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RELOAD FESTIVAL 2011 – TAG 2

Ort: Sulingen - Mühlenkampsfeld

Datum: 02.07.2011

Bereits zum sechsten Mal sollte in diesem Jahr das RELOAD-Festival stattfinden, allerdings schon nach so kurzer Bestehenszeit an einem anderen Ort als bei den vorherigen Ausgaben. LIMP BIZKIT im Lineup sorgten dafür, dass man wohl 2011 mit einigen Besuchern mehr rechnen musste. Statt Twistringen hatten die Organisatoren das in der Nachbarschaft gelegene und nicht minder beschauliche Suligen ausgewählt. Zunächst sehr zu unserem Bedauern, denn das Festivalgelände an der alten Ziegelei in Twistringen konnte man schon als recht malerisch beschreiben: zwischen Bäumen, Seen und eben der stillgelegten Ziegelei gelegen, fand man in den letzten Jahren immer ein nettes Plätzchen im Schatten zum Ausruhen. Allerdings war es in diesem Jahr auch gar nicht nötig, ein Plätzchen im Schatten zu suchen, denn die Sonne liess sich an diesem ersten Juliwochenende so gut war gar nicht blicken. Ganz im Gegenteil, man hatte eher das Gefühl, direkt im Herbst gelandet zu sein. Aber die Widrigkeiten des deutschen Wetters gehören nun mal zum Open-Air- und Festival-Erlebnis dazu. Aufgrund gesundheitlicher Probleme (irgendwie scheint sich das durch die Festival-Besuche der Terrorverleger in diesem Sommer zu ziehen) entschlossen wir uns, erst am Samstag nach Niedersachsen zu reisen und den ersten Tag mit dem Headliner HATEBREED schweren Herzens ohne unsere Anwesenheit und einen entsprechenden Bericht verstreichen zu lassen.

Unser RELOAD 2011 startete am frühen Samstag-Abend mit 4LYN aus Hamburg. Wir kamen überpünktlich am Gelände an: wie letztes Jahr klappte die Akkreditierung vor Ort problemlos, aber anders als in Twistringen hatte man heute keine ellenlangen Wege vom Parkplatz zum Ort des Geschehens zurücklegen müssen. Vor der Stage hatten sich schon ein paar hundert Leute eingefunden, die für und mit den Nordlichtern 4LYN Stimmung machten. Offensichtlich auch bekannte Gesichter, „mitgereiste Fans“, wie Sänger Ron bemerkte. Dabei ging die Meute besonders bei den älteren Songs ab, auch das blieb den Jungs auf der Bühne nicht verborgen und sorgte für allgemeine Zustimmung in den Zuschauerreihen – Textsicherheit inbegriffen. Regelmäßig öffneten sich die Regenwolken, die eine einheitliche Fläche über dem Acker bildeten, aber im hohen Norden ist man ja Schietwetter gewohnt und Ron, Dennis (Gitarre), Björn „Deee“ (Bass) und Sascha sprühten nur so vor Energie und brachten die Crowd trotz Kälte, Wind und Regen ganz schön ins Schwitzen. Zwischendurch freute man sich noch gemeinsam über besonders gelungene Kostüme wie einen mexikanischen Wrestler, einen Skispringer und einen crowdsurfenden Eisbären. Nach 60 Minuten konnte man mit den Jungs noch am Merch-Stand quatschen, sich Autogramme holen und über die bald erscheinende neue CD fachsimpeln und gemeinsam der Tour im Herbst entgegenfiebern. Ein guter Einstieg in den Tag, denn 4LYN passen mit ihrem Nu-Metal inklusive Rapeinlagen doch ziemlich gut zum Sound von LIMP BIZKIT. Daumen hoch.

Dann lichteten sich die Reihen etwas, lag das am Regen, der nun doch in immer kürzeren Abständen auf alle Anwesenden herabprasselte? An THE BONES aus Schweden konnte es zumindest nicht liegen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher wenig von den vier Skandinaviern gehört und erst recht nichts gesehen hatte. Dabei gibt es die Band schon seit Mitte der 90er und sie standen bereits mit MOTÖRHEAD und auch den TOTEN HOSEN auf der Bühne. Echter Rock´n´Roll mit Punk-Attitude. Straight und ohne Schnick-Schnack den Leuten in die Gehörgänge gejagt. Vergleiche mit den großartigen BACKYARD BABIES müssen sich Beef Bonanza (Geang, Gitarre), Marcus „Boner“ Petersson (Gesang, Lead-Gitarre), Andi Nero (Bass) und Spooky Fred chlagzeug) wohl gefallen lassen, halten dem Vergleich aber stand und sind live eine echte Granate.

Setlist THE BONES (ohne Gewähr)
Sällskapsresan
Chrome, Smoke and Thunderroads
Hey Baby
Denial
Dog Almighty
Dead End Cruisin`
Screwed, Blued and Tattooed
(?)
Not a Lovesong
Flatline Fever
Punch you in the Face
Til I die
Specimen 32
Monsters prefer blondes
Sällskapsresan Repris

Nach einer kurzen Verschnaufpause und Aufwärmen am Kaffeestand, der – wen wunderts bei den Außenbedingungen – wesentlich besser frequentiert war als der Cocktail-Wagen, war es an der Zeit, in den Nino-Kosmos einzutauchen. ILL NIÑO, die Co-Headliner, enterten die Stage und sofort glich die Fläche vor der Bühne einem Hexenkessel, denn die Nu-Metaller um Sänger Cristian Machado legten mit einer unglaublichen Power los, das buchstäblich die Erde Sulingins bebte. Nu-Metal wurde in den letzten Jahren ja schon mehrfach zu Grabe getragen, aber die Resonanz heute im Publikum konnte die These nicht untermauern. Live sind Bands wie ILL NIÑO wohl keine Megaseller (mehr), aber Ausnahmen wie die später auftretenden LIMP BIZKIT und die gut ankommenden Live-Gigs sprechen da doch noch eine andere Sprache. Oder wächst einfach wieder neue Hörerschaft heran? Dieser Gedanke machte sich bei Betrachtung der Anwesenden breit: da stürzten sich grauhaarige Kuttenträger zusammen mit Basecaps bemützten Teens und Twens in den Moshpit. Eine Familienzusammenführung der etwas anderen Art. Und oben auf der Bühne wurden die Rastas geschwungen. Dabei gab Ex-Pro Pain-Drummer Dave Chavarri das ungeheure Tempo vor und seine Jungs Cristian, Daniel Couto (Percussion), Diego Verduzco (Gitarre), Ahrue Luster (Gitarre) und Lazaro Pina (Bass) zogen mit. Herausstechend bei ILL NIÑO sind die latein-amerikanischen Rhythmen und Einflüsse in den Songs, die die Band in gewisser Weise (zumindest für den europäischen Sektor) einzigartig macht. Aber letztlich spielten IN auch nur straighten Metal und das machten sie gut und boten mit Songs wie „God save us“, „I Am Loco“, „Te Amo“ und zum Schluß das großartige „Liar“ eine Art Best-of-Show. Allerdings war der eben besagte Hexenkessel dann eben doch nur ein Grüppchen direkt vor der Bühne. Viele verkrochen sich beim stärker werdenden Regen und aufkommenden Wind unter die Zeltplanen der Essensstände und waren auch mit guten Zurufen (oder waren es Beleidigungen?) Cristians nicht zu mehr Action zu bewegen.

Setlist ILL NIÑO (ohne Gewähr)
Resurrection
Still hate me
This is War
God save us
When it cuts
Gods for the dead
I Am Loco
Te Amo
Bleed Like You
Alibi Of Tyrants
Corazon of Mine
Lifeless Life
Comes Around
Drum Jam
How can I Live
Liar

Pünktlich zum Start des Sets von LIMP BIZKIT hörte der Regen plötzlich auf. Ob es aufklarte, konnte man nun nicht mehr sagen, dann es war schon nach 23:30 Uhr. Etwas später als erwartet, aber mit 10 Minuten noch im akademischen Viertel und demnach nicht zu rügen, begrüßten die US-Amerikaner die Crowd, starteten furios mit „Hot Dog“ und zwei Songs später bei „My Generation“ gab`s dann einen abrupten Verstärker-Ausfall. Ein paar Sekunden Totenstille, dann ging es aber auch schon weiter und diese kleine Panne sollte zum Glück die einzige während des Gigs bleiben. Ärgerlich und schade, dass die Fotographen nur jeweils einen Song für ihre Arbeit „bekamen“, aber Konzertfotografen sind ja Kummer gewohnt. Vor allem wenn die Bands einen gewissen Status bzw. Bekanntsheitsgrad erreicht haben. An Vorgaben der Combo um Fred Durst kann es aber nicht gelegen haben, denn die Jungs zeigten sich durchaus spielwütig und gut gelaunt, wie sich in den kommenden knapp 90 Minuten herausstellte. Fred Durst war immer wieder zu Scherzen aufgelegt und machte dabei auch vor seinem Bandkollegen Wes Borland nicht halt. Angeblich sei es gar nicht Wes, der unter der Verkleidung mit einer beleuchteten Taucherbrille stecke. So selbstverständlich war die gute Stimmung in der Band nun auch nicht, hatte man doch nach einigem Ärger und einer Trennung erst vor knapp zwei Jahren wieder tränenreich und geläutert zusammengefunden. Fred Durst, Wes Borland, Sam Rivers, John Otto und DJ Lethal waren wieder vereint. Aber nicht erwachsen, textlich bleibt alles beim Alten. Aber wer hier poetische Lyrik erwartet, ist auch falsch. Käppi auf, Spassmodus an und den Verstand ausschalten ist die Devise. In der Zwischenzeit hatten sich auf dem Gelände auch mehrere tausend Leute eingefunden, die ordentlich abfeierten. Gut, dass man ein größeres Gelände gefunden hatte und schön, dass es ein Festival der schon besagten kurze Wege war. So blieb doch alles noch recht überschaubar.

Von der Bühne wurden wir derweil mit Songs der wirklich brandneuen CD „Gold Cobra“ beschallt und erfreut. Wobei man ganz klar sagen muss, dass LIMP BIZKIT sich nicht neu erfunden haben. Nicht neu heisst aber ja auch nicht gleich schlecht. Die Freude und Stimmung wuchs natürlich deutlich beim alten Material wie „My Generation“, „Nookie“ oder „Take a look around“. Und mit einem dieser alten Knaller wurde der Abend auch beendet. Mit „Rollin´“ verabschiedeten sich LIMP BIZKIT aus der niedersächsischen Tiefebene und überliessen Sulingen wieder dem Regen und uns dem Heimweg.
Bleibt die Frage: mit welchen Hochkarätern überraschen uns die RELOAD-Organisatoren im nächsten Jahr? Man darf gespannt sein.

Setlist LIMP BIZKIT (ohne Gewähr)
Introbra
Hot Dog
Why Try
My Generation
Livin‘ It Up
My Way
Douche Bag
Nookie
Break Stuff
Behind Blue Eyes (THE WHO)
Gold Cobra
Take a Look Around
Faith (GEORGE MICHAEL)
Rollin‘

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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