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REA GARVEY – NERINA PALLOT

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 15.03.2012

Spontan muss man sein. Und so begab es sich, dass ich mich relativ unerwartet an diesem frühlingshaften Donnerstag im ausverkauften Bielefelder Ringlokschuppen einfand, um REA GARVEY bei seinem Solounternehmen einen Besuch abzustatten. Wie zu erwarten bestand das Publikum an diesem Abend hauptsächlich aus Frauen jenseits der 35, zumeist in Kleingruppen, vereinzelt auch mit Partner. Nachdem mir unsere Praktikantin an diesem Tag schon bewusst gemacht hatte, dass ich alt bin, hatte ich also hier die Gelegenheit, nochmal als junger Hüpfer durchzugehen. Ach ja, und auf „The Voice Of Germany“ und REAs Juryteilnahme werde ich zu gegebenem Zeitpunkt noch ausführlich eingehen.

Los ging es aber zunächst relativ pünktlich mit der Britin NERINA PALLOT, ihres Zeichens Vocal Coach in Mr. Garveys Team bei TVoG. Was aber viele vermutlich nicht wussten, mich eingeschlossen, dass die Dame auf eine nicht unbeachtliche Karriere zurückblicken kann und auch schon das ein oder andere ihrer Alben in den UK-Charts platzieren konnte. Gestartet wurde allerdings mit einer Cover Version des KYLIE MINOGUE-Songs „Better than today“, der seiner Elektronik beraubt und nur mit Gitarre dargeboten seinen ganz eigenen Charme entwickelte. Weiter ging es mit „Everybody´s gone to war“ und einem wirklich guten Text, über den man mal in Ruhe nachdenken kann. „Idaho“ erinnerte mich dann ziemlich stark an TORI AMOS, was noch mehr heraussticht, wenn man sich mal in NERINA PALLOTs Alben einhört. Was vielleicht der ein oder andere Konzertbesucher im Anschluss gemacht haben könnte, denn es gab nach jedem Titel kräftigen Applaus, der mehr als Höflichkeit war. Um ein bisschen Zeit zu überbrücken, schwärmte uns Nerina daraufhin vor, wie schön Bielefeld doch wäre, dass sie im Teutoburger Wald ein bisschen spazieren gegangen sei und dann noch entdeckt habe, dass Bielefeld die Heimatstadt von Dr. Oetker ist und sie deren Pizzen so gerne mag. Das übliche also. Zum Abschluss folgte mit „Crazy in Love“ noch eine weitere Cover Version und ein „Freut ihr euch auf REA GARVEY?“. Den lauten Jubel quittierte sie mit einem „My job here is done“ und dem letzten Song „Put your hands up“. Eine wirklich sympathische und fähige Sängerin hat sich REA für seine Solo Tour hier mit ins Boot geholt.

Setlist NERINA PALLOT
Better than today (Kylie Minogue Cover)
Everybody´s gone to war
Idaho
Sophia
Crazy in love (Beyonce Cover)
Put your hands up

Nach einer ziemlich kurzen Umbaupause sollte sich dann aber alles um den Hauptact des heutigen Abends drehen, für den die Zuschauer ja eigentlich angereist waren. Los ging es mit einem kurzen Intro und direkt im Anschluss „Can´t stand the silence“ vom gleichnamigen Album. Zusammen mit einer recht netten Lightshow wurde es elektronisch, was ich so nicht erwartet hatte. Gefiel mir aber ganz gut. „Sorry days“ wurde dann direkt hinterher gejagt, bevor das Publikum begrüßt wurde und REA (nicht zum letzten Mal an diesem Abend) ins Plaudern geriet. So freute er sich, dass so viele Leute für ihn gekommen waren und erzählte ein Anekdötchen von einem früheren Auftritt in Bielefeld. Dann gab es aber zunächst die Single „Colour me in“ auf die Ohren, zu der die Zuschauer noch ein bisschen mehr abgingen. Und auch erste Ohnmachten konnten an dieser Stelle gemeldet werden. An dieser Stelle entschuldigte er sich, dass er leider nur ein Album habe, um dann abzuschweifen und von einem Freund zu erzählen, bei dem er manchmal übernachte und dem er den nächsten Titel „Heart of an enemy“ gewidmet habe. Inzwischen wusste man nicht mehr, ob man auf einem Konzert oder beim Poetry Slam ist, da Mr. GARVEY anstatt zu singen schon wieder erzählte. Ohne das jetzt falsch zu verstehen, ich find den Mann sehr sympathisch und höre ihm auch gerne zu, wenn er redet. Auf jeden Fall berichtete er an dieser Stelle (aus gutem Grund) über seine Zeit bei „The Voice Of Germany“, natürlich mit einem Seitenhieb auf Dieter Bohlen und DSDS, und kündigte dann einen ganz besonderen Gast an. MICHAEL SCHULTE, Drittplatzierter bei TVoG, durfte nun zusammen mit ihm „Feeling Good“ von MICHAEL BUBLÉ singen, was ausgesprochen gut gefiel, und seine eigene Single „Carry me home präsentieren. Mangels Fernseher und Interesse habe ich die Sendung nie gesehen, aber wenn der Drittplatzierte schon so gut klingt, sollte ich mal rausfinden, wer gewonnen hat. MICHAEL SCHULTE jedenfalls war überwältigt und mir gefiel es, dass die Arbeit mit den Kandidaten der Sendung so nett fortgesetzt wurde. So ganz ohne REAMONN geht es bei Herrn Garvey aber anscheinend doch nicht und so gab es im Anschluss an das kleine Intermezzo „Eyes of a child“ zu hören, nur um danach mit „Be Angeled“ ein noch älteres Stück und Kollaboration mit JAM & SPOON auszugraben. Wobei noch zu erwähnen ist, dass Mark Spoon im Jahre 2006 verstorben ist. Danach gab es erst mal wieder eine „Spoken Word“-Einlage, in welcher der Musiker von seiner Jugend als Punk in den 80ern erzählte. Auffällig ist, dass der Herr verdammt viel flucht und mit Vorliebe das F-Wort benutzt. Aber nun gut, waren ja alles Erwachsene und selbst wenn nicht, hätte das wohl keinen mehr verdorben. Danach wurde es mit „Hole in my heart“ und „How I used to be“ erst mal etwas ruhiger, was komischerweise zu einer Massenflucht der wenigen männlichen Zuschauer in Richtung Raucherbereich oder Bar führte.

Und auch mich und meinen mitgereisten Fotografen hielt es nicht mehr auf unseren Plätzen. Der Fotograf noch müde vom THE SUBWAYS-Konzert vom Vortag und ich vom ungewohnt ruhigen Arbeitstag, machten uns an dieser Stelle auf den Heimweg. Dennoch hatten wir ein bis dahin unterhaltsames Konzert mit einem sympathischen Protagonisten gesehen. Er kann es also auch alleine.

Setlist REA GARVEY (ohne Gewähr)
Intro
Can´t stand the silence
Sorry days
Colour me in
Heart of an enemy
Feeling good (mit MICHAEL SCHULTE)
Carry me home (MICHAEL SCHULTE)
Through the eyes of a child
Be Angeled
Hole in my heart
How I used to be
Save a life
End of the show

Take your best shot
My child
Can´t stand the silence

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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