Konzert Filter

REAMONN – SJ MCARDLE – VANVELZEN

Ort: Bielefeld - Stadthalle

Datum: 10.02.2009

Irgendwie begann der Abend nicht ganz so prickelnd. Draußen schneite es mal wieder, die Straßen waren bevölkert von Menschen, die nicht Auto fahren konnten und es war zu erwarten, dass es voll werden würde, war die Stadthalle doch immerhin fast ausverkauft. Nach Erledigung der Formalitäten machten wir uns auf den Weg in den Saal und bis hierhin war alles noch recht übersichtlich, so dass wir uns sogar bis kurz vor die Bühne wagten. Aber da war es auch erst kurz nach sieben. Und so nach und nach trudelten dann auch die anderen Besucher ein und es wurde voller und voller und voller…Wo kamen bloß all diese Menschen her? Als dann auch noch die Türen geschlossen wurden, veranlasste uns dies zu einem Standortwechsel und wir zogen uns weiter nach hinten zurück, wo wir auch noch ein freies Plätzchen ergattern konnten, ohne erdrückt zu werden. Nun konnte die Show beginnen und die Stimmung steigerte sich zusehends.

Den Anfang machte heute VANVELZEN, der mit Vornamen Roel heißt und aus den Niederlanden stammt. Durch vorherige Recherche war ich vorbereitet, aber so manch einen dürfte der „nur“ 1,50 große Holländer mächtig erstaunt haben. Auf jeden Fall ging er gleich von Anfang an in die Vollen und konnte sofort mit seiner Stimme und seiner Agilität überzeugen. So gab es dann zwischendurch auch eine lustige Anekdote zu hören, in dem der Ausdruck „Kulturbeutel“ eine wichtige Rolle spielte oder er unterhielt das Publikum mit einem kleinen Abstecher zu „Verdammt ich lieb dich“ von MATTHIAS REIM. Neben seiner neuen Single „Burn“ präsentierte er noch einige andere Stücke seines Debütalbums „Unwind“ und natürlich durfte „Baby get higher“, 2007 immerhin die meist gespielte Single im niederländischen Radio, nicht fehlen. Auf jeden Fall verging die halbe Stunde Spielzeit wie im Fluge und man fühlte sich bestens unterhalten.

Kaum war das Licht für VANVELZEN erloschen, gingen die Spots auch schon wieder an, um auf dem Steg, der in die Halle ragte, SJ MCARDLE zu präsentieren. Der gebürtige Ire (wollte Herr Garvey sich da wohl ein bisschen Heimat nach Deutschland holen?) macht netten Singer/ Songwriter Pop, teilweise etwas folkig angehaucht, welcher sicher in einem kleinen Pub besser zur Geltung kommt als in dieser riesigen Halle. Dennoch passte er, genau wie sein Vorgänger, sehr gut in das musikalische Programm des Abends und startete auch gleich mit „Turn the world“ welches er auf Platte eigentlich zusammen mit Rea Garvey performt. Da hätte sich ein Duett geradezu angeboten, doch der Herr ließ sich (noch) nicht blicken. Weiter ging es mit einer sehr schönen Coverversion des ANNIE LENNOX Klassikers „Why“, welche mich sehr an die von KEITH CAPUTO erinnerte. Unterstützt wurde er dabei von James an den Drums und Tom am Bass. Dann gab es unter anderem noch „Personal Space“ und „At the same time“ auf die Ohren, bevor auch dieser Gig wieder Geschichte war.

Nach dieser stilvollen „Pausenmusik“ konnte es dann kurz nach 21 Uhr mit dem heiß ersehnten Haupt Act des Abends weitergehen. REAMONN haben mit ihrem aktuellen, selbstbetitelten Studiowerk wieder eine sehr ordentliche Scheibe im Gepäck und legten dementsprechend nach einem pompösen Intro gleich mit dem entsprechenden Opener „Faith“ los. Schon jetzt konnte die Bühnenpräsentation beeindrucken: Immer wieder andersartig strahlende Lichtelemente von der Decke in Verbindung mit einem riesigen LCD-Backdrop sorgten bei jedem Titel für die entsprechende Stimmung. Dazu war der Sound – wie eigentlich den ganzen Abend über – perfekt ausbalanciert. Nach „Set of Keys“ brachte der erste Klassiker „Josephine“ das ostwestfälische Publikum so richtig in Wallung. Rea Garvey gab sich stimmlich überhaupt keine Blöße und zudem einen mal einfühlsamen mal aufpeitschenden Entertainer. Standards wie „Are you with me Bielefeld“ sind nicht gerade wahnsinnig innovativ, verfehlten aber ihre Wirkung nicht, zumal hier und da auch mal eine interessante Geschichte eingestreut wurde. Das alles mit einer deutschen Aussprache, die mich beizeiten an den Schlagerbarden HOWARD CARPENDALE erinnerte. „Aeroplane“ und die erfolgreiche Single „Through the Eyes of a Child” (Mitklatschalarm!) grasten weiter das neue Album ab, immer wieder wurden aber auch bekannte Hits wie “Star” eingestreut, so dass Langeweile erst gar nicht aufkommen konnte. Zu „Broken Stone“ gab es eine längere Einleitung, die – wie auch Garvey selbst zugeben musste – irgendwie etwas nebulös blieb. Jedenfalls ging es um die Frauen in den 60ern, mit ihren Petticoats und den Sturmfrisuren, die alle irgendwie gleich groß gewesen wären. Bis man(n) sie dann am Abend näher in Augenschein nehmen konnte. Gegen kleine erotische Bonmots hat der stimmgewaltige Beau offensichtlich nichts einzuwenden… Eine dieser Damen aber saß gleichsam weinend wie einsam im Abseits, was irgendwie in Verbindung mit dem „zerbrochenen Stein“ stand. Aber egal, entscheidend ist schließlich der Unterhaltungsfaktor.

Es folgte ein etwas längerer „Akustikblock“, bei dem die Musiker vorne auf dem Steg agierten und auch ein Akkordeon zum Einsatz kam. „If I go“, ein Titel der Debütscheibe wurde abgelöst von einer irischen Ballade („The Island“ von PAUL BRADY), die in Reas Heimat gerne von Liebenden auf Feld, Wald und Wiesen gehört wurde bzw. wird. Der Herr scheint da durchaus auch einiges an Erfahrung zu besitzen diesbezüglich. Danach wechselte Basser Philipp an den großen Flügel und interpretierte in einer ebenso überlebensgroßen Performance den Welthit „Somewhere over the Rainbow“, zu jeder Zeit ein Symbol der Hoffnung in einer lichtlosen Welt. Dies führte schließlich zur Darbietung des COLDPLAY-Songs „Clocks“, die stimmlich nicht ganz das Original erreichen konnte. Nichtsdestotrotz wurde nun aber wieder gerockt, was nach der sehr gefühlvollen Mittel-Phase den erhofften Kontrast setzen konnte. „Open Skies“, die neue Single „Million Miles“, das herrlich groovende „Moments like this“: Allesamt mitreißend und von wunderschönen Projektionen begleitet. Teils waren die Aktionen der Musiker im selben Moment wieder live auf dem LCD Display zu sehen, recht beeindruckend das Ganze. RG berichtete dann noch, dass der Vortag ein „Scheiss-Tag“ gewesen sei und dass nachts in seinem Hotelzimmer die Badezimmerdecke hernieder gegangen sei (auch auf Zuruf verriet er den Namen des Etablissements nicht) – dieser letzte deutsche Gig der Tour aber nun für alles entschädigen würde. Einigen der überproportional angetretenen Frauen wird bei derlei Schilderungen sicher recht warm ums Herz geworden sein. Mit „Serpentine“ und dem sehr passend betitelten „It’s over now“ endete dann aber auch der ausgedehnte Hauptteil, wobei natürlich das allseits bekannte „Supergirl“ in der Verlängerung noch zum Zuge kam.

Ein perfekter Abend zwischen Rock und Emotion, zwischen Perfektion und Menschlichkeit. Zumindest, wenn man nicht gerade beinharter Schwarz Metaller ist. Ansonsten konnte man Pärchen aller Altersklassen verträumte Blicke austauschen sehen… und nicht nur das. Die Musik von REAMONN bietet musikalischen Konsens in Perfektion, ohne allzu sehr in Beliebigkeit zu verfallen, dafür hat sich die Truppe Respekt verdient. Zum Abschluss noch 2 kurze Bemerkungen am Rande. Leider können wir nicht mit Fotobeweisen des Abends dienen, von wegen: „Lieberberg Konzert = No Onliner in the Fotograben please!“ Und außerdem möchte ich kurz einen Vergleich zu der PETER HEPPNER Gastspielreise ziehen. Dort waren die Ticketpreise sogar etwas höher angesetzt, und das ohne jegliche Vorband und mit einem Bühnen-Equipment, das man lieber erst gar nicht vergleichen sollte. Da verwundern Aussagen über „hohe Produktionskosten“ schon ein wenig. Unabhängig davon verließen wir innerlich aufgewärmt die Stadthalle zu Bielefeld am späten Abend, um wieder in die eiskalte Realität zurückzukehren… Gerne wieder!

Setlist REAMONN (ohne Gewähr)
Faith
Set of keys
Josephine
Through the Eyes of a Child
Aeroplane
Star
Broken Stone
Tonight
If I go
The Island
Somewhere over the Rainbow (Instrumental)
Clocks
Open Skies
Free like a Bird
Million Miles
Swim
Moments like this
Serpentine
It’s over now

Serenade me
Supergirl
Goodbyes

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu REAMONN auf terrorverlag.com

Mehr zu SJ MCARDLE auf terrorverlag.com

Mehr zu VANVELZEN auf terrorverlag.com