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PLUSWELT FESTIVAL VII

Ort: Krefeld - Kulturfabrik

Datum: 03.04.2009

25 Grad und strahlender Sonnenschein. Der Frühling hatte eindeutig Einzug gehalten in Ostwestfalen und dazu stand noch das Wochenende bevor. Aber anstatt uns im Freien zu tummeln und die ersten Sonnenstrahlen zu genießen, entschieden wir uns für einen Kurztrip nach Krefeld zum PLUSWELT VII Festival. Denn dort standen an diesem Abend MINA HARKER, SCREAM SILENCE, GRENDEL sowie die Norweger von ZEROMANCER und COMBICHRIST auf dem Programm und sollten jede Menge interessante Sounds im Gepäck haben. Trotz beginnender Osterferien und des schönen Wetters waren die Autobahnen relativ frei, so dass wir pünktlich in der Kulturfabrik aufliefen und uns noch schnell ein kühles Getränk gönnten, bevor MINA HARKER aus Braunschweig den Abend eröffnen durften.

Allzu viel war in der Halle der Kulturfabrik noch nicht los, da das Gros der Zuschauer sich noch draußen in den letzten Sonnenstrahlen aalte. Hätte man den Goten ja gar nicht so zugetraut, dass sie solche Licht- und Wärmeanhänger sind. Ein paar Hardcorefans und Interessierte hatten sich aber dennoch eingefunden, um dem Auftritt der Girl/ Boy Formation beizuwohnen. Unterstützt wurden Mina und Alexander dabei übrigens wieder vom OOMPH Live-Drummer. Gestartet wurde mit „Letzter Kuss“ vom Debütalbum (und auch dem einzigen bisher) „Tiefer“ und Frau Harker präsentierte sich uns als fleischgewordene Gummipuppe mit Prinz Eisenherz-Frisur, während Alexander sich darauf konzentrierte als Crap-Double durchzugehen. Der Sound lässt sich unter deutschem Betroffenheitspop einordnen (um mal die Worte eines Kollegen zu benutzen), der zwar technisch gut gemacht ist, sowohl musikalisch als auch gesanglich, aber dennoch völlig belanglos bleibt. Gothrock mit klischeebesetzten Düstertexten, die man so oder so ähnlich schon bei etlichen anderen Bands gehört hat. Es folgte „Bis zum Tod“, welches auf dem Album eigentlich ein Duett mit Dero von OOMPH ist, der aber natürlich an diesem Abend nicht anwesend war. Wie es aussieht, spielen OOMPH! bei MINA HARKER auf die ein oder andere Weise eine große Rolle. Weiter ging es mit „Nacht“, „Engel“ und „Tränen“ bei dem sich Miss Harker zu der Aussage „Meine Tränen für euch“ hinreißen ließ (Die Schreiberin erschaudert imaginär), bevor dann mit „Tiefer“, der ersten Single der Band, der Auftritt beendet wurde und es doch eine ansehnliche Menge an Applaus gab. Na ja, meins war es nun so gar nicht, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.
Death Angel

Setlist MINA HARKER
Letzter Kuss
Bis zum Tod
Wie im Traum
Nacht
Engel
Tränen
Ohne dich
Fieber

Weiter ging es nun mit einer alteingestanden Formation, SCREAM SILENCE aus Berlin. Man musiziert bereits seit 1998 in wechselnder Besetzung zusammen und somit verwunderte es auch nicht, dass die Herren, welche nun die Bühne enterten, altersmäßig schon etwas jenseits der Pubertät angesiedelt waren. Aber immerhin verstanden sie ihr Handwerk und legten eine richtig gute Show hin. Energiegeladener, harter Gothrock/ Metal in der Spannbreite zwischen den SISTERS OF MERCY (für die Älteren) und HIM (für die Jüngeren), der mir ausgesprochen gut gefiel, zumal mir die Band um Fronter Hardy Fieting bisher nicht wirklich geläufig war. Der Dame neben mir aber wohl ganz gut, so wie diese abging. Man spielte sich durch Songs wie „Harvest“ und „Creed“, welches in Mexiko wohl große Erfolge gefeiert hat, von denen die Band aber erst drei Jahre später erfuhr. Mit „Athanasia“ und „Counterfeit“ wurde dann aber auch das aktuelle Werk „Apathology“ ausreichend gewürdigt Zur Zeit ist man übrigens mit ZEROMANCER auf Tour, welche uns ja später am Abend auch noch beglücken sollten. Mir hat die Performance auf jeden Fall richtig gut gefallen und auch musikalisch war das schon eher meine Kragenweite. Und anscheinend konnte man auch das restliche Publikum so überzeugen, dass sich nach dem Auftritt noch der ein oder andere Groupie um Mastermind Hardy scharte. Was ihm aber nicht allzu sehr zu missfallen schien.
Death Angel

Setlist SCREAM SILENCE
The Vitriol
Harvest
Consolation
Kerosene
Creed
Counterfeit
Athanasia

Nun war es an der Zeit für eine ordentliche Dosis Harsh Electro, dementsprechend wandelte sich auch das Publikum ein wenig. GRENDEL gehören zweifelsohne zur Spitzenklasse der europäischen Szene und Fronter Jos aka [VLRK] bot auch an diesem Abend wieder eine kraftstrotzende Show. Unterstützt wurde er dabei von einem Schlagwerker und 2 gewichtigen Herren an den Keyboards. Aktuell befindet man sich im Studio, um eine EP mit dem Titel „Chemicals & Circuitry“ zu produzieren, doch konzentrierte man sich in Krefeld auf eine bewährte „Best of“-Setlist, zu der unter anderem „Void malign“, „Pax Psychosis“, das etwas unspektakuläre „One.Eight.Zero“ sowie „Hate this“ gehörten. Mittlerweile singt der eher schmächtige Niederländer ja deutlich weniger verzerrt, was dem Unterhaltungswert aber nicht schadete. Im Gegenteil, das Publikum bewegte sich zahlreich und gab die Energie postwendend wieder auf die Bühne zurück. Mit weiteren Uptempo Krachern à la „Soilbleed“ war dann leider bald auch schon wieder Schluss, definitiv ein Höhepunkt dieses Festivals.
TK

Setlist GRENDEL
Void Malign
Pax Psychosis
Remnants
One.Eight.Zero
Soilbleed
Dirty
Harsh Generation
Hate This
Zombie Nation

Doch es ging Schlag auf Schlag und insbesondere die weibliche Fraktion stand nun wieder Gewehr bei Fuß, denn die norwegische „Boyband“ ZEROMANCER bestieg die Bretter. Nach langen Jahren des Wartens erschien vor kurzem ja endlich ein neues Studioalbum mit dem schönen Namen „Sinners International“, mit dessen Titel Track auch sogleich durchgestartet wurde. Gefällt mir die Scheibe in den heimischen 4 Wänden nur leidlich, schaffte man es on stage dem Electro Rock durchaus Leben einzuhauchen. Insbesondere der exzentrische und wie aufgedreht agierende Alex Møklebust fungierte als Augen- bzw. Ohrenfutter. Nach „Doppelganger I love you“ und dem älteren „Need you like a Drug“ stand er dann auch erwartungsgemäß ohne Oberbekleidung da. Entsprechend enthusiastisch wurden Fahnen seiner skandinavischen Heimat geschwenkt. Hin und wieder bediente er ein elektronisches Effektgerät, teils so intensiv, dass man Angst um den Apparat haben musste. Dazu dann eine gelungene Mischung aus alt („Doctor Online“, „Clone your Lover“) und neu („It sounds like love…“), wobei ja auch das Gros dieser Titel schon Live Erfahrung in Deutschland besitzt. Für eine Zugabe reichte aber anscheinend die Zeit nicht, die Forderungen nach diesem für mich überraschend starken Gig waren durchaus vorhanden.
TK

Setlist ZEROMANCER
Sinners International
Doppelgänger, I Love You
Need you like a Drug
Chrome Bitch
Clone Your Lover
Cupola
My Little Tragedy
It sounds like Love (But it looks like Sex)
Stop the Noise
Ammonite
Fade to Black
Doctor Online
Photographic (DEPECHE MODE Cover)

Und nun folgte der Höhepunkt des Abends, auf den wohl viele der leuchtend bunten Cybergoten gewartet hatte: COMBICHRIST. Aber erst mal ließ Herr LaPlegua einige Minuten auf sich warten und das Intro begann allmählich zu nerven. Aber dann endlich enterte Andy samt Begleitmannschaft die Bühne und legte sofort richtig los. Die Lautstärke hatte man, zumindest gefühlt, noch mal um einige Dezibel hochgedreht und alsbald bekam man mit „Today I woke to the rain of blood“ den ersten Klassiker um die Ohren gehauen. Die feierwütige Meute in den ersten Reihen ging dabei so richtig ab und jeder konnte seine ganz individuelle Kickboxperformance abliefern. Sieht ja immer ein wenig albern aus, aber das gute, alte 3 Schritte vor und 3 zurück ist dazu wohl nicht wirklich passend. Der eine oder andere übertrieb es in meinen Augen aber auch mit seiner Aggressivität. Und auch LaPlegua sprintete von einer Ecke der Stage in die andere und poste, was das Zeug hielt. Es folgten „Electrohead“ und das allseits beliebte „Get your body beat“, bevor ich mich auf den Weg an die frische Luft machte, um meinen Ohren eine Pause von der extremen Lautstärke zu gönnen. Kurzzeitig zog es mich dann später noch mal in die Halle, aber nur um meinen mitgereisten Fotografen einzusammeln und dann gemeinsam mit ihm den Heimweg anzutreten. Denn der war lang und nach einer stressigen Woche machte sich auch langsam die Müdigkeit bemerkbar. Und so zogen wir uns zurück und überließen den „Electroheads“ das Schlachtfeld.

Setlist COMBICHRIST (ohne Gewähr)
All Pain is Gone
Today I woke to the Rain of Blood
Electrohead
Scarred
Get Your Body Beat
I Want Your Blood
Sent To Destroy
Today we’re all Demons
Get Out of my Head
Without Emotions
Blut Royale
Shut up and Swallow

Feed Your Anger
This Shit Will Fuck You Up
What the Fuck is wrong with you People?

Hatte man am Anfang etwas Sorge, wie sich drei eher rockig ausgerichtete Projekte mit den beiden Electrobands vertragen, kann man rückblickend sagen, dass das Line Up gut ankam und beim Publikum auch genreübergreifend funktionierte. So hatten wir an diesem Abend ein wirklich gutes und interessantes Festival gesehen. Am Samstag sollte es ja dann mit dem PLUSWELT FESTIVAL VIII, welches an diesem Abend mehr in Richtung Synthiepop ausgerichtet ist, weitergehen.
Death Angel

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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