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P!NK – RAYGUN

Ort: Dortmund - Westfallenhalle

Datum: 08.04.2009

P!NK im Terrorverlag! Die Akkreditierung kam kurzfristig, aber umso mehr freuten wir uns natürlich, die sexy und stimmgewaltige Dame live erleben zu dürfen. Also machten wir uns an diesem Mittwoch zeitig (was sich später als durchaus richtige Entscheidung erweisen sollte) auf den Weg nach Dortmund. Vom Stau blieben wir zwar verschont, dafür fing es wie aus Eimern an zu regnen, die Parkplatzsuche gestaltete sich mehr als schwierig aufgrund unfreundlicher Platzanweiser und nach einem langen Fußmarsch kamen wir relativ durchnässt an der Westfalenhalle an. Unglücklicherweise lag die Kasse für die Pressekarten dann auch noch am anderen Ende der Halle und wir mussten uns zunächst durch schier endlos erscheinende Schlangen von Fans drängeln, nur um uns kurz danach ganz hinten in selbige einreihen zu dürfen. Kurz gesagt, die Stimmung war nicht gerade optimal, aber trotz dieser ganzen Widrigkeiten erlagen wir nicht dem Wunsch, umgehend die Heimreise anzutreten, sondern kämpften uns tapfer und geduldig Zentimeter um Zentimeter nach vorne, um dann kurz vor 8 unsere auf der Karte ausgewiesenen Stehplätze im hinteren Teil der Westfalenhalle einzunehmen.

Dort hieß es dann erstmal umschauen und Leute beobachten, was besonders dem mitgereisten Fotografen (der heute aber leider nicht fotografieren durfte und zum zweiten Redakteur degradiert wurde) sehr am Herzen lag, hatte sich doch hier das ein oder andere P!INK Double eingeschlichen. Doch bevor es mit der Amerikanerin losgehen sollte, schickte man zunächst die Briten von RAYGUN als Anheizer mit ihrer Mischung aus Rock- und Britpop ins Rennen. Tat auf jeden Fall keinem weh und machte einen recht launigen Eindruck. Vom Sound her wohl am ehesten vergleichbar mit den ganzen zur Zeit sehr angesagten THE-Bands. Gestartet wurde verspätet mit „Just because“ vom im September diesen Jahres erscheinenden Debütalbum, konnte die Massen aber noch nicht so richtig in Wallung bringen. Auf der Seite der Band werden Vorbilder wie IGGY POP, DAVID BOWIE oder auch MICK JAGGER genannt und was das Posen anbetrifft, steht Sänger Ray Gun den Großen auch in nichts nach, doch musikalisch muss die Band da wohl noch etwas üben. Potential ist durchaus vorhanden, aber für mich klang es doch etwas seelenlos. Vielleicht muss man aber den eigenen Weg auch erst noch finden. So spielte man sich durch Songs wie die erste Single „Rocketblast“, „Waiting in Line“, welches gefallen konnte sowie „In the City“, bei denen zwischendurch (und eigentlich auch eher selten auf der Bühne) ein Theremin benutzt wurde. Nach einer knappen halben Stunde war dann aber auch schon wieder Schluss für die Herren (und Dame) von der Insel und man wurde mit einem warmen Applaus verabschiedet.
Death Angel

Doch nun wartete das weite Rund gebannt auf die Protagonistin des Abends, während vereinzelt versucht wurde, Devotionalien wie Leuchtstäbe an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Nach einigen Minuten Dauerbeschallung mit COLDPLAY und Freunden wurde es langsam etwas unruhig, bis endlich das Licht abgedunkelt wurde und zunächst ein Film auf den 3 Leinwänden als Entrée diente. Eine gelangweilte P!NK, die aus ihrem alten Leben ausbricht und sich als Rockerbraut zu den Klängen von AC/DCs „Highway to Hell“ auf den Weg in ein neues Leben macht. Auf ihrer Reise entdeckt sie am Wegesrand mitten im Nirgendwo die DRESDEN DOLLS, nein nur ein ähnlich düster angehauchtes Pärchen mit Violine im Gepäck. Und die beiden sollten dann auch ein Teil der Bühnenshow sein, die mit einem hübschen Gimmick startete. Frau Moore wurde aus einer Kiste per Seilzug in die Dortmunder Welt befördert, was zu einem ohrenbetäubenden Jubel der imposanten Besucherschar führte. Der Vorhang fiel und gab den Blick frei auf eine aufwendige Kulisse, die man sich als eine Art mutierter Zirkus Manege vorstellen muss. Eben das Album-titelgebende „Funhouse“, wobei bei mir Assoziationen an Tobe Hoopers gleichnamigen Film (dt. Titel „Kabinett des Schreckens“) wach wurden, was sich später noch konkretisieren sollte. Auf der Bühne wuselten eine Unmenge Tänzer, Musiker und Gaukler herum, dass die Sinne kaum alles gleichzeitig erfassen konnten, während P!NK bei bester Stimme „Bad Influence“ intonierte. Mit „Just like a Pill“ folgte bereits ein erster Höhepunkt und so langsam kam etwas Ordnung in das muntere Treiben. Zur Stammbesetzung gehörten die schon angesprochene Violine (Jessy Greene), 2 Keyboarder (mit weiteren Fähigkeiten), Drummer Mark Schulman, die Bassistin Eva Gardner sowie der langmähnige Gitarrero Justin Derrico, der beispielsweise bei „Don’t let me get me“ ausgiebigst solieren durfte. Nicht zu vergessen die beiden Background Sängerinnen Vivian und Jenny. Passend zu jedem Song wurden im Backdrop Projektionen gezeigt, die beispielsweise bei „Ave Mary A“ eine sakrale Stimmung verbreiteten. Alles perfekt aufeinander abgestimmt. Neben den Eigenkompositionen ist die kurzhaarige Blondine auch für interessante Fremdbearbeitungen bekannt, die erste folgte mit „I touch myself“ von der australischen New Wave Rock Combo DIVINLYS. Dieser Song mit dem eindeutig zweideutigen Namen war 1991 der größte Hit der Down Under Musiker, dürfte den meisten in der Westfalenhalle aber dennoch unbekannt gewesen sein. Das machte aber gar nichts angesichts der erotisch aufgeladenen Performance, bei der sich P!NK auf einem Sofa räkelte, welches über ein erstaunliches Eigenleben verfügte. So ragten aus diversen Öffnungen Hände aus dem Möbelstück, um die Amerikanerin lasziv zu verwöhnen. Ungefähr 95 Prozent der Anwesenden BEIDER Geschlechter hätten in diesem Moment wohl gerne mit den „Unsichtbaren Wesen“ getauscht… Zumal das schwarze Nichts der Sängerin mehr entblößte als verbarg. Vor allem durchtrainierte Bauchmuskeln, für die manche Damen aus meinem Fitness-Studio wohl sofort ihre Seele verkaufen würden. Danach ging es mit „U + Ur Hand“ wieder richtig in die Vollen, in Lack und Leder gewandete Tänzer sorgten für Action, was später mit einer Kissenschlacht bei „So what“ wieder aufgenommen wurde.

Es folgte ein etwas ruhigerer Block, der von einer Solo Piano Performance des Herrn Jason Chapman eingeleitet wurde. Leider bewahrheitete sich, dass der moderne Homo Sapiens kaum mehr in der Lage ist, andächtig gefühlvoll-ruhigen Klängen zu lauschen, jedenfalls war der Laberfaktor um uns herum relativ hoch. Alecia trat hinzu und hauchte das intensive „Family Portrait“ ins Mikro, das allenthalben für Gänsehaut sorgte. Danach ergriff sie eine Akustikgitarre und ließ uns nebenbei an ihren Deutschkenntnissen teilhaben („Ich liebe dich, du Arschloch…“). Man erfuhr auch, dass sie sich in einer „weird Mood“ befinde, ob es an dem letzten Deutschland-Auftritt dieses Tourabschnitts gelegen hat? So oder so war auch das ruhige „I don’t believe you“ ein echter Hinhörer. Komplett mit Cello und Kontrabass vorgetragen! Zusammen mit den beiden Backing Sängerinnen sowie ihrem nun samtweichen Rocker machte man sich dann auf zum Ende des Stegs, der ins Publikum ragte, um mit „Crystal Ball“ eine weitere Akustikperle zu servieren. Dabei war sich die Lady auch für Interaktion mit dem Auditorium nicht zu schade, ein paar Gegenstände wie etwa eine Fahne wurden signiert und als Dank gab es einen knuddeligen Teddyfrosch für die einsamen Abende im Leben eines Pop Rock Stars. Auch „Trouble“ erklang noch in intimer Besetzung, mittlerweile hatte sich zusätzlich Mark nach vorne begeben, um für Percussion zu sorgen. Jetzt war aber wieder Zeit für Drive und Tempo angesagt: Der Star des Abends kündigte einen LED ZEPPELIN-Titel für alle Rocker im Publikum an. Und davon gab es neben einigen P!NK-Lookalikes durchaus Exemplare, was man anhand der Shirts erkennen konnte. „Babe I’m Gonna Leave You” stammt zwar im Original nicht von den LEDs, diese dürften aber die bekannteste Bearbeitung abgeliefert haben. Wieder durfte Justin riffen, was das Zeug hält, hier performte eben eine echte Band und keine Plastik Combo.

Doch der größte Hingucker der bis dahin schon alles andere als uninteressanten Show sollte nun folgen. Vor einem düsteren Hintergrund im Stile von Tim Burton-Kreationen wurde die knapp 30-Jährige an dem Seilzug bis fast unter das Dach der Westfalenhalle befördert, auf der einen Brust nur noch mit einem Herz bekleidet (plus Hautfarbenem Trikot!) und es begann eine Inkarnation von „Stars in die Manege“, die sich gewaschen hatte. Zusammen mit ihrem Partner Sebastian Serrano legte sie eine Trapez Performance hin, die einige im Publikum nur noch mit offenen Mündern bestaunen konnten. An MIA.s Mieze: SO wird das gemacht! Teils frei schwebend schwang sie sich unter der Kuppel hin und her und performte natürlich ganz nebenbei auch noch das wunderbare „Sober“. Die zugehörige Versicherungspolice würde ich gerne mal einsehen. Mit dem Klassiker „Bohemian Rhapsody“, im Original natürlich von den legendären QUEEN, wurde die kleine aber feine Cover-Reihe fortgesetzt und P!NK gab ein würdiges Freddie Mercury Double ab. Zum Ende hin verdunkelte sich das Backdrop und 2 riesige aufblasbare „Evil Clowns“ kündigten das aktuelle Titelstück „Funhouse“ an, dass die Stage endgültig in eine Freakshow aus Absurditäten und Drolerien verwandelte. Eben „Crazy“, wie es die GNARLS BARKLEY Bearbeitung treffend auf den Punkt brachte. Dem Ganzen wurde mit dem abschließenden Hit „Get the Party Started“ noch mal die Krone aufgesetzt. Konfetti regnete vom Himmel, P!NK wirbelte am Seilzug herum und die Stimmung in der Halle war nun kaum mehr zu toppen.

Danach verabschiedeten wir uns in die nasskalte Nacht, wohl wissend, dass noch eine Zugabe anstand. Aber kurz nach 23 Uhr hatten wir noch einen längeren Weg vor uns und wir waren auch so bereits restlos begeistert. Über 90 Minuten perfekte Choreographie, eine natürlich-erotische Hauptdarstellerin, eine ausgewogene Setlist aus zart und hart und dazu Einlagen, die an Leistungssport erinnerten. P!NK ist ein Star, der die Massen zurecht begeistert und den man aufgrund der „Kumpelhaftigkeit“ am liebsten gleich für immer mit nach Hause nehmen möchte. Alternativ empfehle ich aber den erneuten Besuch der Westfalenhalle, wenn sie bereits im November wieder in der Reviermetropole auf den Brettern stehen wird.
TK

Setlist P!NK (ohne Gewähr!)
Intro Highway to Hell (AC/DC)
Bad Influence
Just like a Pill
Who knew
Ave Mary A
Don’t let me get me
I touch myself (DIVINYLS)
Please don’t leave me
U + Ur Hand
Leave me alone (I’m lonely)
So what
Family Portrait
I don’t believe you
Crystal Ball
Trouble
Babe I’m Gonna Leave You (LED ZEPPELIN)
Sober
Bohemian Rhapsody (QUEEN)
Funhouse
Crazy (GNARLS BARKLEY)
Get the Party Started

Glitter in the Air

Copyright Fotos: Sandro Griesbach (www.darkmoments.de) – aufgenommen in Mannheim!

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