweigen und Ästen jeder Form und Größe dekoriert und ließ in der Kombination mit Licht und Nebel auf stimmungsvolle Momente hoffen.

Dieser Märchenwald wurde dann als erstes von den GOLDEN APES betreten, einer Berliner Oldschool-Darkwave-Truppe. Deren Musik kannte ich schon zum Teil, wer ein Album namens „Helianthos“ veröffentlicht hat, muss mir ja sympathisch sein! Die Besetzung war mir aber nicht mehr ganz geläufig und so war ich doch über alle Maßen erstaunt, dass drei Fünftel der Band aus (z.T. ehemaligen) Mitgliedern von DUST OF BASEMENT bestanden, die doch eher in synthetischen Gefilden beheimatet sind. Kern der GOLDEN APES sind Gitarrist Eric Bahrs und die Gebrüder Lebrecht, die sich einen Sound ähnlich dem von THE CURE oder den SISTERS auf die Fahne geschrieben haben. Unterstützt werden sie von Nestor de Valley an den Drums und Sven Wolff am Keyboard. Den kleinen Blondschopf so dermaßen im Hintergrund agieren zu sehen, war schon etwas ungewohnt, aber Peer Lebrechts dunkle Stimme zog ohnehin den Fokus auf sich. Kraft- und gefühlvoll spielte man sich durch die besten Lieder von vier Alben und machte sich im zahlreich vorhandenen Publikum doch einige Freunde. Mein persönlicher Favorit „Ewigheim“ ging tief unter die Haut, auf sanfte Strophen folgte ein umso energischerer Refrain, der einen förmlich packte und durchrüttelte. Leider war nach ca. 40 Minuten nach „Snow“ vom aktuellen Album „Structures [The Inner Scars]“ auch schon Schluss mit dem anregenden Support.

Um ein kleines Geständnis über PINK TURNS BLUE zu verlieren: außer dem Überflieger „Michelle“ war mir die Songmaterie gar nicht einmal so sehr vertraut. Allein dieses Lied, der akustische WGT-Genuss und die Tatsache der Reunion im letzten Jahr reichten aber, dass ich wie ein kleines Kind dem Auftritt der Nordrheinwestfalen entgegenfieberte. Nach einigen kleinen Handgriffen – in der Synthie-Ecke wurde neben einem Wachslicht noch ein künstlicher Vogel hindrapiert und machte das Traumzauberbaum-Feeling perfekt, Beamer und Leinwand im Hintergrund sollten für effektvolle optische Untermalung sorgen. Dann war es endlich soweit und das Quartett legte mit „Feel My Soul“ los, dem Schlusstrack des neuen Albums „Phoenix“. In der Tat waren sie wie Phoenix aus der Asche zurückgekehrt und erfreuten sich neuer Popularität und von Beginn an offener Publikumsbegeisterung. Der erste Teil des Sets gehörte auch ausschließlich den neuen Songs, die gut ins Ohr gingen und der guten alten PTB-Tradition folgten. Besinnung auf die Stärken statt radikaler Neuanfang: sehr angenehm! Optischer Blickfang – neben dem kaum gealterten und irgendwie unheimlich britisch aussehenden Frontmann Mic – war natürlich Gitarristin und Keyboarderin Brigid. Mit kurzem Bob, auffälligem Makeup und schmalhüftigem Fransenkleid wirkte sie, als sei sie original den Goldenen Zwanzigern entsprungen und zog zumindest meine bewundernden Blicke auf sich.

Nach vier Songs dann der erste Evergreen; die Menge johlte, als sie die ersten Töne von „Michelle“ erkannte und ich war ebenfalls selig. Darauf folgten Schlaf auf Schlag die nächsten Klassiker, erwähnt sei hier besonders „Catholic Sunday“ mit seinem ganz speziellen Groove. Der Sound an dem Abend war klasse, Mics Stimme ebenfalls, in Kombination mit seiner Mimik (großartig andere Ausdrucksmöglichkeiten blieben ihm hinter dem Mikroständer nicht) ein wahrer Genuss. Der Beamer zauberte impressionistische Bilder, Brigid thronte wie eine kühle Fee in ihrem eigenen kleinen Reich, umgeben von Zweigen und dem Vogel. Ein Fest für die Sinne! Der nächste Block beinhaltete wieder ausschließlich „Phoenix“-Songs, Gänsehautgarantie inklusive. „Dynamite“ war in der Tat recht explosiv, beim vorerst abschließenden Duett „Now’s The Time“ steuerte Brigid zusätzlich ihre Stimmqualitäten bei.

Auch heute ging es logischerweise nicht ohne Zugaben, diese waren dann wieder für die älteren Stücke reserviert, so ging es erst beschaulicher zu, dann rockte Jogwer mit dem flotten „Walking On Both Sides“ so richtig ab, Brigid schwang dazu nicht nur den Schellenring, sondern (wie das Publikum) auch ganz apart das Tanzbein. Im zweiten Zugabenblock begannen PINK TURNS BLUE wieder langsam mit dem schleppenden „If Two Worlds Kiss“, nur um beim endgültigen Rausschmeißer „Missing You“ noch einmal die ganze restliche Energie loszuwerden. Da blieb einem nur noch übrig, sich beim angehenden Licht wieder etwas zu sammeln und ganz pinkblau erfüllt nach Hause zu schweben…

Setlist GOLDEN APES
The Last Of The Phantoms
My Creation
Valentine Decay
Nova
A Letter
Accusation
Ewigheim
At Least
Remedy
Snow

Setlist PINK TURNS BLUE
Feel My Soul
Underground
The Lost Son
Good Times
Michelle
The First/ Seven Years/Catholic Sunday/Moon/S. Day
Animal Life
True Love
Dynamite
Crusade
Can Love Survive
Your Master Is Calling
Now’s The Time

Touch The Skies
I Coldly Stare Out
Walking On Both Sides

If Two Worlds Kiss
Missing You

Copyright Fotos: Antje Wagler

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