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POPKOMM EMPFANG DER BAYERISCHEN VERTRETUNG IN BERLIN 2006

Ort: Berlin

Datum: 21.09.2006

Ich gebe es ehrlich zu: Ich war „leicht“ verwundert, als mir Terrorchefe mitteilte, dass ich doch bitte mit Fotographin/ Kollegin Grit zum Popkomm Empfang in der Bayerischen Vertretung gehen solle. Schließlich falle ich für so eine Veranstaltung allein optisch doch schon sehr aus dem Rahmen und TERRORverlag im sensiblen Politik-Circus? Letztendlich war es aber doch ein schöner und sehr gut organisierter Abend.

Und der begann damit, dass uns fast ein paar TOKIO HOTEL–Groupies über den Haufen rannten. Es war schon sehr faszinierend zu sehen, wie manche Menschen vollkommen fanatisch hinter einem schwarzen Van herrennen, in der Hoffnung, die Band am Hintereingang zu treffen. Der Einlass erfolgte problemlos und wir bekamen in der Empfangshalle schnell unsere Presseschildchen. Wir überlegten schon, sie an die TH-Groupies meistbietend zu verkaufen, entschieden uns dann aber dagegen, weil so ein Empfang ja doch etwas besonderes ist und man nicht alle Tage die Gelegenheit dazu bekommt. Nachdem wir uns dann den Weg in den Festsaal gebahnt hatten, suchten wir uns einen Tisch mit hübschem pinkfarbigen Scheinwerfer darüber und fielen so natürlich noch mehr auf. Jaja…“Pink ist the new Black“, sag ich nur. Für Getränke war reichlich gesorgt, es gab leckere Fritz-Cola in allen möglichen Variationen (Kaffee und Kirsch sind da sehr zu empfehlen), Rot- und Weißwein aus Unterfranken – und schmackhaftes bayerisches Essen war auch vorhanden. Die Party konnte also beginnen…

Moderiert wurde die Show von Sat1-Mann Peter Johannsen und dieser begann pünktlich um 20.30 Uhr mit der Anmoderation der österreichischen Band ESCORIAL GRUEN, deren Sänger niemand geringeres war als Schauspieler Robert Stadlober. Der Stil der englischsprachigen Musik liegt im Indie-Bereich und ist sehr leicht, verspielt und erfrischend zu nennen. Neben dem Song „John Peel And The Dragon of Steel“, den Robert dem kürzlich verstorbenen JOHN PEEL mit den Worten: „Seine Musik hat mich sehr geprägt. Ohne ihn würde ich schlechte Musik hören. Ich bedauere die Kinder von heute, die nur schlechte Musik hören müssen“ widmete, spielte die Combo auch noch „Justin“, das er „Fast-auch-Bayern-nämlich-Tirol“ widmete – wofür er durchaus einige Lacher erntete. Normalerweise haben ESCORIAL GRUEN noch einen Schlagzeuger, der war an diesem Abend jedoch entschuldigt – er bekam ein Kind. Also natürlich nicht er, sondern seine Freundin. Das tat dem rockigen Sound aber keinen Abbruch und so klang es klar und rein durch den kleinen Saal. Während die Band spielte, machte ich mich auf den Weg zur Getränkebar und überrannte auf dem Weg zum Cola-Stand doch glatt erst mal Evil Jared Hasselhoff. Wir begrüßten uns kurz und ich setzte verwundert meinen Weg fort. Ihn hätte ich ja als allerletzten auf dieser Veranstaltung erwartet. Nett gekleidet wusste er sich anscheinend gut zu benehmen, ist er doch sonst eher als sich gern entkleidender und aus der Rolle fallender Bassist der BLOODHOUND GANG bekannt.

Nach dem Auftritt der ersten Band wurde die Veranstaltung offiziell durch Staatsministerin Müller eröffnet und es folgte ein lockeres Kurzinterview mit dem Opener. Danach war es Zeit für die erste Verleihung an diesem Abend. Das Hamburger Label „Grand Hotel van Cleef“ bekam den Bayerischen Popkomm Musiklöwen 2006 von Staatsministerin Müller und dem Überraschungsgast Jürgen Vogel (Schauspieler und Sänger der HANSEN BAND) verliehen. Stellvertretend waren für die Plattenfirma die Geschäftsführer Thees Uhlmann (TOMTE), Reimer Bustorff (KETTCAR) und Marcus Wiebusch (ebenso) erschienen. Gemeinsam mit Jürgen Vogel haben die drei in der HANSEN BAND gespielt und den Film „Keine Lieder über Liebe“ gemacht.

Dann war es wieder Zeit für Musik. MONOPHOX aus Augsburg waren an der Reihe. Die Band überzeugte mit einem klaren und rockigen Sound im COLDPLAY-Stil und lockerte die etwas steife Runde sehr gut auf. Sänger Tobias Mecklinger ließ es sich nicht nehmen, die anwesenden Medienpartner darauf hinzuweisen, dass es „unten irgendwo einen Stand neben dem Kaffeestand gibt, an dem Pressepackages mit CDs, Buttons und Aufnähern liegen“, da die Band gern bei einem Label beheimatet wäre. Ich denke nicht, dass sie Probleme haben werden, da etwas zu finden, denn die Jungs sind sehr professionell in ihrem Umgang mit der Musik und wissen, was sie tun und wie sie begeistern können. Auch wenn das normalerweise nicht meine bevorzugte Musikrichtung ist, sie haben definitiv was und werden sicher noch viel erreichen. Neben einigen Songs vom Vorgänger-Album „Into You“, stellten sie auch viele Titel vom aktuellen Longplayer „Objects In Mirror Are Closer Than They Appear“ vor, darunter auch „Just Good, One Day“, „A Fake of Time“ und „Liberteen“. Zu MONOPHOX gehören: Tobias Mecklinger (Vocals, Guitar), Benjamin Rademann (Guitar, Vocals), Thomas Löblein (Bass) und Dominik Schlingmann (Drums). Die Formation bekam bereits im letzten Dezember in Würzburg den „Bayerischen Musikpreis 2005“ überreicht. Auf dem Weg zum „Stand neben dem Kaffeestand“ lief ich noch Henning, dem Sänger der H-BLOCKX über den Weg. Im Übrigen zeigte sich auch Gülçan Karahanci von Viva während des Auftritts der Band. Sie trippelte nach vorn zur Bühne und posierte für nicht interessierte Fotografen und trippelte wieder davon. Ich hatte ja die ganze Zeit gehofft und gebetet, dass sie NICHT da wäre… Natürlich wurde mir mein Wunsch nicht erfüllt. Aber das ist nichts neues… Ich habe mich daran gewöhnt, dass Gott mich nicht mag…

Gegen 22 Uhr erfolgte dann die Verleihung des Bayerischen Popkomm Musiklöwen an die Hessen JULI. Der Preis wurde durch Ministerin Müller und Gotthilf Fischer (bekanntermaßen Chef der FISCHER CHÖRE) übergeben. Was mir sehr, sehr sauer aufstieß und was wahrscheinlich andere auch nicht so toll fanden, war, dass der Herr Fischer da auf der Bühne erst mal sein Programm abzog, so dass die Verleihung des Musiklöwen in den Hintergrund trat. Dieses beinhaltete die Abspielung seines „Hits“ „Hoch auf dem gelbem Wagen“ von Band und er versuchte, das Publikum immer wieder dazu zu animieren, in seinen Gesang einzustimmen. Zuerst wollte niemand, dann schien aber allen klar zu werden, dass der Mann die Bühne nicht eher verlassen würde, bevor jemand mitsänge, also erbarmten sich einige – sehr zur Belustigung der anwesenden Presse. Moderator Johannsen fragte dann die Band JULI, wie sie denn das Ständchen fanden und sie antworteten sehr gequält: „Toll“ und „Wir sind zu Tränen gerührt“. Letztendlich bekam die Band um Sängerin Eva neben dem Preis auch noch Wein geschenkt und verließ zufrieden und erleichtert die Bühne. Leider trat die Combo nicht auf, aber ihr eingespielter Hit „Perfekte Welle“ sorgte auch vom Band für ordentliche Stimmung.

Gleich darauf erhielten TOKIO HOTEL ihre Auszeichnung. Sänger Bill, wie immer sehr auffallend geschminkt und langsam zum Mädchen mutierend, wurde sofort von Fotografen in Beschlag genommen und die Band erklärte noch mal auf die Frage von Peter Johannsen, ob sie sich denn nun trennen würden (wegen der Gerüchte um den Drummer), dass sie momentan im Studio das neue Album aufnähmen. Sie dementierten nicht. Kann man hoffen? Mein Ausspruch zu meiner Begleitung Grit, dass ich mich nicht entscheiden könne, wen ich schlimmer finden solle, Herrn Fischer oder TOKIO HOTEL, wurde von anderen Presseleuten nur lachend bejaht. Immerhin, es gab Zustimmung. Der Preis wurde von Medien- und Landrat Harald Leitherer und Staatsministerin Müller übergeben, allerdings gingen jene im Wirbel um TOKIO HOTEL unter.

Nach diesen beiden Verleihungen gönnte man uns wieder eine kleine musikalische Pause. ROMAN FISCHER aus Augsburg betraten die Bühne. Der Sound war zwar kraftvoll und klar, allerdings zeitweise etwas lahm und langweilig. Das lag hauptsächlich daran, dass Roman manchmal nicht wusste, wie er Keyboard beziehungsweise Gitarre spielen und gleichzeitig singen sollte. Die englischen Texte kamen dadurch leider etwas unbeholfen rüber. Das besserte sich auch leider nicht durch die musikalische Unterstützung in Form des Gitarristen Daniel, der hin und wieder auf die Bühne kam.

Der letzte Musiklöwe 2006 wurde an diesem Abend als Anerkennungspreis an MONOPHOX und ROMAN FISCHER vergeben. Die Verleihung erfolgte durch die Geschäftsführerin des MedienCampus Bayern e.V., Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner, und Staatsministerin Müller. Zu dem kleinen Löwen gehörte weiterhin noch jeweils ein (kleiner) „Musikzubehör-Scheck“ in Wert von je 750 Euro (gesponsert vom MedienCampus). Meiner Meinung nach etwas wenig, da gutes Equipment heutzutage nicht wirklich günstig ist, außer man ersteigert es bei ebay.

Im Anschluss gegen 23.45 Uhr begann der Auftritt der Braunschweiger Band TCHI aus dem Hause „siluh records“. Die Musik der Formation ist sehr rockig mit deutschen Texten und geht in Richtung MADSEN. Zur Band gehören neben Sänger und Gitarrist Jan Reichelt noch Schlagzeuger Dennis Frank sowie Eike-Christian Heine am Bass. Während TCHI Stücke von ihrem aktuellen Album „Stehen Stolpern“ zum Besten gaben, rockten Robert Stadlober und Freunde kräftig ab. So kräftig, dass Robert sein Rotweinglas verlor, natürlich samt Inhalt. Er war davon nicht wirklich begeistert und verzog – wie ein Kind das gleich anfängt zu weinen – das Gesicht. Tja, Künstler sind halt auch nur Menschen…

Copyright Fotos: Grit Rümmler

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