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RED HOT CHILI PEPPERS – FEMI KUTI & THE POSITIVE FORCE

Ort: Hamburg - o2World Arena

Datum: 09.10.2011

Lange hatten die Fans auf ein Lebenszeichen der Kalifornier warten müssen. Ganze fünf Jahre haben sich Anthony Kiedies und Kollegen nach „Stadium Arcadium“ Zeit gelassen, bevor sie im August ihr zehntes Studio-Album „I’m With You“ in die Plattenläden gebracht haben. Eine exklusive Live-Präsentation der neuen Songs fand wenig später im Kölner E-Werk statt, ehe die RED HOT CHILI PEPPERS jetzt auf großer Stadion-Tour neue und alte Stücke zum Besten geben. Dass dies mit ein wenig mehr Aufwand vonstatten geht, ließen in Hamburg die neun Trucks vor der Arena vermuten, die ganz offenkundig die Bühnentechnik transportierten und auch die Größe und Anzahl der diversen Mischpulte im hinteren Bereich der Halle zeugte davon, dass den rund 15.000 Zuschauer in dem ganz ausverkauften Venue einiges für Auge und Ohr geboten werden sollte.

Der Umstand, dass auch gleich mehrere Nightliner im Backstage-Bereich parkten, war hingegen dem Umstand geschuldet, dass allein der Support FEMI KUTI mit einer 13-köpfigen Mannschaft angerückt war. Neben den Jungs an Keys, Drums, Percussions und Saiteninstrumenten, war noch eine fünf Mann starke Bläserfraktion aufgelaufen – allesamt in farbenfrohen gelb-roten Klamotten gekleidet. Außerdem komplettierten drei Tänzerinnen, die sich gelegentlich auch aus Backgroundsängerinnen betätigten, in ihren knappen Outfits die Truppe. Musikalisch gab’s von FEMI KUTI, der wie seine POSITIVE FORCE in Nigeria zuhause ist und von RHCP-Bassist Flea höchstpersönlich angekündigt wurde, afrikanisch inspiriertes Liedgut auf die Ohren. Die Afro-Beats fanden dann auch die Zustimmung des Auditoriums und wurden mit freundlichem Applaus bedacht. Gleiches galt für die mehrstimmigen Gesänge, bläserschwangere Weltmusik-Tracks und natürlich die optischen Reize der drei bewegungsfreudigen Damen. Selbige hätten gut und gerne auch Teil des südamerikanischen Karnevals sein können und auch die Mucke klang gelegentlich durchaus nach blitzschnellen Latino-Sounds. Die kühlen Nordlichter ließen sich von so viel Rhythmus gern anstecken und auch jazzige Einsprengsel wurden wohlwollend aufgenommen. Beim letzten Track griff Femi schließlich zum Saxofon und durfte zudem einen Gast auf der Stage begrüßen. Für diese etwas ruhigere Nummer war nämlich Flea mit seinem Stahlsaiter zur Stelle und gemeinsam wurde noch einmal gejamt, um am Ende doch recht sang- und klanglos nach 45 Minuten im Off zu verschwinden.

Nun galt es das Feld für den Hauptact des Abends zu bereiten und da hier einiges aufgefahren wurde, mussten sich die Hamburger noch bis 21.20 Uhr gedulden, um dann die RED HOT CHILI PEPPERS lautstark begrüßen zu können. Unter Lichtgewittern starteten die zwei Gründungsmitglieder Anthony Kidies (Gesang) und Michael „Flea“ Balzary (Bass), sowie Chad Smith (Schlagzeug) und Neuzugang Josh Klinghoffer, der im letzten Jahr John Frusciante am Sechssaiter beerbt hat, mit dem Opener ihres jüngsten bereits platinveredelten Babys. „Monarchy of Roses“ entpuppte sich als Song, zu dem es vor und auf der Stage schnell in die Vollen ging, während auf der riesigen Leinwand im Hintergrund üppig dimensionierte Farbflächen zu sehen waren. Derweil senkte sich beim Klassiker „Can’t Stop“ vom 2003er „By The Way“ ufogleich eine mehrteilige 360°-Leinwand herab und produzierte Schwarz-Weiß-Bilder vom Bühengeschehen, die beim folgenden „Tell Me“ (auf „Stadium Arcadium“ erschienen) um drei weitere Monitore im Background ergänzt wurden. Dazu gab’s natürlich auch jede Menge Lichteffekte und die Songs taten ein Übriges, um die Fans bei bester Laune zu halten. So wurde nicht nur „Scar Tissue“ („Californication“ – 1999) mit Begeisterung aufgenommen, auch neuer Stuff wie das temporeiche „Look Around“ wusste zu gefallen. Während die Optik immer mal wieder wechselte, weil Leinwände neu positioniert wurden oder die gezeigten Bilder mal pop-artig, dann wieder real aufbereitet wurden, gefiel die Granate „Otherside“ einfach durch sich selbst. Keine Frage, dass der hochemotionale Kracher nicht nur tausendfach mitgesungen, sondern auch mit tosenden Ovationen bedacht wurde. Zwischenzeitlich hatte sich Anthony auch schon seines Shirts entledigt und sang im weißen Unterhemd (das allerdings später auch noch fallen sollte), während der Kollege Flea gleich mit blankem Oberkörper auf die Stage gekommen war. Mit ihren knapp 49 Jahren haben sich die beiden durchaus ordentlich gehalten, aber: bitte lieber Anthony! Mach den fiesen Schnauzbart wieder weg! Nun ja, wir waren ja nicht wegen der Schenkelbürste von Herrn Kidies vor Ort und ließen uns deshalb mit dem druckvollen „Ethiopia“ ebenso den Abend versüßen wie mit dem gleichermaßen treibenden wie coolen „Parallel Universe“, bei dem grelle Stroboskoplichter durch die Arena zuckten und die großen Monitore zum Teil unter einer Art Jalousie verschwanden. Ein ähnliches Bühnenbild gab’s auch bei „The Adventures of Rain Dance Maggie“ zu bestaunen, bei dem riesige Vögelschwärme über die Video-Walls schwirrten. „Me & My Friends“ vom 14 Jahre alten „The Uplift Mofo Party Plan”-Longplayer kam als funkiges Sound-Inferno daher und fand auch in der optischen Untermalung seine Entsprechung, ehe mit „Under The Bidge” ein weiterer Gänsehaut-Höhepunkt auf dem Programm stand. 1992 auf „Blood Sugar Sex Magik“ (den Titelrack gab’s gleich im Anschluss) veröffentlicht, zählt der Song zu den größten Hits der seit 28 Jahren agierenden Band und wurde auch in der Hansestadt mit zahlreichen Handys und vereinzelten Feuerzeugen begleitet. Neben dem STEVIE-WONDER-Cover „Higher Ground“ vom „Mother’s Milk“ aus 1989 durfte keinesfalls „Californication“ vom mit 16,4 Millionen verkauften Einheiten bis dato erfolgreichsten RHCP-Silberling selbstverständlich nicht fehlen. Das „Ufo“ schickte dazu Aufnahmen von zahllosen Pillen und Tabletten, die „Glück, Schönheit und Jugend versprachen unters Volk, das zudem eine Band erleben durfte, die sich gerade ziemlich verausgabte, bevor mit „By The Way“ von der gleichnamigen 2002er-Langrille ein würdiger Abschluss des regulären Sets abgeliefert wurde. Die Nummer, die mit viel Schmackes und wahren Bild-Explosionen daherkam, war übrigens einem Mädel im weißen Shirt gewidmet, die auf mir unbekannte Weise die Aufmerksamkeit der Jungs on stage erregt hatte.

Während die allermeisten nach diesen energiegeladenen 80 Minuten klatschend auf den Zugabenblock warteten, zog ich es vor, schon die Heimreise anzutreten, bevor die große „Rückreisewelle“ zu rollen begann. Vor mir lagen noch 2 ½ Stunden Fahrtzeit und eine pralle Arbeitswoche, da galt es auch mal vernünftig zu sein, obwohl ich im Vorfeld schon auf einer Techniker-Setlist mit „Dani California“ und „Give It Away“ noch zwei weitere echte Leckerbissen entdeckt hatte. Aber das Leben ist weder Deckchen sticken noch Ponyhof und deshalb war für mich an dieser Stelle zumindest mit dem Live-Vortrag Schluss. Für den Rückweg hatte ich natürlich noch entsprechendes Dosenfutter in petto und ich muss sagen, dass die Tracks auf „I’m With You“ schon wie alte Bekannte klingen. Aus guten Grund zählen die RED HOT CHILI PEPPERS halt zu den erfolgreichsten Vertretern ihrer Zunft und haben auch in Hamburg wieder eine überzeugende Show abgeliefert, die neben allerlei technischen und visuellen Raffinessen insbesondere durch starke Musik einer spielfreudigen Truppe punktete.

Setlist RED HOT CHILI PEPPERS
Monarchy of Roses
Can’t Stop
Tell Me Baby
Scar Tissue
Look Around
Otherside
Ethiopia
Parallel Universe
The Adventures of Rain Dance Maggie
Me & My Friends
Under The Bridge
Blood Sugar Sex Magik
Higher Ground (STEVIE-WONDER-Cover)
Californication
By The Way

Encore (ohne Gewähr)
Chad & Mauro Jam
Dani California
Everybody Knows Zhere Is Nowhere (NEIL-YOUNG-Cover)
Give It Away
Final Jam

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