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POLARKREIS 18 – MORNING BOY

Ort: Bielefeld - Kamp

Datum: 13.04.2011

Das dritte Album am Start, der dritte Besuch in Bielefeld, zum dritten Mal im Kamp. Hat Bielefeld vielleicht nur diesen einen Club? Diese Frage stellte sich POLARKREIS 18-Sänger Felix. Doch drehen wir die Uhr zunächst eine Stunde zurück…

Als wir gegen 20.15 Uhr das Kamp betraten, befanden sich die Einheizer MORNING BOY bereits in der Mitte ihres Sets. Geboten wurde den etwa 120 Zuhörern feiner Indie-Poprock sehr solider Machart. Die vier Frankfurter Jungs haben nach einer EP „For us, the drifters. From them, the bench.“ nun seit November 2010 ihren ersten Longplayer am Start, der auf den Namen „We won’t crush“ hört. Der Titelsong ging bei der Livedarbietung mit ordentlich Druck nach vorn und gefiel durch die Falsettpassagen von Sänger Jörg, mit aufs Ohr nahmen wir noch das catchige„Hey, hey, hey (I found you)“ und das rotzig-punkige „Now it’s up to you Mr. Braddock“. Ein abwechslungsreiches Songwriting mit vielen Breaks und schönen Melodien konnte vor allen Dingen das jüngere Publikum begeistern. Leider gibt es derartige Kapellen nur wie Sand am Meer, so dass die Jungs performance- oder outfitmäßig noch etwas in die Trickkiste packen könnten, um sich ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen.

Setlist MORNING BOY
Just 19
Every whisper
Automatic
Teenage millionaire
I won’t crush
Hey hey hey (I found you)
Now it’s up to you Mr. Braddock

Es verging noch eine halbe Stunde, in der sich noch ein paar Leute mehr dazu gesellten, bis um Punkt 21 Uhr ein Intro den Beginn des Auftritts von POLARKREIS 18 ankündigte und eine gewisse Sogwirkung Richtung Bühne ausübte. Doch während die Fans natürlich erwartungsfroh in diese Richtung schauten, kam Sänger Felix mäßigen Schrittes von hinten durch das Publikum in der einen Hand eine Wunderkerze, in der anderen ein Megaphon, in das er „Small space between“ sang. Ein ruhiger Auftakt, der ihm jedoch gleich die volle Aufmerksamkeit garantierte. Doch nun ging es mit Band und dem knalligen „Frei“ auf der Bühne weiter. Zwei Trommeln links und rechts setzten dabei zusätzlich dynamische Akzente. Der Dresscode auf der Bühne mittlerweile nicht mehr reinweiß, sondern heute schwarz-weiß und mehrheitlich im Anzug. Sollten POLARKREIS 18 angesichts des nur recht schwach besuchten Kamps enttäuscht gewesen sein (immerhin hatte man beim letzten Auftritt vor fast genau zwei Jahren die Hütte zum Bersten voll bekommen), so ließ es sich das Sextett aus Dresden auf jeden Fall nicht anmerken. Es ging weiter mit dem schlageresken „Deine Liebe“, mit dem man bereits den dritten Titel der aktuellen CD „Frei“ unters Volk brachte. Leider konnten die Jungs mit dem dritten Album nicht nahtlos an den Erfolg des Vorgängers „The colour of snow“ mit dem Mega-Hit „Allein, allein“ anknüpfen, aber heuer waren die sonst ja gerne mal schüchternen Ostwestfalen schnell zu begeistern. Mit „Crystal Lake“ ging es nun zurück an die Anfänge und Felix griff zwischendurch sogar zur Trompete. Anschließend stellte er nun die schon Eingangs erwähnte Frage, ob Bielefeld wohl nur diesen einen Club hätte und wer denn bereits beim dritten, zweiten oder gar erst heute zum ersten Mal zu einem pOLARKREIS-Konzert dabei sei. Erstaunlicherweise war es für viele die Premiere und so nutzte Felix die Chance, neue Fans zu gewinnen. Zunächst mit der Hymne „Under this big moon“, dann mit „Evergreen“, beides wiederum neue Titel. Am Ende flitzte Felix nach hinten zur Theke, griff sich rasch einen leeren Bierkasten, um ihn als kleine Erhöhung im Publikum zu nutzen, in deren Mitte er nun den Song zu Ende performte. Anschließend schlug er angesichts der überschaubaren Menge eine kleine Vorstellungsrunde vor, so dass man wenigstens den Namen des Nebenmann bzw. der Nebenfrau erfuhr. Auch der nächste Titel „Dark and grey“ stammte vom aktuellen Album und ging mit einer ordentlichen Noise-Attacke zu Ende, bevor mit „Tourist“ ein Titel aus dem Erfolgsalbum „The colour of snow“ anstand, etwas ruhiger mit der Akustikgitarre vorgetragen. Wild tanzbar dann die erste Single aus dem aktuellen Album „Unendliche Sinfonie“. Eigentlich war hier der Einsatz von Konfetti geplant, aber da hatte das Kamp wohl interveniert und so kam Felix auf die Idee, man könne doch eigentlich geschlossen die Party auf der Bühne weiterfeiern, worauf sich fast die Hälfte der Anwesenden zu ihm hinauf begaben, bis sich ernsthafte Platzprobleme auftaten. Also alle Mann wieder runter, und nun versuchte sich Felix bei „The colour of snow“ im Crowdsurfen. Und auf die Bielefelder war Verlass, sie trugen in einmal durchs Rund. Nach soviel Action war nun der Augenblick großer Besinnlichkeit gekommen. Felix begab sich wieder mitten ins Publikum und forderte alle Anwesenden auf, mit ihm Platz zu nehmen. Er intonierte nun alleine, nur von einigen Synthie-Klängen untermalt „Ombra mai fu“ – eine Arie von Händel. Zurück auf der Bühne gab es dann zum Schluss des offiziellen Teils noch einen weiteren Titel der aktuellen CD zu Gehör: „Letting go“, an dessen Ende sich alle Bandmitglieder mit weißen Masken (wie auf dem aktuellen Albumcover) präsentierten, ehe sie die Bühne verließen.

Sofort wurden Zugabenrufe laut und Felix kam alsbald allein zurück und nahm erst einmal Kontakt mit der ersten Reihe auf. So erfuhren wir „die Geschichte vom ersten Treffen mit Anja“, die Felix offenbar noch vom letzten Konzert wieder erkannt hatte, ehe er sich an bereit gestellte Keys setzte. Was zunächst wie eine eigenwillige Version von A-HA’s „Take on me“ begann, mündete schließlich in einer Piano-Version von „Allein, allein“, natürlich lautstark vom Publikum unterstützt. Schließlich kamen jedoch auch noch einmal die anderen Bandmitglieder Philipp, Christian, Uwe, Silvester und Ludwig auf die Bühne, um den Abend mit „Sleep rocket“ ausklingen zu lassen. Hätten die Jungs ihr neues Album nur schnöde auf der Bühne runtergezockt – es wäre wohl ein schnöder Konzertabend geworden. So aber hatte Felix als wahre Rampensau keine Möglichkeit der Animation ausgelassen und sich als Entertainer zwischen ruhigen Tönen und Partyspielchen erwiesen. Hut ab vor den restlichen Bandmitgliedern, die offensichtlich kein Problem mit der Dominanz ihres Fronters haben und ihm immer den passenden musikalischen Teppich auslegten. Und so wird das Publikum das Konzert wohl in erster Linie wegen des hohen Unterhaltungswertes in guter Erinnerung behalten.

Setlist POLARKREIS 18
Small space between
Frei
Deine Liebe
Crystal lake
Under this big moon
Evergreen
Dark and grey
Tourist
Unendliche Sinfonie
Colour of snow
Ombra mai fu (Arie von Händel)
Letting go

Allein, allein
Sleep rocket

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