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PLUSWELT-FESTIVAL IV

Ort: Krefeld - Kulturfabrik

Datum: 30.10.2004

5 Jahre Promotion und Booking Tätigkeit, das war Anlass genug, ein hochkarätiges Line Up für das 4te Pluswelt-Festival zusammenzustellen, welches wie der Vorgänger wieder in der Kulturfabrik Krefeld abgehalten wurde. Dieses Mal war es bereits vorab ausverkauft, was nicht so verwunderte, da MESH und ASSEMBLAGE 23 doch etwas größere Namen als ISC bzw. DE/VISION von der dritten Auflage sind. Demnach fanden sich etwa 1100 meistenteils schwarze Freunde elektronischer Musik ein, was für eine ausgezeichnete Atmosphäre sorgte und zwar von Band 1 an. Wieder kann man die Organisation nur als vorbildlich bezeichnen, die angekündigten Zeiten wurden perfekt eingehalten, die Umbaupausen so kurz wie möglich gehalten.

Ein wenig mussten wir darunter „leiden“, da wir nach ein paar kurzen Ehrenrunden in Krefeld erst zum allerletzten Song der Schweden RUN LEVEL ZERO eintrafen. Dieser entschädigte aber ein wenig für das Verpasste, handelte es sich doch um den exzellenten Clubknaller „Under the Gun“. 3 junge Herren befanden sich auf der Bühne, die für ordentlich Druck sorgten und die man sich als Vorgruppe von ASSEMBLAGE 23 und ROTERSAND nicht entgehen lassen sollte. Im übrigen hat man gerade eine neue MCD mit 8 Tracks, davon 3 neue Stücke, veröffentlicht, welche auf den Namen „And thus we walked…“ hört.

Nach einer kurzen Umbaupause ging es weiter mit DIORAMA. Auf den Auftritt von Sänger und Mastermind Torben samt seinen Bandkollegen Felix und Bernard war ich gespannt, da die Lifeauftritte der Band zu den eher seltenen Ereignissen zählen (dies Jahr z.B. kriegte man die Band gerade mal einmal in Moskau, einmal in der Schweiz und einmal auf dem WGT zu sehen). Relativ wenig Bühnenroutine verheißt üblicherweise nichts Gutes, insbesondere die Gesangspartien lassen bei so manchem unerfahrenen jungen Sänger einiges zu wünschen übrig. Glücklicherweise traf diese Voraussage im Falle von DIORAMA überhaupt nicht zu! Kurz vor 21 Uhr sagte Steffen von DE/VISION die Band an und los ging es mit „Times Galore“ vom 2001 Album „Her Liquid Arms“. Als zweite von insgesamt fünf Bands hatten DIORAMA natürlich nicht so viel Spielzeit und mussten sich auf nur acht Lieder beschränken, die Hälfte davon stammte übrigens von der o.g. Scheibe. Da, wie bereits erwähnt, die Kulturfabrik restlos ausverkauft war, war trotz früher Stunde der relativ kleine Saal voll gepackt und im Publikum herrschte eine tolle Stimmung. DIORAMA veröffentlichen ihre Alben auf Accession Records, dem Hauslabel von DIARY OF DREAMS. Ob Adrian Hates seinen Kollegen das Töpfchen mit dem Augen-Makeup geschenkt oder nur geliehen hat? Wie auch immer, Torben und Co. haben den Auftritt grandios gemeistert und Hits wie „Advance“ oder „Her Liquid Arms“ zum Besten gegeben. Und ich muss zugeben: Ja, der Mann kann singen, oder wie es ein Fan im DIORAMA Gästebuch ausgedruckt hat; „die zweitbeste Stimme (wohl in Deutschland) nach Alexander Veljanov“. Übrigens, im Februar 2005 kommt ein neues Album von DIORAMA raus. Man darf gespannt sein.

Nach den doch etwas gefühlvolleren Klängen von DIORAMA sollte nun das volle Brett vor die Köpfe der Anwesenden schlagen. ROTERSAND machten sich in der Standardbesetzung Rasc, Gun und Krischan auf der Bühne zu schaffen. Angesagt wurde das teutonische Trio vom Herren Shear, mit dem man ja augenblicklich durch die Lande zieht. Während Krischan entsprechend seines Backgrounds wie ein Techno DJ agierte, holte Gun auf der rechten Seite eine Gitarre hervor und unterstrich bei einigen Songs die elektronischen Klänge mit aggressiven Riffs. Das machen ROTERSAND immer mal wieder gerne, auf dem WGT am hellen Nachmittag hatten sie aber z.B. auf das Saiteninstrument verzichtet. Die meisten Augen waren auf den THE FAIR SEX-Bassisten Rasc gerichtet, der als bulliger Glatzkopf über eine enorme Präsenz verfügt und auch in der Ansprache des Publikums nur selten danebenliegt. Er betonte des Öfteren, dass man hier zuhause sei und sich deshalb besonders wohl fühle. Entspannungsmusik gab es deshalb noch lange nicht auf die Ohren, außer bei einer gefühlvollen Ballade, bei der Rasc die Akkustikklampfe bediente („Wem’s zu soft ist, soll an die Bar gehen…“). Ansonsten beherrschte ein Stilmix aus Techno und stampfendem Elektro die Szenerie, wobei die Stücke natürlich vor allem von der „Truth is fanatic“-Scheibe stammten, wie etwa „Almost Violent“ oder „The Fire“. Aber es wurde auch ein interessanter neuer Track geboten, der auf den Namen „Exterminate, Annihilate, Destroy“ hörte und dementsprechend klang… Die Zuschauer waren so aufgeheizt, dass man nicht umhin kann, ein Stück „zuzugeben“, die Single „Merging Oceans“ beendete den recht beeindruckenden Auftritt stilvoll. Nur ein Tipp: Rasc sollte doch auf sein enges T-Shirt verzichten, welches wie beim WGT den Blick auf seinen Waschbärbauch freigab, ansonsten aber alles im sehr grünen Bereich.

Nun war es an der Zeit für meinen persönlichen Höhepunkt: ASSEMBLAGE 23 aus Kanada gehören seit langem zu meinen absoluten Lieblingen. Wobei man eigentlich beim Singular bleiben sollte, denn A23 besteht ja eigentlich nur aus Tom Shear. Der ansagende Promi war dieses Mal der Sänger von MESH, bevor 3 Herren die karg ausstaffierte Bühne betraten. Als Mitstreiter hatte sich Tom einen glatzköpfigen und gut durchtrainierten E-Drummer geholt, der wie eine Maschine 1 Stunde lang auf seine Geräte schlug und nach einer Weile auch seinen nackten Oberkörper präsentierte. Rechts agierte ein langhaariger Keyboarder, der ein wenig wie Ulrike Folkerts Assistent im Südwest Tatort ausschaut, falls den jemand kennt. Aber auch hier wieder „Spot auf“ den Sänger und Mastermind Tom, ebenfalls mit Glatze und deutlich verbesserter Stimme. Hatte ich ihn von einem WGT-Gig noch als relativ schlechten Live-Shouter in Erinnerung, gab er sich nun stark verbessert. Gesangsunterricht und/ oder elektronische Unterstützung? Sei’s drum, das Publikum ging nun völlig aus sich heraus und sang fast jeden Chorus fanatisch mit. Mit mittlerweile 3 starken Alben in der Hinterhand kann der Nordamerikaner ein Sahnestückchen nach dem anderen präsentieren, auch wenn ich sein neuestes Werk „Storm“ ein wenig kritisiert habe. Man machte zum Glück nicht den Fehler und spielte zuviel davon, anstelle dessen gewichtete man alle CDs in etwa gleicher Weise und jagte vom Klassiker bis zur neuen Single einen Future Pop Hit nach dem anderen aus den Lautsprechern: „Document“, „Opened“ und „Drive“ von der „Defiance“-VÖ, „Naked“ oder „I am the rain“ vom „Failure“-Meisterwerk oder auch die aktuelle Single „Let the Wind erase me“ konnten allesamt mitreißen und begeistern. Live überzeugten auch neue Tracks wie „Skin“ oder „Ground“ (laut Tom die nächste Auskopplung) vollends. Mit sympathischen Ansagen und einer agilen Bühnenpräsenz punktete der gute Tom auf allen Ebenen, selbst wenn er nicht der allercharismatischte ist. Nach mehr als einer Stunde mussten natürlich auch A23 eine Zugabe präsentierten: „Disappoint“ rundete die Präsentation perfekt ab.

Kurz nach Mitternacht betrat zuerst wieder mal Sänger Steffen von DE/VISION die Bühne, um den Headliner anzusagen; die englischen Elektropopper MESH. Man merkte sofort: Die drei Herren hatten Bock zu spielen und das Publikum war auch in bester Partylaune. Auch die Lichtverhältnisse auf der Bühne wurden plötzlich besser. Die Fotografen mit Profiausrüstung wurden nach drei Liedern gebeten aufzuhören und die Leinwandprojektionen brachten einen Hauch von Weltstarruhm nach Krefeld. Auf jeden Fall konnte man merken, dass die Veranstalter „Pluswelt“ die Hauptattraktion als solche betrachteten. Zu Recht, wie ich meine. MESH haben es zweifellos verdient als Stars, zumindest in der Elektropop Szene, bezeichnet zu werden. Dem grandiosen „Firefly“ folgten altbekannte Hits, wie „Friends like these“, „Place you hide“ und „Trust you“. Für diejenigen, welche die MESH-Konzerte in Hannover und auf dem WGT nicht gesehen haben, gab es eine, pardon – eigentlich zwei Überraschungen. Die Lieder „Step by step“und „Open up the ground“. Der Sänger Mark Hockings sah, wie immer, etwas grenzdebil in seiner Wollmütze aus und hopste zudem umher in einem Pulli mit einem Häschen drauf. Oh nee, wie süß, könnte man meinen. Aber, wie gesagt, bei MESH gibt es eher was auf die Ohren, als auf die Augen.

Ein durchaus gelungener Abend war es in Krefeld und uns bleibt es nur zu hoffen, dass auch nächstes Jahr ein grandioses Pluswelt Festival stattfinden wird.

SETLIST MESH
Intro Firefly
From this Height
Let them crush us
You didn’t want me
Little Missile
People like me with this Gun
What does it cost you
The Place you hide
Not prepared
Waves
Step by Step
Friends like these
Open up the Ground
Trust you
Leave You Nothing
It scares me

Self Healing Lie
The Purest People

Copyright Fotos:
Silke Jochum (RUN LEVEL ZERO [1,2] – DIORAMA [1-4] – ASSEMBLAGE 23 [1-3] – MESH [1-4])
Karsten Thurau (RUN LEVEL ZERO [3,4] – DIORAMA [5-10] – ROTERSAND – ASSEMBLAGE 23 [4-10] – MESH [0,5-7])
Katarina Mazurkiewicz (DIORAMA [11] – MESH [8-16])

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