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PORTUGAL. THE MAN – JUPITER JONES – BLACK RUST

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 02.06.2007

Ich finde es jedes Mal erstaunlich, bei Visions Partys im Bielefelder Forum 15 Minuten vor angekündigtem Konzertbeginn in einen fast leeren Saal zu treten und mit 10-15 anderen Zuschauern auf die erste Band zu warten. Auch dieses Mal lief alles ab wie immer: 20.45 entere ich das Forum und es ist keine Sau da. Ich erfuhr, dass LEO CAN DIVE an diesem Abend nicht spielen sollten, aber das konnte doch nicht der Grund für die verschwindend geringe Resonanz sein. Der Konzertbeginn verschob sich dadurch auch auf 21.30 Uhr und punktgenau als die erste Band die Bühne betritt, füllte sich das Forum schlagartig. Ich bin verwirrt und gebe dem auf der Hinfahrt verköstigten Rotwein zumindest eine Teilschuld.

Die Verwirrung ließ nicht nach, steigerte sich sogar, als der Sänger von BLACK RUST das Publikum bat, näher zur Bühne zu kommen und alle ohne zu zögern losrannten bis direkt vor den Bühnenrand. Bin ich vielleicht als Osnabrücker Konzertbesucher einfach nicht gewohnt und vermutete die Sturheit der Konzertbesucher daher auch außerhalb der Stadtmauern Osnabrücks. Aber zur Band selbst: Im März noch bei Visions Unexplored als eine der hoffnungsvollsten Bands ohne Vertrag bezeichnet schafften die 2003 gegründeten BLACK RUST es innerhalb kürzester Zeit also zum Opener der Visions Partys. Musikalisch gab’s Indierock mit Country- und Folkeinflüssen, den der Sechser mit erweiterter Instrumentalisierung (gibt’s das Wort), nämlich Percussion, Kontrabass, Mandoline und beim letzten Song sogar Mundharmonika und Akkordeon zum besten gab. Die Ansagen hielt Sänger Jonas bei den ersten Songs auf englisch, gaukelte den Zuschauern (den meisten waren BR wahrscheinlich unbekannt) vor, die Band käme aus Schweden und spielte dabei geschickt mit gängigen Klischees („In sweden we’re all alcoholics“). Auch die Ansage „Bielefeld is so much cooler than Münster“ kam beim Publikum entsprechend gut an. Die Auflösung folgte nach dem 4. Song, man käme aus Dortmund und jeden Abend dann abwechselnd aus Schweden, Norwegen oder Estland (wobei da der Akzent so schwierig sei). Aber BLACK RUST konnten nicht nur durch die Ansagen des charismatischen Frontmanns sondern – viel wichtiger – auch durch ihre Musik überzeugen. So kamen die Songs mal voller Melancholie („still“) rüber, mal konnte man mittanzen und klatschen. Auf jeden Fall eine interessante Neuentdeckung.

Die nun folgende Band war der eigentliche Grund meines Besuches. Auch diese hatte ich vor 2 Jahren beim MUFF POTTER Konzert in Lingen eher zufällig als Vorband kennen und schätzen gelernt. Ein weiterer Auftritt beim Eastside Festival letztes Jahr konnte mich dann erneut von den Live-Qualitäten überzeugen. Die Rede ist natürlich von JUPITER JONES aus dem Saarland. Deren Debüt-CD „Raum und Raum“ konnte mich durchweg mit witzigen wie intelligenten Texten begeistern und zudem hatte ich bereits die neue Single „Wir sind ja schließlich nicht Metallica“ gehört, die nahtlos an das Niveau der alten Songs anknüpfen kann. Das neue Album „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich“ steht in den Startlöchern (VÖ 08. Juni) und ich hoffte insgeheim, es bereits an diesem Abend kaufen zu können, wurde aber leider enttäuscht. Nun denn, wenigstens eine Menge neuer Songs anhören (bei Myspace kann man bereits das komplette Album durchklicken) dachte ich, aber auch das wurde zunächst nichts, begann man doch mit „War nichts“ und „Alles Glück der Welt“ und wollte scheinbar nichts anbrennen lassen. Das mittlerweile recht gut gefüllte Forum dankte es den Jupiters und sang die Texte lauthals mit. Vom Geheimtipp scheinen die Jungs mittlerweile zu einer wichtigen deutschsprachigen Indie-/ Punkband aufgestiegen zu sein. Vor der Bühne wurde zu den eingängigen Songs getanzt und gegröhlt (ein neben mir stehender Besucher bemerkte ca. Mitte des Sets leider recht passend: “Scheiße, die Kinder da vorn benehmen sich ja wie beim Schützenfest“). Auch die neue Single wurde bereits textsicher mitgesungen und getrübt wurde der mitreißende Auftritt lediglich durch Gitarrenprobleme von Sänger Nicholas, dem gleich 2mal eine Seite seiner Gitarre riss. Als er dann zum wiederholten Male seine neue Gitarre stimmen musste, sang das Publikum einfach schon mal allein das nächste Lied „Auf das Leben“. Trotz des Ärgers konnte sich Sänger Nicholas da ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. Außer der Single gab’s nur noch einen zusätzlichen neuen Song, aber insgesamt einen gelungenen Auftritt und eine Menge zufriedener Fans. Vom einem behauptete Nicholas dann auch: “Der Junge macht mir Angst, den sehe ich heute den dritten Abend in Folge, der kennt alle Texte, auch die der neuen Stücke und zudem die Setlist, die wir jeden Abend umstellen, auswendig“. Wahrscheinlich standen deshalb auf der ausliegenden Setlist die Songnamen auch abgekürzt oder nur durch Stichpunkte ersetzt, so dass ich die unten stehende auch nur unter Vorbehalt aufschreiben konnte.

Ich war gespannt, ob die nächste Band, PORTUGAL. THE MAN, in der Lage sein würde, die Stimmung halten zu können. War sie letztendlich nicht, man muss allerdings bemerken, dass dies allein durch die Musik nicht möglich ist, denn anders als bei JUPITER JONES gab’s keine eingängigen deutschen und den meisten bekannten Texte. Die Songs der Band aus Alaska waren dafür vielschichtiger und tiefgründiger. Sie fingen meist leise und langsam an, steigerten sich dann konsequent und setzten dabei eine unglaubliche Energie frei. Weniger Musik um abzugehen, eher um darin aufzugehen und sich gefangen nehmen und entführen zu lassen. Da ich mich vorher nie großartig mit PORTUGAL. THE MAN auseinandergesetzt hatte und dementsprechend die Titel nicht kannte, erwischte ich mich dabei einfach zuzuhören und im nächsten Augenblick nicht mehr zu wissen, ob dies nun noch der alte oder bereits ein neuer Song war. Dem Großteil des Publikums schien es ähnlich zu gehen. Einige waren bereits in den Vorraum gegangen, doch viele standen vor der Bühne, lauschten gespannt und applaudierten nach jedem Song überschwänglich. Auf der Bühne wechselten sich Gitarrist und Bassist beim Singen ab, der Gitarrist stand dem Keyboarder gegenüber und nur seitlich zum Publikum und schien dieses auch wenig zu beachten. Der Bassist ging derweil auch völlig in den Songs auf und sprang bei den schnelleren Parts über die Bühne und schwang seinen Bass in alle Richtungen. Mit Ansage war man sehr sparsam und da ich (wie bereits erwähnt) die Band und deren Songs bisher nicht kannte, ist die abgedruckte Setlist auch nur eine Abschrift dessen, was der Bassist auf seinem Fußschalter geklebt hatte. Ein alles in allem sehr lohnender Abend ging damit gegen 1 Uhr nachts, zumindest was die Livemusik anging, zuende. Die nachfolgende Party mit DJ Jan Schwarzkamp vom Visions hab ich mal zugunsten des notwenigen Schlafpensums eines alten Mannes ausfallen lassen.

Setlist BLACK RUST
Overdose
Heartache, now
Botom of theglass
Coffee or tea
Still
Actually yours
New year´s song

Setlist PORTUGAL.THE MAN (ohne Gewähr)
Aka M80 the wolf
How the leopard got its spots
Sugar
Tommy
My mind
Bottom
Chicago
Sleepers
Cold fronts
Church mouth
Waiter
Shade
Tellers
Marching with

Stables
Devil

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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