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PSYCLON NINE

Ort: Hannover - S.O.M.A. Music Club

Datum: 17.05.2007

Stell dir vor, es ist Vatertag und alle wollen elektronische Musik hören! Zumindest in und um Hannover, wo es an diesem Abend zu einer wahrlich kuriosen Konzertsituation kam. Und das geschah so: Die Amis von PSYCLON NINE, die unlängst das Orkus-Titelblatt zierten, wollten auf ihrer Europareise den S.O.M.A.-Music Club beehren, so weit nichts Besonderes. Doch es begab sich, dass die vielleicht kommerziell „etwas erfolgreicheren“ VNV NATION einen Zusatzgig justament an diesem Abend ebenfalls in Niedersachsens Landeshauptstadt fixierten, noch dazu im SELBEN Gebäudekomplex – Tür an Tür! Als für alle Seiten beste Lösung legte man ganz einfach den PN-Gig auf 18 30 Uhr und setzte noch den Eintrittspreis für Besitzer von VNV-Karten auf läppische 2 Euro fest, ansonsten genauso läppische 4 Euro.

Kurz vor 18 Uhr erreichten wir Hannover-Linden und während wir uns genauso wie einige Musiker mit Dönern von der gegenüber liegenden Straßenseite sättigten, näherten sich die ersten Cybergestalten dem Gebäudekomplex am „Schwarzen Bären“ (eigentlich ja ein passender Name für eine Gruftie Location…). Es sollte jedoch noch etwas dauern, bis sich die Türen des kleinen aber feinen Clubs öffneten und weitere Zeit verstrich, bis das durchgeknallte Quintett aus US of A schließlich die kleine Bühne enterte. Die Gefahr einer Überlappung mit dem nachbarschaftlichen Opener (in dem Falle MODULATE) war also durchaus gegeben, als PSYCLON NINE gegen 19 Uhr durchstarten, vor vielleicht 70 erwartungsfrohen Anwesenden. Mit den bislang veröffentlichten 3 Alben („Divine Infekt“, „INRI“ sowie dem aktuellen „Crwn Thy Frnicatr“) konnte sich die Truppe um „Nero Bellum“ – ehemals Marshall Carnage – einen guten Namen in der Harsh Electro Szene erspielen, wenngleich man mittlerweile durch den Einsatz von Drums und Saiteninstrumenten auch eine heftige Extrem Metal Schlagseite besitzt. Insbesondere die aggressiv-chaotischen Live Shows prägen das Image der Herren und auch heute sollten wir diesbezüglich wieder einiges geboten bekommen. Fast schien es so, als ob sich 5 „Bastard-Inkarnationen“ von MARILYN MANSON an ihre jeweiligen Instrumente trollten: Abbey Nex (angeblich zum letzten Male) an den Drums, Dr. Sevin (Synthies), die beiden Gitarristen/ Tastenklimperer Rotny und der alteingesessene Josef Heresy sowie natürlich Frontpsycho Nero mit nacktem Oberkörper, der seine unzähligen Tätowierungen preisgab. Insbesondere der Nietzsche-Schriftzug „Übermensch“ ist doch nicht gerade alltäglich. Nicht mehr im Line Up befindet sich Herr Gottesman, der aber noch hin und wieder als Gast auftritt, wie man dem Blog der Band entnehmen kann.

Und so nahm das „Unheil“ seinen Lauf, nach dem ersten Titel (oder auch Inferno, wenn man es so nennen mag) fiel gleich mal die Technik aus und Bellum verließ wutentbrannt ohne jeden Kommentar die Stage, derweil die anderen etwas verdutzt aus der Wäsche schauten. So entgingen sie immerhin den tätlichen Angriffen ihres Leaders, auch das habe ich schon live miterlebt. Mit der kurzen Entschuldigung, dass man nur 10 Volt mehr brauche und es bald weiterginge, kam es zu einer kleineren Pause, die mit allerlei Alkoholika überbrückt wurde. Dann aber starteten PSYCLON NINE mit 2 Brechern ihres Debüts, namentlich „Clinik“ und „Resurrekt“, wieder voll durch und es kam zu keinen weiteren nennenswerten Problemen. Sieht man davon ab, dass Nero den guten Josef mit seinem Mikrophonkabel „würgte“ und auch sonst in den abenteuerlichsten Positionen shoutete, was der Verzerrer hergab. Lediglich auf die avisierte Klettereinlage verzichtete er, nachdem er den doch nicht so sattelfesten Bühnenaufbau inspiziert hatte. Hin und wieder griffen Rotny und Josef zu den Gitarren und posten dabei wild entschlossen, was zusammen mit dem blutverschmierten Outfit schon recht eindrucksvoll aussah. Unter den Gästen übrigens auch 2 Herren von HEAD-LESS sowie Mark Jackson und Marco (Livekeyboarder von VNV), die sich sehr interessiert zeigten. Schön, dass in diesem Genre viele Musiker auch Fans geblieben sind. Nach einigen weiteren Tracks, natürlich auch von „CTF“ („Flesh Harvest“, „Visceral Holocaust“), wechselten wir schließlich die Location, um der Konkurrenz bei ihrem Treiben zuzuschauen. Klar war jedoch, dass sich jede Minute der frühen Anreise gelohnt hatte und dass PSYCLON NINE das Potenzial besitzen, zu den ganz Großen im Electro Segment zu gehören. Wenn sie sich denn nicht vorher selbst zerstören…

Setlist
Intro
Better than Suicide
Resurrekt
Clinik
Hymn to the Angel’s Descent
Harlot
Flesh Harvest
Anaesthetic (For the Pathetic)
Behind a serrated Grin
Visceral Holocaust
Divine Infekt
Parasitic

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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