Konzert Filter

PLUSWELT FESTIVAL 2010

Ort: Berlin - Postbahnhof

Datum: 29.10.2010

Zum ersten Mal in der Geschichte der Hamburger Agentur Pluswelt Promotion schlug man mit dem gleichnamigen Festival seine Zelte in Berlin auf. Ich persönlich war vor diesem Abend nicht nur relativ skeptisch bezüglich des Line-Ups, sondern auch auf die Resonanz des Berliner Publikums sehr gespannt. Dass dann für mich persönlich ein Hammerabend mit Neu- und Wiederentdeckungen folgte, möchte ich dieser Stelle schon einmal vorwegnehmen.

DUPONT

Der Opener des Abends hieß DUPONT. Die Jungs aus Schweden durften sich zu relativ früher Stunde auch über einen schon recht gut gefüllten Postbahnhof freuen und boten ein erfrischendes Programm. Bühnenhühne Dannuci räumte während des Sets erstmal komische, würfelförmige Ledermöbel in den Zuschauerbereich. Zu einem Sprung auf diese konnte er sich dann aber doch nicht durchringen. Insbesondere die Songs, bei denen Riccardo und Danucci gemeinsam am Bühnenrand performten, waren echte Burner. Die Interaktion der beiden war besonders schön anzusehen und sehr mitreißend. Die neue Single „Dope of Love“ bewies neben „Entering the ice age“ echten Ohrwurmcharakter und lässt von DUPONT durchaus noch mehr erwarten. Ich bin gespannt.

Setlist DUPONT
Entering the ice age
Casino
Ghostdance
Dope of Love
Money
Sugar Honey
Motel lover

SCREAM SILENCE

Mit ordentlichen Vorurteilen gegenüber Dark Rock Bands im Gepäck, erwartete ich dann den Auftritt von SCREAM SILENCE. Abgesehen vom ausgeleierten schwarzen Pulli des Sängers Hardy Fieting ließen die Jungs aus Berlin dann allerdings schnell die Meinung des Berichterstatters als völligen Unsinn erscheinen. Es wurde 1A-Rock der dunklen Sorte geboten und auch lautstärkemäßig war das kein Weichspülerprogramm. SCREAM SILENCE können nicht nur auf eine 12-jährige Bandgeschichte zurückblicken, sie verstehen auch ihr Handwerk. Dazu kommt ein äußerst sympathischer Frontmann, der auch seine Mitstreiter immer wieder in den Mittelpunkt stellte. Mit „The Flood“ gewährten die 5 Berliner noch einen kleinen Einblick in das kommende Album. Ich denke, wenn ein „Electrofreak“ wie ich das gesamte Set einer Dark-Rock-Band, ähnlich der anwesenden Fangemeinde mitfeiert, kann man darauf schließen, dass dieser Auftritt großes Kino und mit Sicherheit nicht mein letztes SCREAM SILENCE Konzert gewesen sein wird.

Setlist SCREAM SILENCE
The Vitriol
Harvest
The Flood
Creed
Kerosene
Above and Within
Elegy

PORTION CONTROL

Mir persönlich völlig unbekannt waren die bereits seit 1980 musizierenden Männer von PORTION CONTROL. Als alte EBM Haudegen kann man sie durchaus in eine Schublade mit SKINNY PUPPY, FRONT LINE ASSEMBLY packen, musikalisch ging es etwas sanfter zu. Was die Bühnenshow anging, liefert Sänger John Whybrews mit seiner rauen Stimme und einem ungewöhnlichen Tanzstil einen ganz besonderen Hingucker. Während andere Genrevertreter da ja eher einfallslos umherlaufen, hat man bei Whybrews das Gefühl, dass jeder Beat seinen Body durchläuft und sich an irgendeinem Körperteil dann explosionsartig entlädt. Lustig, unkonventionell, mitreißend – einfach geil.

SONO

Nach einem längeren Soundcheck, der durch die Unterstützung des szenebekannten Backliners Alex Popp ein gelungenes Ende fand, starteten SONO ihr Programm der Extraklasse mit „2.000 Guns“. Ein Set, welches von vorne bis hinten mit echten Hits bestückt ist, kann nicht jede Band bieten – so wurde der SONO Auftritt zu einem besonderen Highlight. Der Postbahnhof war mittlerweile richtig gut gefüllt und dem Coolness-Faktor von Lennart Salomon, Florian Sikorski und Martin Weiland zieht auch den härtesten Elektrobruder in seinen Bann. SONO sorgten mit Musik, Habitus und Outfit für eine dermaßen angenehm hippe Atmosphäre, dass einem die gute Laune nur so ins Gesicht zementiert wurde.

Setlist SONO
2.000 Guns
What You Do
Blame
All Those City Lights
A New Cage
Always Something Missing
The Brightest Star
Better
Keep Control

CLAN OF XYMOX

Als Co-Headliner waren dann CLAN OF XYMOX an der Reihe. Die niederländische Dark Wave Legende ist seit den Achtziger Jahren eine echte Szenegröße und ähnlich wie die SISTERS OF MERCY immer wieder gern gesehener Gast auf den einschlägigen Festivals. Dass sich die Besetzung rund um Frontmann Ronny Moorings immer mal wieder änderte, ist nicht nur der langen Bandhistorie geschuldet, sondern auch Ausdruck der künstlerischen Weiterentwicklung dieser stilprägenden Combo. Eine große Schar von eher älteren Fans drängte dann auch nach vorne, als mit „Stranger“ ein interessantes Set begann.

Setlist CLAN OF XYMOX
Stranger
Love Got Lost
In Love We Trust
Jasmine & Rose
Hail Mary
This World
Emily
Heroes
Farewell
There’s No Tomorrow

MESH

Mit einem Blick in das Publikum und auf deren T-Shirts war schnell klar, dass viele Fans wegen des Headliners MESH in den Postbahnhof gekommen waren. Wenn man auf so eine große Fanbase zurückgreifen kann, muss man sich um Stimmung im Publikum keine Sorgen machen. Die aus meiner Sicht etwas uninspirierten Auftritte um Frontmann Mark Hockings lassen mich persönlich immer eher kalt. Der Erfolg, die lange Geschichte und die angesprochene große Fangemeinde allerdings sprechen eine deutliche Sprache. MESH boten das gewohnte Synthie-Pop-Programm mit Wollmützenfeeling. Wohlfühlen und Mitwippen erlaubt. Zum Schluss gab es noch eine Zugabe, die mit dem Hit „Friends like these“ alle MESH-Fans letztendlich glücklich und zufrieden machte.

Setlist MESH:
If We Stay Here
Leave You Nothing
Hold It Together
Only Better
I Don’t Think They Know
Petrified
Crash
How Long?
From This Height
Who Says?
Trust You
Everything I Made
Confined

Can You Mend Hearts?
Friends Like These

Parallel lief während des gesamten Abends ein tolles DJ-Set der DE/VISION-Jungs Thomas und Steffen in der Vorhalle, welches einen tollen Querschnitt ausgezeichneter Songs der letzten Jahre und Jahrzehnte bot. Leider lief in einer weiteren Halle des Postbahnhofs noch eine Veranstaltung, aus der sich immer mehr und mehr Gäste in die Aftershow-Party des Pluswelt-Festivals mischten. Das passte nicht so ganz. Ansonsten kann man den Abend als rundum gelungen loben. Das mutige und interessante Line-Up mit hervorragenden Künstlern wurde vom Publikum mit hoher Präsenz belohnt. Für mich gab es die Erkenntnis, in Zukunft durchaus toleranter über mir bis dato unbekannte Künstler zu urteilen. In der Hoffnung auf eine Fortsetzung beim Pluswelt Festival 2011, wünschenswerter Weise auch wieder in Berlin.

Copyright Fotos: Cathie Niemann

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CLAN OF XYMOX auf terrorverlag.com

Mehr zu DUPONT auf terrorverlag.com

Mehr zu MESH auf terrorverlag.com

Mehr zu PORTION CONTROL auf terrorverlag.com

Mehr zu SCREAM SILENCE auf terrorverlag.com

Mehr zu SONO auf terrorverlag.com