Konzert Filter

PLACEBO – IN THE VALLEY BELOW

Ort: Essen – Zeche Zollverein

Datum: 26.11.2013

Wenn PLACEBO die Bühne betreten, jubeln Brian Molko, Stefan Olsdal und Steve Forrest im Normalfall Tausende zu. Anders sah das an diesem Abend in der Trichterhalle der Zeche Zollverein aus. Der Telekom Street Gig machte nämlich in Essen Station und schickte PLACEBO im Rahmen eines geradezu lauschigen Clubkonzertes mit einigen Hundert Fans auf die Stage. Zuvor galt es jedoch erst einmal nach dem Parken das alte Industriegemäuer zu finden, denn das Areal der ehemaligen Steinkohle-Hütte, die inzwischen zum Weltkulturerbe gehört, zeigte sich weitläufig, schlecht ausgeschildert und von unzähligen Baustellen zerklüftet.

So kam es dann auch, dass IN THE VALLEY BELOW aus Los Angeles bereits zu spielen begannen hatten, als ich die besagte Trichterhalle mit den namensgebenden riesigen, von der Decke ragenden Betontrichtern erreichte. Angela Gail am Mikro und der Sänger und Gitarrist Jeffrey Jacob sind die beiden tragenden Säulen der 2011 gegründeten Dream-Pop/ Indie-Formation, die durch den Keyboarder Jeremy Grant und Joshua Clair an den Fellen komplettiert wird. Wer vor Kurzem auf einem WHITE-LIES-Konzert war, konnte das Kleeblatt dort bereits als Support live erleben und fand vielleicht auch einige Parallelen zum Sound von THE XX. Wobei die Amis sich auch durchaus auf tanzbaren Stuff verstehen, wie sie beispielsweise mit „Dove Season“ unter Beweis stellten. Das Lied mit der Taube passte auch sonst gut zur Location, denn an diversen Stellen findet man hier die überdimensionalen Darstellungen der Rennpferde des kleinen Ruhrpott-Mannes. Kettenrasseln war im wahrsten Sinne des Wortes bei „Searching For A Devil“ angesagt, denn die gut behütete Sängerin hatte entsprechendes Percussion-Equipment am Start, bevor es mit „Lover“ erneut gemischtgeschlechtliche Vocals und allerlei Lichtspielereien gab. Knackige Gitarrenklänge läuteten derweil das tanzbare „Peaches“ ein und auch das finale „Nerverminders“ ging umgehend ins Bein und stammte wie die übrigen Songs vom Debütalbum „The Belt“, das im Sommer in die Plattenläden gekommen ist. Ein schöner Einstieg in den Abend, der für drei Leute sogar mit einem neuen Handy versüßt wurde.

Setlist IN THE VALLEY BELOW
Stand Up
Dove Season
Searching For A Devil
Lover
Peaches
Neverminders

Die verloste Simon Gosejohann in der Umbaupause, in der er das Publikum auch auf den Live-Stream einstimmte, der pünktlich um 20.30 Uhr mit PLACEBO im Netz starten sollte. Molko & Co. ließen die Fans jedoch noch ein paar Minuten warten, ehe es mit Lichtgewittern und „B3“ von der gleichnamigen EP aus dem letzten Jahr losgehen konnte. Das Hauptaugenmerk des Abends lag jedoch ganz klar auf den Tracks des aktuellen Longplayers „Loud Like Love“, mit dessen treibenden Titelsong die Herrschaften, die um zwei Live-Musiker ergänzt wurden, die Setlist weiterführten. Währenddessen wurde der Trichter, der sich im Bühnenbereich als Projektionsfläche für verschiedene Farbakzente genutzt und standen mit „Scene of The Crime“ gemeinsame Claphands-Übungen auf dem Programm. „Twenty Years“ aus 2004 startete etwas ruhiger und mit viel Gefühl, um schließlich wieder in die Vollen zu gehen. Abgelöst wurde die Nummer vom Klaviergeklimper von „Too Many Friends“, das zweifellos das Zeug zum Bandklassiker hat. Das knackige „Rob The Bank“ stammte ebenfalls vom jüngsten, siebten Studio-Output und wurde kräftig mitgeklatscht, ehe mit „A Million Little Pieces“ erneut große Emotionen auf dem Programm standen. Derweil drängte „Purify“ nach vorn und kehrten PLACEBO mit „Space Monkey“ und „Blind“ in das Jahr 2006 und zur „Meds“-VÖ zurück, während „Exit Wounds“ wieder neues Material offerierte, das zunächst mit reduzierten Rhythmen und schließlich mit eruptiven Harmonien gefiel. Nachdenklich schloss sich „Begin The End“ an, um schließlich mit dem „Song To Say Goodbye“ die reguläre Spielzeit nach einer Stunde zu beenden.

Ein wenig ließen sich die Jungs bitten, ehe sie mit „Teenage Angst“ vom selbstbetitelten Debüt aus 1996 einen der wenigen alten Hits des Abends zum Besten gaben. Nicht fehlen durfte natürlich das KATE-BUSH-Cover „Running Up That Hill“, das mit in der PLACEBO-Version und mit dem speziellen Gesang des Herrn Molko schon immer besser gefiel als das Original, bevor mit „Infra-red“ tatsächlich das letzte Lied des Abends angesagt war. Natürlich gab’s hier noch einmal eine volle Breitseite und feierte auch das Auditorium den Song noch einmal gebührend ab, doch das war’s dann leider schon nach 80 Minuten. Das lange Outro ließ noch auf einen kleinen Nachschlag hoffen, doch die Stagehands machten sich bereits daran, die Kabel einzurollen, weshalb mit einer Rückkehr der Musiker nicht mehr zu rechnen war. Natürlich war’s auch in der relativen Kürze wieder ein grandiosen Konzert der Indie-Veteranen, die jedoch Evergreens wie „Every You, Every me“, „Special K“ oder auch „The Bitter End“ vermissen ließen. Diese Nummern scheinen den großen Hallenkonzerten ohne zeitliche Limitierung vorbehalten zu sein. Eine gute Wahl des Telekom-Street-Gigs-Team waren Brian Molko & Co. allemal und so hat erneut eine besondere Band an einen besonderen Ort gespielt und die Gewinner der Tickets erlebten einen wirklich grandiosen Abend. Wie immer gibt es die Aufzeichnung auch noch im TV zu sehen, mehr dazu unter www.telekom-streetgigs.de

Setlist PLACEBO
B3
Loud Like Love
Scene of The Crime
Twenty Years
Too Many Friends
Rob The Bank
A Million Little Pieces
Purify
Space Monkey
Blind
Exit Wounds
Begin The End
Song To Say Goodbye

Teenage Angst
Running Up That Hill (KATE-BUSH-Cover)
Infra-red

Copyright Fotos: Marcel Linke

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu IN THE VALLEY BELOW auf terrorverlag.com

Mehr zu PLACEBO auf terrorverlag.com