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REA GARVEY

Ort: Bochum - Zeltfestival Ruhr am Kemnader See

Datum: 18.08.2012

Spätestens seit der halbwegs brauchbaren Casting Show „Voice of Germany“ ist REA GARVEY in die Riege der A-Promis aufgestiegen. Der irisch-stämmige Sänger und Fronter der verblichenen REAMONN gehört zu den sympathischen Künstlern des Mainstream Rocks, der ein gerüttelt Maß an Authentizität versprüht, von daher machten wir uns mit einer gewissen Vorfreude im Gepäck auf nach Bochum zum sogenannten Zeltfestival Ruhr. Dieses mehrwöchige Event mixt Kultur, Kunst, Shopping und Küche zu einem Rundumsorglos-Paket für den hippen Großstädter mit Geschmack. Da gibt es beispielsweise den Markt der Möglichkeiten, auf dem viele kleine Stände mit exklusivem Tand locken, alles biologisch abbaubar natürlich. Dazu eine ausgiebige Fressmeile mit breit gefächertem Angebot, das wir dann auch zu nutzen wussten. Viel wichtiger an diesem Tag natürlich das Getränke-Angebot, die Temperaturen hatten sich nämlich weit jenseits der 30 Grad eingepegelt. Und ausgerechnet bei so einer schweißtreibenden Hitze fand das Konzert indoor, im Sparkassenzelt statt, wie auch Rea nachher süffisant bemerkte. Andererseits hätte das Ganze Open Air nicht weniger „anstrengend“ sein können. Nachdem an diesem Samstag bereits ASHLEY HICKLIN und die ostdeutsche Institution SILLY (mit Frontröhre Anna Loos) ihr Bestes gegeben hatten, ging es nun also kurz nach 19 Uhr hinein ins Vergnügen, ohne Vorgruppe, was sicherlich nicht das Schlechteste war unter den Umständen.

Die Bühne war nicht übermäßig aufregend aber zweckdienlich eingerichtet. Die 3 Buchstaben „R“, „E“ und „A“ plus ein bisschen Zierde im Hintergrund, dazu 2 LED-Bildschirme an den Seiten, damit auch das rückwärtige Publikum im bestuhlten Bereich auf seine Kosten kommen konnte. Hier allerdings ein kleiner Kritikpunkt: Der Bediener verfügt wohl über eine künstlerische Ader, ansonsten kann man sich die vielen eher nervigen Verfremdungseffekte kaum erklären. Nun wir standen recht weit vorne und hatten einen guten Blick auf Herrn Garvey und seine 5-köpfige Band darunter seine jüngere Schwester Margarita (im Gothic-Look) als Background-Sängerin. Schon früh wurde der überaus gelungene Hit und Titeltrack seines bis dato einzigen Soloalbums „Can’t stand the silence“ verbraten, wie wir später wissen sollten, nicht zum letzten Mal. Der Sänger glänzte neben seiner bescheidenen Art und der erwartungsgemäß guten Stimme auch mit interessanten Ansagen, die im Gegensatz zur Konkurrenz auch nicht steif bzw. einstudiert wirkten. So erzählte er zu der JAM & SPOON-Kollabo „Be angeled“ von einer kuriosen Begebenheit in Estland, wo er die beiden RIGHT SAID FRED-Glatzköpfe zunächst für gefährliche Skins gehalten hatte. Oder er erklärte süffisant, dass er einen Tag zuvor 10-jährigen Jahrestag mit seiner Frau gehabt hätte, er darauf allerdings erst von seiner Schwiegermutter aufmerksam gemacht worden wäre. Männer halt. Allerdings habe Josephine den Tag ebenso verschlafen. So musizierte sich die Combo musikalisch sauber durch sämtliche Tracks des Soloalbums, aber auch der REAMONN-Klassiker „Through the Eyes of a Child“ fand seinen Weg in die Setlist und wurde nicht nur vom anwesenden Fanclub lautstark bejubelt. Die Stimmung konnte trotz der hitzigen Umstände kaum besser sein, wobei das Gros der Anwesenden eher weiblichen Geschlechts war, auch keine große Überraschung. Den Abschluss des regulären Sets bildete dann das passend betitelte „End of the show“, bevor es nach einer guten Stunde und einer rockigen Instrumental-Session in eine kurze Pause ging. Es folgte als erste Zugabe das irische Volkslied „Danny Boy“, von Ray a capella vorgetragen, bevor er schlussendlich in die Zielgerade einbog und mit einer Reprise von „Can’t stand the silence“ noch einmal für großes Kino sorgte.

Ein stimmungsvoller und gelungener Auftritt, wobei die meisten Anwesenden wohl dennoch glücklich waren, dass sie in die mittlerweile doch etwas kühlere Abendluft entlassen wurden, um sich in irgendeiner Art und Weise trocken zu legen. REA GARVEY dürfte auch in Zukunft mit seiner unprätentiösen Art und seinem charmanten 3/4-Deutsch in der einheimischen (Pop) Rock-Szene zu den Schwergewichten gehören und das Zeltfestival-Ruhr freut sich auf weitere Auftritte von beispielsweise MAX HERRE, BUSH oder SUNRISE AVENUE. Das aber sind andere Geschichten…

Setlist
Iron Intro
Can’t stand the silence
Sorry days
Colour me in
Heart of an enemy
I am
Through the eyes of a child
Be angeled
Hole in my heart
How I used to be
Save a life
End of the show

Danny Boy
Take your best shot
My child
Can’t stand the silence

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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