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POHLMANN – BEN HAMILTON

Ort: Gütersloh – Weberei

Datum: 26.01.2008

Ein besonderer Abend in meiner Wahlheimat: Ingo POHLMANN, gelernter Maurer aus der Nachbarstadt Rheda-Wiedenbrück, kehrte nach einem Auftritt im dortigen Roadhouse ein zweites Mal zu seinen Wurzeln zurück und das immerhin unter der Federführung von Marek Lieberberg. Keine Frage, dieser Junge hat es mit seinen deutschsprachigen Laid-Back-Songs in die Uefa-Cup-Ränge der hiesigen Songwriter-Riege geschafft. Umso gespannter konnte man sein, wie das Zuschauerinteresse an diesem nasskalten Abend ausfallen würde. Eine kurze Rundfahrt auf dem Parkplatz gab schnell Auskunft: Die OstwestfalenInnen wollten ihren Sohn mit offenen Armen empfangen, an die 400 Besucher füllten die Halle schon recht ansehnlich. Darunter einige, die sicher nicht jede Woche irgendwelchen Liveklängen ihre Aufwartung machen.

Doch bevor der langhaarige Beau aufspielen sollte, gab es auch noch einen interessanten Support Act auf die Ohren. BEN HAMILTON, gebürtiger Londoner mit Exil Berlin, war uns in der Vergangenheit bereits 2 Mal über den Weg gelaufen. Als Opener von FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE sowie TEXAS LIGHTNING konnte er jeweils mit seiner Reibeisenstimme viele Fans in den Bann ziehen. Heute musste er auf die Unterstützung einer Band verzichten, doch auch allein nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet besitzt der riesige Schlaks genügend Ausstrahlung. Die charmant akzentuierten Ansagen taten ihr Übriges, um zumindest in den vorderen Reihen einiges an Beifall zu ernten. Die 7, 8 Titel, die er präsentieren durfte, entstammten seiner beiden Alben („Ben Hamilton“ sowie dem brandneuen „Bull in a China Shop“), darunter die Single „Friends“ oder das ältere „Indispensable“. Bei einem brandneuen Stück musste er nach eigenen Aussagen lyrisch sogar improvisieren, aber auch das geling ihm formidabel. Alles in allem 27 Minuten sehr ansprechende Folk/ Pop/ Rock Unterhaltung ohne überflüssige Mätzchen.
TK

Dann war auch schon der „verlorene Sohn“ an der Reihe, der grinsend wie ein Honigkuchenpferd und blendend aufgelegt die Bühne enterte. BEN HAMILTON hatte ihn zuvor offensichtlich sehr zutreffend mit „He´s on fire“ beschrieben. Vielleicht lag es ja besonders daran, dass POHLMANN nun im Rahmen seiner acht Zusatz-Gigs eben zum zweiten Mal innerhalb von kurzer Zeit ein (Beinahe-)Heimspiel feiern konnte. Zu diesem erschienen dann natürlich auch wieder zahlreiche seiner alten Freunde und Bekannten, von denen sich der ein oder andere später noch in einer der vielen Anekdoten wieder finden sollte, die Pingo aus der Vergangenheit zum Besten gab. Mitgebracht hatte er zudem seine inzwischen bestens eingespielte und für einen vollen Sound sorgende Band um Christian Neander (Gitarre) und allen voran die kettenrauchende Stimmungskanone Hagen Kuhr am Cello sowie sein aktuelles Album „Fliegende Fische“, das fast vollständig präsentiert werden sollte.

Zwischen den Stücken wurden von POHLMANN fast OLLI SCHULZ-mäßig kleine Geschichtchen aus seiner Zeit als Maurer bzw. über ehemalige Kollegen vorgetragen, die zwar für Heiterkeit sorgten, sich aber für die nicht Eingeweihten nach und nach etwas in die Länge zogen. Musikalisch hingegen kamen vor allem Hits wie „Wenn jetzt Sommer wär“ (mit einer kleinen Mitsingaktion garniert) gut beim Publikum an, während anschließend bei „Das Glück“ und „Wenn die Nacht beginnt“ erstmal ruhigere Töne mit nur eingeschränkter Instrumentierung angeschlagen wurden. Nach den beiden letzten Auskopplungen „Mädchen und Rabauken“ und „Wenn es scheint…“ legte auch Ingo die Gitarre mal beiseite und bewies bei „Cyborg“, dass er nicht nur der Rocker vom Hocker sein kann.

So verstrich die Zeit und bevor es an die eigentlichen Zugaben ging, wurde noch als Schwank aus der Jugend in einige Verse verpackt, wie man in Rheda-Wiedenbrück als Kinder kleine Tiere geärgert hat. Der „Mördersong“ und die neue Digital-Single „Flüchten“ rundeten das Programm stark ab, das nun schon fast gar nicht mehr enden wollte. Noch schnell ein Geburtstagsständchen für einen weiblichen Fan hier und den Klassiker „Lili Marleen“ von Mama Pohlmann (auch für diese überraschend) auf der Bühne intoniert da, ehe wir nach ca. 2:20 Stunden zu den Klängen von „Zwischen Heimweh und Fernsucht“ die Weberei zufrieden, aber zugleich ermattet verließen.
gerrit [pk]

SETLIST POHLMANN
Bruce Lee
Musik
Die Liebe
Das Leben ist
Fliegende Fische
Wenn jetzt Sommer wär
Das Glück
Wenn die Nacht beginnt
Mädchen und Rabauken
Wenn es scheint, dass nichts gelingt
Cyborg
An Mina
Zurück zu Dir
Dämon
Teufel
Der Junge ist verliebt

Mördersong
Flüchten
Zwischen Heimweh und Fernsucht

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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