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P!NK – CHURCHILL

Ort: Hannover – TUI-Arena

Datum: 04.05.2013

Alecia Beth Moore auf Tour in Germany? Da muss der Terror-Cheffe natürlich vor Ort sein. Jeder mir halbwegs Nahestehender weiss von meiner obsessiven Vorliebe für die kurzhaarige Amerikanerin, und das sowohl optisch als auch (in den meisten Fällen) musikalisch. Unsere Wahl fiel auf die TUI-Arena in Hannover an einem entspannten, wunderschön temperierten Samstagabend. Die Anreise gestaltete sich problemlos und auch die Organisation rum um den Expo Plaza war vorbildlich, kaum Wartezeiten und keine lange Parkplatzsucherei. Um die 11.000 Zuschauer aller Alters- und Lebensklassen hatten sich eingefunden. Pärchen, Familien, der örtliche Lesben-Verband, allerlei P!NK-Lookalikes, die Dame eint die Generationen mit ihrem Pop Rock. Noch schnell einen Hugo geschlürft und schon hatten wir uns ein angenehmes Plätzchen im Innenraum gesichert, von dem man eine ordentliche Sicht aufs Geschehen hatte. Neben der Bühne waren zu beiden Seiten grosse Leinwände aufgestellt, welche die Action auch in die hintersten Winkel übertragen sollten. Bevor es mit der Hauptattraktion losgehen konnte, war noch ein sogenannter Special Guest angekündigt, der pünktlich um 20 Uhr die Instrumente in die Hände nahm. Leider handelte es sich nicht wie in Nordamerika um THE HIVES, die das Etikett „Special Guest“ wirklich verdient hatten, sondern um eine in unseren Breitengraden wohl nur absoluten Eingeweihten bekannte Formation namens CHURCHILL. Die Combo aus Denver um die beiden Gründungsmitglieder Tim Bruns und Mike Morter existiert in dieser Form seit 2009 und hat bis dato 3 EPs und einen Longplayer veröffentlicht, die allesamt an mir vorbeigegangen sind. Nicht ganz so schlimm in meinen Augen, denn der leicht indieske Alternative Rock mit Nerd-Faktor war zwar anhörbar, aber an diesem Abend eher fehl am Platze. Songs wie „Change“ von der brandneuen „The War Within“-Scheibe konnten zwar leidlich unterhalten, wären aber beispielsweise im Rahmen des Haldern Pops deutlich besser aufgehoben. So gab es nach einer guten halben Stunde auch nicht mehr als Achtungsapplaus.

In der nun folgenden Umbaupause trieb sich ein etwas eigenartig anmutender Herr auf der Tribüne herum, der sich allerhand Schabernack mit ausgesuchten Besuchern erlaubte, zur Freude der Schaulustigen. Doch es handelte sich hier nicht um irgendeinen beliebigen Pausen-Clown, nein der Tim Burtonesque Zeitgenosse gab den ganzen Abend über einen düster-kitschigen Conferencier, welcher die Show auch mit ein paar launigen Ansagen einläutete. Der Vorhang fiel und man wusste gar nicht wohin mit all seinen Sinnen, so viel Action wurde geboten. Neben einigen grossen Spiegelartigen Leinwänden, einer davon als riesiges Herz passend zum Tourmotto, gab es diverse Ebenen, die in den nun folgenden 2 Stunden auch ausgiebig genutzt wurden. Von muskulösen Tänzern/ Tänzerinnen, Background-Sängerinnen, Musiker und natürlich der hübschen Vorturnerin herself, die bereits beim rockigen Opener „Raise Your Glass“ alle akrobatischen Register zog. Kopfüber an Bändern hängend intonierte sie kraft- und eindrucksvoll, ebenso eindrucksvoll auch ihr durchtrainierter Körper, für den so manche Frau töten würde. Bauchmuskeln galore, die Dame hat ihren Personal Coach in letzter Zeit definitiv häufiger gesehen. Da sie den kompletten Gig über meist nur recht spärlich bekleidet war (zur Freude der Herren und wohl auch einiger Damen), hatte die Show definitiv auch ihre erotischen Momente. Sie selbst gab sich sehr kumpelig und aufgeräumt, immer wieder shakerte sie mit den Fans in den ersten Reihen herum, gab Autogramme und Umarmungen und durfte im Gegenzug einige Geschenke entgegen nehmen. Darunter ihre geliebten Cheeseballs, aber auch eine sehr originelle Mütze und ein nicht jugendfreies Utensil für den Herren des Hauses. Aber natürlich stand die Musik im Vordergrund, die von härterem Rock über Pop bis hin zu balladeskem Material eine weite Bandbreite abdeckte. P!NK demonstrierte ihre schon beachtlichen Fähigkeiten am Piano genauso wie eine kurze Percussion-Einlage. Ein wirkliches Ausnahmetalent! Das Song Material stammte natürlich in grösseren Teilen von der Tour-namensgebenden Platte (Das wunderschöne „Try“, „How come you’re not here“, „Just give me a reason“…), zu „Slut like you“ wurde abgefragt, wie viele „Schlampen“ denn in Hannover anwesend wären, aber ich glaube, nicht alle kriegten diese Frage mit… Selbst Ordinäres kommt bei P!NK wahnsinnig sympathisch rüber, sie ist Sexbombe, Kumpeltyp und Lady in einem. Erstaunlicherweise verzichtete sie aber bei „Fuckin‘ Perfect“ auf das F-Word im Titel, schliesslich ist man jetzt Mama und muss ein gutes Vorbild für Willow sein. Natürlich kamen auch ältere Hits zum Zuge wie das energische „Sober“ (inkl. einer Akrobatik-Einlage im Käfig) oder „Trouble“, auf „Get the party started“ wurde leider verzichtet, aber mittlerweile hat die Dame einfach zu viele Klassiker. Dafür gab es mit dem CHRIS ISAAK-Original „Wicked Game“ ein sehr interessantes Cover, das ja auch Ville Vallo schon verwurstet hat. Immer wieder gab es kleinere Pausen für „Umzugsaktionen der Sängerin“, während derer es Tanzeinlagen oder eigenwillige Ansagen des „Masters of Disasters“ gab, gegen Ende sorgte auch ein kleinerer Akustik-Block mit P!NK und ihrem Gitarristen Justin Derrico für etwas Ruhe vor dem endgültigen Sturm, den „Blow me…“ als Rausschmeisser noch mal entfachen konnte. Das Publikum war zurecht begeistert!

Doch der absolute Höhepunkt sollte noch folgen, selbst ein alter Konzerthase wie der Autor kriegte die Kinnlade bei der nun folgenden Zugabe nicht so schnell wieder hoch. Während musikalisch „So what“ angestimmt wurde, begab sich P!NK auf eine kleine „Flugreise“ hoch über den Köpfen des Hannoveraner Auditoriums. An meheren Seilen aufgespannt drehte sie Salti und schwebte durch die gesamte Halle, teils fast in Griffweite ihrer JüngerInnen. Singend versteht sich. Sehr beeindruckend diese Einlage – wie das gesamte Konzert, das fürwahr Maßstäbe im modernen Pop/ Rock-Bereich setzte. Song Material, Künstlerin, Stimme, Erotik, Akrobatik und Show: Alles 1a und jeden Euro wert. Und dennoch hatte man trotz all der Gigantomie das Gefühl, auch intime Momente mit Frau Moore erlebt zu haben, wozu auch der abschließende kleine Film beitrug, der sie noch mal bei den Proben und mit ihrer niedlichen kleinen Tochter zeigte. Mit diesen Bildern im Kopf verabschiedeten wir uns in die immer noch lauwarme niedersäschische Frühlingsnacht. Ein perfekter Abend mit P!NK!

Setlist P!NK
Raise Your Glass
Walk of Shame
Just Like a Pill
U + Ur Hand
Leave Me Alone (I’m Lonely)
Try
Wicked Game (Chris Isaak Cover)
Just Give Me a Reason
Trouble
Are We All We Are
How Come You’re Not Here
Sober
Chaos and Piss (Instrumental)
The Great Escape (Acoustic)
Who Knew (Acoustic)
Fuckin‘ Perfect
Most Girls/There You Go/You Make Me Sick
Slut Like You
Blow Me (One Last Kiss)

So What

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