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ROBYN

Ort: Hamburg - Knust

Datum: 07.09.2008

Robin Maria Carlsson war in Hamburg. Robin Maria Carlsson kennt man wahrscheinlich eher unter dem Namen ROBYN. ROBYN hat schon vor über 10 Jahren Top-Ten Hits abgeliefert. ROBYN ist zum Electro-Pop konvertiert. ROBYN hat ihr eigenes Label gegründet. ROBYN hat mit „With every Heartbeat“ im letzten Jahr ihre erste Nummer Eins in den UK gehabt. ROBYN ist im Moment als Support von MADONNA unterwegs. ROBYN hat das Haus gerockt!

Welch ein Glück für das Hamburger Publikum, dass eben diese (mittlerweile fürchterliche) MADONNA einen Bogen um die Color Line Arena gemacht hat, denn so hatte ROBYNS Booking-Agentur die Möglichkeit, einen kleinen Club-Gig im Hamburger Knust anzuberaumen. Und diese kleine Audienz des „schwedischen Elektro-Schlumpfes“ (Manchester Evening News) geriet zu einem wahren Triumph, denn die 29-Jährige hatte das Publikum von Anfang an fest in ihren Händen! Nach kurzem Intro, zu dem nach und nach Ihre Mitstreiter die Bühne betraten (ohne KLEERUP, der ja bekanntlich „With every Heartbeat“ produziert hat und wie ihr zweiter Produzent Klas Åhlund aus dem TEDDYBEARS STHLM Umfeld stammt), dafür aber mit zwei hundscoolen Drummern und einem famosen Keyboard-Artist!) schlüpfte die schwedische KYLIE/ GWEN STEFANI-Killerin die kleine Backstage-Bühne herauf…

Und mit dem famosen TEDDYBEARS Cover „Cobrastyle“ fegte das kleine Energiebündel (in grünen Nylons, MADONNA-Gedenk-Corsage und waffenscheinpflichtigen Fußbesatz) denn sogleich über die Bühne und machte von Beginn an klar, dass an diesem Abend ein Hit dem Anderen folgen sollte. Sofort erstaunlich: Die einnehmende Bühnenpräsenz und die sehr präsente (manchmal sogar soulige) Stimme! ROBYN hat keinerlei Probleme, sich gegen die pulsierenden Drumbeats der beiden Schlagzeuger (deren Kits im „Konichiwa Bitches“ Kuschel-Design verpackt wurden!) zu erwehren und singt abwechselnd mit entwaffnender Herzenswärme und selbstreferentiellem Schalk im Nacken. Da sollte doch König Boris der FETTEN BROTE, der ebenfalls im Publikum zu finden war, einen Wunschpartner für eine kommende Kollaboration gefunden haben! Das Publikum (Teenies, Popper, Spanner, Indies, Normalos) war sehr schnell überzeugt ob der Fähigkeiten der Künstlerin und begann schon recht früh, die einzelnen Titel minutenlang frenetisch zu beklatschen und zu bejohlen. Wenn man mal eben „Push it“ von SALT N`PEPA, „Buffalo Stance“ von NENEH CHERRY und „Sexual Eruption“ von SNOOP DOG (ich glaube auch noch „I wanna sex you up“ herausgehört zu haben) durch den Wolf dreht und dabei frohlockend über die Bühne tänzelt, ist es auch kein Wunder, dass im Publikum recht schnell ausgelassene Stimmung herrschte. Aber noch bewundernswerter: Bei dem ruhigen Titel „Eclipse“ schafft sie es, das Knust mucksmäuschenstill werden zu lassen. An dieser Aufgabe sind in Hamburg schon andere Künstler verzweifelt… Ansonsten stimmt die Frau mit der 80-New-Wave-Punk-Frisur alle Hits des gleichnamigen Albums (das passend zur MADONNA-Tour noch einmal in gepimpter Fassung auf den Markt gekommen ist) an… und mit freundlicher Unterstützung von Kollege Apple werden diese in fast originaler Version dargeboten (natürlich um einiges Groove betonter). Highlight für das Publikum: „Konichiwa Bitches“, dessen Gaga-Lyrics textsicher mitgerapt werden… Und ja, in Germany singt sie die zensierte Song-Zeile „You’re a selfish narcissistic psycho freaking bootlicking Nazi pimp“ aus „Handle me“ aus vollem Herzen. Keine falsche Scham also, sehr gut!

Mit dem genialen Über-Track „With every Heartbeat“ ist das erste Mal Schluss, aber es dauerte nicht lange, bis die Retro-Sektion mit „Keep this fire burning“ eröffnet wurde. Der Song aus dem Jahre 2002 wurde von BEVERLEY KNIGHT sehr erfolgreich gecovert (ROBYNs Version wurde außerhalb Skandinaviens nicht einmal veröffentlicht), was von ROBYN für leichte Seitenhiebe auf die Musikindustrie genutzt wurde („zumindest hat BEVERLEY KNIGHT die bessere Stimme“ ließ sie das Publikum wissen…). Es folgte ihr größter Pre-Heartbeats-Hit, die Neunziger Hit-Single „Show me love“, mittlerweile aber als Stripped-Down-Version dargeboten und nur mit leichtem Elektro-Beat unterlegt (von Schlagzeuger Nummer 1 auf FLIPPERS-Gedenk-E-Drums gespielt). Schönes Ding und einwandfreie Vergangenheitsbewältigung. Dann wurde zum Finale „Jack U Off“ von PRINCE durch den Piano-Punk-Wolf gedreht. Nach dieser doch sehr ungewöhnlichen Nummer verabschiedete sich eine sichtlich strahlende ROBYN, kam aber noch einmal auf die Bühne zurück, um das Publikum anschließend nahezu zu paralysieren. „Be Mine“ wurde noch einmal in einer reduzierten Piano-Version vorgetragen, in einer Intensität und skandinavischen Intimität, wie man es sonst nur von STINA NORDENSTAM kennt. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, dermaßen berührt war das Publikum…

Dann war nach 75 Minuten Schluss und die Zuschauer wurden in den noch recht jungen Abend entlassen. ROBYN hat gezeigt, dass tanzbarer Pop durchaus subversiv, witzig und einnehmend sein kann. Da das Ganze von ROBYN dann auch noch mit einer ausreichen Indie-Kredibilität und liebenswerten Verdrehtheit versehen wird, ist für einen memorablen Konzertabend gesorgt, der Kopf und Beine gleichermaßen anspricht. Bitte in Zukunft mehr davon!

Setlist
Cobrastyle
Crash & Burn Girl
Who’s that girl?
Medley
Konichiwa Bitches
Handle Me
Eclipse
Bum like you
Be Mine
Dream On
With every heartbeat

Keep this fire burning
Show me love
Jack U Off

Be Mine (Piano Version)

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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