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PLACEBO – SILVERSUN PICKUPS – EXPATRIATE

Ort: Köln - Lanxess Arena

Datum: 04.12.2009

Recht kurzfristig erreichte uns die freudige Nachricht, aus der Lanxess-Arena berichten zu dürfen, ein Angebot, das wir gerne annahmen. Ausnahmsweise reisten wir aus Richtung Münster an, was uns aber dennoch den einen oder anderen kleinen Stau nicht ersparte. Aber immerhin ging alles schneller als noch bei MARILYN MANSON vor zwei Wochen, so dass wir uns um kurz vor acht vor der imposanten Kölner Location einfanden. Anlass dieser weiten Reise waren die Herren von PLACEBO, welche an diesem Abend das letzte Deutschlandkonzert ihrer Tour spielen sollten. Für mich eine Premiere, sowohl was die Größe des Konzertes als auch die Band anbetraf und ich kann jetzt schon verraten, dass es mein Konzerthighlight des Jahres 2009 war. Die erste Vorband EXPATRIATE hatten wir aber leider bereits verpasst, da diese früher als angekündigt aufgespielt hatte, pünktlich zu den SILVERSUN PICKUPS fanden wir uns dann aber im Innenraum der mit 13000 Zuschauern fast ausverkauften Halle ein.

Die SILVERSUN PICKUPS stammen aus Los Angeles und konnten in Amerika mit ihrem aktuellen Werk „Swoon“ durchaus punkten und einen respektablen siebten Platz in den Album Charts einfahren. Und auch unsere Redakteurin ump hatte sich in ihrer Rezension ganz begeistert gezeigt angesichts dieses zweiten Silberlings. Live wussten die Herren samt einer Dame am Bass ebenfalls zu überzeugen. Eine gewisse Affinität zu PLACEBO konnte man der Band nicht absprechen, klangen sie stellenweise doch reichlich artverwandt. Aber wen sollte das an diesem Abend schon stören. So gab es auch ausreichend Applaus zwischen den Songs und die 40 Minuten Spielzeit vergingen wie im Flug. Einzig die Anheizversuche von Sänger Brian Aubert waren stellenweise etwas nervig. Ansonsten ein gelungener Auftritt.

Ich verzog mich zu einer Raucherpause an die frische Luft und hätte mich in der wirklich großen Arena fast verlaufen, während in der Halle, wie auch schon zwischen EXPATRIATE und den SILVERSUN PICKUPS Filme auf den Videoleinwänden gezeigt wurden. Um Punkt 21.30 war es dann soweit und zum Intro von „For what it´s worth“ betraten PLACEBO die Bühne. Dank meines mitgereisten Fotografen konnte ich einen Platz in der Nähe der Bühne mit viel Freiraum ergattern und somit auch mal bei einem Konzert was sehen. Bei Brian Molko ja nicht ganz unwichtig (zumindest ich würde den Herrn nicht von der Bettkante stoßen). Und auch der neue Schlagzeuger Steven Forrest, welcher seit einiger Zeit Steve Hewitt ersetzt, machte eine gute Figur. Weiter ging es mit „Ashtray Heart“, ein Song benannt nach dem Bandnamen (der wiederum von einem Song von CAPTAIN BEEFHEART übernommen wurde), den man hatte, bevor man sich in PLACEBO umbenannte. Alles sehr verworren, aber dennoch ein guter Titel und auf dem aktuellen Album „Battle for the Sun“ enthalten. Mit gleichnamigem Song sollte es dann auch weitergehen, bevor man nach „Speak in Tongues“ zunächst zu älteren Stücken überging. Unter anderem „Follow the cops back home“ vom Album „Meds“ und dem allseits beliebten und hysterisch abgefeierten „Every you every me“, wobei ich finde, dass das nun wahrlich nicht ihr bester Song ist. Dennoch konnte man sich der Stimmung nicht entziehen und 13 000 Zuschauer können verdammt viel Lärm machen. So gab ich dann auch meine letzten Widerstände auf und fühlte mich kurzzeitig wieder wie 16, konnte mir das Kreischen, aber gerade noch verkneifen und freute mich lieber über das nun folgende „Special needs“. Und auch die Videoprojektionen im Hintergrund, teilweise recht gut auf die Titel abgestimmt, wirkten durchaus beeindruckend. So als Ausgleich dafür, dass auf der Bühne insgesamt nicht allzu viel passierte und auch Herr Molko mit Ansagen eher sparsam umging. Immerhin ließ er sich darauf ein, vor „Because I want you“ und „Twenty years“ seine Stimme mal nicht gesanglich zu erheben und auf deutsch zu erklären, dass es jetzt eine kleine Pause gebe. Kein Rock n Roll sondern ein bisschen „Rock n Schwul“. Klang zwar etwas auswendig gelernt, aber sorgte dennoch für Erheiterung im Publikum. Es folgten mit „Julien“ und „The never-ending why“ wieder zwei aktuelle Titel und langsam aber sicher näherte man sich dem Ende. Den Abschluss des offiziellen Sets bildete dann das traurige „Song to say goodbye“, welches für mich mit einer ganz besonderen Person verbunden ist. Unter tosendem Applaus verließ man dann kurzzeitig die Bühne und die Zuschauer wurden erneut mit einem kleinen Filmchen unterhalten, bevor es mit dem ersten Teil der Zugaben weiterging.

Inzwischen reichlich verschwitzt ging es nun mit „Bright Lights“, einem weiteren aktuellen Stück, zur Sache, bevor man mit „Special K“ zum ersten Mal die „Black Market Music“ bedachte und hier forderte man dann auch das Publikum zum mitmachen und mitsingen auf. Das ließen sich die meisten nicht zweimal sagen und erhoben ihre Stimmen, um Brian zufrieden zu stellen. Weiter ging es dann noch mit, wie passend, „The bitter end“ und für uns läutete dieser Song dann auch das Ende ein und wir verließen die Lanxess Arena, während im Inneren eine weitere Zugabe bestehend aus „Infra-Red“ und „Taste in Men“ eingeläutet wurde. Doch um dem großen Ansturm auf das Parkhaus zu entgehen, hatten wir uns etwas früher abgesetzt, um uns reibungslos auf den Heimweg machen zu können. Dieser dürfte für meinen mitgereisten Fotografen etwas anstrengend gewesen sein, ging ich ihm mit meinen „Ohs“, „Hachs“ und „War das schööön“ sicher reichlich auf die Nerven. Aber ich war tatsächlich einfach nur begeistert, denn dieses Konzert hat richtig Spaß gemacht – Wirklich ganz großes Kino. Sicher hat mir der eine oder andere Titel auf der Setlist gefehlt, aber um das alles unterkriegen zu können, hätten PLACEBO wahrscheinlich die ganze Nacht spielen müssen und so hatte man in den zwei Stunden Spielzeit eine gute Mischung aus aktuellen Stücken und Klassikern gefunden. Beim nächsten Mal bin ich aber ganz sicher wieder mit dabei.

Setlist PLACEBO
For what it´s worth
Ashtray Heart
Battle for the sun
Soulmates never die
Speak in tongues
Follow the Cops back home
Every you every me
Special Needs
Breathe Underwater
Because I want you
Twenty years
Julien
The never-ending Why
Blind
Devil in the details
Meds
Song to say goodbye

Bright Lights
Special K
The bitter end

Infra-red
Taste in men

Copyright Fotos: Karsten Thurau (PLACEBO/ SILVERSUN PICKUPS) – Dani Vorndran (EXPATRIATE)

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