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ROCK AM HÄRTSFELDSEE 2008

Ort: Dischingen

Datum: 26.06.2008 - 27.06.2008

Freitag

Der Wetterbericht versprach knapp 30 Grad Celsius und ein wunderschönes, sonniges Wochenende. Und genauso wurde es auch. Eine festzeltähnliche Atmosphäre inmitten der schwäbischen Prärie lud zum diesjährigen Rock am Härtsfeldsee in Dischingen ein. Vom 27.-28. Juni wurde die traditionell gesinnte Gemeinde in ein wahres Rocklager umfunktioniert.

Eröffnet wurde am Freitag von LIVID HALCYON. Mir eine völlig unbekannte Formation aus Freiburg versuchte in ihrer knapp 20 minütigen Performance das Publikum auf den kommenden Abend einzustimmen. Allerdings mit einer sehr spärlichen Anzahl von Zuschauern. Im Laufe beider Abende kam mir manchmal der Gedanke, dass sich mehr Menschen Backstage als vor der Bühne befinden müssten. Kurz darauf folgten die Auftritte von DRONE und DEADLOCK. DRONE aus dem hohen Norden (Celle, möglicherweise für einen Süddeutschen schon der „hohe Norden“, Anm. der Red.) überzeugten mit Titeln wie „One in a Million“ oder „In the End“, mittlerweile sind sie ja auch schon absolute Live Profis. Dabei glichen sie einem Heuschreckenschwarm, da sie mehr mit Hüpfen und Herumspringen beschäftigt waren als mit der eigentlichen Musik. DEADLOCK lieferten danach eine grandiose Show ab und überzeugten nicht nur mit ihrem Gesang. Die zwei Fronter Sabine Weniger und Johannes Prem hatten sichtlich Spaß und genossen ihren knapp 25-minütigen Auftritt in vollen Zügen. Nachdem die Anzahl der Zuschauer sich in der kurzen Umbauphase rasant erhöht hatte, konnte man davon aus gehen, dass MEGAHERZ in den Startlöchern stand standen. Mich erinnerte sowohl Band als auch Musik in den ersten Minuten sogleich an die LETZTE INSTANZ – nur für ein älteres Auditorium. Die gebürtigen Münchner inklusive neuem Sänger Alexander „Lex“ Wohnhaas überzeugten mit Songs wie „Miststück“ oder „Mann von Welt“ das Publikum und brachten Stimmung in das tropisch heiße Zelt. Am 25.7 wird dann das neue Werk „Heuchler“ in den Läden stehen. Bon 21:30 bis 22:30 war Stagetime für BRAINSTORM. Die Herren aus Gerstetten rocken mit „Fire walk with me“, „Stained with skin“ oder „Inside the Monster“ gewaltig das Publikum. Das Zelt kochte. Ob groß und klein, jung und alt, jeder lauschte den Klängen der 5 Vollblut Metallern. Und dann war es soweit: Der Headliner des Tages betrat unter tosendem Applaus die Bühne. WITHIN TEMPTATION, die niederländische Formation um Sängerin Sharon den Adel brachte dann endgültig die Temperatur zum Siedepunkt und keiner konnte mehr ruhig auf seinem Platz stehen. Leider wandte sich das Licht sogleich gegen null, was natürlich wahnsinnig „gute“ Vorrausetzungen für Photographen bot. Aber abgesehen vom schlechten Licht präsentierten sich die 6 Holländer in gewohnter, sehr guter Weise. Der erste Tag war für mich im Großen und Ganzen ganz passabel, aber es war keine wirkliche Überraschung dabei. Gespannt war ich daher auf den Samstag, für den noch einiges zu erwarten war.

Samstag

Samstag, 30°C, und tausende Fans tummelten sich bereits vor Einlass in das eher spärliche Gelände vor den Pforten zum Endspurt. Gegen 17.55 Uhr war es dann soweit. Die erste Band hatte ihren Auftritt. HACKNEYED präsentierten einen sehr basslastigen Metal und zeigten sich trotz ihres jungen Alters als rockbeständig. Jeder fängt halt mal klein an. Aber darauf folgte ein wahrer Hammer. KISSIN’ DYNAMITE, eine 5 köpfige Formation aus Baden Württemberg, die es schon mit gerade einmal 17 Jahre versteht, ehrlichen und grandiosen Rock zu spielen. Schon ab den ersten Klängen von „My Religion“ sah man reihenweise offene Münder sowie begeisterte und überraschte Gesichter. Niemand hätte diesen „Überfliegerjungs“ ein derartiges Können zugetraut und dazu sind sie noch super sympathisch und auf dem Boden geblieben. Eine tadellose Bühnenperformance, wie es selbst die vergleichbare Schweizer Band GOTTHARD nicht besser machen könnte. Trotz seines zarten Alters hat Fronter Andi eine Stimme und Ausstrahlung, als wäre er schon Jahrzehnte im Rockbusiness aktiv. Seine Leidenschaft lebt und genießt er in vollen Zügen. Für mich DIE Überraschung des kompletten Festivals und auch eine der besten Bands. Nach diesem Hammerschlag ging weiter mit SUIDAKRA. Gerade eine US Tour hinter sich und nun im besinnlichen Dischingen unterwegs. Die Düsseldorfer hatten es schwer, nach so einer Vorlage das Publikum in ihren Bann zu ziehen, was ihnen allerdings durchaus gelang. Nach einer halben Stunde war der Spuck vorbei und die nächste Band stand schon voller Elan bereit.

LACRIMAS PROFUNDERE mit neuer Besetzung (am Mikro Roberto Vitacca) und überzeugendem Sound. Peter Kafka alias Peter Pathos am Bass, Ex-Gitarrist der FIDDLERS, fühlte sich sichtlich wohl und genoss die neue, folkLOSE Umgebung in vollen Zügen. Spätestens beim wohl bekanntesten Lied „Amber Girl“ konnte auch der allerletzte Tanzverweigerer nicht mehr ruhig stehen. Das Publikum tobte und fühlte sich für 45 Minuten in eine andere Welt versetzt. Dennoch schien es, als hätte der Lichtmann den Stromanschluss nicht gefunden und wenn dann nur für vereinzelte Backlight Strahler. Danach sollte laut Line Up eigentlich ELUVEITIE folgen, welche ihren Gig allerdings aufgrund einer Erkältung des Drummers am Morgen absagen mussten.

Leider wurden bei APOCALYPTICA die Fotoberechtigungen eingeschränkt. Die restlichen Photographen durften sich durch die Massen für drei Lieder nach vorne kämpfen. Die finnische Band, auf die natürlich nicht nur die zahlreichen Photographen, sondern auch tausende von Fans gewartet hatten, betrat gegen 21:15 unter tosendem Applaus die Bühne. Die Cello Virtuosen aus Helsinki boten wie immer eine grandiose Show mit perfekter Symbiose aus Klassik und Metal. Nach zahlreichen Zugaben war gegen 23 Uhr Zapfenstreich. Für mich der beste Act beider Tage, was neben der Musik auch optische Gründe hat… Nach langer Umbauphase war nun die letzte Band des kompletten Festivals an der Reihe. Allerdings war schon ein großer Teil nach dem finnischen Megakonzert gegangen, so dass das Publikum bei der Karlsruher Mittelaltergruppe SALTATIO MORTIS überschaubar war. Der Einstieg „Ich bring euch Feuer“ ließ viele zu Beginn noch kalt und der Frontmann „Alea der Bescheidene“ hatte große Mühe, die skandinavische Hypnose zu vertreiben. „Und die Hände“ war wohl der häufigste Spruch, den er von sich gab. Mit neuen Mitgliedern für die Rock-Mittelalter Band änderte sich auch der Klang. Rockiger, lauter und fetziger aber auch einfach nicht mehr das, was sie vor ein paar Jahren repräsentierten, ließen sie den Abend in gemütlicher Atmosphäre ausklingen. Nach drei Liedern im Fotograben verabschiedete auch ich mich und begab mich mit einer Menge an Bildern, vielen schönen Erinnerungen und verdientem Schlaf auf den Heimweg.

Copyright Fotos: Thomas Nattermann (APOCALYPTICA)/ Verena Pichler (Rest)

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