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REPULSED (ROCK INVASION STREET GIG)

Ort: Köln

Datum: 06.08.2008

Heiß. Heißer. Köln! Als wir um 15:15 Uhr aus dem Zug stiegen, waren es gefühlte 45 Grad. Am Ausgang des wie immer überfüllten Kölner Hauptbahnhofs warteten bereits die drei Jungs von REPULSED. Einige von Euch werden jetzt denken: „Drei?“. Ja, drei. Den Rest der Band (Drummer Ralf und Bassist Sven) hatten REPULSED zuhause zurück gelassen. Matthias (Gesang), Benjy (Gitarre) und Gerrit (Gitarre), empfingen uns herzlich und so machten wir uns auf etwas Essbares aufzutreiben. Nach der Autofahrt aus dem Saarland bis ins schöne Köln hatten die Jungs natürlich Hunger. Nach einiger Zeit hatten wir dann auch etwas Passendes gefunden und ließen uns, von der Hitze niedergestreckt, in den Stühlen nieder. Eine kurze Pause wollte ich den Jungs jetzt gönnen. Dann drängte sich aber doch die Frage nach der Bandgeschichte auf. Ein Lächeln wanderte über die Gesichter der mittlerweile mit Getränken und Mittagsessen versorgten Jungs. Sie schienen sich einig zu sein, dass Matthias der Richtige sei, um diese Frage zu beantworten. „Das ist in der Tat eine lustige Geschichte. Und sie ist, auch wenn es eigenartig klingt, wirklich so passiert. Wir haben quasi den Plattenvertrag in der Tasche gehabt, noch bevor unser Demo richtig fertig war.“

Klingt wirklich etwas seltsam dachte ich. Hören wir mal weiter: „Ich war auf einem STAIND Konzert in Mannheim. Unsere jetzigen Labelmates MAD DOGGIN’ waren der Support. Ich habe ihnen einfach eine Vorabkopie von unserem Demo in die Hand gedrückt. Einige Wochen später rief mich Daniel von TIEFDRUCK MUSIK an. Zugegebenermaßen war ich total überrascht. Daniel teilte mir mit, dass er unsere Musik echt super findet. Ja und so hatten wir unseren Deal.“ erzählt Matthias. Benjy ließ es sich nicht nehmen, mir das Album in die Hand zu drücken. Der Stolz war nicht zu überhören. An dieser Stelle muss ich einwerfen: Die Gestaltung des Booklets ist wirklich beeindruckend. „Das Design hat unser Drummer selbst entworfen. Und das Foto ist ebenfalls in Eigenproduktion entstanden“ verrät Benjy. Ein Blick auf die Uhr versetzt ihn dann in Aufbruchstimmung. Wenn Musiker in Köln gastieren, darf ein Besuch im MUSICSTORE natürlich nicht fehlen. Aber wo ist denn der MUSICSTORE genau? Weder wir, noch die Jungs verfügen über Ortskenntnis, also blieb uns nur das altbewährte Mittel: Fragen! Wie sich herausstellte, war unser Ziel direkt um die Ecke und nach knapp 10 Minuten standen wir auch schon im Aufzug. Im MUSICSTORE angekommen verlor ich Gerrit und Matthias direkt aus den Augen. Nur Benjy konnte mir nicht entfliehen. „Ich war vor einigen Wochen schon mal hier und hab’ Gitarren angespielt. Ich bin Linkshänder, das erschwert die Sache ungemein. Für Rechtshänder gibt es eine viel größere Auswahl“ erzählt Benjy bei der Ladenerkundung. Es stellte sich heraus, dass es in dem überfüllten Laden gar nicht so einfach ist, einen Verkäufer zu finden, der dann auch noch Zeit hat, einem die begehrte Klampfe von der Wand zu angeln. Am Ende blieben Benjy ungefähr 10 Minuten mit seiner „Auserwählten“, denn zu spät kommen wollten wir ja auch nicht.

Der Termin bei ROCK INVASION, im nahe gelegenen Köln-Ehrenfeld, war um 18:30 Uhr. Also schnell alle zusammensuchen und ab ins Auto. Pünktlich, wie es sich gehört, wurden um 18:30 Uhr die Gitarren aus dem Auto geladen und man machte sich auf in den vierten Stock des Gebäudes. Oben empfing die Jungs ein Mitarbeiter, aber Journalist Marcus Schleutermann ließ nicht lange auf sich warten. Nach kurzem Smalltalk ging es dann direkt auch wieder runter. Immerhin waren wir ja wegen eines Streetgigs da und die führt man üblicherweise auf der Straße durch. Die Jungs und sein Kamerateam im Schlepptau, führte uns Marcus auf einen kleinen Parkplatz, auf dem sich eine Art kleine Bühne befand. Was genau der übliche Grund für die Errichtung des Bauwerks gewesen ist, kann ich mir bis heute nicht erklären. Eine Laderampe? Aber das ist auch eher eine Hypothese. Wie dem auch sei, es ist auch egal, denn als Bühne war es nahezu perfekt. Während das Kamerateam die Vorbereitungen traf, stimmten die Jungs die Gitarren und ich nutzte die Zeit für ein paar Schnappschüsse. Man muss ja schon mal das Licht austesten. Einige Zeit später war alles bereit und Gerrit, Benjy und Matthias stimmten ihre Single „One Last Time“, übrigens der 5. Track auf dem aktuellen Album „State Of Inner Truth“, an. Metal unplugged – habe ich zugegeben vorher nie gehört, aber was meine Ohren da erreichte war schlichtweg super!

Ich denke ich kann mit gutem Gewissen unterschreiben, dass REPULSED sich von der breiten Masse abheben. Zurzeit sind sie noch nicht sehr bekannt, aber Matthias’ starke und durchdringende Stimme, begleitet von ausdrucksstarken und melodischen Akustikgitarren hat mich wirklich überzeugt. Einige von Euch werden jetzt sagen „One Last Time“ sei eh eine Ballade, kann ja nicht so schwer sein sie unplugged zu spielen. Nein, ist es sicher nicht. Aber: „Viele Bands vergessen, dass das Einfache meist tiefer geht als hochkomplizierte Akkordfolgen.“ wirft Matthias ein. Und er behält Recht. Wer Metal nicht unbedingt zu seinen favorisierten Musikrichtungen zählt (so wie ich), sollte sich aber dennoch diesen Song zu Gemüte führen. Unplugged ist es natürlich immer ein anderes Erlebnis als auf CD – lohnt sich aber auf jeden Fall. Da ein Song etwas wenig für den weiten Weg gewesen wäre, folgte nach der Aufzeichnung einer weiteren Anmoderation durch Marcus, der zweite Song „Wide Away“, ebenfalls ein Albumtrack. Mir fällt es an dieser Stelle schwer, mit mir ins Reine zu kommen, welcher Song mehr Gefühl vermittelt. Ich mag sie beide gleich denke ich. Oder es liegt an Matthias, der mit dem Mikrofon in der Hand wie ein alter Hase im Musikgeschäft wirkt. Dabei ist er gerade 26 Jahre alt und somit das Nesthäkchen der Band. Wie das bei Aufzeichnungen so ist mussten die Jungs beide Songs noch einige Male mehr spielen. Am Ende soll ja ein perfektes Ergebnis stehen. Da dem Publikum (eigentlich spielten REPULSED nur für uns und das ROCK INVASION TEAM) aber definitiv nach mehr war, spielten Matthias und Benjy noch eine Zugabe. „Bullet In The Head”, im Original von RAGE AGAINST THE MACHINE, als REPULSED-Unplugged-Cover. Das war doch mal ein Höhepunkt! Darauf folgte noch ein kurzes Interview mit durchaus ungewöhnlichen Fragen, die Benjy und Matthias ein Grinsen aufs Gesicht zauberten: „Wollt ihr Gerüchte über euch in die Welt setzen?“ fragt Journalist Marcus. „Nein“ – das war einstimmig aber gefolgt von einem Lachen.

Leider geht (wie ich es irgendwie öfter sage) alles Schöne mal zu Ende. Also auch dieser etwas andere Streetgig. „One Last Time“ summend packte ich also meine Sachen zusammen, während die Jungs noch in ein Gespräch vertieft waren. Eigentlich waren für diesen Tag mehr Promo-Termine geplant. Wie das Leben aber so spielt, wurden sie kurz vorher aus den unterschiedlichsten Gründen abgesagt. Schade. Bis unser letzter Zug fuhr, waren nun noch gute zwei Stunden Zeit. Zwei Stunden ohne Termine und die Jungs quasi für uns allein (nicht wie ihr jetzt denkt). Zurück in der Kölner Innenstadt ließen wir uns von aufkommender Müdigkeit (Matthias wirkte müde und von mir wollen wir an dieser Stelle besser gar nicht erst sprechen) getrieben in einem Eiscafé nieder. Zeit für ein Resümee. „War ein super Tag.“ lächelt Gerrit. “Und was liegt nun in der REPULSED Zukunft als nächstes an?“ will ich wissen. „Wir hoffen, dass wir nun öfter Live spielen können. Eine Tour wäre super. Am meisten Spaß macht doch eh das Live spielen und zu sehen wie die Leute auf deine Musik abgehen. Im Studio waren wir ja nun auch lange genug.“ so Matthias. “Was nicht heißt, dass wir nicht weiter aufnehmen“ lacht Gerrit. Wie ich erfahren durfte, haben REPULSED ihr Album insgesamt drei Mal aufgenommen, was Gerrits Lachen erklärt. Möglichst viele Gigs spielen ist also die nächste Etappe die die Newcomer in Angriff nehmen. Durchaus wünschenswert, denn ich möchte nach diesem eindrucksvollen unplugged Gig auf keinen Fall einen REPULSED Gig verpassen, wenn volle Gitarrenpower und Rhythmus-Combo Matthias’ den Rücken stärken. Wie war das mit dem alles Schöne geht auch mal zu Ende? Genau, und deswegen mussten wir nun auch zum Zug. Begleitet vom Sonnenuntergang, Gerrit und Matthias ging es zurück zum Bahnhof. Mit einer Umarmung und dem Versprechen sich auf jeden Fall wieder zu sehen, trennten sich an dieser Stelle die Wege von REPULSED und dem Terrorverlag. Am Ende steht nun dieser etwas andere „Konzertbericht“ und eine neue Erfahrung. Als Fazit kann ich nur eins sagen: Gerne wieder. Wer möchte, kann sich übrigens die Aufzeichnung von dem Streetgig auf www.rockinvasion.de anschauen.

Copyright Fotos: Ramona Schwarz

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