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REVOLVERHELD – LEO CAN DIVE

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 14.11.2007

Die ersten Schneeflocken des Jahres säumten das ostwestfälische Land, als wir uns abermals in Richtung Ringlokschuppen aufmachten, um einer Horde REVOLVERHELDen unsere Aufwartung zu machen. Das norddeutsche Quintett hat sich ja von einer anfangs eher belächelten Pop Rock Band zur respektablen Live Combo entwickelt, die vielen Gigs der letzten 2 Jahre sei Dank. Über manch Textfragment sollte man zwar eher den Mantel des Schweigens decken, doch für ihre Zielgruppe sind die Jungs bestens aufgestellt. Somit war der mittlere Saal des Bielefelder Vorzeigeladens bereits vorab ausverkauft, was in etwa 800 zahlende Menschen bedeutet. Will sagen 600 zahlende Mädels im Alter von 14 bis sagen wir mal 20 plus Anhang und ein paar Rock Opas wie meiner einer. Die ganz großen Albernheiten Schrägstrich Kreischereien blieben allerdings überraschenderweise aus, das zahlende Volk wächst anscheinend mit. Doch vorab war es noch Zeit für eine sehr interessante Vorband, die genau wie der Headliner im Bandpool der Popakademie Baden-Württemberg eine Ausbildung genossen hat.

LEO CAN DIVE aus der Schimanski-Stadt Duisburg sind fürwahr keine Terror-Unbekannten mehr, haben wir sie doch bereits als Support von THE ALPINE, MADSEN (ebenfalls Ringlok) sowie als Opener des diesjährigen Area 4 Festivals unter die Lupe nehmen können. Mittlerweile ist auch endlich das Debüt am Start, selbstbetitelt und immerhin bei Virgin erschienen. Das deutet das Potential der englisch intonierenden Indie Rocker an, die gegen 20 30 in klassischer Viererbesetzung loslegten. Matthias (Gitarre/ Gesang), Andy (Bass), Guido an den Drums und der namensgebende Leo (ebenfalls an der Langaxt) schwangen keine großen Reden, stattdessen nutzten sie ihre gute halbe Stunde, den erwartungsfrohen Fans einige ihrer kleinen Rockperlen um die Ohren zu hauen. Als da wären die melodiöse Single „Amazing“, das tanzbare „Emogirl“ aber auch das ganz leicht psychedelisch angehauchte „You’re stereo“ zum Ausklang des Sets. Bis dahin hatte man die Mehrheit des Publikums locker in der Tasche und der eine oder andere fragte sich wohl, ob das der Hauptact noch toppen könnte.

Setlist LEO CAN DIVE
No Happy End
Gatecrasher
Amazing
Just a State of Mind
Hear me calling
Emogirl
Bored
Lonely Plan
You’re stereo

Nach einer kurzen Umbaupause (das Drumkit von REVOLVERHELD stand bereits die ganze Zeit im Hintergrund auf einem Podest) war die Zeit für den High Noon mit den 5 wackeren Streitern der „Chaostheorie“ gekommen. Genauso heißt natürlich das 2te Album der Herren, die immerhin bereits 7 Singles in den Charts platzieren konnten. Mit „Patient“, „Nichts bereuen“ und insbesondere der Hymne „Generation Rock“ konnte man die Anhängerschar sofort auf Betriebstemperatur bringen. Wüstes Pogen war am heutigen Abend fehl am Platze, stattdessen wurden unaufhörlich die Arme geschwenkt, der eine oder die andere wird morgen Bekanntschaft mit einem Muskelkater machen. Shouter Johannes mit „lässigem“ Schal versteht es durchaus, den richtigen Ton zu treffen. Sowohl bei den teilweise recht pathetischen Stücken als auch zwischen den Titeln. Die eine oder andere Anekdote über den früheren Tourbus oder verwaiste Song-Kinder, die man wieder aus dem Zwinger geholt habe (siehe „Hologramm“), sorgte für Unterhaltung. Doch auch musikalisch wurde einiges geboten. Während die Rhythmus Sektion unaufhörlich Dampf machte, spielte man sich durch das Gros der beiden vorhandenen Veröffentlichungen plus den Single Bonus Track „Hast du alles hast du nichts“. Im Mittelteil wurde dann Frauenschwarm Jakob (ganz in weiß) nach vorne geholt, der auf einem 2ten, kleineren Schlagzeug Set zusammen mit den sitzenden Saitenkünstlerin ein paar semi-akustische Titel zum besten gab. Zum Abschluss dieses Blocks sorgte „Mit dir chillen“ für engste Pärchenbildung im Auditorium. „Ich werd’ die Welt verändern“, die erste Auskopplung des aktuellen Werks, sah dann auch Herrn Strate an der Gitarre, hier wurde ein ausgedehnter Jam-Teil eingewoben, der auf hohem Niveau für Begeisterung sorgte. Auch ein „Sprung“ aller (willigen) Zuschauer durfte nicht fehlen, mittlerweile ist dieses Show Element schon bei einigen Acts im Repertoire. Vor allem konnte man den REVOLVERHELDen mangelndes Engagement nicht vorwerfen, bereits der Hauptteil währte an die 90 Minuten, mit dem stimmungsvollen „Die Welt steht still“ ging es in die wohlverdiente Pause. Doch natürlich durfte ein Zugabenblock mit dem möglicherweise bekanntesten Lied – „Freunde bleiben“ – nicht fehlen, wobei es an diesem Abend auch nicht zu einem Zerwürfnis zwischen Band und Publikum gekommen sein dürfte.

Spiel- und Showtechnisch auf durchaus hohem Niveau wurde der Beweis angetreten, dass es sich bei REVOLVERHELD eben nicht um eine Eintagsfliege handelt, wenngleich mir persönlich der Opener noch etwas mehr zusagte.

Setlist REVOLVERHELD (ohne Gewähr)
Intro
Patient in meiner Psychiatrie
Nichts bereuen
Generation Rock
Beste Zeit deines Lebens
Hologramm
Gegen die Zeit
Arme hoch
Wir könnten die Größten sein
Längst verloren
Hast du alles hast du nichts
Mit dir chillen
Wenn du sagst
Glücklich sterben
Unzertrennlich
Hallo Welt
Ich werd’ die Welt verändern
Unsterblich
An dich
Welt steht still

Du explodierst
Bis in die Ewigkeit

Freunde bleiben

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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