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PRIMAL FEAR – BULLET – MESSENGER

Ort: Nürnberg - Hirsch

Datum: 28.01.2014

Da dachten wohl zwei Old-School-Metal Vertreter, sie hätten eine große Schnittmenge an metallisch dampfendem Fanpotential… mhm… Also wie geht das jetzt zusammen? Bullet gleich AC/DC-ACCEPT-Klon, PRIMAL FEAR gleich ACCEPT-JUDAS PRIEST-Klon … ahja … verstanden! Schnittmenge tatsächlich vorhanden! Als Vorheizer haben die beiden bühnenerprobten Partylöwen die Saarländer MESSENGER an Bord geholt. Frei nach dem Motto: Was uns nicht das Wasser reichen kann… Nein, das war jetzt böse!

Pünktlich um 19 Uhr starten die MAJESTY-Klone Ihre Reise durch das wahrlich metallische Weltall. „Raiders of Galaxy“ vom aktuellen Album „Starwolf – Pt.I: The MessengeRs“ umtönt die metallischen Sinne und erhält mit den Songs „The Spectre“ und „Salvation“ weiteres phantasmagorisches Futter für den Metal-Fantasy-Epos. Häh? Ja richtig gehört. Die Weltraumpiraten MESSENGER sind stolze Protagonisten eines ihnen eigens auf den stolzen Leib geschneiderten Romans „Sternenwolf – Die Boten“. Sänger Francis Blake, ein geisteskranker, gefährlicher Mörder, ist der Sprecher der Truppe. Die »Boten des Sternenwolfes« komplettieren sich mit Bassist Herald W. Franke. Dem gefürchteten, riesigen Krieger mit den bionisch leuchtenden Augen stehen außerdem zur Seite: der pyromane Gitarrist Jack Decker, der mit seinem verheerenden Flammenwerfer – in diesem Fall nur Schall und Rauch, gemeinhin bekannt als poulärer „Nebel“ – für Chaos und Zerstörung sorgt, sowie Lead-Gitarrist Dr. Hans-Reinhardt Strauss, führender und verschmähter Vertreter auf dem Gebiet der Bionik. An den Trommeln Merlin! Aufgewachsen unter Oktopoiden gelangt der kleine Zauberer zu beeindruckender Schnelligkeit und Präzision und versorgt die komische Truppe mit Rhythmus und Struktur. Aber wo waren wir eigentlich stehen geblieben? Ja richtig! Musik! Lesen kann man ja zu Hause auf dem Sofa. Musikalisch gibt es da nix zu meckern. MESSENGER glänzen durch eingängige Melodien, für Power-metallische Verhältnisse technisch anspruchsvolle Klampferei und die beindruckende vier-Oktaven-Stimme von Leadsänger Blake. Mit „Dragonships“ vom 2011er „See You in Hell“ und dem Metal-Schlager tauglichen „Kill The DJ“ vom Debütalbum „Under The Sign“ verabschieden sich die Fantasie-Gestalten nach einer guten halben Stunde Schlager-Musical vom amüsierten Publikum.

20:20, Rotlicht, Nebel, Strobos … das BULLET-Intro – leider mit kleineren Soundproblemen – versetzt die Menge in ekstatische Vorfreude. Sogar Wikipedia gibt sich euphorisch und zählt BULLET zu den großen Vorbildern der mittlerweile bekannteren Genre-Kollegen AIRBOURNE. Seit 2001 rocken Rock-Ober-Puschel Hell Hofer, die Klampfen-Boy Group Hampus Klang, letztjähriger Neuzugang Alexander Lyrbo gemeinsam mit Basser Adam Hector sowie Drummer Gustav Hjortsjö hauptamtlich und höchsten Ansprüchen genügend europäische Bühnen. Die Alben der Schweden punkten mit eingängigen Melodien und Refrains, knackig nach vorn rockenden Riffs und natürlich Hofers rotzig röhrenden Vocals. Live sind Bullet aber ne richtig große Nummer – die Vorfreude entsprechend groß! Der Opener „Midnight Oil“ der 2012 erschienenen druckvollen „Full Pull“ verspricht einen Bomben-Gig. BULLET geben ordentlich Gas. Unbedingter Feierwille in Kombination mit professionell anmutigem Gepose wirkt hochansteckend, findet mit „Rush Hour“, Riffmonstern wie „Rollin‘ Home“ und sogar dem 2006er „Heading For The Top“ eine würdige musikalische Basis und trägt die Schweden exponentiell gewohnt weit über das durchschnittliche heimische Konserven-Lauscher-Maß hinaus. „Turn It Up Loud“ – Bitte, bitte! Hofer wie immer im kuschelig wärmenden Samt- Cape dirigiert seine bullet-o-manische Sekte nach Belieben und erweckt mit „Full Pull“ schließlich selbst die an der Bar eingeschlafene Fraktion wieder zu neuem Leben. Die Anhängerschaft intoniert beherzt und schüttelt untertänigst das haarige Haupt. Eine kurze Gitarren-Drum Solo Verschnaufpause nach „Stay Wild“ nutzt die Poser-Truppe für den zweiten Höhepunkt des Abends: Das explosive Intro zu „Highway Pirates“ eröffnet den leider letzten Akt des druckvollen Sets. Hector, Lyrbo und Klang lassen ein letztes Mal die Gitarrenhälse fliegenlassen ein letztes Mal die Gitarrenhälse Fliegen, formieren sich vor dem Drumkit und lassen die nicht unerhebliche weibliche Fan-Gemeinde nur so dahinschmelzen. „The Rebels Return“ und natürlich „Bite The Bullet“ beenden die schwitzige Luftgitarre-Rock’n Roll-Übungseinheit nach einer guten Stunde ohne auch nur ein einziges Mal Ermüdungserscheinungen zuzulassen. Also Pornobrille auf die Nase, schnell noch ein Ringelshirt besorgt und in die knackige Hüft-Jeans gequält.

Setlist BULLET
Intro
Midnight Oil
Rush Hour
Turn It Up Loud
Full Pull
Rolling Home
Pay the Price
Heading For The Top
Dusk Til Dawn
Stay Wild (with Guitar and Drum Solo)
Highway Pirates
Rambling Man
The Rebels Return
Bite The Bullet

Ein ganz kleines bisschen Zeit benötigen die Rowdies dann doch, um die Bühne vom BULLETschen Schweiß-Glitter und Poser-Glitzer zu befreien und PRIMAL FEAR tauglich herzurichten. Die sympathischen zweiten Headliner des Abends gehören zu den bekanntesten Größen der deutschen Power-Metal Szene und haben mit „Delivering The Black“ das mittlerweile zehnte Album am Start. 1997 von Ex-GAMMA-RA- Sänger Ralf Schepers und Bassist wie musikalisch-kreativem Kopf Mat Sinner gegründet, orientieren sich PRIMAL FEAR an NWOBHM-Dino JUDAS PRIEST oder den deutschen ACCEPT und versuchen sich an der konformistischen Evolution traditioneller Metal-Klischees. Für den neuen Silberling holten sich die deutschen Qualitäts-Metalschmieder höchstprominente dänische Unterstützung in Form von Jacob Hansen (u. a. VOLBEAT). Nur selten haben sich die Schwaben musikalische Ausrutscher geleistet und auch mit diesem aktuellen Album beste deutsche Wertarbeit abgeliefert. Also auf zu neuen großen Taten! 23:05 Uhr ist Randy Black Time! Der kleine schmächtige Trommler eröffnet nach kurzem Intro mit „Final Embrace“ schlagkräftig das Set, so dass sich die Gitarren-Fraktion ordentlich ins Zeug legen muss, um da mitzuhalten. Mit „Alive & On Fire“ mogelt sich gleich zu Beginn ein schwächerer Song der neuen Scheibe in die Setlist, die für etwas ratlose Gesichter sorgt. Doch schnell haben PRIMAL FEAR die langhaarige feierwütige Meute mit bandtypischen Abrissbirnen wie „Nuclear Fire“, „Running in the Dust“ oder auch dem Titeltrack der aktuellen Langgrille wieder auf Ihrer Seite. Knackige Riffs, abwechslungsreiches Songwriting und Melodic-Kracher mit ordentlich Ohrwurmqualität – die Setlist strotzt nur so vor Power. Da weiß selbst Frontsau Schepers nicht mehr, wohin mit seiner Energie. Und während arme Ventilatoren das zeitliche im Fotograben segnen, preschen weitere metallische Perlen wie das opulente Rhythmuswunder „One Night In December“ oder der PRIMAL FEAR Diamant „Angel In Black“ in die Ohren geneigter Metalomanen.

Also alles beim Alten? … ähm, ja! Natürlich ist die priesterliche Vorliebe bei Schepers Klangvolumen einfach nicht von der Hand zu weisen und so manche Passagen erinnern, besonders beim Midtempo-Kracher „When Death Comes Knocking“, einem kleinen “One With The World”- Klon, an die beachtliche musikalische Vorgeschichte des Protagonisten. Aber gut, der traditionsbewusste fränkische Metaller ist sich dessen wohl bewusst, stört sich so gar nicht an derartigen Wiederholungen und schüttelt hochprofessionell Haupt und Haar. „Chainbreaker“, „Fighting In The Darkness“ und das großartige „Bad Guys Wear Black“ geben schließlich ausreichend Anlass für derartiges Gepose. Das gigantomanöse „Metal is Forever“ beendet nach 70 Minuten den Hauptteil des Sets und hinterlässt die Meute atemlos im Dunst des Abends. Doch mit Getöse – „Unbreakable Part 2“ – geht es in die allerletzte Runde des Abends, die in einer guten Viertelstunde allen Anwesenden besonders mit dem Opener des neuen Albums „King For A Day“ den letzten Sauerstoff aus der Lunge zieht. Puh! Metallischer Konfekt der Extraklasse für traditionsbewusste Metal-Gourmets in Form fantasievoll-stilistisch-verränkelter Vorheizer-Pralinen, einem vollem steinigen Pfund auf die Hüften und anschließendem Fitness-Programm für in die Jahre gekommene Metal-Veteranen. Well Done!

Setlist PRIMAL FEAR
Intro
Final Embrace
Alive & On Fire
Delivering The Black
Nuclear Fire
Running In The Dust
One Night In December
Angel In Black
When Death Comes Knocking
Chainbreaker
Fighting the Darkness
Bad Guys Wear Black
Metal Is Forever

Unbreakable Pt. 2
Seven Seals
King for a Day

Sound: MESSENGER hatten das Glück, das leider BULLET fehlte und PRIMAL FEAR einfach weggetrommelt haben!
Publikum: Lernstunde im rhythmischen Klatschen mit den geduldigen Jungs von PRIMAL FEAR am 28.01. um 23:05 Uhr im Hirsch. Bitte vorher ein Bier trinken!
Vom Konzert gelernt: Männer mit komischen Uniformen auf Metal-Konzerten wollen eigentlich nur ihren Bierbauch verstecken.

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