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PORCUPINE TREE – OCEANSIZE

Ort: Bochum - RuhrCongress-Hallen

Datum: 07.10.2010

Für die Prog-Rock-Fans im Westen der Republik konnte es an diesem Donnerstagabend nur ein Ziel geben: die RuhrCongress-Hallen in Bochum! Dort hatten sich mit PORCUPINE TREE und OCEANSIZE gleich zwei alt gediente Prog-Bands des britischen Eilands eingefunden, um den ebenfalls schon etwas älteren und überwiegend männlichen Fans ordentlich was auf die Ohren zu geben. Beiden Kapellen kann man Faulheit nun wirklich nicht vorhalten und so blicken die Herrschaften allesamt auf eine respektable Diskografie, der vor nicht all zu langer Zeit jeweils ein Silberling hinzugefügt worden ist.

Bei OCEANSIZE war dies vor ziemlich genau fünf Wochen der vierte Longplayer „Self Preserved While the Bodies Float Up“ dem nach einem sphärischen Start mit „Trail of Fire“ auch das kraftvolle „It’s My Tail And I’ll Chase It If I Want To“ entnommen war. Nicht minder druckvoll ging’s mit „Paper Champion“ weiter, wofür Stanley ‚G-Unit‘ Posselthwaite aka Gambler die Tasten seines Keyboards gegen einen Sechssaiter tauschte, ehe es mit dem ebenfalls brandaktuellen „Build Us A Rocket Then…“ frickeliger und temporeicher wurde. Derweil lag die Bühne weitgehend im Dunkeln, hin und wieder blitzten Lichter auf, die auch das epische „Silent/ Transparent“ vom neuen Album begleiteten, das schließlich in einem krachenden Finale enden sollte. Für die Sitzgelegenheit des Drummers war’s wohl etwas zu krachend, denn Mark Herons kaputter Hocker musste vor dem energiegeladenen „Unfamiliar“ zunächst ausgetauscht werden. Wie uns Sänger und Gitarrist Mike Vennart wissen ließ, hat’s das in der zwölfjährigen Bandgeschichte auch noch nicht gegeben und eigentlich sei Mark doch auch gar nicht so schwer… Zum Ende des 45-minütigen Sets wurde es mit „Ornament/The Last Wrongs“ noch einmal sehr emotional und Gambler kehrte an seine Keys zurück, während Mike sachte ins Mikro hauchte, bevor er erneut gesangliche Unterstützung vom zweiten Gitarristen Steve Durose erhielt. Ein fulminater Auftakt, der weit mehr als eine Aufwärmübung war und entsprechend mit viel Applaus bedacht wurde.

Setlist OCEANSIZE
Trail of Fire
It’s My Tail And I’ll Chase It If I Want To
Paper Champion
Build Us A Rocket Then…
Silent/ Transparent
Unfamiliar
Ornament/The Last Wrongs

Bevor es nun mit Mastermind Steven Wilson und seinen Mannen weitergehen konnte, musste nicht nur das Bühnenequipment aufgebaut, sondern auch schnell noch mal durchgesaugt werden, denn der Chef spielt und singt gern barfuß und ist deshalb auf eine Stage bedacht, von der man im Zweifel auch mal essen kann. Als kleinen Gag gab’s dazu auch einen passenden Cartoon und einen Einspieler, der einen Roadie bei seinen hausfraulichen Pflichten zeigte, ehe es um 21.10 Uhr dann mit einem fünfminütigen Intro losging, das vom Klatschen der Zuschauer begleitet wurde, die für ihre rhythmische Betätigung mit einem Gänsehaut-Start belohnt wurden. „Even Less“ vom 1999er „Stupid Dream“ eröffnete den Reigen, der von Songs der letztjährigen Langrille „The Incident“ dominiert wurde. Zuvor gab es mit „Open Car“ und „Lazarus“ einen kleinen Abstecher in das Jahr 2005 und zur Platte „Deadwing“. Garniert wurde das Ganze mit einem Video zum letztgenannten Stück, das auf den drei Leinwänden taktgenau zur Musik lief und zusätzlich noch ganz passablen Publikumsgesängen zu denen Steven animierte, der PORCUPINE TREE 1987 gegründet hat. Auch das zwingende „Anesthetize/The Pills I’m Taking“ wartete mit bewegten Bildern auf und wurde amtlich abgefeiert. Mit „The Sky Moves Sideways (Phase One)” vom gleichnamigen Album aus 2004 ging es zwar zunächst weitaus ruhiger (und ohne den Live-Gitarristen John Wesley), aber keineswegs weniger intensiv, weiter, weshalb es nach einem treibenden Ende auch reichlich Beifall gab. Für das gefühlvolle „I Drive The Hearse“ vom neuesten Output nahm Wilson, dem man seine bald 43 Jahre nun wirklich nicht ansieht, mit seiner akustischen Klampfe auf einem Barhocker Platz, tauschte den Sechssaiter jedoch schon beim folgenden „Bonnie The Cat“, das sich sehr fordernd präsentierte, wieder gegen das Strommodell. Inzwischen waren die Uhren auf 22.15 Uhr vorgerückt und Steven kündigte eine zehnminütige Pause an, die entsprechend auch auf den Videowalls mit digitalen Anzeigen runtergezählt wurde. Mit einem wahren Pauken- und Donnerschlag sowie einem fünfteiligen Abriss der „The Incident“-Mucke setzten PORCUPINE TREE ihr Set im Anschluss fort, das mit „Occam’s Razor“ grandios eröffnet wurde. Im Folgenden wechselte der umtriebige Fronter zwischen seinen diversen Langäxten und einem altertümlichen Kneipenklavier, während es für das Auditorium allerfeinsten Prog Rock auf die Mütze gab. Für die verstörenden Sounds von „Dislocated Day“ verabschiedete sich John erneut, war aber für das hymnische „Time Flies“ erneut zur Stelle. Das reguläre Set beendete nach rund zwei Stunden das hochenergetische „Sleep Together“ vom fantastischen „Fear of A Blank Planet“, das 2007 erschienen ist, bei dem es wie beim Vorgänger wieder Filmmaterial zu bestaunen gab.

Fehlte noch die Zugabe „Arriving Somewhere But Not Here“, die wir uns angesichts der späten Stunde und der noch vor uns liegenden knapp 90 Minuten Fahrzeit schweren Herzens geschenkt haben. Doch schon mit den ersten fünfzehn Tracks waren wir bestens bedient worden und entsprechend gut gelaunt ging’s über leere Autobahnen zurück ins Osnabrücker Land, wo bereits in der nächsten Woche die nächste (Düster) Prog-Rock-Granate ANATHEMA auf uns wartet.

Setlist PORCUPINE TREE
Even Less (Full Version)
Open Car
Lazarus
The Sky Moves Sideways (Phase One)
I Drive The Hearse
Bonnie The Cat
Occam’s Razor
The Blind House
Great Expectations
Kneel And Disconnect
Drawning The Line
Dislocated Day
Time Flies
Sleep Together

Arriving Somewhere But Not Here

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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