Konzert Filter

POHLMANN – JOSIN

Ort: Gütersloh – Weberei

Datum: 11.12.2014

In all dem Vorweihnachtstress war noch Zeit für ein Konzerterlebnis der besonderen Art, Ingo POHLMANN kehrte mit kleiner Besetzung in seine Heimat zurück, Gütersloh ist schließlich die Kreisstadt seines Geburtsortes Rheda-Wiedenbrück. Dementsprechend war an diesem nasskalten Donnerstag Abend mit einigen Anekdoten und noch mehr Bekannten zu rechnen, was die altehrwürdige Weberei letztlich mit ca. 500 Besuchern sehr gut füllte. Als ich gegen 20 Uhr eintraf, war es schon recht kuschelig vor der Bühne, vor allem die holde Weiblichkeit hatte sich in Stellung gebracht, um den mittlerweile in Hamburg residierenden Sonnyboy zu erleben. Umso schwerer fiel auch das Fotografieren, hier darf man keine Bestleistungen erwarten. Zunächst aber betrat ein Support Act die Stage, von Band kann man hier nicht reden, denn die eigenwillig anmutige Dame namens JOSIN performte solo, was mir schon mal gehörigen Respekt abverlangte. Leider sind biographische Informationen über das Mädel im Netz rar gesät, was sich ja möglicherweise in der nächsten Zeit noch ändern wird. Immerhin existiert eine EP namens „Evaporation“, von der sie u.a. als Einstieg „Oh Boy“ und späte auch den Titeltrack präsentierte. Dabei agierte sie überwiegend am Keyboard, begleitete ihren sphärisch-melancholischen Sound aber auch hin und wieder selbst mit der Gitarre. Heraus kamen sehr ruhige, loungig-elektronische Song-Perlen, veredelt von einem ausdrucksstarken Gesang, während die Künstlerin überwiegend mit geschlossenen Augen performte. Teile des Publikums lauschten fasziniert, andere hörten nicht auf zu sabbeln, was der Athmo nicht ganz zuträglich war. „Witzig“ hingegen die Einwürfe eines anwesenden Hundes („Mausi“ – konnte ich nach journalistischer Detailarbeit herausfinden), der mit seinem Gebell auch Frau JOSIN kurzzeitig aus der Fassung und zu einem charmanten Lächeln brachte. Vielleicht an diesem Abend nicht der perfekte Opener, aber für bestimmte Anlasse in kleinem Rahmen ein sehr vielversprechender Act, dessen Werdegang weiter beobachtet wird. Die EP mit 4 Songs kann man als Download für weniger als 2 Euro bei einem großen Onlinehändler erwerben…

Stichwort EP: Auch Herr POHLMANN hat eine neue selbige am Start, mit dem Titel Zurück zu von selbst“ und passend zur Tour mit reduzierter Instrumentierung. An diesem Abend sollte er mit seinen beiden langjährigen Mitstreitern Hagen Kuhr (Cello) und Reiner Kallas (Percussion) auf der Bühne stehen bzw. sitzen, so gebietet es ja zumeist ein Unplugged-Rahmen. Mit „Getrennte Scheiben“ startete der Herr gleich mit einem neuen Track durch, gefolgt von den beiden „Fliegende Fische“-Songs „Das Glück“/ „Musik“. Passend zum Titel wurde dann „StarWars“ mit einem fingierten Kampf „Laser-Schwert vs. Cello-Bogen“ eingeleitet, was die Stimmung in der Halle erstmals richtig hochkochen ließ. Und dort verweilte sie auch, was nicht zuletzt an Songs der Güteklasse „Wenn es scheint, dass nicht gelingt“ lag. Die Setlist bot eine gute Mischung aus eher nachdenklichen und dann wieder dynamischen Stücken, dazu gab es erwartungsgemäß eine Unmenge an Anekdoten hinsichtlich seiner ostwestfälischen Vergangenheit (Baugeschäft des Vaters und co.). Die vielen alten Weggefährten in der Weberei sorgten für eine heimelige Athmo, die von Stücken wie „Mädchen und Rabauken“ (mit toller Cello-Einlage) oder einem Singalong im Refrain der „Fliegenden Fische“ bestens reflektiert wurde. Mit der „Bordsteinbar“ von der neuen Scheibe hat man auch gleich einen Gassenhauer am Start, diese wurde übrigens nach der Trennung von alter Plattenfirma und Management laut Ingo innerhalb von nur 10 Tagen auf einem Bauernhof geschrieben. Selbstfindung als Künstler und Vaterschaft inklusive. Die beiden mit bekanntesten POHLMANN-Stücke „Wenn jetzt Sommer wär“/ „Der Junge ist verliebt“ beendeten dann das reguläre Set überaus launig.

Doch das war natürlich noch nicht das Ende, die Zugabe bestritt der Sänger zunächst solo u.a. mit „Für dich“ und „Kellnerkasse“, bevor das obligatorische „Für Mina“ zum Schluss wieder als Trio performt wurde. Insgesamt fast 150 Minuten Spielzeit sorgten für einen sowohl quanti- wie qualitativ überaus gelungenen Abend voller Intimität, Spielfreude und Charme. In dieser Form ist Herrn POHLMANN in der Zukunft noch Einiges zuzutrauen. Ein neuer Longplayer ist bereits angedacht…

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu JOSIN auf terrorverlag.com

Mehr zu POHLMANN auf terrorverlag.com