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PSYCHIC TV – AMODALI – VOXUS IMP – BARDITUS

Ort: Leipzig WGT Kuppelhalle

Datum: 12.05.2008

Nach einem letzten obligatorischen Besuch auf dem agra-Gelände und einem Imbiss im Heidnischen Dorf geht es heute wieder zur Kuppelhalle in den Volkspalast. Diesmal erwartet das Publikum ein sehr vielfältiges Programm.

Los geht’s pünktlich 19 Uhr mit BARDITUS. Die Besetzung dieser Band ist fast identisch mit der deutschen Neofolk-Band ORPLID um den meiner Meinung nach recht geltungsbedürftigen Uwe Nolte. Dieser ist auch bei BARDITUS der Sänger und trat mit sehr zornig wirkender Stimme auf. Musikalisch geboten wurden teils folkige Songs, dann mal wieder Sprechgesang fast ohne musikalische Untermalung, aber auch wieder E-Gitarren-lastige Stücke. Die Überleitungen spickte Nolte, ob nun gewollt oder nicht, mit einer Prise Ironie à la „Der nächste Song ist von Theodor Körner. Geschrieben im Schützengraben. Was kann inspirierender sein?“ oder „Gehörnter Freund: Eine kleine Reflexion aus einem Absinth-Rausch.“. Der Wohl köstlichste Spruch war: „(Im nächsten Stück geht es um das Thema) Vaterland: Überall ein Tabuthema, nicht bei uns.“ Herrlich universell einsetzbar. Man stelle sich nur vor, man lässt in der Öffentlichkeit einen fahren. Früher äußerst peinlich. In Zukunft kann man einfach sagen: „Pupsen: Überall ein Tabuthema, nicht bei uns.“ Und keiner muss sich mehr schämen. Alles in allem war es ein recht interessantes Konzert, bei dem sich Nolte wieder mal bestens präsentieren konnte.

Der zweite Künstler des Abends stammt ebenfalls aus Deutschland. Das Ein-Mann-Projekt VOXUS IMP befasst sich umfangreich mit Themen wie altnordische Dichtung und Mythologie. Mit bisher drei Veröffentlichungen hat sich VOXUS IMP mit einer Mischung aus Dark Ambient, ritueller sowie experimenteller Musik eine ganz eigene Nische im Musikgeschäft geschaffen und konnte auch schon live vollends überzeugen. Bereits vor drei Jahren spielte VOXUS IMP bereits einmal auf dem WGT. Damals mit Unterstützung von Henryk Vogel von DARKWOOD an den Trommeln. Dieses Jahr gab es ebenfalls Hilfe, und zwar von keinem geringeren als Markus Wolf von der Kultband WALDTEUFEL. Das Konzert fing relativ ruhig an und wurde dann mit der Zeit immer stärker und gewaltiger mit einigen Feuershoweffekten. Besonders bemerkenswert fand ich die Präsentationen in wohl altertümlichen, sehr ungewöhnlichen Sprachen. Dazu trommelte der namenlose Mastermind einen anderen Rhythmus als er sprach. Sehr genial. Das Konzert war sehr schön, auch wenn ich den VOXUS IMP-Klassiker „Opfergang“ vermisst habe.

AMODALI? AMODALI? Das sagt mir doch irgendwas. Und dann fiel es wie Schuppen von den Augen. Die Dame mit dem ungewöhnlichen Namen war Mitglied von SIXTH COMM und hat sich auch bei MOTHER DESTRUCTION einen Namen gemacht. Als AMODALI weilt sie bereits seit einigen Jahren auf elektronischen Solopfaden. Musikalisch war das Konzert sehr hypnotisch und treibend rituell. Aber dennoch stets rhythmisch und teilweise sehr technoid und Goa-lastig. Mit ihrem charismatischen Gesang schaffte sie eine eindrucksvolle Stimmung. Kurz vor Ende der Show versagte dann die Technik, aber AMODALI und ihre weibliche Unterstützung, die großteils auf dem Boden saß, improvisierten fast a capella mit Trommel und Stimme.

Letztes Konzert des Abends und auch das letzte Konzert des WGT 2008: Und es steht kein geringerer auf der Bühne als Genesis Breyer P-Orridge mit seiner Gefolgschaft von PSYCHIC TV aus England. Nach Neofolk, Ambient und Ritual-Electronics jetzt also allerfeinster Psychedelic Rock. Mit ihrem letzten Album „Hell is invisible… Heaven is her/e“ haben sie wohl eines der besten Alben des Genres hingelegt. Und ebenso präsentierte sich die Band auch gekonnt auf der Bühne. Die Kuppelhalle, die sich schon bei AMODALI gut gefüllt hatte, war jetzt richtig voll. Einen richtigen Anfang besaß das Konzert im Grunde nicht. P-Orridge kam irgendwann auf die Bühne, lief in der Gegend rum und begann dann a capella den STONEs Klassiker „Painted Black“ zu singen. Erst danach kamen die anderen auf die Bühne und PSYCHIC TV rockten los – und zwar gewaltig. Abgesehen von zwei bis drei ruhigen Stücken gab es Psycho-Rock’n’Roll mit Industrial-Einlagen. Die Songs waren allesamt sehr langgezogen und recht frei interpretiert. Immer wieder experimentierten die beiden Damen an den Gitarren und auch P-Orridge mit Flaschen und anderen Sachen auf ihren Instrumenten. Im Hintergrund liefen teilweise skurrile Videosequenzen ab und immer wieder der Spruch „Biology is not Destiny“. Das kann man bei P-Orridge ja wörtlich nehmen, ist er doch nach diversen Operationen vollständig zur Frau umgewandelt. Das präsentierte er auch dem Publikum, indem er seine neue, durchaus beachtliche Oberweite offen legte. Eine Show, der an nichts fehlte… und die nicht zu enden schien. Mit zwei Zugaben kamen PSYCHIC TV auf fast zwei Stunden Spielzeit und P-Orridge meinte noch zum Publikum: „It’s the fourth day of this festival? It’s the last concert of today? And you still standing?“ Yes, Sir … ähm Miss! Ein krönender Abschluss eines wieder mal sehr gelungenen WGTs.

Reflektiert man das diesjährige Festival schon mal in einem Satz, muss man zumindest für den Bereich Neofolk, Industrial und Co. sagen, das es Treffen der alten Generation war, sehr gut.

Anschließend gab es in der „Kantine“ des Volkspalastes noch eine Disko und kurz vor vier Uhr sind wir noch obligatorisch zur Abschlussfeier in die Moritzbastei gefahren. Aber zu groß war wohl der musikalische Kontrast mit Elektro-Pop und Co., der dort lief. Und außerdem war es ja schon der vierte Tag und das letzte Konzert auch schon vorbei und ewig kann man auch nicht stehen. Was bleibt ist die Erinnerung und die freudige Erwartung auf das Wave Gotik Treffen 2009…

Copyright Fotos: Kai-Uve Altermann

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