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PLACEBO

Ort: Köln - Gloria

Datum: 03.06.2009

PLACEBO-Festwochen für die deutschen Fans: Nicht nur, dass am Freitag das neue Album „Battle For The Sun“ nach einer dreijährbedigen Durststrecke erscheint, nein, Mr. Molko und seine Mannen sind am Wochenende auch noch auf dem Rock am Ring bzw. dem Schwesterfestival Rock im Park vertreten! Damit nicht genug, hatten außerdem noch 700 1Live-Hörer die Chance, PLACEBO im Rahmen eines kleinen, aber dafür umso feineren Radiokonzertes im Kölner Gloria zu erleben. Auch wenn ich streng genommen nicht mehr im Sektor wohne, aber doch immerhin 1Live empfangen kann, war es für den Terrorverlag natürlich Ehrensache, ebenfalls Richtung Köln zu düsen, um sich der Live-Qualitäten der neuen Songs zu vergewissern.

Da das Konzert selbstverständlich auch im Radio übertragen wurde (übrigens von 23 Stationen in 15 Ländern), hatte der Sender um pünktliches Erscheinen gebeten und so zog sich um 19.30 Uhr ein wahrer Lindwurm von Fans durch die Apostelnstr., doch das Check-In klappte reibungslos und zügig, so dass es pünktlich um 21.03 Uhr im plüschigen Ex-Kino losgehen konnte. Das Hauptaugenmerk lag an diesem Abend natürlich auf den neuen Titeln, die von den Zuschauern bereits kräftig abgefeiert wurden, auch wenn die Stücke abgesehen von der Vorabsingle „For What It Worth“ noch weitestgehend unbekannt waren. Brian Molko, der mal wieder reichlich Augen-Make Up aufgelegt und die neuerdings langen, schwarzen Haare zum Zopf gebunden hatte, freute sich sichtlich über die frenetischen Reaktionen seines Publikums und legte sich mächtig ins Zeug. Da wollten natürlich weder Schlagzeug-Neuzugang Steve Forrest (mit farbenfroh und flächendeckend tätowiertem nackten Oberkörper), noch die Live-Verstärkung an Keys, Geige, Tamburin und Gitarre und schon gar nicht der „King of Sweden“ (O-Ton Brian) Stefan Olsdal an seinen diversen Langäxten zurückstecken. Entsprechend wurde gerockt, was das Zeug hielt und auch wenn mir drei Lieder zum endgültigen Statement fehlen, wage ich zu behaupten, dass „Battle For The Sun“ es ordentlich krachen lässt und die melancholischen Momente eher seltener Natur sind. Zum druckvollen Sound, dem erstmals auch eine E-Violine hinzugefügt wurde, gesellte sich eine absolut stimmige Lightshow, die den Sound perfekt in Szene setzte. Wenn es wie bei „Sleeping With Ghosts“ vom gleichnamigen 2003er Longplayer mal etwas ruhiger zuging, durfte man dennoch sicher sein, dass die Musik gleichbleibend mitreißend war, wozu nicht zuletzt die zusätzlichen Instrumente auf der Stage beitrugen. Besonders präsent waren die Saiteninstrumente, die Steve hinter seiner Schießbude knackig auf Kurs hielt. Seine Zeit bei der kalifornischen Punk-Combo EVALINE hat ihn anscheinend gelehrt, dass auf der Stage Schmackes gefragt ist. „Speak In Tongues“ war einer der neuen Tracks, die mehr Melancholie ins Spiel brachten. Unterstrichen wurde dies durch – nennen wir es mal – gestöhnten Zwiegesang von Brian und Stefan sowie sehr viel Drive, der dem einleitendem Klaviergeklimper folgte, für welches die blonde Dame im Hintergrund zuständig war, die neben den Tasten auch die Geige und das Tamburin bediente. Es handelte sich im Übrigen um Fiona Brice, die der ein oder andere dieser Tage auch mit SOPHIA auf Tour gesehen haben mag. PLACEBO wären natürlich nicht PLACEBO, wenn es nicht auch ausnehmend schwermütige Momente gegeben hätte. Für diesen Part war in Köln u.a. das zarte „Follow The Cops Back Home“ von der Vorgängerscheibe „Meds“ vorgesehen. Wie nicht anders zu erwarten, erfüllten Streicher und Schrammelgitarren ihren Zweck zur uneingeschränkten Zufriedenheit des Auditoriums, während der androgyne Fronter der seit 1994 existierenden Band am Boden kniete und voller Inbrunst seinen Sechssaiter bearbeitete. Nun ging es Schlag auf Schlag, denn als nächstes kündigte sich mit einer ausgiebigen Gitarrenperformance „Every You Every Me“ an. Das stoische Intro machte die Leute regelrecht rasend und was folgte war ein konsequentes Abfeiern des inzwischen auch schon elf Jahre alten Indie-Evergreens, bevor das coole „Julian“ mit seiner treibenden Rhythmussektion weitermachte. „Happy You’re Gone“ will Mr. Molko nach eigenem Bekunden über keine bestimmte Person geschrieben haben, dürfte aber aller Wahrscheinlichkeit nach der offizielle Suizidtrailer der neuen Langrille sein. Ebenfalls sehr emotional, dabei jedoch extrem rockend präsentierte sich „Come Undone“, bevor es ins große Finale ging. Diesmal ohne Verpackungen der gleichnamigen Frühstücksflocken im Publikum, verwandelte „Special K“ das Gloria endgültig in einen Hexenkessel, nachdem Brian seine Kollegen auf der Bühne vorgestellt hatte. Womöglich hatten diejenigen, die relativ weit rechts von der Bühne standen, Bill Lloyd noch gar nicht wahrgenommen, da der Gute oftmals von den Verstärkerboxen verdeckt blieb. Insgesamt verzichtete der ganz in schwarz gekleidete Sänger mit schottischen und amerikanischen Wurzeln auf lange Reden, wenngleich er sogar ein paar deutsche Worte für die Kölner fand. Konsequenterweise beendete „Song To Say Goodbye“ nach 75 Minuten das reguläre Set und für einen Moment wurde es leer auf der Stage. Doch die bald einsetzenden Grooves aus der Konserve ließen vermuten, dass PLACEBO noch einmal zurückkehren würden. Eine sehr knackige Version von „Infra-Red“ und das grandiose „Bitter End“ bildeten sodann den ersten Zugabenblock, dem sich schließlich noch „Taste In Men“ (im Jahr 2000 auf „Black Market Music erschienen) mit verfremdeten Elektroklängen anschloss, die dem Song einen psychedelischen Touch verliehen. Die Herren Molko und Olsdal (die gemeinsam in Luxemburg zur Schule gingen, sich aber erst später zufällig in London an einer U-Bahn-Station wiedertrafen, um schließlich PLACEBO zu gründen) wanden sich noch ein letztes Mal am Boden und um 22.35 Uhr verneigten sich Brian, Stefan und Steve vor ihrer restlos begeisterten Zuschauerschaft, die ein fantastisches Konzert erleben durfte.

Es ist schon ein Unterschied, ob man eine Formation wie PLACEBO auf einem riesigen Festival (womöglich nur über Leinwände) oder in so intimer Umgebung wie im Gloria erlebt. Wenn die Akteure dann auch noch ausnehmend gut gelaunt und genauso heiß sind, ihre neuen Lieder ihren Fans vorzuspielen, wie selbige gespannt darauf warten, was bei den Studiosessions herausgekommen ist, dann kann der Gig nur ein voller Erfolg werden. Dieses Radiokonzert ließ wirklich keinen Wunsch offen, mal abgesehen davon, dass vor mir noch 200 km Rückfahrt lagen, aber mit der passenden Beschallung im Autoradio war die Strecke schnell zurückgelegt.

Setlist
Kitty Litter
Ashtray Heart
Battle For The Sun
For What It Worth
Sleeping With Ghosts (Soulmates)
Speak In Tongues
Follow The Cops Back Home
Every You Every Me
Julien
Special Needs
The Neverending Why
Devil In The Details
Happy You’re Gone
Meds
Come Undone
Special K
Song To Say Goodbye

Infra-Red
Bitter End

Taste In Men

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