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PIXIES – YUCK

Ort: Berlin – Huxleys Neue Welt

Datum: 09.10.2013

Die PIXIES waren lang nicht mehr in Berlin und ich auch nicht. Warum also nicht mal wieder an die Spree reisen? Dachten sich zunächst einmal Frank Black, Joey Santiago, David Lovering und Kim Shattuck und buchten gleich für zwei Abende das Huxleys. Diese Neuigkeit ließ mich schließlich ebenfalls Anreise und Unterkunft klar machen, denn immerhin zählen die Indie-Ikonen aus Boston zu den Helden meiner Jugend, die ich zwar bereits auf Festivals, aber noch nie bei einem Club-Konzert sehen durfte. Dem aufmerksamen Leser wird allerdings aufgefallen sein, dass ich den Nachnamen der Bassistin nicht mit „Deal“ angegeben habe, wie es immerhin bis zum Frühsommer dieses Jahres richtig gewesen wäre. Frank Black und Konsorten wollten sich womöglich nicht großartig an einen neuen Namen gewöhnen und haben sich möglicherweise deshalb für die Kollegin Kim Shattuck entschieden, die zumindest während der Tour den weiblichen Part in der Band übernimmt, da Miss Deal die Kapelle verlassen hat. Nähere Hintergründe sind mir nicht bekannt, denkt man jedoch an die diversen Konflikte innerhalb der Band und an das Ende 1993 zurück, das Mr. Black ohne das Wissen seiner Mitstreiter bekannt gegeben hat, ist durchaus vorstellbar, dass es intern mal wieder gebrodelt hat bei den PIXIES, die 2003 ihre Reunion verkündet haben und endlich auch eine Hand voll neuer Songs ins Rennen schicken.

Bis es die live zu hören gab, bekamen die 1.600 Fans jedoch erst einmal mit YUCK eine kleine Aufwärmübung verpasst. Der internationale Vierer (London, New Jersey, Hiroshima) hatte die Position am Tieftöner ebenfalls in weibliche Hände gelegt – genauer gesagt in die von Mariko Doi, die bisweilen wie bei „Holing Out“ oder „The Wall“ auch den Gesang übernahm, der im Wesentlichen jedoch dem Gitarristen Max Bloom vorbehalten war. An den Fellen agierte derweil der Mann mit dem explodierten Haupthaar, Jonny Rogoff, während den zweiten Sechssaiter Ed Hayes bearbeitete. Um 19.55 Uhr startete das Quartett mit dem Song „Middle Sea“ vom aktuellen Zweitwerk „Glow & Behold“, ehe es mit „Holing Out“ Material vom selbstbetitelten 2011er Debüt auf die Ohren gab. Musikalisch war durchaus eine gewisse Verwandtschaft zum Hauptact des Abends rauszuhören, das Ergebnis ging auch fluffig ins Ohr und erntete den freundlichen Applaus der Zuschauer, mir persönlich fehlte aber der berühmte Funke, der zumindest bei mir nicht so recht überspringen wollte. Alles in allem nette 35 Minuten, die allerdings bei mir keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Setlist YUCK
Middle Sea
Holing Out
Lose My Breath
Get Away
Rebirth
The Wall
Age of Consent (NEW-ORDER-Cover)
Operation

Ganz anders steht es da um die PIXIES, die in den Jahren 1986 bis 1993 zweifellos mit ihrer Mucke Geschichte geschrieben und auch in den danach folgenden Jahren Musiker und Hörer mit dem besonderen PIXIES-Style nachhaltig beeinflusst haben. Ganz vorn ist natürlich an dieser Stelle der Überhit „Where Is My Mind?“ vom 1988er Longplay-Debüt „Surfer Rosa“ zu nennen, den es an diesem Mittwochabend bereits als dritten Song zu hören gab und der selbstredend begeistert von den Zuschauern aufgenommen wurde. Gleiches galt für den „Holiday Song“ vom „Come On Pilgrim“-Debüt aus 1987, für den die Stage in verschieden farbiges Licht getaucht wurde, das sich effektvoll in den zahlreichen Monitoren im Hintergrund brach. Schlag auf Schlag und ohne unnötiges Gerede ging es mit Evergreens wie dem krachenden „Nimrod’s Son“ und dem hypnotischen „Cactus“ weiter, so wie sich die Lieder insgesamt in bekannt knackiger Kürze präsentierten. Anders bekommt man auch keine 34 Songs in 95 Minuten Spielzeit unter. Zusätzlich zu den beliebten Klassikern stand neben dem NEIL-YOUNG-Cover „Winterlong“, bei dem sich Frank und Kim die Vocals teilten, auch neues Material auf der Setlist. Etwa das grummelnde „Bagboy“, das man bereits for free downloaden konnte oder das fein lärmende „What Goes Boom“ vom brandaktuellen Viertracker „EP1“. Auch die übrigen neuen Tracks „Andro Queen“, „Indie Cindy“ und „Another Toe In The Ocean“ wurden im Huxleys gespielt und zeugten davon, dass die PIXIES (und insbesondere Frank Black) auch 2013 noch Ideen haben, die sich hören lassen können. Richtig rund ging’s natürlich bei den alten Nummern, als da noch „Levitate Me“, „She Is Weird“ und „Mr. Grieves“ genannt sein sollen. Serviert wurde hier der unverwechselbare PIXIES-Sound, der ohne Zweifel einzigartig und zeitlos ist. In diesem Sinne schloss sich „Tony’s Theme“ an, dem man deutlich die gesanglichen Unterschiede zwischen den beiden Bassistinnen anhörte, wenngleich Frau Shattuck ihre Sache wirklich gut machte, aber man halt eine andere Stimme im Hinterkopf. Mit viel Tempo und „Allison“ („Bossanova“ 1990) ging’s weiter, um schließlich mit „Isla de Encanta“ ein weiteres Highlight abzufeuern. „Hey“ ließ es da zwischendurch mal ein wenig ruhiger angehen, wurde gleichzeitig jedoch auch kräftig mitgesungen und eifrig beklatscht. Nach einem ebenfalls eher zurückhaltenden „Havalina“, waren für „Magdalena 318“ erneut knackige Langäxte gefragt, die sich insbesondere auch beim großartigen „U-Mass“ vom 1991er „Trompe le Monde“ wiederfanden. Mit „River Euphrates“ folgte unter zuckenden Lichtblitzen noch einmal eine volle Breitseite und auch „Tame“ ging ebenso wie das finale „Rock Music“ noch einmal gekonnt ans Eingemachte.

Zu diesem Zeitpunkt waren knapp 90 Minuten vergangen und natürlich konnten die Amis Berlin nicht ohne eine Zugabe Adieu sagen. Während die Bühne von grünen Lichtsäulen erhellt wurde, sorgten deshalb die hypnotischen Krachlatten von „Gouge Away“ für Stimmung, bevor die Anwesenden von den PIXIES auf den „Planet of Sound“ entführt wurden. Noch einmal amtliches Geschrammel vom Feinsten und schon war die Lehrstunde in Sachen Indie-Rock auch schon wieder Geschichte. Noch ein letztes Winken und das Kleeblatt war im Off verschwunden. Das Auditorium schwelgte derweil vermutlich noch ein wenig in den Erinnerungen, die das überwiegend schon etwas „betagtere“ Publikum mit den PIXIES verbindet. Bei mir sind es beispielsweise zahllose Samstage im Osnabrücker Hyde Park, die ohne „Where Is My Mind?“ undenkbar gewesen wären. Auf meiner persönlichen Wunsch-Setlist waren zwar ein paar Lieder wie zum Beispiel „Bone Machine“ oder „Gigantic“ offen geblieben, aber es war auch so ein Fest und ich klage auf wahrlich hohem Niveau!

Setlist PIXIES
In Heaven (Lady In The Radiator Song)
Andro Queen
Where Is My Mind?
Wave of Mutilation (U.K. Surf)
Indie Cindy
Motorway To Roswell
La La Love You
The Holiday Song
Nimrod’s Son
Cactus
Winterlong (NEIL-YOUNG-Cover)
Bagboy
Dead
Another Toe In The Ocean
Levitate Me
She Is Weird
Mr. Grieves
Tony’s Song
Allison
I’m Amazed
Crackity Jones
Isla de Encanta
Hey
Havalina
Magdalena 318
Alec Eiffel
U-Mass
River Euphrates
What Goes Boom
Tame
Rock Music

Gouge Away
Planet of Sound

Copyright Fotos: Ulrike Meyer-Potthoff

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